Arzt an Bord

Zu Risiken und Nebenwirkungen…..


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Little Miss Perfect – Teil 1

Zum Abschied blinzelt sie mich treuherzig an und sagt einen wahrhaft legendären Satz: „Ich hoffe ich war nicht zu anstrengend.“ Für einen Moment bin ich einfach nur sprachlos. Hinter ihrem Rücken sitzt meine Lieblingsschwester und grinst mich sehr breit und ein bisschen herausfordernd an. Aber am Ende bin ich zu nett für die ehrliche Antwort und zu ehrlich für die nette Antwort und übergehe den Satz einfach gekonnt, indem ich meiner (Ex-)Mit-PJlerin viel Spaß in der Schweiz wünsche. Wenn sie es merkt, lässt sie es sich zumindest nicht anmerken.

Dabei hat es gar nicht so schlecht angefangen. Mein erster Eindruck von Little Miss Perfekt lässt sich in drei Worte fassen: Klein, blond, motiviert. Aber eigentlich nicht unsympathisch. Vielleicht ein bisschen zu enegriegeladen für meinen Geschmack. Und es dauert auch zwei bis drei Wochen, bevor mir das Muster zum ersten Mal auffällt.

Zuerst ist es das Blutabnehmen: Ich komme morgens auf Station und stelle fest, dass das Blutentnahme-Tablett weg ist. Zwei Minuten später stolpere ich über Little Miss Perfect, die mir einen fröhlichen guten Morgen wünscht und die Blutröhrchen im Ausgangsfach deponiert. Sie hat meine ganze Station gemacht. Und ihre wohl auch schon. „Ja, war nicht so viel bei mir heute. Ich dachte, ich helf dir.“ Nett von ihr. Nachdem wir das Spiel eine Woche lang jeden Morgen gespielt haben und ich so langsam aber sicher anfange mich überflüssig zu fühlen, versuche ich das zu klären. Dass wir doch beide später kommen können, wenn wir morgens immer so gut durchkommen. Der Vorschlag stößt auf taube Ohren. Also komme ich eben früher. Aber es ist wie in der Geschichte von Hase und Igel. Egal wann ich komme, sie ist immer schon da und lächelt und macht meine Arbeit.

Nach 2 Wochen platzt mir der Kragen und ich versuche ihr klar zu machen, dass das zwar nett von ihr ist – danke vielmals, wirklich – aber ich sehr wohl in der Lage bin, meine Aufgaben selbst zu erledigen (verdammt nochmal!). Sie lächelt und nickt und entschuldigt sich – und ist trotzdem jeden Morgen vor mir da.
Ich gebe es auf, bzw. richte mir ein zweites Tablett und kann sie immerhin dazu bewegen nicht alle Röhrchen mitzunehmen, wenn sie loszieht. Nennen wir es eine Art Waffenstillstand. Und ich habe so langsam wirklich keine Lust mehr zu streiten.

Außerdem brauche ich die Kraft gegen ihren übermotivierten Dickschädel inzwischen an anderer Front. Weiterlesen