Arzt an Bord

Zu Risiken und Nebenwirkungen…..


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Leere Lehre

Wir machen Praktisches Jahr. Praxis in der Klinik, am Krankenbett, mit den Patienten. Und „sollen dabei etwas lernen“. Immerhin wird u.a. damit unser geringer Lohn begründet. Also erwarten wir von Seiten der Kliniken, dass wir Engagement darin sehen, uns Studenten eine gute Ausbildung in unserem letzten Jahr als behütete Studenten zu bieten. Um uns optimal auf die Klinik vorzubereiten.

Leider ist dieser Wunsch in vielen Kliniken in langen Fluren verhallt und nicht bis zur Chefetage durchgedrungen. Einzelne Leuchttürme in Form von motivierten Assistenzärzten und Oberärzten, die sich bemühen uns etwas beizubringen und denen der Lehrgedanke am Herzen liegt, existieren – nur ist ihre Zahl verhältnismäßig noch viel zu klein.

Manchmal stimmen wir über die Füße ab – was sich vor allem in der Chirurgie zeigt: in wohl keinem anderem Tertial gehen so viele PJ’ler ins Ausland, kehren den deutschen Lehrkliniken den Rücken und gehen z.B. in die Schweiz, die nach wie vor eines der führenden Auslands-Tertial-„Anbieter“ ist (ob es dort wirklich anders oder besser ist werde ich dann in wenigen Wochen zu beurteilen wissen). Kein Wunder, dass die Chirurgen gerne nach noch mehr PJ’ler an ihrer Klinik rufen, wenn die bereits zugeteilten ins Ausland fliehen und damit der Klinik zeigen, wie gut die Lehre in der Chirurgie ist. Oftmals sieht diese so aus wie es ein Oberarzt mir mal im OP an den Kopf geworfen hat: „Der optimale Assistent im OP steht still und unbeweglich da, hält Haken und Klappe“.
Kein Wunder, dass es uns wegzieht! Dass wir uns ausgenutzt fühlen! Auf Station zum Blutabnehmen verdonnert, im OP zum Haken und Klappe halten und, wenn wir denn Glück haben, dürfen wir in der Ambulanz mitlaufen.

Klar, es gibt auch Kliniken, da dringt diese Abstimmung mit den Füßen bis zu den Chefs durch und die Lehre wird umgebaut. Neu aufgezogen. Da bekommt man in der Ambulanz eigene Patienten, die man mit dem Oberarzt durchsprechen kann. Da wird im OP erklärt. Da darf man etwas selbst tun – und sei es am Anfang natürlich nur zunähen oder zutackern. In kleinen Schritten geht es nach oben. Da darf man einen eigenen Patienten betreuen (und v.a. passen die Abläufe auf Station, dass das auch möglich wird!). Es verwundert nicht, dass diese Kliniken meist von Bewerbungen überhäuft werden und um die Plätze gelost werden muss. Es muss auch kein besonders hohes Gehalt geboten werden – denn so sind wir auch nicht; wer uns gute Lehre beweist und uns in dem letzten Jahr für das spätere eigenverantwortliche Leben vorbereitet, dem folgen wir gerne und verzichten auf allzugroße finanzielle Gegenleistungen für unsere Arbeit (diese Einstellung gibt’s wohl auch nur bei den uneigennützigen Gesundheitsberufen).

Schade ist nur, dass es in Deutschland immer noch schwer ist, gute Lehre zu erhalten und man so darum kämpfen muss. In anderen Ländern gehört Lehre mit zu den Aufgaben, die ein Arzt erledigen _möchte_ und zu seiner Aufgabe zählt – neben der Versorgung der Patienten. Da hat die Ärzteschaft verstanden, dass wir die Zukunft bedeuten und sie mit gutem Vorbild vorausgehen können. Wer einmal gute Lehre erfahren hat, der gibt diese gerne an die nächste Generation weiter. Wer aber selbst nur Haken und Klappe hält und (so passiert) mit dem Satz „Glauben Sie mir, ich habe nach 10 Jahren keine Lust mehr Ihnen etwas beizubringen und denken Sie nicht, der Laden würde nicht ohne Sie laufen“ begrüßt wird, der wird später schwer die Motivation entwickeln den neuen Studenten viel Lehre zukommen zu lassen, die ihn in seinem alltäglichen Stress nur noch mehr beschäftigen mit ihren Fragen, ihrem langsameren Arbeiten und den Problemen, die sie in Handhabung und Ausübung der Eingriffe noch haben.
Ich finde eine tolle Webseite ins Netz zu stellen, um den Nachwuchs anzuwerben, wie es die Chirurgen tun, hilft dann auch nur noch bedingt weiter, wenn die schöne virtuelle Illusion durch den ersten Kontakt mit einem cholerischen Oberarzt im OP völlig zerstört wird.

Deswegen plädiere ich dafür, dass endlich ein Ruck durch die Vorstandsetagen gehen muss! Dass Kliniken, wie bereits bei den Klinikkonzernen weit verbreitet (zumindest laut Erfahrungsberichten online), Ausbildungsprogramme für die PJ’ler entwickeln, Tutoren benennen, Ansprechpersonen, Kataloge, die die Angebote auflisten und deren Umsetzung überwachen, Abläufe ggf. ein wenig anpassen, damit eine Zeitverzögerung durch das Anlernen eines PJ’lers nicht gleich zu wirtschaftlichen Katastrophen und Burn-out-Symptomen des Betreuers führen……

Als Beispiel möchte ich folgendes Problem aufzeigen: Weiterlesen