Arzt an Bord

Zu Risiken und Nebenwirkungen…..

Arzneimittel der Woche XVIII: Methotrexat

Ein Kommentar

Methotrexat (MTX)
Bendatrexat, Lantarel, Metex, ….

Anwendungsgebiet

MTX wird hochdosiert als Chemotherapeutikum bei einer Vielzahl von Tumoren (Brustkrebs, akute lymphatische Leukämie, Osteosarkom, Non-Hodgkin-Lymphom, …) in Kombination mit anderen Chemotherapeutika verabreicht. In viel niedrigeren Dosen wird es bei Autoimmunerkrankungen wie z.B. der rheumatoiden Arthritis, Psoriasis (Schuppenflechte), Lupus erythematodes (Schmetterlingsflechte), chronische entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa und Entzündungen der Gefäße (Vaskulitiden) – zumeist als Medikament der zweiten Stufe bei frustranem Therapieversuch mit z.B. Cortison – eingesetzt.
Außerdem kann MTX in sehr geringen Dosierungen zur Beendigung einer Bauchhöhlen- oder Eileiterschwangerschaft (extrauterine Schwangerschaft) eingesetzt werden, da es die Teilung der Eizelle verhindert.

Wirkung & Mechanismus

Methotrexat ähnelt von seinem Aufbau her der Folsäure (Vitamin B6), die der menschliche Körper in diversen Stoffwechselprozessen benötigt. MTX hemmt reversibel und in Konkurrenz zur vorhandenen Folsäure (kompetitiv) das Enzym Dihydrofolat-Reduktase. Im normalen Stoffwechsel wird dieses Enzyms u.a. für die Nukleotid-Biosynthese benötigt, also die Produktion von DNA-Bestandteilen (z.B. beim Kopieren der DNA vor einer Zellteilung). Durch die Hemmung der Produktion von DNA-Bausteinen wird die Zellteilung gehemmt und z.B. in Tumoren das Größenwachstum und die Ausbreitung verhindert. Bei Autoimmunprozessen versucht man auf diesem Wege die überschießende Immunantwort durch Produktion unzähliger Immunzellen zu vermindern.

Bei der hochdosierten Anwendung von MTX muss eine Gabe von Folinsäure (ein Gegenmittel zu MTX, Leuvovorin) erfolgen, da sonst sehr schwere Komplikationen durch die alleinige Gabe von MTX drohen. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist ebenfalls sehr wichtig zur Gewährleistung einer regelrechten Ausscheidung von Methotrexat.

Nebenwirkungen

Die Nebenwirkungen von Methotrexat leiten sich v.a. durch seine Wirkung auf sich schnell teilende Zellen des Körpers, deren Zellteilung gehemmt werden, ab. Bei hohen Dosierungen fallen diese Nebenwirkungen viel stärker aus als bei Anwendung in niedrigen Dosen (wie sie z.B. bei Autoimmunerkrankungen Anwendung finden).

Es kann durch Hemmung der Zellteilung der Zellen des Immunsystems zu Infektanfälligkeit kommen. Außerdem kommt es sehr oft zu Magen-Darm-Problemen (Durchfall, Blutungen) und zu Haarausfall. In der Lunge kann das Medikament eine Lungenfibrose verursachen, die Leber kann geschädigt werden (bis hin zur Zirrhose, die aber meist nur bei hochdosierter Langzeittherapie beobachtet wurde) und im blutbildenden System kann es zu einer Anämie (aufgrund der zellteilungshemmenden Wirkung) sowie niedrigen Immunzellen kommen. Deswegen wird die Therapie erst nach Kontrolle des Blutsystems begonnen und soll erst bei Erreichen einer bestimmten Menge an roten Blutkörperchen und Immunzellen gestartet werden, um den Patienten nicht zu gefährden und den Abfall unter der Therapie für den Körper abfangbar zu machen. Störungen und Schädigungen des Nervensystems sind möglich (Kribbelgefühl in den Extremitäten, Krämpfe nach Gabe direkt in den Kopf, Kopfschmerzen,…) , bei Männern eine reversible Störung der Produktion von Samenzellen, die nach Absetzen des Medikamentes oft wieder normal verläuft.

Gegenanzeigen

Während einer Schwangerschaft muss die Behandlung mit MTX abgesetzt werden, da sonst Schäden im Erbgut auftreten können. Störungen bei der Bildung von Spermien und Eizellen sind möglich (siehe Nebenwirkungen), daher muss während der Behandlung und nach Abschluss der Behandlung mit MTX für die folgenden Monate die Empfängnisverhütung gewährleistet sein. Auch in der Stillzeit ist das Medikament kontraindiziert.
Bei stark eingeschränkter Leber- und Nierenfunktion ist die Ausscheidung des Medikamentes nicht mehr sicher gewährleistet, es kann zu einer Überdosis kommen. Bei Überempfindlichkeit oder Allergie auf das Medikament darf es natürlich auch nicht eingenommen werden.

Zu Risiken und Nebenwirkungen essen Sie die Packungsbeilage, oder tragen Sie Ihren Arzt zum Apotheker. Diese Information ersetzt keinen Arztbesuch und erhebt keinen Anspruch auf  Richtigkeit oder/und Vollständigkeit.

Auf Wunsch von Katja.

Orthopaedix

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Autor: Orthopaedix

bones and pain

Ein Kommentar zu “Arzneimittel der Woche XVIII: Methotrexat

  1. Hey, danke! Die Sache mit der Folsäure hatte ich gar nicht auf dem Schirm und werde mich da mal weiter schlau machen.
    lg
    Katja

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