Arzt an Bord

Zu Risiken und Nebenwirkungen…..


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Eure Fragen – unsere Antworten: Splenektomie

Auf Wunsch von „Ich“ als Reaktion auf unseren Artikel „Die Hölle im OP“ hier einen kleinen Überblick zur Splenektomie.

Worum geht es überhaupt?

Bei der Splenektomie handelt es sich um eine chirurgische Entfernung der Milz.

Welche Aufgaben hat die Milz?

Die Milz liegt im linken Oberbauch und ist etwa 7x4x11 cm groß. Sie hat vier Hauptaufgaben:

  1. Sie sortiert alte oder deformierte Blutzellen aus.
  2. Sie dient als Zwischenlager für rote Blutkörperchen und Blutplättchen
  3. Sie ist einer der Orte für Aktivierung und Vermehrung von Abwehrzellen und manche Bakterienarten können nur in der Milz erfolgreich aus dem Körper entfernt werden.
  4. Bei Kindern bis zum 6.Lebensjahr (also etwas bis zur Einschulung) werden in der Milz  rote Blutkörperchen gebildet. Bei älteren Kindern und Erwachsenen findet die Bildung der roten Blutkörperchen im Knochenmark statt, kann aber bei bestimmten Knochenmarkserkrankungen wieder in die Milz zurückverlegt werden.

Wann kann eine Splenektomie notwendig sein?

Es gibt viele Erkrankungen, bei denen die Entfernung der Milz therapeutisch notwendig sein kann. Prinzipiell gibt es drei große Gruppen:

1. Gutartige Veränderungen des Blutbildes

  • Hierzu zählt beispielsweise die ITP (immunthrombozytopenische Pupura). Bei  ITP kann eine Splenektomie notwendig werden, wenn sich die Erkrankung durch Medikamente (z. B Steroide, Gammaglobuline) nicht zufriedenstellend behandeln lässt. Auch andere gutartige Blutveränderungen, wie bestimmte Formen der Anämie („Blutarmut“, also  eine Verminderung der roten Blutkörperchen) können der Grund für eine Splenektomie, um die Entfernung der roten Blutkörperchen durch die Milz zu vermeiden.

2. Bösartige Erkrankungen

  • Hierzu zählen z. B. Leukämien und Lymphome („Blutkrebs“ und „Lymphknotenkrebs“) – also bösartige Erkrankungen, die die weißen Blutkörperchen betreffen.
  • Auch Tumore der Milz können eine Milzentfernung notwendig machen, jedoch sind sie eher selten.

3. Verletzungen der Milz durch einen Unfall

Wie entfernt man eine Milz?

Heutzutage ist die laparoskopische Entfernung, also die minimalinvasive Bauchspiegelung, die Standardmethode zur Entfernung der Milz. In seltenen Fällen kann eine Entfernung der Milz durch eine „offene OP“ notwendig sein, beispielsweise bei einer sehr stark vergrößerten Milz oder bei unstabilen Patienten mit traumatischen Verletzungen der Milz. Hier muss häuf eine Not-OP stattfinden, bei der nicht nur die Milz entfernt wird, sondern auch eventuelle Blutungen gestillt und weitere Verletzungen erkannt werden können.

Sowohl laparoskopisch als auch durch eine offene OP gibt es verschiedene Methoden, eine Splenektomie durchzuführen. Prinzipiell muss die Milz von allen Strukturen getrennt werden, die sie im Bauchraum festhalten, hierzu zählen vor allem Bänder und Blutgefäße. Bei der Bauchspiegelung wird die Milz danach in einen Plastiksack gegeben, im Plastiksack zerkleinert und dann durch eine der Öffnung an die Oberfläche befördert. Auch hier gibt es wiederum verschiedene Techniken.

Welche Komplikationen können auftreten?

Selbstverständlich bringt jede Operation mögliche Komplikationen mit sich, hier sind jedoch nur die häufigsten und wichtigsten aufgeführt.

