Arzt an Bord

Zu Risiken und Nebenwirkungen…..


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Wirbelsäule

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Wie mein Benutzername und Profil hier offensichtlich verraten, bin ich von der Orthopädie angetan. Und finde, dass das meine Fachrichtung werden wird, die Kollegen dort am besten zu mir passen (disqualifiziert mich das jetzt menschlich und sozial?) und die Arbeits- und Denkweise mir persönlich dort am besten entspricht. Und natürlich die OPs genau das sind, was ich mir für lange Zeit vorstellen kann. Kein Wunder, dass ich mein Wahlfach im PJ in der Orthopädie verbringe. Wie ich bereits hier geschrieben habe, bin ich dazu auch in die Schweiz „geflohen“, wo ich nun im Spital in verschiedene Teams rotiere und damit einige Abwechslung an Krankheitsbildern der verschiedenen Gelenke miterlebe.

Drei Wochen habe ich bisher im Wirbelsäulenteam mitgearbeitet. Das bedeutete 5 volle Tage an Sprechstunde mit ca 50 Patienten am Tag, die zwei Assistenzärzte und ich samt Oberassistent und Oberarzt bearbeiten mussten. Nach diesen drei Wochen habe ich folgenden Eindruck gewonnen: das Gebiet der Wirbelsäule ist wohl das frustrierendste in der gesamten Unfallchirurgie/Orthopädie. Rückenleiden ist DIE Volkskrankheit, weil wir immer länger sitzen (wozu unsere Rücken nicht gemacht sind), weil wir immer älter werden (wobei sich unsere Rücken abnutzen) und weil die Muskulatur- und Knochenqualität abnimmt (wenig Bewegung, wenig Sport, Osteoporose…). Kein Wunder also, dass die Sprechstunde immer sehr gut besucht ist und wir Ausweichtermine für zusätzliche Patienten anbieten müssen. Aber warum nun frustrierend?

Ich möchte versuchen das an einer Patientin erläutern, wie sie in etwa viele Male in der Sprechstunde sitzt. Nennen wir sie Frau Müller.

Frau Müller ist knapp 60 Jahre alt, hat ihr Leben lang gearbeitet (Hausarbeit zählt auch!) und nun seit einiger Zeit Rückenschmerzen, meist im Bereich der Lendenwirbelsäule. Vielleicht auch mit ausstrahlenden Schmerzen in eines der Beine und/oder Kribbelgefühl am Oberschenkel. Vom Hausarzt wurde sie bereits mit Schmerzmitteln versorgt, vielleicht schon ein paar Mal geröngt und wenn er ein großes Budget hatte, dann überwies er Frau Müller ins MRI. Aber unser Hausarzt möchte zunächst eine Mitbeurteilung durch die Spezialisten für die Wirbelsäule und überweist Frau Müller am Ende seiner Latein nun in die Wirbelsäulensprechstunde. Wir fertigen Röntgenaufnahmen an und unterhalten uns mit der Patienten. Im Anschluss wird sie untersucht: Gangbild, Zehen-/Hakenstand, Einbeinstand, Druck- und Klopfschmerz (wenn man ganz munter ist kann man auch Maße und Beweglichkeit vermessen (Stichwort für die Interessierten Schober und Ott)), Beweglichkeit incl. Schmerzen, Finger-Boden-Abstand. Dann Kraft, Durchblutung und Sensibilität in den Beinen und schließlich schauen wir aufs Röntgenbild.

Sollte bisher kein gravierender Befund ans Tageslicht treten, handelt es sich mit 80% Wahrscheinlichkeit um eine Kombination aus Degeneration der Wirbelkörperzwischengelenke, der Bandscheiben, vielleicht eines leichten Bandscheibenvorfalls oder einer angeborenen Einengung des Kanals, in dem das Rückenmark verläuft (Spinalkanal). Eines dieser Diagnose (oder eine Kombination davon) hat im Alter beinahe jeder Mensch, aber bei manchen macht der Rücken irgendwann Probleme während er bei anderen ruhig bleibt.

Also besprechen wir mit Frau Müller das weitere Vorgehen. Niemand möchte sofort operieren. Wir empfehlen zunächst die konservative Therapie mittels Physiotherapie und Schmerzmitteln. Danach Wiedervorstellung zur Kontrolle in der Sprechstunde.

