Arzt an Bord

Zu Risiken und Nebenwirkungen…..


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Mein Weg.

„Would you tell me, please, which way I ought to go from here?“
„That depends a good deal on where you want to get to,“ said the Cat.
„I don’t know where–“ said Alice.
„Then it doesn’t matter which way you go,“ said the Cat.
„–so long as I get somewhere,“ Alice added as an explanation.
„Oh, you’re sure to do that,“ said the Cat, „if you only walk long enough.“

Über die Schwierigkeiten, vor denen man bei der Wahl des Traumjobs steht, habe ich ja bereits berichtet. Letzte Woche bin ich mal wieder über das Zitat aus Alice im Wunderland gestolpert und irgendwie fand ich es zur Zeit recht passend. Natürlich war ich nicht ganz so ziellos wie Alice – aber auch die Wahl zwischen zwei möglichen Wegen ist nicht unbedingt einfacher. Letzten Endes fiel mir die Entscheidung plötzlich doch ganz leicht und ich wollte daher heute nur kurz erzählen, dass ich die Stelle angenommen habe. Ob es die richtige Entscheidung war, wird sich mit der Zeit zeigen. Falsch war sie mit Sicherheit nicht! Und so erwartet mich ab Anfang nächsten Jahres ein spannendes Untergebiet der Inneren Medizin mit klassischer, medikamentöser Medizin, interventionellen Therapien (bei denen ich auch meine chirurgische Seite ausleben kann), Uniklinik-Flair, hochspezialisierter Medizin auf neustem Stand, Studentenlehre und natürlich wissenschaftlicher, experimenteller Forschung.  Was will man eigentlich mehr? Ich freue mich! Drückt mir die Daumen, dass es eine wunderbare, spannende, lehreiche Zeit wird!

Ann Arbor


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Die Qual der Wahl des Traumjobs.

Nach einer Phase in der ich Falknerin mein Berufswunsch Nummer 1 war, wurde mir eigentlich schon früh klar, dass ich Medizin studieren wollte. Hierfür gab es weder ein Schlüsselerlebnis noch elterliche Berufsvorbilder…vielleicht hatte ich in einer prägenden Phase einfach etwas viel Scrubs geschaut. Das Endziel des Studiums stand also fest: Arzt werden. Heute, wenn man dieses Ziel fast erreicht hat, müssen allerdings noch weitere Entscheidungen getroffen werden, die man 6 Jahre lang gemütlich vor sich her schieben konnte – „Es ist ja noch soo viel Zeit, bis es bei mir soweit ist“.

Da stellt sich zunächst die Grundsatz-Frage: kleines Haus oder Uniklinik? Das kleine städtische oder gar kirchliche Krankenhaus mit der Grundversorgung der Patienten, in dem sich jeder kennt – eine große Familie und nicht einer von 50 Assistenzärzten der Abteilung. Oder doch lieber die Uniklinik mit hochspezialisierter Medizin auf neustem wissenschaftlichen Stand – Engagement in Lehre und Forschung (möglichst in der „Freizeit“) sind eine Selbstverständlichkeit. Für mich persönlich hat sich spätestens während meiner Doktorarbeit herauskristallisiert, dass es mich an die Uniklinik zieht. Lehre macht mir Spaß und Forschung begeistert und fasziniert mich immer wieder aufs Neue.

Doch dann stellt sich unweigerlich die nächste und alles entscheidende Frage: „Welche Fachrichtung darf’s denn sein?“ Was einfach klingt ist so unglaublich schwer. Die meisten von uns wussten zu Beginn des Studiums ganz genau, welche Fachrichtung sie später einmal einschlagen wollten. Doch die wenigstens haben diesen Zukunftsplan über die 6 Jahre Studium unverändert beibehalten.

Ich persönlich wollte Gynäkologin werden. Doch obwohl ich dieser Fachrichtung im Rahmen von Blockkurs, Pflegepraktikum und Famulatur immer wieder neue Chancen einräumte, kristallisierte sich schnell heraus, dass schwangere Frauen und ich einfach nicht kompatibel sind. Im Rahmen der nächsten Famulaturen durchwanderte ich daher eine bunte Mischung an Fachrichtungen – von der Mikrobiologie über die Radiologie bis hin zur plastischen Chirurgie war fast alles dabei. Das Problem war nur: irgendwie hat mir (fast) alles immer Spaß gemacht. So hat doch jede Fachrichtung (vielleicht mit Ausnahme der Anästhesie) ihre ganz eigene Faszination: Die Gynäkologie mit ihrer Kombination aus internistischer und chirurgischer Tumorbehandlung; die Innere Medizin mit dem Dr.House/Rätselraten-Effekt; die Chirurgie mit ihrem „Heilen mit den eigenen Händen“; die Dermatologie mit dem blumigen Beschreiben der Hautveränderungen, die normale Menschen nicht voneinander unterscheiden können (um dann letzten Endes doch immer eine Kortisonsalbe zu empfehlen); die Rheumatologie mit ihren klar definierten Diagnosekriterien; die Radiologie mit ihrem Bildersuchspiel; die plastische Chirurgie mit ihrem Anspruch an Ästhetik…diese Liste könnte man vermutlich sehr lange fortführen.

Geprägt wird man zudem durch gute Lehrveranstaltungen, unfreundliche Oberärzte, begeisterte Assistenzärzte, Freunde, Familie und nicht zuletzt die Doktorarbeit, deren Themengebiet man am Ende vermutlich hasst oder liebt. Zu Beginn des PJs konnte ich mich immerhin auf 2-3 potentielle Fachrichtungen festlegen. Jetzt, zu Beginn des dritten Tertials, sieht es leider auch nicht anders aus. Noch bis Mai wollte ich mir Zeit geben, bevor ich ernsthaft mit der Zukunftsplanung und den ersten Bewerbungen beginnen wollte. Doch die Dinge kommen ja letztendlich immer anders.