  • Blutungen während oder nach der Operation
  • Schädigung von Strukturen, die sich in der Umgebung der Milz befinden, z. B. der Bauchspeicheldrüse, des Darms oder des Magens
  • Eine Verstopfung des Blutgefäßes, das Blut zur Leber transportiert (Portalvenenthrombose)
  • Infektionen

Wer übernimmt die Aufgaben der Milz?

Die Milz ist kein lebensnotwendiges Organ und ihre Aufgaben können zum Teil von der Leber übernommen werden.

Welche Langzeitfolgen hat eine Splenektomie?

Nach der Splenektomie sind in der Regel die Blutplättchen, die für die Blutgerinnung zuständig sind, im Blut erhöht. Treten die Plättchen vermehrt auf, kann es zu einer gesteigerten Bildung von Blutgerinnseln kommen, die sich als Plaques an der Gefäßwand festsetzen und die Gefäße hierdurch verstopfen können (Thrombose). Diese Plaques können sich auch von der Gefäßwand ablösen und dann an anderer Stelle (häufig in der Lunge) Gefäße verschließen (Embolie).

Durch die Entfernung der Milz fehlt dem Körper jedoch ein wichtiges Organ der Infektabwehr. Daher kann die Infektion mit bestimmten Bakterien sehr viel schwerer verlaufen als in Patienten mit Milz und so zu einer schweren Sepsis („schweren Blutvergiftung“) führen. Das Risiko liegt bei etwa 3% und kann in bis zu 40-50% zum Tode des Patienten führen. Um das alles möglichst zu umgehen, werden Patienten soweit möglich vor der Splenektomie gegen diese Bakterien geimpft.

Noch ein bisschen Geschichte zum Schluss

Die erste Splenektomie wurde bereits 1549 von Andirano Zaccarello an einer jungen Frau mit vergrößerter Milz durchgeführt. Sie lebte nach diesem Eingriff noch 6 Jahre!

Die erste laparosokopische Splenektomie wurde 1991 durchgeführt.

Diese Information ersetzt keinen Arztbesuch und erhebt keinen Anspruch auf  Richtigkeit oder/und Vollständigkeit.

Habt ihr auch Fragen an uns – sei es zu Krankheiten, Medikamenten oder interessieren euch völlig andere Bereiche aus dem Mediziner-/Studentenleben, die wir bisher ignoriert haben? Dann schreibt uns oder kommentiert einen unserer Artikel. Wir freuen uns immer sehr über Anregungen und neue Ideen!

Ann Arbor


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Eure Fragen – unsere Antworten: Arztserien

Eddie hat uns neulich folgende Frage gestellt:

Für eure Fragen-Serie hätte ich da noch einen Themenvorschlag: Arztserien. Nachdem ich beim Zappen neulich festgestellt habe, dass man noch nicht mal mehr auf zdf neo vor Arztserien sicher ist, wollte ich mal wissen, was ihr so über die ganzen Formate denkt ?

Als Polizeibeamter mit einer “Tatort”-süchtigen Freundin habe ich nämlich das Problem, dass das sonntägliche Fernsehprogramm oft feststeht, ich aber dann nur schwer ruhig auf dem Sofa sitzen bleiben kann, wenn der Drehbuchautor uns mal wieder eine total unsinnige Handlung oder Vorgehensweise angedichtet hat. Ob nun das SEK angerückt ist und trotzdem die Kommissarin mit Pumps die Türe eintritt oder eine Vernehmung alle rechtlichen Anforderungen verfehlt – es ist meistens ein Trauerspiel. Geht Euch das bei Arztserien genauso ?

