Arzt an Bord

Zu Risiken und Nebenwirkungen…..

Little Miss Perfect – Teil 2

11 Kommentare

Wie Little Miss Perfect nicht nur mich sondern auch die Pflege langsam in den Wahnsinn getrieben hat, gibt es hier nachzulesen.

Einen hat sie allerdings nicht in den Wahnsinn getrieben und das war der Assistenzarzt auf ihrer Station. Schon auf den ersten Blick war klar, dass der Große auf sie stand. Blond und gutaussehend, wer kanns ihm verübeln. Aber ich hätte nicht gedacht, dass das lange gut geht. Der Große ist ein wirklich netter Kerl, witzig, nett und meistens gut drauf. Aber er ist auch einfach unglaublich faul! Nun ja, Gegensätze ziehen sich ja bekanntlich an.

Wir haben alle mit Interesse und einem kleinen bisschen Sensationsgier verfolgt, wie sie um einander herumgetanzt sind. Oder soll ich besser sagen, wie er um sie herumgetanzt ist? Miss Perfect ist natürlich auch in Liebesdingen perfekt und hat einen gar schnukeligen und ach so attraktiven Freund. Und ist ja sooooo glücklich, wie sie mir gerne unter die Nase reibt.

Das ist natürlich kein Grund, sich nicht in den Aufmerksamkeiten zu sonnen. Und wen interessiert es, dass der Große fast 15 Jahre und gut 2 Köpfe älter ist als sie. Wir haben uns das Maul zerrissen, ich gebs ja offen zu. Aber es passiert auch so wenig in Unserer Kleinen Klinik und jeder kennst sich. Und jeder weiß etwas Neues zu berichten. Sei es die Nachtschwester, die die beiden im Dienst im Arztzimmer hektisch auseinander fahren lässt, als sie unangemeldet herienplatzt. Sei es die Pflege ihrer Station, die berichtet, dass er ihr zum Geburtstag eine romantische Kutschfahrt für zwei schenkt („Da kannst du dir ja dann überlegen, wen du mitnimmst.“ „Oh, da nehm ich natürlich dich mit, ist doch klar.“). Sei es die Tatsache, dass sie freiwillig jeden Dienst mit ihm macht, auch die an den Wochenenden. Oder die, dass sie die Famulantin ziemlich unfreundlich aus dem OP mobbt, als diese bei einer OP mit dem Großen assistieren will. Das ist Miss Perfects Job. In all den Wochen habe ich genau eine OP mit dem Großen gemacht.

Und es ist ja auch nicht so, dass die beiden sich irgendwie bemühen unauffällig zu sein. Ausgiebig werden im Beisein des gesamten Teams Verabredungen zum Badminton und Ski fahren getroffen. Und dann natürlich das ganze Badminton-Spiel nochmal haarklein durchanalysiert. Als sie anfangen darüber zu streiten, ob ihre Küche jetzt zu klein oder genau richtig sei, verlasse ich den Raum. Ganz ehrlich, soll ich jetzt etwa nachfragen, woher er ihre Küche kennt? Nein, danke, ich will es nicht wissen!

Und dann komme ich auf die verrückte Idee zu IHREM Großen auf ihre Station zu wollen. Unglaublich! Sie boykottiert es 3 Wochen lang, indem sie Ausreden erfindet („Ach, heute ist doch bei euch so viel zu tun, da ist es blöd zu Wechseln“, „Jetzt hatte doch der Graf Nachtdienst, dann bist du ja die Einzige, die die Patienten bei euch kennt.“) oder die Absprache einfach gekonnt ignoriert.

Bis es mir schließlich reicht und eines Morgens ungefragt auf ihrer Station bei der Visite mitlaufe. Die fällt nur kurz aus, weil der Große in den OP muss. Also verschieben wir die Sono auf danach. Und weil ich ja eigentlich doch nett bin, überlasse ich ihr großzügig die Assistenz an seiner Seite.

