Arzt an Bord

Zu Risiken und Nebenwirkungen…..


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in den Wald rufen

Nach dem Artikel „Funktionieren“ gab es in den Kommentaren u.a. den Hinweis, dass die von Patientenseite erwartete Höflichkeit, Freundlichkeit und Zugewandtheit gegenüber dem Arzt (und der Pflege…) natürlich auf Gegenseitigkeit beruhen muss. Wahre Worte, die da geäußert wurden – und bei vielen Patienten selbstverständlich. Wie heißt das Sprichwort so treffend: „wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus„. Wenn ihr als Patienten eine gute Betreuung haben  und mit dem Arzt auf Augenhöhe kommunizieren wollt, dann bringt ihm ein wenig Respekt entgegen. Vielleicht auch ein wenig Nachsicht, dass nicht jeder Assistenzarzt (oder Student) eure Leidensgeschichte in- und auswendig kennt, dass man nicht immer sofort weiß, wer ihr seid, wenn ihr euch in der Sprechstunde vorstellt und dass es z.B. auf Notaufnahmen neben euch viele weitere Patienten gibt, die versorgt werden wollen und die nach Dringlichkeit abgearbeitet werden müssen. Der Arzt ist nicht böswillig (meistens zumindest), wenn ihr ein wenig länger warten müsst, wenn er in der Sprechstunde erst in den Unterlagen nachliest, wie eure Leidensgeschichte verlief oder er euch Dinge zum gefühlt tausendsten Mal fragt, die schon zehn andere Ärzte vor und nach ihm gefragt haben (dass dabei oftmals ganz unterschiedliche Antworten herauskommen ist eine andere Geschichte).

Und bitte liebe potentiellen Patienten, auch Studenten als angehende Ärzte haben Gefühle und ein Recht auf Respekt. In der Rolle als PJ’ler in den deutschen Kliniken haben sie meist von Grund auf kein allzu leichtes Leben (vom Honorar für ihren Einsatz ganz zu schweigen) – und trotzdem beißen sie die Zähne zusammen und sich durch ihr letztes Studienjahr, um endlich das zu tun, was sie immer schon tun wollten – mit Neugier auf euch, mit Freude an euch und dem Umgang mit Menschen und mit Einsatz für euch und eurem Wohlergehen. Denkt daran, dass vielleicht genau in diesem Moment euer Arzt von morgen vor euch sitzt, in der Sprechstunde mit euch spricht und euch untersuchen möchte. Dass dieser junge Student in seiner Lernphase ist und nicht schon jetzt alles wie ein Profi meistern wird.
Meist werden wir vorgeschickt, um die Anamnese zu erheben und euch voruntersuchen zu können. Im Anschluss stellen wir euch unserem Oberarzt vor und dieser kommt danach zu euch und bespricht die weitere Therapie. Keine Panik also, euer Weißkittel ist beinahe bei euch, ihr müsst nur noch schnell an seinem „Türsteher“ oder, wie ich es den Patienten immer sage, „der Vorhut“ vorbei. Anders funktioniert das System der Sprechstunden in den Kliniken nicht, denn kein Oberarzt hat die Zeit sich für jeden Patienten so viel Zeit zu nehmen, wie es für Anamnese, Untersuchung, Besprechung von radiologischen Aufnahmen und Prozedere sowie dem anschließenden Sprechstundendiktat benötigt.

Da kann es, gerade bei den PJlern und Studenten, die erst neu in der Klinik sind und euch zuvor niemals gesehen haben, vorkommen, dass diese sich unsicher sind, die ein oder andere Frage stellen müssen, die ihr eurem behandelnden Ober- oder Chefarzt schon beantwortet habt oder dass diese nicht alles aus eurer Vorgeschichte wissen. Seht es mit einem Augenzwinkern – aber bitte, greift sie deswegen nicht an und/oder macht ihren Einsatz und ihre Arbeit schlecht. Sie geben garantiert ihr Bestes!

(c) delsmann.de

Mir ist es ein paar Mal passiert, dass ich von Patienten „dumm angemacht“ wurde. Während einer Famulatur in einer Privatklinik meinte eine der Privatpatientinnen rundheraus zu mir, als ich zur Anamneseerhebung und Voruntersuchung ins Zimmer kam, ich „habe ja eh keine Ahnung und wisse gar nichts“ und sie „wolle nur mit dem behandelnden Arzt sprechen„.
Immer wieder gut sind auch die Gesichtsausdrücke, wenn ich als als Erster das Zimmer betrete, bevor der Arzt kommt, und die fragenden Blicke, wo der Arzt sei und was ich denn hier verloren habe.
Damit kann ich eigentlich inzwischen ganz gut umgehen und nach einem Standardspruch, dass ich nur die Vorhut sei, bin ich bisher bei vielen Patienten gut gelandet und konnte sie beruhigen.