Und hier meine persönliche Meinung dazu:

Es gibt zwei Typen von Medizinstudenten: die einen hassen Arztserien, die anderen lieben sie. Ein Mittelding existiert nicht. Ich zähle definitiv zur zweiten Gruppe. Egal ob Grey’s Anatomy, Private Practice, House oder Scrubs – ich habe sie alle gesehen. Insgeheim träume ich ja davon, irgendwann in einem Vorstellungsgespräch auf die Frage „Warum sind sie Arzt geworden?“ ganz lässig zu antworten „ Ja, wissen Sie, ich habe in der Schule immer so gerne Scrubs geschaut.“

Heute schaue ich Arztserien natürlich nicht mehr so unvoreingenommen wie früher. Man kann den Mediziner in sich nach Feierabend eben doch nicht ganz ausschalten. An der Spitze der Fehler stehen natürlich die fragwürdigen Reanimationstechniken, die sich hartnäckig durch jede erdenkliche Serie hindurchziehen. Der Universaleinsatz von Defibrillatoren löst bei mir dann doch immer wieder Entsetzen aus und fuchtelt der Arzt vorher noch enthusiastisch mit den Paddles in der Luft herum, bekomme ich schon fast in meinem sicheren Wohnzimmer Panik, dass er mich damit treffen und mir statt dem Patienten den Elektroschock versetzen könnte. Bei kleineren Fehlern in der Diagnostik oder Therapie, plötzlichen Wunderheilungen oder wenn J.D. in der Scrubs-Intro das Röntgenbild falsch herum aufhängt, heißt es tief durchatmen und möglichst entspannt weiterschauen.

Mich persönlich irritiert es aber immer wieder, dass es kaum eine (Arzt-)Serie ohne Morbus Huntington gibt. Das scheint die Lieblingserkrankung aller Drehbuchautoren, Regisseure oder Produzenten zu sein und es treibt mich immer fast in den Wahnsinn, wenn wieder einmal diese Diagnose gestellt wird.

Insgesamt betrachtet sind die klinischen Fälle in Arztserien jedoch erstaunlich gut recherchiert und häufig sind Ärzte als Berater angestellt. Grobe Fehler sind daher bei Weitem seltener, als man sich das vorstellt. Zudem ist das Primärziel der Serien ja auch die allwöchentliche Unterhaltung und nicht die wissenschaftliche Fortbildung (angehender) Mediziner. Wenn ich Dr. House schaue, vergesse ich das jedoch hin und wieder, diagnostiziere eifrig mit und lese manche der Diagnosen später noch genauer nach. Und Lupus als Differentialdiagnose hat schon manch einen durch Chefarztvisiten oder mündliche Prüfungen gebracht.

J.D. sagt in Scrubs einmal über die Serie Grey’s Anatomy „“Ja…das ist fast so, also ob sie uns zuschauen würden und dass dann Abends im Fernsehen kommt““. Und genau das ist der Grund, warum ich Scrubs immer wieder so gerne schaue. Ich kann mich mit den Charakteren der Serie identifizieren und fühle mich irgendwie verstanden. Eben als hätte jemand mein Leben in eine Comedy-Serie umgewandelt. Viele der dargestellten Situationen hat man auf die ein oder andere Weise im Klinikalltag selbst erlebt: das Gefühl der absoluten Hilflosigkeit und Ahnungslosigkeit, der Versuch den Oberarzt/Chefarzt zu beeindrucken, der Tod eines liebgewonnenen Patienten, die richtig gestellte Diagnose einer extrem seltenen Erkrankung (vielleicht, weil man am Abend vorher Dr. House geschaut hat) und auch das falsch gehaltene Röntgenbild.  Und manchmal tut es wirklich gut, das Ganze mit etwas Humor zu sehen.

Natürlich ist vieles in Arztserien überzogen und teilweise auch falsch dargestellt. Aber ist das nicht in allen Serien so? Nicht alle Physiker sind so lebensunfähig wie Sheldon Cooper,  niemand würde die Geschichte, wie er die Mutter seiner Kinder kennen gelernt hat, Jahre vor dem ersten Date beginnen und niemand hat unbegrenzt Zeit jeden Tag auf dem gleichen Sofa im gleichen Café zu sitzen und riesige Mengen Kaffee zu trinken. Aber so sind Serien nun einmal und wenn wir ehrlich sind, schauen wir sie doch gerade deswegen so gerne

Über weitere Fragen von euch freuen wir uns natürlich immer sehr!

