Arzt an Bord

Zu Risiken und Nebenwirkungen…..


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Gastartikel: Stellensuche für Jungärzte (Teil 2)

Nach Teil 1 des Ratgebers zur Stellensuche für Jungärzte/Jungärztinnen erklärt uns @pescum heute, worauf man achten soll, wenn der große Moment gekommen ist und man sich in der Klinik vorstellt. Viel Spaß beim Lesen!

Vorstellungsgespräch:

Nach allgemeinem Geplänkel über das Wetter, Fragen nach Anreise und Unterkunft, erklären Sie Dir oft die zahlreichen Vorteile von Stadt, Region und natürlich, was ihre Klinik Dir alles zu bieten hat. Manche sind sehr ehrlich und zählen auch Nachteile auf, damit Du weißt, worauf Du dich einlässt. Manche versuchen Dir eine heile Welt vorzugaukeln, obwohl dort das absolute Chaos herrscht. Allein in der Hoffnung, Du bleibst nach unterschriebenem Vertrag und evtl. Umzug trotzdem dort. Da kannst Du Dir schon ausrechnen, wie ehrlich der Umgang später in anderen Fragen sein wird. Ich habe die verrücktesten Typen erlebt. Vorstellungsgespräche sind so verschieden wie die Menschen. Hör einfach auf Dein Gefühl, mit dem Du aus dem Gespräch raus gehst.

Hospitation:

Auch wenn Du Dich mit dem Chef noch so gut verstehst, hospitiere auf jeden Fall!
Und zwar nicht nur einen, sondern wenn irgend möglich zwei Tage oder länger. Deinen Partner/Deine Partnerin heiratest Du auch nicht nach dem ersten Date. Oft kann man eine Nacht kostenlos im Personalwohnheim unterkommen. Für einen Tag lässt sich sehr gut steuern, wen und was Du zu sehen bekommst und wen nicht. Je länger Du da bist, desto mehr verschiedene zukünftige Kollegen lernst Du kennen. Denn mit denen musst Du klar kommen, mit dem Chef wirst Du im Alltag wenig zu tun haben. Vermutlich wirst Du von einem der erfahrensten Assistenten herum geführt. Dem läuft alles easy von der Hand, schließlich macht er den Job schon seit Jahren. Für umso wichtiger halte ich es , sich mit anderen Anfängern zu unterhalten.
Wie war die Einarbeitung (in der Regel die ersten sechs Wochen)? Bekommt man genug Zeit, sich an die Abläufe in der Klinik zu gewöhnen? Bist Du in dieser Zeit auch wirklich nur in einer Abteilung oder musst Du an allen Ecken „mal schnell“ aushelfen, weil die Leute fehlen? Hat die Klinik einen strukturierten Weiterbildungsplan aus dem Du genau nachvollziehen kannst, wann Du in welcher Abteilung sein wirst und noch viel wichtiger: wird er auch eingehalten? Keine Klinik ist perfekt und Du wirst oft Kompromisse eingehen müssen. Falls Du es noch nicht bemerkt hast, wirst Du es spätestens während der Arbeit merken: der Umgangston in der Medizin ist rau. Man wird viel von Dir verlangen, umso wichtiger ist es, dass Du am Anfang Zeit hast, die Abläufe kennen zu lernen.

Überstunden

Viele Chefs erwarten, dass Du am Anfang Überstunden machst. Begründung: als Anfänger bist Du noch nicht eingearbeitet und brauchst für alles mehr Zeit. Diese Zeit musst Du eben am Abend länger bleiben. Beliebter Spruch: „als ich in Ihrem Alter war, habe ich am Wochenende sogar Akten mit nach Hause genommen.“ In manchen Häusern sind Überstunden generell verpönt und werden per Dekret von oben nicht aufgeschrieben.
Kurz gesagt: das ist rechtlich überhaupt nicht haltbar. Du arbeitest so lange wie im Vertrag vereinbart. Punkt. Und wenn der Datenschutzbeauftragte der Klinik mitbekommt, dass Du Akten aus dem Krankenhaus trägst, kriegt der ’nen Anfall. Das ist höchst bedenklich und kann Dir ’ne
Menge Ärger einbringen. Im Zweifel wusste der Chef von nichts. Ob Du das alles allerdings Deinem Arbeitgeber vorhälst, ist wieder eine andere Frage. Man möchte vielleicht wirklich gerne dort arbeiten und muss dafür die ein oder andere Kröte schlucken. Ich verweise auf oben, Thema ehrlicher Umgang mit den Mitarbeitern.

