Arzt an Bord

Zu Risiken und Nebenwirkungen…..

Halbzeit

10 Kommentare

Es ist Halbzeit!
Zugegeben, eigentlich ist die Halbzeit schon ein paar Tage alt (und damit vorbei).

Bergfest im Lernmarathon!
Rund 8 Wochen liegen hinter uns, noch 8 Wochen liegen noch vor uns.

Dann ist alles vorbei.
Zumindest alles Schriftliche. Aber über das Mündliche machen wir uns aktuell keine Gedanken, dazu haben wir keine Kapazitäten.

via imgbox.de

Überhaupt: Kapazität zu haben ist DAS Wort der Lerntage. Diesem Rhythmus von morgentlichem Aufstehen, Seiten in den Büchern lesen und möglichst viel davon im Hirn behalten, später am Tag das irgendwo in den hintersten Hirnwindungen Abgelegte beim Kreuzen von Altfragen wieder abrufen versuchen. Schlafen. Aufstehen und von vorne beginnen. Täglich grüßt das Murmeltier.
Man hat „keine Kapazitäten“ sich mit sonstigen Dingen herumzuärgern – sei es nur, dass ein neues Smartphone bestellt werden muss, die Familie daheim von ihrem Leben erzählen und einen daran teilhaben lassen will, dass man sich mit Behörden rumärgert, das Auto spinnt und zur Werkstatt muss, das Fahrad nach neuer Kettenschmiere schreit… irgendwie wird alles zu viel. „Ach lasst mich damit bitte grad in Ruhe, ich hab da keinen Nerv für“. Oft genug gedacht, ein paar Mal schon gesagt. Voller Tunnelblick auf das Lernen.

Gegen das Durchdrehen in diesem Hamsterrad und zur Aufrechterhaltung der Motivation wenigstens auf niedrigem Level, empfiehlt es sich Ausgleiche zu schaffen. Einer spielt abends wieder alte PC-Spiele, ein anderer geht mit Freunden regelmäßig in den Biergarten und gönnt sich dort eine Auszeit, wieder andere finden im Sport den Ausgleich, den sie vom langen Sitzen über den Büchern brauchen. Ich glaube ohne Ausgleich oder einen freien Tag in der Woche, den einige einlegen, würde man diese 100 Tage nicht durchstehen. Irgendwann wäre man so durch den Wind, dass nichts mehr ins Hirn reinginge und man keinerlei Motivation mehr zusammenkratzen könnte.

Inzwischen merke ich, wie sich mein Tag in die Nacht verschiebt – ein Phänomen, das ich immer in den Lernzeiten erlebt habe. Am Anfang stand der Wecker noch hochmotiviert auf kurz nach 8 Uhr – ich wollte früh anfangen und dafür abends rechtzeitig aufhören können. Nach und nach verschiebt sich die Weckzeit auf immer später, inzwischen schalte ich den Wecker aus und drehe mich um – völlig ungewöhnlich für mich.
Dafür habe ich zwei Dinge gemerkt: morgens kann ich nicht lernen, mein Hirn sich vehement weigert die Arbeit konzentriert aufzunehmen. Andererseits kann ich abends besonders erfolgreich kreuzen, gerne auch mit laufender Musik oder TV nebenbei. Da macht es mir wenig aus, wenn ich bis 0 Uhr nachts noch am PC sitze und Altfragen beantworte. Und so verschiebt sich meine Wachzeit immer mehr nach hinten und raus aus dem unproduktiven Morgen. Doof nur, dass das Examen am Morgen stattfinden wird 😉

Was sich in den letzten Tagen zunehmend eingeschlichen hat ist der Frust.
Begannen wir vor 8 Wochen noch relativ motiviert mit der Lernerei, die teilweise sogar richtig Spaß machte (vielleicht, weil man vieles endlich mal im großen Kontext kapierte und den Überblick bekam), ist inzwischen vieles einfach nur noch nervig. Das liegt u.a. am ewig selben Tagesablauf, tagein, tagaus. Darüber hinaus entsteht inzwischen das Gefühl, dass Vieles vom Anfang inzwischen aus dem Hirn gefallen ist (das liegt schon so lange zurück, dass ich dieses kleine Detail gelesen habe), zum anderen das Gefühl zu haben, je mehr man neues Wissen anhäuft, entsprechend mehr Altes zu vergessen.
Dann kreuzt man die bereits abgehandelten Themen nach einigen Tagen/Wochen nochmals und erhält nicht wirklich zufrieden stellende Ergebnisse (das wusste ich doch alles mal viel besser!). Oder ärgert sich – je mehr man weiß – über Art der gestellten Fragen und die Falltüren, auf die man Acht geben muss. Oder die gefragt werden. Von wegen „Überblick über das Stoffgebiet“!
Schließlich bleibt da noch das Phänomen, dass je mehr man weiß und darüber nachdenkt, umso eher das Kreuz nachher falsch gesetzt wird.  Besonders enttäuschend ist, dass man tagsüber die vorgegebenen Seiten im Buch gelesen hat und sie abends beim Kreuzen dann nicht mehr abrufen kann. Das Gefühl den Tag sinnlos verbracht zu haben hat sich schon einige Male eingeschlichen.