Nach 5 Monaten im Ausland hatte ich ein Treffen mit meinem Doktorvater vereinbart: Hallo sagen, den neusten Labortratsch austauschen und den gerade geschriebenen Artikel diskutieren – das war mein Plan. Doch das Gespräch dreht sich sehr schnell, als die Frage aufgeworfen wird „Ann Arbor, wie sieht eigentlich deine Zukunftsplanung aus?“ Und ehe ich mich versehe erhalte ich ein Jobangebot, das fast zu gut ist um es auszuschlagen. Ein paar Wochen Bedenkzeit werden mir zwar eingeräumt, doch jetzt ist es soweit – ich stehe vor einer der wichtigsten Entscheidungen meines Lebens und frage mich, woher ich weiß, was das Richtige ist. Fast stündlich ändere ich meine Meinung. Woher soll man wissen was man will und was einen glücklich machen wird – nicht nur heute oder morgen, sondern auch in 10, 20, 30 Jahren – für den Rest des Lebens?

Ann Arbor


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RFID im OP – Ansätze für die Zukunft

(c) golem.de

Nachdem wir euch in zwei Artikeln zu beinahe vergessenen Kompressen im OP einen Einblick gewährt haben (Kompresse?, Fehlende  Kompresse – Teil 2) wie schnell bei langen und aufwändigen Operationen eine Kompresse im Patienten verschwinden und nach einer OP verbleiben kann, kam eine Diskussion in den Kommentaren auf, wie man dieses Problem optimal lösen könnte. Ich habe von einem Ansatz gehört, der in einigen Kliniken derzeit getestet wird und den ich euch heute kurz vorstellen möchte: RFID-Chips.

Pro Jahr werden im Krankenhaus rund 3000 sog. „Alien Objects“ (v.a. in Form von Tüchern und Tupfern) während Operationen im Patienten vergessen. Eine sehr unschöne Sache für sowohl Patienten, wie auch beteiligte Ärzte und Pfleger. Um diese Zahl zu vermindert, führte man zunächst das Vieraugen-Prinzip (zwei OP-Schwestern müssen die Vollständigkeit bestätigen) und das zweifache Nachzählen ein. Dennoch ist die Zahl von ca. 3000 Fälle, in denen diese Sicherheitsmaßnahmen, warum auch immer, versagen, erschreckend. Mit den modernen Entwicklungen in der Industrie und Technik schwappen nun RFID-Chips in die Kliniken, die dort zu einer Verbesserung der Patientensicherheit führen könnten.

RFID steht für radio-frequency identification und wird heute in immer mehr Bereichen eingesetzt. Die kleinen Chips finden sich v.a. in der Logistik zur Kontrolle der Warenströme und der Nachvollziehbarkeit, welches Produkt an welcher Stelle zu welcher Zeit vorhanden ist oder verarbeitet wurde; Anwendung finden sich auch heute schon in der Lieferkette von Textilien und Bekleidung, zur Identifikation von Frachtcontainern und Tieren, zur Zeiterfassung in Unternehmen, zum Bestandsmanagement und in Chipkarten mit z.B. kontaktloser Bezahlfunktion.
Seit einigen Jahren gibt es Ansätze die Chips auch im Krankenhaus anzuwenden – z.B. in Form von Patientenarmbändchen, um Verwechslung der Patienten auszuschließen oder als Zutritts- und Zugriffskontrollen in sensiblen Bereichen wie dem OP und der Sterilisation.

(c) heise.de

Einige Firmen testen seit einiger Zeit in Kooperation mit großen Kliniken die Verwendung von RFID-Chips in OP-Instrumenten, Tupfern und Tüchern. Das Ziel der Feldstudien ist  zu jeder Zeit während einer OP grafisch auf einem Monitor eine Kontrolle sichtbar zu machen, wie viele Fremdkörper noch im OP-Gebiet liegen und ob am Ende der OP alles, was an den Tisch gebracht wurde, wieder von ihm entfernt ist (und damit nicht im Patienten bleibt).
Zudem bietet sich, wie in der Logistik heute schon genutzt, die Möglichkeit während der gesamten Logistikkette einer Klinik (und darüber hinaus) Utensilien im Auge zu behalten – vom Hersteller über die Wäscherei bis ins Krankenhaus und wieder zurück in die Wäscherei. Teure Instrumente (der gesamte Warenwert an Instrumenten eines Krankenhauses kann 1,5 bis 2,5 Millionen Euro betragen!) können besser überwacht, Diebstahl, Verschwinden oder Lieferung an falsche Orte (falscher OP…) unterbunden werden.
Einige Hersteller ermöglichen mit ihren Systemen eine Überwachung der Bauchtücher mittels farbiger Ampeln am Bildschirm (rot = Tücher im Situs vorhanden, grün = alle Tücher, die über eine Antenne in den Operations-Bereich eingebracht wurden, sind auch wieder über diese Antenne nach draußen entfernt worden). Andere versprechen die Ortung von vergessenen Kompressen im Patienten mittels Detektoren, wie man sie am Flughafen bei der Sicherheitskontrolle kennt (siehe Herstellervideo auf Golem). Wieder andere Systeme, die z.B. in den USA schon eingesetzt werden, bestehen aus Klebern, die der Patient vor der OP auf z.B. das zu operierende Bein geklebt bekommt und der persönliche Daten des Patienten und den geplanten Eingriff enthält. Vor der Narkose und unmittelbar vor dem Schnitt wird das Funkkabel dann ausgelesen und abschließend vom Anästhesisten und dem Chirurgen kontrolliert – Patientenverwechslung adé. Weiterlesen