Kleiner rechtlicher Hinweis: Dein Arbeitgeber ist die Klinik bzw. der Chef der Personalabteilung. Mit ihm allein ist alles Vertragliche zu regeln. Der Klinikchef ist Dein Vorgesetzter. Natürlich solltest Du mit ihm trotzdem alles besprechen. Das gebietet die Fairness.

Dienstplanmodell

Lass es Dir erklären. In Famulatur und PJ wirst Du immer noch geschont. Vielleicht hast Du schon mal Wochenend- und Nachtdienste mitgemacht. Wirklich verstanden, was das bedeutet habe ich allerdings erst, nachdem ich einige Dienste selbst gemacht habe. 24 Stundenam Stück als einziger Arzt Deiner Fachrichtung in einer Klinik können sehr lang sein. Du kannst zwar Deinen „Hintergrund“ (Oberarzt) anrufen, der freut sich morgens um drei aber auch eher weniger, aus dem Schlaf gerissen zu werden und kann entsprechend pampig werden.
Ich persönlich habe durch Tätigkeiten in verschiedenen Hilfsorganisationen den Eindruck gewonnen, dass kirchliche und soziale Unternehmen nach aussen gerne mit ihren Wohltaten, Nächstenliebe und ihrem guten Ruf werben, die Arbeitsverträge mit den Mitarbeitern aber genauso hart oder noch härter als in privaten Kliniken sind. Noch am besten waren die formalen Bedingungen in kommunalen und städtischen Krankenhäusern. Die findet man allerdings immer seltener.

Absage

Per Mail oder telefonisch. Bei der Sekretärin oder beim Chef. Je nachdem wie viel Dir daran liegt. Eine meiner Stellenabsagen war zum Beispiel das angenehmste Gespräch, das ich je mit einem Chefarzt hatte. Er hat sich tierisch gefreut, dass jemand überhaupt noch den Anstand hat, persönlich abzusagen und ihm die Gründe dafür mitzuteilen. Allgemein empfehle ich dringend, sich immer im Guten zu trennen. Die Welt der Medizin ist klein und man sieht sich früher oder später irgendwo, irgendwann wieder.

Weitere Hintergrundinfos zu Tarifverträgen und Arbeitgebern bieten z.B. die Ärztegewerkschaften Marburger- und Hartmannbund. Hier erhält man von Anwälten für Arbeitsrecht eine Einordnung des angebotenen Arbeitsvertrages. Auch kennen die oft ihre Pappenheimer. Also Kliniken, mit denen es z.B. öfter Ärger gibt oder die sich sehr Arbeitnehmer freundlich verhalten. Die Mitgliedschaft in den Gewerkschaften ist für Medizinstudenten kostenlos. Als Assistenzarzt kostet es je nach Landesverband einen Jahresbeitrag knapp unter Hundert Euro. Dafür gibt ’s u.a. kostenfreie Rechtsberatung. Für mich hat sich das schon mehr als bezahlt gemacht. Muss aber natürlich nicht jedem so ergehen. Einen ähnlichen Service bieten die Berufsverbände der Fachärzte.

Ein Anwalt der Gewerkschaft sagte mir mal: „verkaufen Sie sich nicht unter Wert! In Deutschland werden Ärzte wie Sie Hände ringend gesucht. Machen Sie sich nichts vor! Chefärzte nutzen Ihre Unerfahrenheit schamlos aus. Es herrscht Krieg da draussen!“ Ich lasse das mal so stehen. Mag sich jeder seine Gedanken dazu machen.

P.S.: Ja, ich verwende allgemein die maskuline Form. Mir ist bewusst, dass die Zukunft der Medizin weiblich ist und sowohl Nachwuchs als auch zukünftige Chefinnen in der Mehrheit sein werden. Es mag auch männliche Sekretäre geben (mir ist noch keiner begegnet). Ich habe Nichts gegen all das. Ich bin schlicht kein Fan von Gerundien, BinnenmajuskINNEN und wechselnden Geschlechtsforminnen, kurz allem, was den Lesefluss verkompliziert. Steinigt mich, nennt mich ein sexistisches Machoschwein. Und ja, Conchita Wurst hat zu Recht gewonnen, weil sie schlicht gut singen kann.

