Arzt an Bord

Zu Risiken und Nebenwirkungen…..


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Rettungsgasse

Vor ein paar Tagen hat alltagimrettungsdienst hier einen kleinen Artikel zur Rettungsgasse auf Autobahnen gepostet. Da wir das Thema für wichtig erachten (auch, weil wir ja vielleicht mal später als Notarzt in einem Rettungsfahrzeug sitzen werden), möchten wir auch bei uns die gezeigten Videos präsentieren und euch ins Gedächtnis rufen, wie man am Besten auf der Autobahn im Stau fahren sollte, um eine mögliche Rettung von Verletzten am Anfang des Staus zu erleichtern. Über den Tellerrand hinaus geblickt.

Die österreichische Autobahnfirma hat dazu einen tollen „Aufklärungsfilm“ gedreht:

oder auch hier: www.youtube.com/watch?v=l1UbZFYuPEE

Wenn sich alle Autofahrer an diese Anleitung hielten, wäre es für die Rettungskräfte kein Problem im Stau schnell und stressfrei an ihr Ziel zu gelangen. Leider sieht die Realität in Deutschland aber ganz anders aus – da wird der Standstreifen gerne mal zum Abkürzen auf dem Weg zur nächsten Ausfahrt benutzt, da wird erst dann ausgewichen, wenn das Martinshorn schon im Kofferraum aufleuchtet, wer nach links ausschert wird von seinen Hintermännern doof angeschaut (oder der freigewordene halbe Fahrstreifen von Motorradfahrern zum Überholen genutzt)….

Wie es schön laufen kann, zeigt ein Onboard-Video aus Wien aus dem Jahre 2012:

Kein Wunder, dass sich die Autofahrer in anderen Ländern so streng an die Bildung der Rettungsgasse halten, müssen sie doch bei Missachtung teilweise horrende Strafen bezahlen (bis zu 2.180 Euro in Österreich). Vielleicht wäre das ja auch für Deutschland eine Möglichkeit endlich ein funktionierendes Rettungsgassensystem zu erreichen?

Und wer jetzt noch einen aktuellen Beitrag aus dem TV sehen möchte, der kann dies bei knapp 15min lang bei RTL tun. Da meint ein Berufskraftfahrer eines Reisebusses auf die Frage, wie man die Rettungsgasse zu bilden habe und auf seine falschen Antworten: „Da können Sie mir jetzt mit Ihren Paragraphen kommen, aber die Praxis sieht anders aus.“ Es wird Zeit dies zu ändern. Im Interesse aller Verunfallten und derjenigen, die selbst nie in diese Situation gelangen wollen, dass jede Minute zählt!

Orthopaedix


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Diagnoserätsel

Ein neues Diagnoserätsel wartet auf euch. Dieses Mal bestimmt sehr leicht herauszubekommen, aber dafür umso eindrücklicher in den Bildern (so etwas sieht man nicht alle Tage).

Was fällt an dieser Computertomographie-Aufnahme auf?

Erst abstimmen, dann nach unten scrollen und die Lösung ansehen 🙂

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Lösung:

Die CT-Aufnahmen zeigen eine offene Kniegelnksfehlstellung mit einer sog. Luxation nach dorsal (hinten).

Der Patient im vorliegenden Fall war alkoholisiert Auto gefahren und hatte einen Unfall verursacht. Neben diversen anderen Verletzungen lag v.a. dieses eindrückliche Verletzungsmuster vor, das im klinischen Alltag selten vorkommt und v.a. bei Hochrasanztraumen (Autounfall mit hohen Geschwindigkeiten) auftreten kann (teilweise im Rahmen sog. Dashboard-Injurys mit Beteiligung der Hüfte, des Ober- und Unterschenkels, die gegen das Armaturenbrett krachen). In der weiteren Diagnostik zeigte sich ein Ausriss der Kreuzbänder und Riss des Seitenbandes sowie (verständlicherweise bei dieser Verschiebung) ein Riss der Kniescheiben-Sehne unterhalb der Kniescheibe.

Der Patient wurde nach der Versorgung in der Notaufnahme im OP stabilisiert und das Bein im ersten Schritt mittels eines Fixateurs externe (wiki) versorgt. In einem zweiten Schritt kann dann die weitere Versorgung der Verletzungen der Bänder und Sehnen erfolgen.

Habt ihr die richtige Diagnose gestellt? 🙂

Orthopaedix


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Nur ein kleiner Pieks

Irgendwie war es ja klar, dass das wieder mal mir passieren musste. Eigentlich verwunderlich, dass es fast bis zum Ende des zweiten Tertials gedauert hat. Aber immerhin war es nur zum Teil meine Schuld, falls es das irgendwie besser macht. Was passiert ist?

Ich habe mich gestochen. Nein, falsch, eigentlich wurde ich gestochen. Jetzt weiß ich zumindest, warum die OP-Schwestern so ungerne zwei Hautnähte am Tisch haben. Während ich mit OA Hanni nach einer Gallenoperation am Zunähen bin, kommen wir uns nämlich mit den Nadeln ins Gehege und seine landet in meinem Zeigefinger.  Ich realisiere es erst gar nicht richtig, da bricht um mich herum schon das Chaos aus.

„Ziehen Sie den Handschuh aus. Auspressen und dann unters Wasser halten. Gut ausspülen und dann desinfizieren. Kann jemand von der Anästhesie mal bitte Blut bei dem Patienten abnehmen?“ Hanni übernimmt das Kommando und ich gehorche einfach blind. „Dann gehen Sie runter in die Ambulanz und lassen sich Blut abnehmen. Nehmen Sie das Blut des Patienten mit und sagen Sie, dass Sie sich gestochen haben. Die wissen was zu tun ist.“

Und tatsächlich gibt es dort unten einen Algorithmus für solche Situationen. Dazu gehören allerdings ein weiteres Blutröhrchen und eine Einwilligung des Patienten in einen HIV-Test. Ersteres bringt meine PJ-Kollegin aus der Anästhesie umgehend aus dem OP, zweiteres ist ein bisschen schwierig solange der Patient in Narkose liegt. Wir gehen also erstmal von einer mutmaßlichen Einwilligung aus.

Fehlt also noch mein Blut. Allein aus diesem Grund werde ich mich sicher nie wieder Stechen. Blut abnehmen bei mir selbst geht gar nicht. Und prompt kollabiere ich dann auch auf der Liege in der Ambulanz. Weiterlesen