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Krankheit der Woche X: Arthrose

Krankheit der WocheArthrose

Was ist das?

Arthrose bezeichnet den übermäßigen Gelenkverschleiß aus vielerlei Gründen. Meistens betrifft es größere Gelenke, in Deutschland ist die Arthrose des Knie- und Hüftgelenks führend.

Wie entsteht es?

Man unterscheidet bei der Arthrose eine primäre von einer sekundären Form.
Die primäre Form entsteht aufgrund Minderwertigkeit des Gewebes ohne auslösende Ursachen.
Die sekundäre Formen entstehen z.B. durch Fehlstellung und einhergehende Fehlbelastung (durch Druck und Belastung an falscher Stelle) des Gelenks (z.b. bei fehlentwickelter Hüftpfanne), durch Stoffwechselstörungen oder Entzündungen. Auch Verletzungen können zur sekundären Arthrose führen (z.b. nach Knochenbruch mit Gelenkbeteiligung). Einige Medikamente (u.a. ausgewählte Antibiotika) begünstigen die Entstehung einer Arthrose, da sie die Gelenkknorpel angreifen.

Was merkt man?

Eine Arthrose kann symptomlos verlaufen. Häufig sind jedoch der sog. Anlauf- und Belastungsschmerz, d.h. nach langer Pause (z.B. Sitzen) berichten Patienten von Schmerzen, bis sie sich „warm gelaufen“ haben bzw. unter Belastung nimmt der Schmerz zu. Zusätzlich kann es zu Gelenksergüssen kommen, zu Deformation des Gelenkes und bei zunehmender Unebenheit der Knorpeloberfläche zu Gelenkgeräuschen (sog. „Krepitationen“).

Wie stelle ich es fest?

Symptome sind v.a. Anlauf- und Belastungsschmerz des Gelenkes, ggf. mit Schwellung und Deformation. Beim Arzt erfolgt eine Anamnese zum Auftreten der Schmerzen, vorhergehenden Unfällen am Gelenk (Brüche, Stürze…), Einnahme von Medikamenten, Begleiterkrankungen…. Die körperliche Untersuchung umfasst die Tests auf Stabilität des Gelenkes, Bewegungsumfang, Gelenkkontur…
Meist schließt sich daran eine bildgebende Diagnostik in Form von Röntgen, CT oder MRT an. Radiologische Hinweise auf Arthrose sind Anbauten am Knochen (sog. Osteophyten), eine Verschmälerung des Gelenkspaltes, Ausdünnung des Knorpels, Knochenverdichtung am Gelenkspalt (Sklerose), sog. Geröllzysten (Zysten unterhalb des Knorpels) und ggf. Gelenksergüsse. Manchmal ist auch eine Gelenkspiegelung in Form einer Arthroskopie in minimalinvasiver Zugangsart nötig, um das Ausmaß der Arthrose abschätzen zu können und oftmals gleichzeitig eine Behandlung am/im Gelenk zu beginnen.

Was kann man tun?

Die Behandlung der Arthrose besteht aus zwei Säulen: Einerseits soll dem Betroffenen der Schmerz genommen werden, andererseits sollen mechanischen Einschränkungen durch zunehmende Gelenksdeformität vorgebeugt werden.

Eine Arthrose kann nur sehr schwer zur vollständigen Heilung gebracht werden – in der Mehrheit der Fälle gilt der Therapieansatz vielmehr der Linderung der Schmerzen und des Hinauszögerns des Fortschritts. Lediglich durch eine Prothese, die das Gelenk komplett ersetzt, ist eine Arthrose „zu heilen“.

Schmerzfreiheit kann u.a. durch antientzündliche Medikation erreicht werden (Cortison, Ibuprofen, Diclofenac u.a.). Medikamente ohne schmerzlindernden Anteil aber mit gelenkprotektiver Wirkung sind u.a. Hyaluronsäure, Glucosamin sowie pflanzliche Präparate (z.B. Artischockenextrakt). Deren Wirkung ist teilweise noch umstritten – in der Praxis werden sie aber häufig (und erfolgreich) angewandt.
Unterstützend zur medikamentösen Therapie treten Physiotherapie, Wärmetherapie, Bädertherapie, Orthopädietechnik (Krücken, Stützen, Absätze, Schuheinlagen, Bandagen) und andere Formen hinzu. In Studien hat sich die Akupunktur als wirksam bei Schmerzen durch Kniegelenksarthrose erwiesen.

Operative Therapie wird u.a. durch den Versuch der Wiederherstellung des zugrunde gegangenen Knorpels eine Besserung erreicht – auf diesem Gebiet gab es in den letzten Jahren große Fortschritte und Forschungsanstrengungen. Diese Wiederherstellung kann durch eigenen Knorpel aus weniger belasteten Bereichen oder durch Implantation von gewonnenen körpereigenen Knorpelvorläuferzellen erreicht werden.

Möglich ist auch eine „Anfrischung“ des Knorpels durch Anbohrung und einhergehendem Einschwemmen von Stammzellen, ein Zurechtschneiden abstehender Knorpelteile, die die Arthroseentstehung befördern sowie Implantation von Carbon-Stiften. Diese Techniken sind heute mittels minimalinvasiver Arthroskopie durchführbar.

Bei fortgeschrittener Arthrose bleibt als Therapieansatz gegen Deformität, nicht beherrschbarem Schmerz und Fortschreiten der Arthrose nur ein operativer Ansatz. Dieser kann als Teilersatz des Gelenkes (z.B. Schlittenprothese), als Totalersatz in Form einer Prothese (z.B. Knie-Total-Endoprothese) oder im schlimmsten Fall als Gelenkversteifung (Arthrodese) durchgeführt werden. Zusätzlich können Achsfehlstellungen korrigiert werden (Umstellungsosteotomie) und der Gelenkknorpel geglättet und Kalkeinlagerungen etc entfernt werden.

Diese Information ersetzt keinen Arztbesuch und erhebt keinen Anspruch auf  Richtigkeit oder/und Vollständigkeit.

Habt ihr eine Krankheit, deren Ursachen, Verlauf, Therapie euch interessieren? Dann postet euren Wunsch in die Kommentare und wir werden eure Frage in einem der kommenden Beiträge beantworten!

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