Sollte die Physiotherapie ein wenig geholfen haben, stellt sich Frau Müller nach 6-8 Wochen erneut vor, bekommt nochmal Physiotherapie und ist zufrieden. Leider ist das die Ausnahme, die Beschwerden sind immer noch vorhanden, denn in 8 Wochen trainiert man sich keinen Muskelpanzer an, der die Wirbelsäule ausreichend stabilisiert. Schon gar nicht im fortgeschrittenen Alter, mit Degeneration und eventuell Begleitentzündung in der Region. Nun empfehlen wir die Anfertigung einer MRT-Aufnahme der Wirbelsäule, um Einengung, Bandscheiben und Nerven besser beurteilen zu können.

Nach der Anfertigung des MRTs kommt Frau Müller wieder zu uns. Wenn es gut läuft, ist das nicht allzu lange nach dem letzten Termin. Aber immerhin sind mind. 3 Monate vorbei. Zeit genug für den Schmerz sich zu chronifizieren und damit der eigentlichen anatomisch-physiologischn Ursache zu entfremden, weil im Gehirn und Schmerzzentrum neue Nevenbahnen und -verbindungen entstehen, die den Schmerz unabhängig von Pathologien „spüren“ lassen. Zusätzlich schont sich Frau Müller zunehmend, weil jede Bewegung weh tut und belastet dadurch das Hüftgelenk oder Knie auf der „gesunden“ Seite plötzlich mehr, bis das auch weh macht. Oder schont sich soweit, dass von einem Muskelaufbau zur Stabilisierung des Rückens nicht gesprochen werden kann.

Nach dem MRT erscheint Frau Müller zur Besprechung der Aufnahmen in der Sprechstunde.  Weiterlesen

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Arzneimittel der Woche XVII: Alendronsäure

Bisphosphonate
Alendronsäure,  Fosamax, Tevanate, Fosavance ….

Anwendungsgebiet

Alendronsäure, oder als Salz Alendronat genannt, wird bei der postmenopausalen Osteoporose (Knochenschwund) zur Prophylaxe von Knochenbrüchen (v.a. an der Wirbelsäule und Hüfte) eingesetzt. Außerdem wird es bei der durch Cortison induzierten Osteoporose verwendet. Zugelassen sind sie auch bei Knochenerkrankungen (Osteodystrophia deformans) und Tumor-assoziierten Hyperkalziämien (zu viel Calcium im Blut) sowie bei der Behandlung von Knochenmetastasen. In einer Studie im Jahre 2009 konnte durch die Zugabe von Bisphosphonaten zur Chemotherapie eine Überlebensverbesserung bei hormonsensiblem Brustkrebs erzielt werden.

Wirkung & Mechanismus

Alendronsäure hemmt hauptsächlich Zellen, die normalerweise für den Abbau des Knochens zuständig sind. Im Knochen finden sich sog. Osteoblasten und Osteoklasten (Osteo = Knochen). Osteoblasten bauen neuen Knochen auf, Osteoklasten „knabbern“ alte Knochenstrukturen ab – somit wird jeder Knochen im Körper im Laufe des Lebens mehrfach komplett ab- und völlig unbemerkt wieder aufgebaut. Wenn vor allem die Osteoklasten von Bisphosphonaten gehemmt werden, wird vermehrt Knochen auf- und weniger gleichzeitig abgebaut und die Knochenstruktur verdichtet sich.

Der Wirkstoff wird nach der oralen Aufnahme über eine Tablette nur in geringem Maße in den Körper aufgenommen (bis max. 1 %). Von diesen 1 % werden wiederum nur gut 50% in den Knochen eingebaut, die andere Hälfte wird fast unverändert über die Niere ausgeschieden. Die in den Knochen eingebauten Bisphosphonate haben eine Halbwertszeit von ca 10 Jahren, bis sie ausgeschieden werden.