So machen wir also weiter, 8 Wochen noch.
Dann ists geschafft.
Zumindest schriftlich.
Und dann sprechen wir uns wieder, was wir in der Rückschau vielleicht anders machen würden.

Orthopaedix

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Autor: Orthopaedix

bones and pain

10 Kommentare zu “Halbzeit

  1. Dann wünsche ich dir weiterhin alles Gute und nicht so viel Frust bei der Lernerei, Zum Glück ist die Zeit ja endlich. Ich hoffe, dass du dir letzt endlich mehr gemerkt hast, als derzeit gedacht.

  2. Augen zu und durch: Das Ziel ist doch schon in Sichtweite! Ich drück Euch vor allem die Daumen, dass ihr das richtige Wissen anhäuft. Denn ALLES können die ja nicht im Examen prüfen… 😉

  3. Hört sich ja nach Stress an. Habt ihr einen Lernplan oder wisst ihr welche Themen ihr genau lernen müsst (oder alle Themen aus dem Studium?)

    • Prinzipiell alle Themen aus dem Studium, v.a. die klinischen Fächer. Es gibt u.a. von medilearn diesen 100-Tage-Lernplan, an dem sich viele orientieren, dazu kann man noch eigene Lernpläne entwerfen und dann sollte man am Ende einfach „alles“ wissen 😉

  4. Großartig. Ich kann mich noch sehr, sehr genau an das Gefühl erinnern.
    Versuch den Fokus darauf zu behalten, dass das irgendwann vorbei ist. Wenn Du irgendwann im Krankenhaus vor Deinen eigenen Patienten stehst und keine Prüfungen mehr zu bestehen hast (die Facharztprüfung ist geschenkt!), das macht echt high!
    Es ging mir übrigens genauso. Wecker auf 7, Wecker auf 8, irgendwann gar kein Wecker mehr.
    Aufstehen, Bibliothek Lernsaal, Mensa, Bib, nach Hause, kreuzen, schlafen. Und trotzdem waren wir am See und haben uns sehr viel Ausgleich gegönnt bei Konzerten etc. Ihr macht das schon!
    Aufdieschulterklopfende Grüße,

    der Narkosearzt

    • Danke dir für deinen motivierenden Kommentar 🙂 (Facharztprüfung geschenkt? Aber auch nicht überall und da ich eventuell in der Schweiz meinen FA machen werde, ist sie dort deutlich aufwändiger 😉 Aber so weit sind wir zum Glück noch nicht (oder leider?) 😉 )

      Ja der liebe Wecker… eigentlich können wir ihn auch gleich auslassen, denn danach richten tun wir uns schon lange nicht mehr. Dafür wirds abends regelmäßig später als man sich vornimmt. Deine Ausgleiche hören sich gut an, See haben wir auch schon, Sport sowieso, hier und da mal Eis essen oder Biergarten… man MUSS einfach Ausgleich schaffen, sonst kippt das Hirn ganz weg 😉

      liebe Grüße

  5. tschakka! denk an die vielen tollen knochen die auf dich warten. *mit hüftgelenk wedel* 😉

  6. oh ja, auch mir kommen ferne erinnerungen hoch.
    ich hatte zum glück einen guten lernpartner und wir haben es uns gut gehen lassen.
    4 stunden echtes (!) , konzentriertes (!) lernen am tag war unser ziel.
    dann 100 fragen kreuzen, nicht mehr.
    und dann freizeit ohne schlechtes gewissen geniessen.
    das hat prima geklappt und ich möchte behaupten, es war trotz aller lernerei auch eine gute zeit.
    war aber auch eine andere zeit und eine andere prüfungsordnung. mein drittes staatsexamen war 1995 (wo ist die zeit hin?).
    ich wünsche viele erfolg bei den bevorstehenden prüfungen!

  7. This actually answered my drawback, thank you! egebecedeegb

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