Arzt an Bord

Zu Risiken und Nebenwirkungen…..


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Mein Weg.

„Would you tell me, please, which way I ought to go from here?“
„That depends a good deal on where you want to get to,“ said the Cat.
„I don’t know where–“ said Alice.
„Then it doesn’t matter which way you go,“ said the Cat.
„–so long as I get somewhere,“ Alice added as an explanation.
„Oh, you’re sure to do that,“ said the Cat, „if you only walk long enough.“

Über die Schwierigkeiten, vor denen man bei der Wahl des Traumjobs steht, habe ich ja bereits berichtet. Letzte Woche bin ich mal wieder über das Zitat aus Alice im Wunderland gestolpert und irgendwie fand ich es zur Zeit recht passend. Natürlich war ich nicht ganz so ziellos wie Alice – aber auch die Wahl zwischen zwei möglichen Wegen ist nicht unbedingt einfacher. Letzten Endes fiel mir die Entscheidung plötzlich doch ganz leicht und ich wollte daher heute nur kurz erzählen, dass ich die Stelle angenommen habe. Ob es die richtige Entscheidung war, wird sich mit der Zeit zeigen. Falsch war sie mit Sicherheit nicht! Und so erwartet mich ab Anfang nächsten Jahres ein spannendes Untergebiet der Inneren Medizin mit klassischer, medikamentöser Medizin, interventionellen Therapien (bei denen ich auch meine chirurgische Seite ausleben kann), Uniklinik-Flair, hochspezialisierter Medizin auf neustem Stand, Studentenlehre und natürlich wissenschaftlicher, experimenteller Forschung.  Was will man eigentlich mehr? Ich freue mich! Drückt mir die Daumen, dass es eine wunderbare, spannende, lehreiche Zeit wird!

Ann Arbor


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Fremde Feder: PJ-Alltag in Deutschland – Uniklinik – Innere

(c) wirtschaftsblatt.at

@deMed86 hat uns einen Gastbeitrag zum PJ in der Inneren Medizin einer Uniklinik eingereicht, den wir hier natürlich sehr gerne veröffentlichen wollen. Viel Spaß beim Lesen seiner Erfahrungen!

Lasst mich ein paar Worte zu Beginn verlieren. Uniklinik, das ist kein kleines Haus mit guter Betreuung. Auch heißt das nicht bis zu 700€ im Monat. Sondern eher 100€. Das bedeutet aber gerade in meiner Situation auch nur 3 Minuten zu Fuß entfernt und naja, ich will eh nicht in die Innere Medizin.

Wo befinde ich mich? Es ist eine geteilte Station 11 Zimmer, 22 Betten, davon einige Isozimmer. Manchmal holen wir uns ein Zusatzzimmer von unseren Nachbarn, manchmal sie von uns. Aber alles in allem sind wir meist ausgebucht, wer kennt es nicht.

7:30 Uhr
Der Tag beginnt bei mir wie überall. Ankommen, umziehen, feststellen das wir wieder keine Kleidung mehr in meiner Größe (2) da ist und ich viel zu großes Zeug tragen muss. Danach dann in den Arbeitsraum neben dem Schwesternzimmer und eine Ladung Entnahmezeug abholen. Montags mehr, bis zum Ende der Woche dann weniger. Zu Beginn meiner Zeit auf Station hatten wir 2 PJler, 2 Famulanten und 2 Erasmusstudent. Nun bin ich allein. Kann man machen. Interessanterweise erhöhte sich die Hilfe der Ärzte aber genau in der Weise, in der die Mitstreiter die Station verließen. Findet man auch nicht immer

8:00 Uhr (oder eher später…)
Beginn die Infusionsständer zu sortieren. Ich kenne Häuser, da hängen Schwester alles an. Ich kenne Häuser, da legen sie auch Zugänge. Hier nicht. „Herr XY braucht einen neuen Zugang, der alte lag daneben“ – und ich eile. Das heißt, dass ich aber erstmal alle Ständer den Zimmer zuordnen muss, danach alle anschließen. Hm, dafür muss man nicht unbedingt im PJ sein.

Ca 8:30 Uhr (oder etwas früher)
Visite Beginnt. Meist mit 2-3 Assistenten, 1-2 Fachärzten und Dienstag mit dem Chef. Oder einem Oberarzt. Aber vor allem mit Patientenvorstellung. Kann man am Anfang nervös sein, vor allem bei unserem Chef. Hat man aber erst mal bemerkt, dass er nie pünktlich ist, wenn er überhaupt kommt, dann nimmt man sich schön jemand aus den ersten zwei Zimmer (sind ja bis zu 6 Personen) und ist lange vor dem möglichen Erscheinen des Chefs fertig.