Manchmal aber, da weht einem unterschwellige Feindlichkeit entgegen, so vor einiger Zeit geschehen. Wir hatten Sprechstunde und als Unterassistent sind wir hier in der Schweiz als Arbeitskraft dafür voll mit eingerechnet. Das bedeutet, wir arbeiten wie die Assistenzärzte fleißig mit, bekommen die Akten der Patienten und müssen dann Anamnese und Untersuchung bei ihnen machen. Anschließend schauen wir uns die Röntgenbilder an und besprechen dann mit dem Leitenden den Stand der Therapie und die geäußerten Beschwerden. Daraufhin betritt man zu zweit das Untersuchungszimmer und der Leitende bespricht die Optionen (ggf. untersucht er nochmals gezielt nach) – und am Ende händigt man Physiorezepte, Medikamentenrezepte, Röntgenüberweisungen, Arbeitsunfähigkeiten etc aus und diktiert den Sprechstundenbericht.

Ich betrete also, nachdem ich die dicke Akte entgegengenommen und den letzten Sprechstundenbericht überflogen hatte, das Untersuchungszimmer und begrüße „meinen“ Patienten zu seiner Nachkontrolle. Dieser schaut mit großen Augen auf mein Namensschild und noch bevor ich beginnen kann meine Fragen an ihn zu stellen, wirft er mir entgegen, ob ich ihn denn kenne. Natürlich kenne ich von ihm nur das, was im letzten Sprechstunden bericht als Diagnosen und Bericht steht. Und ob ich irgendwas von ihm wisse. Ich hätte doch gar keine Ahnung von seinem Fall, was denn das dann bringe und solle und dass er bitte umgehend mit dem Leitenden direkt sprechen wolle.  Weiterlesen


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Die Qual der Wahl des Traumjobs.

Nach einer Phase in der ich Falknerin mein Berufswunsch Nummer 1 war, wurde mir eigentlich schon früh klar, dass ich Medizin studieren wollte. Hierfür gab es weder ein Schlüsselerlebnis noch elterliche Berufsvorbilder…vielleicht hatte ich in einer prägenden Phase einfach etwas viel Scrubs geschaut. Das Endziel des Studiums stand also fest: Arzt werden. Heute, wenn man dieses Ziel fast erreicht hat, müssen allerdings noch weitere Entscheidungen getroffen werden, die man 6 Jahre lang gemütlich vor sich her schieben konnte – „Es ist ja noch soo viel Zeit, bis es bei mir soweit ist“.

Da stellt sich zunächst die Grundsatz-Frage: kleines Haus oder Uniklinik? Das kleine städtische oder gar kirchliche Krankenhaus mit der Grundversorgung der Patienten, in dem sich jeder kennt – eine große Familie und nicht einer von 50 Assistenzärzten der Abteilung. Oder doch lieber die Uniklinik mit hochspezialisierter Medizin auf neustem wissenschaftlichen Stand – Engagement in Lehre und Forschung (möglichst in der „Freizeit“) sind eine Selbstverständlichkeit. Für mich persönlich hat sich spätestens während meiner Doktorarbeit herauskristallisiert, dass es mich an die Uniklinik zieht. Lehre macht mir Spaß und Forschung begeistert und fasziniert mich immer wieder aufs Neue.

Doch dann stellt sich unweigerlich die nächste und alles entscheidende Frage: „Welche Fachrichtung darf’s denn sein?“ Was einfach klingt ist so unglaublich schwer. Die meisten von uns wussten zu Beginn des Studiums ganz genau, welche Fachrichtung sie später einmal einschlagen wollten. Doch die wenigstens haben diesen Zukunftsplan über die 6 Jahre Studium unverändert beibehalten.

Ich persönlich wollte Gynäkologin werden. Doch obwohl ich dieser Fachrichtung im Rahmen von Blockkurs, Pflegepraktikum und Famulatur immer wieder neue Chancen einräumte, kristallisierte sich schnell heraus, dass schwangere Frauen und ich einfach nicht kompatibel sind. Im Rahmen der nächsten Famulaturen durchwanderte ich daher eine bunte Mischung an Fachrichtungen – von der Mikrobiologie über die Radiologie bis hin zur plastischen Chirurgie war fast alles dabei. Das Problem war nur: irgendwie hat mir (fast) alles immer Spaß gemacht. So hat doch jede Fachrichtung (vielleicht mit Ausnahme der Anästhesie) ihre ganz eigene Faszination: Die Gynäkologie mit ihrer Kombination aus internistischer und chirurgischer Tumorbehandlung; die Innere Medizin mit dem Dr.House/Rätselraten-Effekt; die Chirurgie mit ihrem „Heilen mit den eigenen Händen“; die Dermatologie mit dem blumigen Beschreiben der Hautveränderungen, die normale Menschen nicht voneinander unterscheiden können (um dann letzten Endes doch immer eine Kortisonsalbe zu empfehlen); die Rheumatologie mit ihren klar definierten Diagnosekriterien; die Radiologie mit ihrem Bildersuchspiel; die plastische Chirurgie mit ihrem Anspruch an Ästhetik…diese Liste könnte man vermutlich sehr lange fortführen.