Mit diesem Fahrplan sollte der Bewerbung und der richtigen Stelle nichts mehr im Wege stehen, außer vielleicht der innere Schweinehund sich zu bewerben und aktiv auf die Suche zu machen. Danke an @pescum für diesen informativen Beitrag! Kommentare und Anmerkungen gerne in die Kommentare.

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HowTo: PJ-Seminar

Hallo liebe Oberärzte,

irgendwie ist es passiert, dass ihr an einem Lehrkrankenhaus gelandet seid. Und jetzt erwartet man von euch, dass ihr alle 2-3 Monate mal ein Seminar haltet damit wir PJler auch das Gefühl haben, dass wir an einem Lehrkrankenhaus sind. Das ist natürlich nervig neben all den OPs, Sprechstunden und Arztbriefen. Aber eigentlich ist es gar nicht so schwer. Wenn ihr euch an ein paar Tipps haltet, werden wir das ganz locker über die Bühne kriegen.

1. Keiner kann von euch erwarten, dass ihr wisst, wann ihr dran seid mit eurem Seminar. Natürlich gibt es da so einen Plan mit allen Terminen und Themen, den wir extra an alle verteilen. Aber mal ganz ehrlich, wer liest sich sowas denn auch durch? Ist ja auch nicht so schlimm. Dafür habt ihr ja uns PJler, die euch zwei Wochen vorher und 2 Tage vorher und dann nochmal am fraglichen Morgen daran erinnern, dass es soweit ist. Und denen ihr dann jedes Mal ehrlich erstaunt antworten könnt: „Oh, tatsächlich. Das wusste ich ja gar nicht. Danke. Was ist denn das Thema?“ – Oh, bitte, gerne, dazu sind wir doch da.

2. Das mit dem Thema ist sowieso mehr so eine Nebensache. Irgendjemand schustert da eben einen Plan zusammen ohne sich Gedanken darüber zu machen, dass er möglichst alle interessanten Themen abdeckt. Wenn ihr gerade noch irgendwo einen Vortrag zur Leberzirrhose in der Schublade habt, dann haltet doch den zum Thema „Chronisch Entzündliche Darmerkrankungen“. Vielleicht merkts keinr. Ist doch alles Verdauungstrakt. Dann müsst ihr euch nicht darum bemühen etwas vorzubereiten. Und uns erspart es die Mühe 3 Wochen später in das Seminar zum Thema „Leberzirrhose und HCC“ zu gehen. Da sparen wir alle Zeit.

3. Wir freuen uns, wenn ihr uns mit euren Erklärungen dort abholt wo wir stehen. Und weil wir noch ganz am Anfang unserer ärztlichen Karriere sind, ist es wichtig bei den Basics anzufangen. Also erklärt uns doch bitte erst nochmal, wie die Erregungsausbreitung am Herzen im Einzelnen funktioniert. Worte wie His-Bündel und Erregungsrückbildung sind kompliziert und schwer zu behalten. Erst wenn wir das also erschöpfend behandelt haben, ist die Zeit gekommen noch ein paar Minuten über so hochspezielle Themen wie EKG-Befundung zu reden. Manches muss man ja auch für die Facharztausbildung aufsparen.

4. Es geht doch nichts über eine hübsche Powerpoint-Präsentation. Da ist es gar nicht so wichtig, dass man weiß, was auf den Folien steht. Wenn man drückt, kommt ja immer wieder eine neue, die hübsch anzuschauen ist und der man sich dann philosophisch nähern kann. Und für uns hat es den Vorteil, dass ihr uns nicht mit ätzenden Fragen nervt, oder wir gar mitdenken müssen. So kurz nach dem Mittagessen ist das ja auch manchmal wirklich viel verlangt. Also lest ihr schön vor und wir dösen ein bisschen vor uns hin – Deal?