Ann Arbor


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Eure Fragen – unsere Antworten. Heute: Leichen

Wir freuen uns über jede Frage rund um den Blog, das Medizinstudium und das PJ und versuchen eure Fragen hier zu beantworten. Sofern wir glauben, dass die gestellte Frage unsere breite Leserschaft interessieren könnte, erlauben wir uns anonymisiert eure Frage samt unserer Antwort hier zu veröffentlichen.

Heute geht es um folgende Frage:

Ich habe von meiner Freundin erfahren ( sie hat eine lange Zeit im Krankenhaus gearbeitet) das die PJtler die auch dort gearbeitet haben, gar nicht mehr praktischen Anatomieunterricht hatten. Die PJtler haben dies alles nur theoretisch gemacht. […] da wollte ich mal fragen ob das immer mehr zur Regel wird? Weil das ist doch ein super interessantes Fach indem man dank der prakt. Übung auch gut lernen kann.
T.

Orthopaedix: Hallo T., wir beantworten dir deine Frage heute zu zweit 😉

Spekulantin: Dabei ist die Antwort eigentlich ganz einfach. Doch, wir haben noch ausgiebig praktischen Anatomieunterricht genossen.

Orthopaedix: Naja, so ausführlich nun auch wieder nicht. Ein Semester war das nur und das ist jetzt auch schon wieder lange her. Das war noch vor dem Physikum.

Spekulantin: Also mir hats gereicht! 14 Wochen lang zwei Nachmittage pro Woche im Präpariersaal zu verbringen fand ich echt hart.

Orthopaedix: Ja, schon. Aber es war auch verdammt lehrreich. Es ist einfach ein großer Unterschied, ob man in der Vorlesung Zeichnungen zu sehen bekommt, oder ob man das alles selbst und in 3D nachvollziehen kann. 

Spekulantin: Okay, das stimmt schon. Aber ein Semester war genug. Hat ja auch gereicht um einmal den gesamten Körper auseinander zu nehmen. Und so wirklich auf unsere Arbeit in der Klinik war das nicht ausgelegt. Klar hilft es um sich im OP besser zurecht zu finden, aber da muss ich jetzt dann doch meistens erst nochmal in den Anatomie-Atlas schauen.

Orthopaedix: Trotzdem immer noch besser als an anderen Unis, wo sie den Präpkurs inzwischen ganz abgeschafft haben. Nur Modelle und Plastinate anzuschauen, ohne selbst Strukturen freizulegen und zu „begreifen“, schafft keine halb so gute Vorstellung. Aber leider geht der Trend immer mehr in Richtung Abschaffung…

Spekulantin: …weil es eben auch eine Kostenfrage ist. Auch bei uns an der Uni sind es inzwischen doppelt so viele Studenten pro Leiche, so das auch nicht mehr jeder die Möglichkeit hat alle Schritte der Präparation selbst zu erleben.

Orthopaedix: Da hoffe ich auf gezielte Übungen an Leichen während der Facharztausbildung um die Abläufe einer Operation zu üben.

Spekulantin: Und was machst du mit all denen, die sich jetzt nicht sooooo zur Chirurgie hingezogen fühlen wie du?

Orthopaedix: Die müssen das ja auch gar nicht wissen. Sie wenden es ja eh nicht an. Außerdem unterscheidet sich die Vorgehensweise der operativen Eingriffe von der Art der Präparation im Präpkurs radikal: Im OP arbeitet man von einem schmalen Zugang aus in die Tiefe und präpariert nicht flächenhaft Schicht für Schicht einen ganze Körperregion frei.

Spekulantin: Naja, trotzdem sollte jeder Arzt so eine grobe Vorstellung vom menschlichen Körper haben. Und so schlimm ich das dritte Semester auch fand, wichtig war der Präpkurs schon. Schade nur, dass man seit dem so vieles davon wieder vergessen hat. Vor dem Chirurgie-Praktikum wäre da eine Auffrischung ganz hilfreich gewesen. 

Wir hoffen die Frage damit ausreichend beantwortet zu haben. Wer weitere Fragen hat, schickt sie uns gerne über das Kontaktformular, einen Kommentar zu unseren Artikeln oder per Twitter an @arztanbord! Wir freuen uns!

– Spekulantin & Orthopaedix