Arzt an Bord

Zu Risiken und Nebenwirkungen…..


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Das Beste kommt zum Schluss

Am Anfang meiner Zeit in der Gyn habe ich mir irgendwann meine kleine persönliche To-Do-Liste erstellt. Da stand alles drauf, was ich in den 4 Monaten gerne lernen, sehen und tun würde. Ich bin ein großer Freund von To-Do-Listen. Was da drauf steht, fühlt sich immer schon halb erledigt an, obwohl man nur den Stift in die Hand genommen hat um es zu notieren. Und dann bleiben die To-Do-Listen meistens liegen. Ein bisschen so war das mit meiner Gyn-Liste auch.

Als ich sie Mitte der vorletzten Woche in der Gyn wieder in meinem Spind gefunden habe, musste ich feststellen, dass die meisten Punkte noch unerfüllt waren. „Nähen“ und „Drainagen legen“ hat es noch in der ersten Woche zu einem Häkchen gebracht, aber danach… Und dabei hatte ich gedacht, ich wäre direkt gewesen darin meine Wünsche zu äußern. Aber tatsächlich habe ich 13 Wochen lang durchschnittliche einen Nachmittag die Woche in der Brustsprechstunde verbracht, ohne jemals eine Brust zu schallen.

Und als ich OA Michael darauf angesprochen habe, ob das nicht mal möglich wäre, zeigte sich ganz klar, wo das Problem liegt. „Wenn du das jetzt so direkt sagst… Klar können wir das einrichten.“ Ich war offenbar tatsächlich nicht frech genug gewesen. Und von selbst hatte es keiner auf der Rechnung mich auch mal etwas machen zu lassen. Ein bisschen traurig in einem Lehrkrankenhaus, aber gut. Selbst ist die Frau!

Und so habe ich meine letzte Woche überwiegend mit dem Satz verbracht: „Kann ICH das machen?“ Und siehe da: Montags mache ich die Abschlussuntersuchungen der Gyn-Station. Erst nur den vaginalen Ultraschall und dann auch die Untersuchung mit den Spekula. Und keine Patientin fällt in Ohnmacht oder beschwert sich. Und es ist tatsächlich gar nicht so kompliziert, beim zweiten Mal geht es ohne Hilfestellung. Und zum Schluss schreibt die Ärztin meinem eigenen Untersuchungsbefund in den Brief.

Am Dienstag bin ich einmal mehr bei Michael in der Brustsprechstunde dabei. Und mache alle Ultraschalluntersuchungen. Zuerst nur orientierend vorab und dann vollständig. Die vorletzte Patientin des Tages betreue ich ganz alleine, während er daneben sitzt, mir auf die Finger schaut und meine Schreibkraft spielt. SO soll Lehre sein. Und weil ihn dann irgendwie der Ehrgeiz packt, als er meine Begeisterung bemerkt, darf ich zum Abschluss der Sprechstunde noch eine Patientin stanzen. Als wir zusammenpacken, grinst er mich an und meint: „Jetzt hast du mehr gemacht, als unsere Assistenzärzte in der ganzen Ausbildung.“ Schön für mich, aber schlimm für die Assistenten und ein Armutszeugnis für die Klinik.

Mittwochs versuche ich mein Glück bei den Schwestern auf der Wochenstation. Ich schreibe in jeden Entlassbrief nach Geburt etwas über Hörtest und U2, aber erlebt habe ich beides nie. Leider sind die Schwestern nicht ganz so kooperativ. Ihr Versprechen mich für die nächsten Untersuchungen anzurufen, halten sie nicht. Auch am nächsten Tag klappt es nicht und so bleibt dieser Punkt auf meiner Liste unerledigt.

Dafür findet sich an dem Mittwoch endlich mal die Zeit und ein Raum um zwei schwangere Frauen zu schallen – 16. und 36. Woche. Der Lerneffekt ist enorm, weil ich erstens quasi direkten Vergleich zwischen früher und später fetaler Entwicklung habe. Und zweitens bei beiden Frauen erst einmal 10 Minuten alleine mein Glück versuchen kann. Erst dann kommt Engelchen dazu und lässt sich zeigen, was ich gesehen habe, lässt mich messen und erklärt mir, wie ich ein besseres Schallfenster finde. Und wieder war die Angst vor Beschwerden seitens der Frauen völlig umsonst. Sie sind ganz begeistert, dass sich jemand so viel Zeit nimmt und alles erklärt und zeigt.

Am Donnerstag ist meine To-Do-Liste schon ziemlich zusammengeschrumpft. Und das Highlight dieses Tages stand erst gar nicht drauf. Ich operiere mit einer Oberärztin einen gutartigen Brusttumor. Und als sie durch die Haut durch ist, lässt sich mich tasten. Der Knoten ist völlig abgekapselt. „Wow, das kann man ja quasi mit dem Finger lösen.“ Und siehe da, ich ernte ein Nicken und ein: „Na dann mach mal.“ Und so habe ich an meinem vorletzten Tag auch noch ein bisschen das Gefühl operiert zu haben.

Die wichtigste Lektion, die ich in dieser letzten Woche allerdings gelernt habe, ist einmal mehr: Frechheit siegt! Mal sehen wie das bei den Chirurgen ankommt.

– Spekulantin

Ab dem neuen Jahr gibt es von mir also Geschichten aus der Chirurgie. Wenn noch irgendwelche Fragen zur Gynäkologie offen geblieben sind, dann zögert nicht. Die werden natürlich weiterhin gerne beantwortet 😉

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