Nun zum Punkt: Dauer einer Visite. Laut Dienstanweisung muss sie um 10 Uhr fertig sein. 22 Patienten, Beginn kurz nach 8 Uhr. Kann man machen. Real ist aber eher gegen 11 Uhr. Bis vor kurzem. Denn da war kurz Weltuntergang, der Chef kam vorbei und erklärte, dass es schneller gehen müsse und das man doch bitte um 10 Uhr fertig sein solle. Tags darauf gab es die Weisung vom Stationsarzt an mich „Stoppen Sie mit, nach 5 Minuten fragen sie mich ‚Gibt es noch weitere Fakten?’ und nach 6 Minuten sind wir beim nächsten Patienten“ Nun ja, Qualität war an diesen Tagen etwas anderes.

Irgendwann zwischen 10 und 11 Uhr
Visite fertig und Blick in „Das Buch“. Gibt es EKGs zu schreiben? Gibt es Aufnahmen? Dann schafft man doch noch was vor dem Frühstück! Sonst lecken nun die Assistenten ihre Wunden und/oder Arbeiten an den ersten Briefen des Tages.

Gegen 12 Uhr
Die erste Aufnahme des Tages ist rum. Das bedeutet am Montag, der Patient kann „frisch“ sein, oder schon seit Freitag nach 16 Uhr auf Station liegen. Da ist eine Aufnahmeuntersuchung besonders lustig. „Wo tat es ihnen denn am Freitag genau weh? Wie waren die Schmerzen?“ Danach wieder eine Aufgabe für jemanden der gerade Zeit hat: Anzahl der Anwesenden * 2 Semmeln vom Bäckerstand holen. Aufenthaltsraum decken und alle rufen. Und nun: Lästern, reden, Spaß haben. Es wundert mich immer wieder, wie man einen Tag mit zwei belegten Semmeln und einem Kaffee überleben kann.

Thema Weiterbildungen
Hier ein kurzer Break in der Zeitleiste:
* Montags um 14 Uhr ist PJ-Seminar. Hier dürfen sich die PJler der Inneren irgendjemand einladen der irgendeinen Vortrag hält. Einladungen gibt es immer, Haltequote 50%. Aber dann mit viel Liebe.
* Mittwoch 8 Uhr (meist 8:20 Uhr nach dem Blut) Fortbildung für alle(!) im Hörsaal. Erst Vortrag, dann Fall. Danach dann Besuch aller Studenten auf einer Station mit Lehrvisite. Meist sehr cool gemacht.
* Donnerstag 12 Uhr Röntgenfortbildung für alle Studenten. Boah, was man machen kann, wenn man als Chefarzt sein Fach liebt, gerne lehrt und im Vergleich zur Vorlesung nur Leute hat die freiwillig kommen. So was bräuchte man viel mehr.

Gegen 13 Uhr
Frühstück ist vorbei. Die restlichen Aufnahmen stehen an. 50 Minuten in guten Fällen, meist länger. Danach noch Labor rausschreiben und einem Assistenten vorstellen. Joah, langsam hab ich den Dreh raus. Es sind ja doch immer nur dieselben Krankheiten. Das besondere ist meist die Geschichte des Patienten. Die Krankheitsbilder sind eben „Innere Medizin“.

16:15 Uhr
Hier wäre Schluss. Bis jetzt einmal um 15:45 Uhr rausgeworfen worden. Meist etwas später. Bitter ist, wenn an einem heißen Tag (die Uni hat die Notaufnahme und nicht das zweite Haus vor Ort) gegen 16:10 Uhr noch jemand kommt und aufgenommen werden will. Kam aber bis jetzt erst zwei Mal vor.

Nun ja, alles in allem recht normal. Bis jetzt hab ich nichts gemacht, was ich nicht schon in der Famulatur gemacht hätte. Aber nun ja. Ich will auch nicht in der Inneren landen und die Lehre gut und das Team spitze. Wird in nächsten Tertial sicher anders.

Persönliche Meinungen, Ansichten, Formulierungen und Äußerungen müssen nicht mit denen des Teams von ArztanBord übereinstimmen oder diese widerspiegeln; Verantwortlich für einen Gastbeitrag ist alleinig der jeweilige Verfasser, der keine finanzielle Gegenleistung erhält.


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Die Qual der Wahl des Traumjobs.

Nach einer Phase in der ich Falknerin mein Berufswunsch Nummer 1 war, wurde mir eigentlich schon früh klar, dass ich Medizin studieren wollte. Hierfür gab es weder ein Schlüsselerlebnis noch elterliche Berufsvorbilder…vielleicht hatte ich in einer prägenden Phase einfach etwas viel Scrubs geschaut. Das Endziel des Studiums stand also fest: Arzt werden. Heute, wenn man dieses Ziel fast erreicht hat, müssen allerdings noch weitere Entscheidungen getroffen werden, die man 6 Jahre lang gemütlich vor sich her schieben konnte – „Es ist ja noch soo viel Zeit, bis es bei mir soweit ist“.

