Arzt an Bord

Zu Risiken und Nebenwirkungen…..


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Gratwanderung

(c) onmeda.de

Auf unserem Notfall behandeln wir neben den erwachsenen Patienten und ihren Problemen an Bauch, Armen, Beinen und sonstwo auch kleine Patienten unter 18 Jahren, die ein Trauma hatten und nun versorgt werden müssen (also nicht solche, die mit Bauchweh oder Ohrenschmerzen kommen, denn dazu sind die Kinderärzte in der Kinderklinik da).

Bei den kleinen Patientin muss man sich vor Augen führen, dass es sich hierbei nicht um kleine Erwachsene handelt, sondern um eigenständige Persönlichkeiten mit eigenen Wünschen, eigenen Ängsten und eigenem Willen. Sie sehen in Dingen, die für Erwachsene bedrohlich wirken, keine Gefahr, dafür aber womöglich in Dingen, die ein Erwachsener nicht fürchtet, eine große Bedrohung – und sei dies nur der Weißkittel, der plötzlich das Zimmer betritt. Außerdem wird empfohlen, dass man mit den Kleinen in ihrer Sprache kommuniziert und nicht über sie hinweg Dinge bespricht. Wer eingebunden wird in Behandlungen und Dialoge, der verliert eventuell seine Angst und fühlt sich „schon ganz groß“. Spätestens wenn die Behandlung dann losgeht, sollte man seine Schritte mehr oder weniger erklären, damit sich das Kind darauf einstellen kann (auch wenn das „einstellen“ oft nur brüllen und schreien ist).

Hier stellt sich aber nun die Frage, wie genau man seine Schritte erklären sollte oder wie schnell man lieber eine Behandlung durchzieht und „bevor er es merkt, die Sache schon fertig bringt“.

Einen solchen Fall hatten wir neulich auf dem Notfall. Ein kleiner Junge hatte sich im Kindergarten bei einem Sturz gegen die offen stehende Tür eine Platzwunde an der Stirn zugezogen, die jetzt genäht werden sollte. Klar, dass er Angst hatte und schon zu weinen anfing, als wir uns aus der Ferne näherten. Mit gutem Zureden durften wir die Wunde dann zumindest mal ansehen und den Entschluss zur Naht fällen. Mit einem Zäpfchen Dormicum, ein Wirkstoff, den wir hier bereits mal erklärt hatten, versuchten wir einerseits den Jungen zu beruhigen, andererseits seine Erinnerung an das Kommende auszulöschen, damit er später nicht mehr weiß, was und wie ihm passiert war.

Ab hier divergierten nun die Behandlungsansätze des Assistenzarztes und der Assistenzärztin, die hinzugekommen war (man braucht genügend Menschen, um einen kleinen Menschen festzuhalten 😉 ). Während er die Naht ruckzuck fertig stellen wollte, kümmerte sie sich „liebevoll“ (ich setze es ohne abwertende Meinung in Klammern) um den Kleinen, las mit ihm bis zur Wirkung des Dormicums im Bilderbuch und versuchte ihn abzulenken. So weit kein Problem.

Als es dann aber losgehen sollte, war der Junge (natürlich) nicht entspannt, sondern ängstlich. Mit den vielen Erklärungen und Schilderungen der Ärztin hatte ich beinahe das Gefühl, als ob er sich immer weiter herein steigere und panischer werde; manchmal ist Unwissenheit ein Segen. Eventuell auch hier?

Nach den ersten beiden Stichen war er nicht mehr richtig abzulenken und wollte sich unbedingt aufsetzen und „mal schauen“. Mit halb genähter Wunde? Die Assistenzärztin ließ ihn gewähren. Was man später daran sah, dass die Wunde ein schönes Einhorn bildete, weil sich durch die nicht komplett durch Nahtkompression gestillte Blutung jetzt ein schöner Bluterguss bilden konnte…. und bring ein Kind mal dazu sich danach wieder hinzulegen und noch zwei Stiche zu „ertragen“!