Nebenwirkungen

Bei oraler Gabe kann es zu Magen-Darm-Beschwerden kommen, die Übelkeit, Bauchschmerzen, Erbrechen und Durchfall umfassen. Das Medikament sollte im Sitzen (und nicht Liegen) genommen werden, da dadurch ein Rückfluss in die Speiseröhre (sog. gastroösophagealer Reflux) verhindert wird und Reizungen der Speiseröhre unterbleiben. Es sollte nicht vorm Schlafengehen oder vorm Hinlegen (mind 30min Abstand zwischen Einnahme und Hinlegen!) eingenommen werden. Als Nebenwirkungen im oberen Verdauungstrakt gelten u.a. Entzündungen, Durchbrüche (Perforation) und Einziehungen (Strikturen). Der Arzt sollte deswegen auf Anzeichen von Schluckbeschwerden, -schmerzen, Schmerzen hinter dem Brustbein, Sodbrennen etc achten.

Alendronsäure kann zu Entzündungen im gesamten Magen-Darm-Trakt führen, z.B. zu Magenschleimhautentzündung, Zwölffingerdarmentzündung, Geschwüren….Außerdem kann es zu Entzündung, Übelkeit, Durchfall führen.

Vor Beginn mit der Therapie sollte die Konzentration von Calcium im Blut bestimmt und ggf. korrigiert werden, während der Therapie ist auf eine angemessene Calciumzufuhr zu achten, da Calcium im Knochenstoffwechsel eine große Rolle spielt und durch das Medikament beeinflusst wird. Andere Störungen des Mineralstoffwechsels (z.B. ein Mangel an Vitamin D) sollten ebenfalls behandelt werden.

Am Muskel und Knochen können Bisphosphonate Schmerzen auslösen. Am Knochen ist eine sog.  bisphosphonatassoziierten Knochennekrose beschrieben worden, die rund 10 Jahre nach Einnahme des Wirkstofffs auftritt. Es kommt trotz Einnahme des Wirkstoffs zum Untergang von Knochen. Insbesondere der Kieferknochen wurde in Studien als häufiger Ort von Knochennekrosen beschrieben.

Bisphosphonate können außerdem zu Kofschmerz, Halluzinationen, Juckreiz und Sensibilität auf Licht (Photosensibilität) führen.

Gegenanzeigen

Bei Niereninsuffizienz ist Alendronat kontraindiziert, es kann zu einer massiven Speicherung von Alendronsäure kommen, da die Ausscheidung über die Nieren nicht mehr gewährleistet ist. Außerdem ist es bei akuten Infektionen im Bereich des Verdauungstraktes sowie bei vorbestehenden Problemen in diesem Bereich kontraindiziert.

Der gleichzeitige Genuss von Milchprodukten kann die Wirkung von Bisphosphonaten durch Komplexbildung mit Calcium verringern. Bei Schwangerschaft und in der Stillzeit ist die Einnahme streng kontraindiziert.

Zu Risiken und Nebenwirkungen essen Sie die Packungsbeilage, oder tragen Sie Ihren Arzt zum Apotheker. Diese Information ersetzt keinen Arztbesuch und erhebt keinen Anspruch auf  Richtigkeit oder/und Vollständigkeit.


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Krankheit der Woche XIV: Influenza (Grippe)

Krankheit der WocheInfluenza
„echte“ Grippe

Was ist das?

Die Influenza ist eine durch Influenzaviren hervorgerufene Krankheit, die jährlich bis zu 20% der Weltbevölkerung betrifft. Die „echte“ Grippe muss vom grippalen Infekt, der fälschlicherweise oft als Grippe bezeichnet wird, abgegrenzt werden.

Wie entsteht es?

Influenza wird durch Viren hervorgerufen. Deren Übertragung erfolgt über Tröpfcheninfektion beim Niesen, Husten, Sprechen und Atmen von infizierten Personen. Entweder treffen die ausgeschiedenen Viren sofort auf eine neue Zielperson, die sie infizieren können oder es bilden sich kleine Aerosol-Tröpfchen, in denen die sehr kleine Viren in der Luft schweben und stundenlang infektiös bleiben. Trockene Raumluft, die vor allem in geheizten Räumen im Winter entsteht, begünstigt diese Bildung von infektiösen Aerosol-Partikeln. Weitere Übertragungswege sind Kontaktinfektionen oder Schmierinfektionen z.B. durch Kontakt mit Nasensekret oder Berührung von Gegenständen, die ein Infizierter zuvor berührt hat. Influenzaviren sind sehr unempfindlich gegenüber Austrocknung und bleiben bei niedrigen Temperaturen länger infektiös.

Was merkt man?