Da stellt sich zunächst die Grundsatz-Frage: kleines Haus oder Uniklinik? Das kleine städtische oder gar kirchliche Krankenhaus mit der Grundversorgung der Patienten, in dem sich jeder kennt – eine große Familie und nicht einer von 50 Assistenzärzten der Abteilung. Oder doch lieber die Uniklinik mit hochspezialisierter Medizin auf neustem wissenschaftlichen Stand – Engagement in Lehre und Forschung (möglichst in der „Freizeit“) sind eine Selbstverständlichkeit. Für mich persönlich hat sich spätestens während meiner Doktorarbeit herauskristallisiert, dass es mich an die Uniklinik zieht. Lehre macht mir Spaß und Forschung begeistert und fasziniert mich immer wieder aufs Neue.

Doch dann stellt sich unweigerlich die nächste und alles entscheidende Frage: „Welche Fachrichtung darf’s denn sein?“ Was einfach klingt ist so unglaublich schwer. Die meisten von uns wussten zu Beginn des Studiums ganz genau, welche Fachrichtung sie später einmal einschlagen wollten. Doch die wenigstens haben diesen Zukunftsplan über die 6 Jahre Studium unverändert beibehalten.

Ich persönlich wollte Gynäkologin werden. Doch obwohl ich dieser Fachrichtung im Rahmen von Blockkurs, Pflegepraktikum und Famulatur immer wieder neue Chancen einräumte, kristallisierte sich schnell heraus, dass schwangere Frauen und ich einfach nicht kompatibel sind. Im Rahmen der nächsten Famulaturen durchwanderte ich daher eine bunte Mischung an Fachrichtungen – von der Mikrobiologie über die Radiologie bis hin zur plastischen Chirurgie war fast alles dabei. Das Problem war nur: irgendwie hat mir (fast) alles immer Spaß gemacht. So hat doch jede Fachrichtung (vielleicht mit Ausnahme der Anästhesie) ihre ganz eigene Faszination: Die Gynäkologie mit ihrer Kombination aus internistischer und chirurgischer Tumorbehandlung; die Innere Medizin mit dem Dr.House/Rätselraten-Effekt; die Chirurgie mit ihrem „Heilen mit den eigenen Händen“; die Dermatologie mit dem blumigen Beschreiben der Hautveränderungen, die normale Menschen nicht voneinander unterscheiden können (um dann letzten Endes doch immer eine Kortisonsalbe zu empfehlen); die Rheumatologie mit ihren klar definierten Diagnosekriterien; die Radiologie mit ihrem Bildersuchspiel; die plastische Chirurgie mit ihrem Anspruch an Ästhetik…diese Liste könnte man vermutlich sehr lange fortführen.

Geprägt wird man zudem durch gute Lehrveranstaltungen, unfreundliche Oberärzte, begeisterte Assistenzärzte, Freunde, Familie und nicht zuletzt die Doktorarbeit, deren Themengebiet man am Ende vermutlich hasst oder liebt. Zu Beginn des PJs konnte ich mich immerhin auf 2-3 potentielle Fachrichtungen festlegen. Jetzt, zu Beginn des dritten Tertials, sieht es leider auch nicht anders aus. Noch bis Mai wollte ich mir Zeit geben, bevor ich ernsthaft mit der Zukunftsplanung und den ersten Bewerbungen beginnen wollte. Doch die Dinge kommen ja letztendlich immer anders.

Nach 5 Monaten im Ausland hatte ich ein Treffen mit meinem Doktorvater vereinbart: Hallo sagen, den neusten Labortratsch austauschen und den gerade geschriebenen Artikel diskutieren – das war mein Plan. Doch das Gespräch dreht sich sehr schnell, als die Frage aufgeworfen wird „Ann Arbor, wie sieht eigentlich deine Zukunftsplanung aus?“ Und ehe ich mich versehe erhalte ich ein Jobangebot, das fast zu gut ist um es auszuschlagen. Ein paar Wochen Bedenkzeit werden mir zwar eingeräumt, doch jetzt ist es soweit – ich stehe vor einer der wichtigsten Entscheidungen meines Lebens und frage mich, woher ich weiß, was das Richtige ist. Fast stündlich ändere ich meine Meinung. Woher soll man wissen was man will und was einen glücklich machen wird – nicht nur heute oder morgen, sondern auch in 10, 20, 30 Jahren – für den Rest des Lebens?

Ann Arbor