2 Stunden später steht sie plötzlich in der Tür zum Stützpunkt und fragt mich nach dem Telefon. Sie würde gerne den großen anrufen. „Wozu denn? Ihr wart doch grade zusammen im OP.“ „Ja, ich wollte nur fragen, ob er bei Herrn Müller nochmal schnell auf die Sonobilder schauen will.“

Herr Müller? Ich checke meine Stationsliste. Tatsächlich, das ist der Patient, bei dem vom Morgen noch die Sono fehlt. MEIN Patient um genau zu sein, denn es ist diese Woche MEINE Station und damit auch MEINE Gelegenheit zu sonographieren. Erst bin ich sprachlos vor Wut, aber dann platzt es doch heraus. „Hast du jetzt die Sono von MEINER Station gemacht?!“ „Jaaa, der Große meinte, das müsse man noch machen. Aber du kannst das jetzt natürlich gerne übernehmen, wenn du willst.“ Jetzt wo sie fertig ist? Jetzt, wo es nur noch abgesegnet werden muss?

Und dann hat sich das eh erledigt, weil der Große ganz unangerufen den Gang entlang kommt und sie ihn direkt anspringt. „Duu, der Herr Müller liegt schon im Sonozimmer. Ich hab schonmal geschaut. Willst du nochmal draufgucken?“ Grrrr, ich bin so kurz davor ihr eine zu kleben. Unter größter Willensanstrengung drehe ich mich um und verlasse fluchtartig die Station. Statt Ohrfeigen gibts erstmal ein bisschen frische Luft.

Als ich eine halbe Stunde später wieder in den Stationsstützpunkt komme, ist sie zum Glück weg. Der Pfleger grinst mich breit an und meint zwinkernd: „Weißt du, wenn ihr euch geprügelt hättet, wir wären auf deiner Seite gewesen.“ Von da an ist der „PJ-Krieg“ offizielles Thema. Nur Little Miss Perfect scheint davon nichts mit zu bekommen. Sie besitzt doch tatsächlich die Frechheit sich beim Mittagessen neben mich zu setzen und Small Talk zu machen.

So endet mein Versuch die Station zu wechseln bereits nach einem Tag mit der Erkenntnis, dass es den Stress einfach nicht wert ist. Und mit der Erkenntnis, dass es sich vielleicht lohnt die beiden mal ein bisschen im Auge zu behalten. Die Gerüchteküche will ja gefüttert werden.

Und es lohnt sich tatsächlich.

Wollt ihr wissen wieso? Dann gibts vielleicht noch einen dritten Teil.

– Spekulantin

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Autor: Spekulantin

Die kochen alle nur mit Wasser

11 Kommentare zu “Little Miss Perfect – Teil 2

  1. Klar, wollen wir das wissen!!!!!
    Gerüchteküche, auch unbekannte, ist immer toll – frech grins…

  2. Natürlich wollen wir wissen wie es weitergeht! Klatsch und Tratsch aus dem Krankenhausalltag 😉

  3. Natürlich wollen wir wissen, wie es weitergeht 😀 Du hast zu viel bei der Heldin im Chaos geschmökert, die kiebt solche Cliffhanger auch… aber habt ihr mal an meine Fingernägel gedacht? Für die sind die gaaaaaaaaaaaaaaaaanz ungünstig 😉

  4. liebt nicht kiebt, sorry 🙂

  5. hoffentlich kommt bald eine noch blondere und noch schoenere pjlerin, damit der grosse abgelenkt ist und miss perfect im regen steht 😀

  6. Was ein Glück, dass gerade Ostern war und hier genug Schoki rumsteht, da schmeiß ich doch gleich nochmal was in die Runde.

  7. ich freu mich jetzt schon auf die fortsetzung 🙂

  8. Klar wollen wir das wissen! Bin schon gespannt auf den nächsten Teil! 🙂

  9. Ich glaub die kenn ich.
    Bin auf Deiner Seite. Ungesehen. 😉

    • Pardon, ich hatte mich in der Eile nicht vorgestellt. Daniel heiße ich und habe mich sehr interessiert durch ein paar Artikel in Eurem Blog geklickt. Ihr habt eine sympathisch frische Art zu schreiben. Danke!

  10. Ich liebe die Geschichte mit der Kutschfahrt (und hoffe doch irgendwie, dass das nicht dein Ernst ist!) 😀

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