Geprägt wird man zudem durch gute Lehrveranstaltungen, unfreundliche Oberärzte, begeisterte Assistenzärzte, Freunde, Familie und nicht zuletzt die Doktorarbeit, deren Themengebiet man am Ende vermutlich hasst oder liebt. Zu Beginn des PJs konnte ich mich immerhin auf 2-3 potentielle Fachrichtungen festlegen. Jetzt, zu Beginn des dritten Tertials, sieht es leider auch nicht anders aus. Noch bis Mai wollte ich mir Zeit geben, bevor ich ernsthaft mit der Zukunftsplanung und den ersten Bewerbungen beginnen wollte. Doch die Dinge kommen ja letztendlich immer anders.

Nach 5 Monaten im Ausland hatte ich ein Treffen mit meinem Doktorvater vereinbart: Hallo sagen, den neusten Labortratsch austauschen und den gerade geschriebenen Artikel diskutieren – das war mein Plan. Doch das Gespräch dreht sich sehr schnell, als die Frage aufgeworfen wird „Ann Arbor, wie sieht eigentlich deine Zukunftsplanung aus?“ Und ehe ich mich versehe erhalte ich ein Jobangebot, das fast zu gut ist um es auszuschlagen. Ein paar Wochen Bedenkzeit werden mir zwar eingeräumt, doch jetzt ist es soweit – ich stehe vor einer der wichtigsten Entscheidungen meines Lebens und frage mich, woher ich weiß, was das Richtige ist. Fast stündlich ändere ich meine Meinung. Woher soll man wissen was man will und was einen glücklich machen wird – nicht nur heute oder morgen, sondern auch in 10, 20, 30 Jahren – für den Rest des Lebens?

Ann Arbor


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Von Kängurus und Postkutschen

Das Semester hat wieder angefangen und das heißt es gibt wieder Studenten, die einen Tag ihres Gynäkologie-Praktikums in Unserer Kleinen Klinik verbringen. Und auf einmal fühlt sich der Leitender Oberarzt (LOA) an seinen Lehrauftrag erinnert. Während ich also bei der ersten abdominellen Gebärmutterentfernung meines Lebens Haken halte, feuert er eine ganze Batterie an Fragen auf die beiden armen Studenten am Kopfende des Tisches ab. Die wissen gar nicht, wie ihnen geschieht und ich für meinen Teil bin sehr froh, dass er mich nicht im Blick hat. Die Hälfte der Fragen hätte ich auch nicht sicher beantworten können.

Es beginnt bei der Eröffnung des Bauchraums, als er zwischen den Muskeln hindurch präpariert.
„Wie heißt denn dieser kleine Muskel, an dem ich hier gerade bin?“ – Ähm ja,… keine Ahnung.
„Der sieht so ein bisschen dreieckig aus, wie bei den alten Ägyptern.“
Häh?! „Der Pyramidalis vielleicht?“ – Was für ein Tipp! Aber es kommt noch besser.
„Bei uns Menschen hat der Muskel ja keine Funktion. Aber für welches Tier ist er denn sehr wichtig?“ – Ein Ausflug in die Tiermedizin? Als er nur in leere Gesichter blickt, gibt er weitere Hilfestellung.
„Es lebt nicht in Europa. Und auch nicht in Amerika. Und…“ – Jetzt macht es Klick.
„Das Känguruh!“ Klar, weiß doch jeder.
„Genau. Und was hat er da für eine Funktion?“ Diesmal verzichtet er auf fleißige Ratespielchen und erklärt zufrieden. „Da bildet er den Beutel.“ Wir lernen fürs Leben und so…

Während wir diese wichtige Info verdauen, murmelt der LOA leise vor sich hin: „Müde bin ich Känguru, schließe meinen Beutel zu…“ Und durchtrennt gekonnt das Bauchfell. Die OP-Schwester erstickt beinahe an ihrem unterdrückten Lachen und ich bin mir sicher die Studenten halten ihn für völlig übergeschnappt. Dann hört er mitten in der Arbeit auf, blickt die erste Assistentin an und fragt völlig ernst: „Wissen Sie warum die Kängurus Australien nie verlassen haben?“
„Ist das jetzt eine Fangfrage?“ Weiterlesen