Die Grippe hat eine Inkubationszeit – also eine Zeit zwischen Infektionn und Auftreten der Symptome – von wenigen Stunden bis Tagen, in dieser Zeit können die Viren jedoch bereits schon auf andere Personen übertragen werden. Häufig wird eine beginnende Grippe mit akuten Atemwegserkrankungen verwechselt. Die Symptome treten bei der Grippe jedoch charakteristischerweise plötzlich auf und halten 7 – 14 Tage an.

Die wichtigsten Symptome sind ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl, hohes Fieber bis 40°C, dazu Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen, Augentränen, trockener Husten, Appetitlosigkeit, eventuell Übelkeit und Durchfall.

Als Komplikationen können bakterielle Infektionen auf Basis der vitalen Infektion auftreten, da der Körper bereits mit dem Bekämpfen der Viren beschäftigt ist und Bakterien deswegen leichter in den Körper eintreten können. Als Komplikationen kommen Hirnhautentzündungen und Entzündungen der Muskeln vor. Ebenso kommt es zur sog. Superinfektion der Atemwege durch Bakterien auf der bereits bestehenden Infektion mit Influenzaviren. Bei vorerkrankten, immungeschwächten oder umgeimpften Jugendlichen und jungen Erwachsenen kann es zu einer grippebedingten Lungenentzündung kommen, die lebensbedrohlich sein kann.

Wie stelle ich es fest?

Neben den klassischen Symptomen kann der Arzt einen Nasen- oder Rachenabstrich nehmen. Ebenfalls möglich ist die Gewinnung von Untersuchungsflüssigkeit aus den Lungen (bronchoalveoläre Lavage), des Rachens oder der Nase. Mit diesen Materialien kann ein direkter Erregernachweis in der Elektronenmikroskopie oder Zellkultur versucht werden. Auch Antikörper des Immunsystems gegen Influenzaviran können im Blut festgestellt werden. Die wichtigste Methode ist der Nachweis des Influenza-Genoms mittels Genanalyse (PCR).
Es existiert ein Influenza-Schnelltest, der in 15min ein Ergebnis liefert und farblich bei Vorhandensein von vitalen Proteinen eine Infektion anzeigt.

Was kann man tun?

Symptomatische Therapien mit körperlicher Schonung, ausreichender Flüssigkeitszufuhr, befeuchteter Luft, milde Inhalationen kann den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen. Auch die Gabe von fiebersenkenden Mitteln ist möglich, bei Kindern muss jedoch darauf geachtet werden, dass die Gabe von ASS erst ab 12 Jahren erlaubt ist (Gefahr des sog. Reye-Syndroms).

Eine medikamentöse Therapie muss möglichst schnell nach Infektion begonnen werden, um eine ausreichende Wirkung zu erhalten. Hier gibt es diverse Ansätze, die die Vermehrung des Virus (z.B. Amantadin, Oseltamivir, Zanamivir) verhindern sollen. Diese Medikamente sind alle verschreibungspflichtig und sollten nur von einem Arzt angesetzt und nicht in Selbstmedikation ausprobiert werden.

Vorbeugend kann jedes Jahr eine Grippeimpfung erfolgen. Da sich Influenzaviren rasch genetisch verändert, wird von der WHO jedes Jahr ein Cocktail der erwarteten Virenstämme zusammengestellt, der die saisonale Grippeschutzimfpung darstellt und gehen die erwarteten Virenstämme während der Wintermonate schützen soll. Die Impfung ist vor allem für gefährdete Menschen sowie solche, die viel in Kontakt mit Menschen sind (z.B. im Krankenhaus, in Kindergärten, Schulen…), empfohlen. Während der Grippewelle wird die besondere Beachtung der Hygiene empfohlen: Händewaschen und -desinfizieren, Vermeidung von Kontakt zu Infizierten sowie ggf. tragen eines Mundschutzes gegen eine mögliche Tröpfcheninfektion.

Diese Information ersetzt keinen Arztbesuch und erhebt keinen Anspruch auf  Richtigkeit oder/und Vollständigkeit.

Sorry für die Verspätung des Artikels, es gab ein paar zeitliche Probleme, aber dafür ist der Artikel bei der aktuell bestehenden Grippewelle in Deutschland höchst aktuell 😉 Wir hoffen den nächsten Artikel zur Krankheit der Woche wie gewohnt zu liefern.

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