So endete der kleine Eingriff mit Stillung der Blutung beim KInd, blutenden Ohren vom Geschrei bei uns und allgemeiner Unzufriedenheit beim Personal, weil die beiden Behandlungsansätze aufeinander prallten und man diese nicht vor Patient und Mutter ausfechten kann und will.

Was sollte man eurer Meinung nach in einem solchen Fall tun? Lieber schnell die vier Stiche durchziehen oder lieber mit dem Patienten sprechen, ihm seinen „Willen lassen“, zwischendurch unterbrechen, erklären etc…. weil es dann eventuell beruhigender wirken könnte (oder eben Einhörnchen-Blutergüsse produziert und die Sache semisteril macht)?

Eine Gratwanderung in der Pädiatrie-Traumatologie.

Orthopaedix


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Dienstwochenende – Sprung ins kalte Wasser

(c) mz-web.de

Kaum eine Woche in die Schweiz emigriert, da stand für mich bereits das erste Wochenende mit Dienst in der Notaufnahme auf dem Programm. Da ich in der Zeit der einzige Student vor Ort war, war es an mir den Dienst aufzufüllen (was aber gleichzeitig bedeutet, dass ich 2 Wochen nonstop durcharbeite).

Es war ein Sprung ins kalte Wasser. Im Nachhinein bin ich froh, dass mein Vorgänger mir vergangene Woche wenigstens einmal kurz die Notaufnahme gezeigt hatte und grob wo man was finden kann. Denn sonst wäre ich total aufgeschmissen gewesen. Welche Zettel finde ich wo, was fülle ich aus, wo gibt es Nahtmaterial, was machen die Schwestern mit den Unterlagen, unterschreibe ich hier oder doch lieber der Arzt, darf ich Rezepte ausstellen, wie geht das mit den Patienten in den Kabinen, wer ist wo zuständig….

Da stand ich nun, Samstag Morgen 10 Uhr. Dienstbeginn. Und die Aufnahme brummte bereits, 4 Patienten für die chirurgisch-orthopädische Seite und ein Assistenzarzt. Kein Wunder, dass sie die Unterassistenten also uns PJ’ler) dazu verpflichten, die Wochenenden mit abzudecken und aktiv mitzuarbeiten. Ich muss zugeben, dass ich Notaufnahmen mag, weil man da als Student viel selbst machen kann und nicht im Stationsalltag nur mitläuft, weil man wegen der OPs und damit verbundenen Abwesenheit gar nichts richtig mitbekommt oder aktiv mitmachen kann. Aber in der Notaufnahme kommt der Patient, man kann Anamnese machen, Untersuchung, Röntgen anmelden, mit dem Oberarzt besprechen, ggf. Brief schrieben und Patient versorgen. Wundnähte, Einrenken von ausgekugelten Gelenken….  und hat dabei immer das Erfolgserlebnis auf seiner Seite, weil man dem Patienten meist unmittelbar helfen kann (und sei es nur, dass er eine Perspektive aufgezeigt bekommt, wie es mit seiner Verletzung weitergehen wird und welche OP zu machen sein wird).

Also stürzte ich mich gleich in die Arbeit (bzw. die Arbeit stürzte sich auf mich), eine kurze Frage vom Assistenzarzt, ob ich schon einmal in einer Notaufnahme gearbeitet habe und als ich ihm sagte, dass ich das im Rahmen einer Famulatur (das sind die Pflichtpraktika im Rahmen des Studiums) 4 Wochen in einer Unfallchirurgischen Notaufnahme war und da eigene Patienten betreut hatte, ließ er mich gewähren („dann mach mal Kabine zwei, da ist ein Sturz aufs Knie“) – und ich begrüßte mich auf die ersten Patienten des Morgens. Ein wenig Bammel hatte ich, dass ich die Dialekte nicht verstehen würde – aber die Patienten sprachen glücklicherweise alle verständliche Dialekte (was ich von den Pflegekräften nicht behaupten kann ^^).  Weiterlesen