Arzt an Bord

Zu Risiken und Nebenwirkungen…..


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Asterix und Obelix

Ein ganzes Tertial lang habe ich sie „Hanni und Nanni“ genannt. Weil sie am liebsten immer alles zusammen machen und im OP irgendwie nur glücklich wirken, wenn der eine dem anderen die Haken hält. Und dann kommt die neue PJlerin und trifft mit ihrer Einschätzung den Nagel noch tausendmal mehr auf den Kopf: „Mein Gott, die beiden sind wie Asterix und Obelix.“

Das ist es! Ganz genau! Auch wenn sie stets zusammenstecken, sind sie doch zwei ganz unterschiedliche Charaktere. Und auch rein optisch hat sie damit irgendwie den Nagel auf den Kopf getroffen.
Von wem ich rede? Von den beiden Oberärzten in der Chirurgie.

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Da wäre also zum einen Asterix, der leitende Oberarzt:
Klein, drahtig, fehlt nur noch der passende Helm. Und er hat diese leicht nervöse, übersprudelnde Energie und Begeisterung, wenn es um seine Arbeit geht.

So taucht er eines Morgens plötzlich hüpfend auf dem Stationsflur auf. Ich denke, ich sehe nicht recht, als er sich nach ein paar großen Sprüngen auf dem rechten Bein ein bisschen außer Atem am Türrahmen festhält und einfach zur Tagesordnung übergeht. Erst als ihm die etwas entgeisterten Blicke auffallen, unterbricht er sich und winkt ab. „Ach, das sind nur wieder die Schmerzen im Fuß. Hatte ich schon einmal. Bone Bruise. Es geht schon. Ich habe nachher gleich einen Termin unten in der Radiologie.“ Sprichts, wirft einen letzten Blick auf den Stationsplan und hüpft los zur Intensivvisite. Wir schauen uns nur kopfschüttelnd an.

In der Ambulnaz treibt er ein paar Krücken auf, der radiologische Befund ist nicht eindeutig, den Fuß kann er nicht belasten. Aber das alles hält ihn nicht davon ab sein Tagwerk zu tun. Und so steht er 2 Stunden später im OP zu einer Struma-OP. Einbeinig. Trotz Trittstufe, die er bei seiner Größe braucht. Und jedes Mal wenn er das Gewicht verlagert, verzieht er vor Schmerzen das Gesicht und sagt im selben Moment: „Alles gut, alles gut.“ Und macht weiter.

Die Visite in diesen Tagen ist ein echtes Erlebnis. Vorweg die Schwester, die die Türen öffnet. Geht ja schlecht mit Krücken. Dann Asterix hinterher, humpelnd und hüpfend, weil er sich mit den Krücken nicht so recht anfreunden kann. Der Assistenzarzt mit den Kurven und ich mit der Stationstafel. Die trägt Asterix sonst selbst stolz vor sich her, aber er hat ja keine Hand frei. Gleich die erste Patientin, die ihn so sieht schlägt buchstäblich die Hände über dem Kopf zusammen. Offenbar macht ein Arzt auf Krücken keinen sehr vertrauenserweckenden Eindruck, wenn es um die eigene Heilung geht. Überhaupt dreht sich die Visite deutlich mehr um sein Befinden, als um das der Patienten.
Eine Woche hält er das tapfer durch – operiert, visitiert, macht Hintergrund-Dienste – bis es plötzlich besser wird. Die Hingabe und Begeisterung für seine Arbeit sind ihm nicht zu nehmen. Auch nicht durch so Kleinigkeiten wie 39°C Fieber samt Atemwegsinfekt. Er funktioniert ein bisschen wie ein Stehaufmännchen.

Seine wahre Leidenschaft ist der OP. Und auch da scheut er wirklich keine Mühen. So operiert er die transanale Vollwandresektion auf Grund schlechter Sichtverhältnisse am Ende kniend auf dem Boden. Die OP-Schwester bietet ihm etwa 3 mal an, den Tisch nach oben zu fahren, damit er sich wieder setzen kann, aber er lehnt ab. Am Ende zwinkert er mir zu und meint: „Qualität kommt schließlich von Qual.“ Amen.

Aber er hat auch noch eine andere Seite. Weiterlesen