5. Das schönste an Powerpointfolien ist übrigens, dass man da so herrlich hübsche Grafiken und Tabellen aus irgendwelchen Studien reinpacken kann. Dann lässt sich der Überlebensvorteil bis auf die 2. Nachkommastelle genau diskutieren. Und es ist auch ganz viel Platz für endlose Listen von Risikofaktoren oder Symptomen. Immerhin sollen wir ja eine umfassende Bildung erhalten. Häufiges ist zwar häufig, aber die speziellen Sonderfälle sind wirklich meistens viel spannender. Danke, dass ihr uns daran teilhaben lasst.

6. Wer braucht schon Patientenfälle? Echte Patienten sehen wir ja jeden Tag auf Station, da müssen wir uns nicht auch noch im Seminar damit befassen, an welche Differentialdiagnosen man bei unklaren Bauchschmerzen alles denken muss. Das wäre auch viel zu praktisch orientiert. Immerhin ist das ja eine Theorieveranstaltung. Und überhaupt, Ultraschall und Röntgenbilder, Laborwerte und Histologiebefunde aus Patientenakten sind immer so wenig anschaulich. Da bietet das Lehrbuch doch viel schönere Bilder, auf denen einen der Tumor direkt anspringt und die Blutwertveränderungen alle Kriterien für die Krankheit erfüllen. Wenn man sich das nur oft genug angeschaut hat, wird man sicher irgendwann eine normal Aufnahme oder einen eher unklaren Befund erkennen. Also immer her mit den perfekten Patienten.

7. Keiner mag Störenfriede, die immer dazwischen quatschen und dumme Fragen stellen. Am besten ist es, solche Leute mit den Worten „Dazu komme ich gleich“ zu vertrösten und dann einfach ganz elegant die Frage zu vergessen. Wird schon keiner so frech sein, die Frage zu wiederholen. Aber lasst euch von sowas bitte bloß nicht aus dem Konzept bringen. Immer schön weiter im Text.

8. Natürlich wollen wir genau deshalb von euch lernen, weil ihr so viel Erfahrung und Wissen habt. Und da sind wir nicht die Einzigen. Irgendwo lauern da auch noch die Assistenzärzte. Und wenn die während des Seminars anrufen, hat das natürlich Priorität. Immerhin stehen sie ja in der Ausbildungshackordnung weit über uns PJlern. Also immer schön rangehen und dann kommentarlos rauslaufen zum Telefonieren. Wir laufen auch nicht weg und keiner wird unruhig, wenn ihr nach 20 Minuten noch nicht wieder da seid. Es fehlen ja noch ein paar Folien. Außerdem haben wir totales Verständnis, dass außer euch keiner diese Frage so kompetent beantworten kann und ihr deshalb nicht einfach auf einen Kollegen verweist. Immerhin geht es meistens um Leben und Tod und es müssen schwere Entscheidungen in Sekunden getroffen werden.

9. Praktische Übungen mit 10 Leuten sind natürlich absolut kontraindiziert. Das kann man keinem Patient zumuten. Die Gruppe zu teilen kann man wiederum den PJlern nicht zumuten. Da werden ja welche bevorzugt und kommen früher dran. Ich befindet euch da wirklich in einer Zwickmühle. Denn dass sich die Studenten gegenseitig untersuchen oder dass man manches an einer Puppe übt, ist wieder mal nicht sehr realistisch. Und bevor nur ein paar die vergrößerte Leber tasten oder das Herzgeräusch hören, soll es lieber gar keiner machen. Könnte ja sein, dass die anderen dann beim nächsten Patienten nicht da sind und immer die Gleichen etwas lernen. Also besser Keiner statt Alle.

So, das waren jetzt hoffentlich ein paar hilfreiche Vorschläge, wie man Lehre gestalten kann. Umgekehrt sind wir natürlich auch für eure Vorschläge an uns offen, was wir besser machen können um zum Erfolg eines Seminars beizutragen. Und wenn es trotzdem nicht klappt, bleibt euch ja immer noch die letzte Möglichkeit:

10. Lasst das Seminar doch einfach ausfallen. Geht stattdessen in den OP, sagt das Thema sei doof und man könne dazu gar nichts erzählen, schickt andere Kollegen früher heim, damit ihr in der Ambulanz unabkömmlich seid… euch fällt sicher was ein. Und im Zweifelsfall gebt einfach gar keinen Grund an. „Ausgefallen wegen Is Nich“ ist immer noch besser als ein schlechtes Seminar.

Viele liebe Grüße,
eure Spekulantin