Arzt an Bord

Zu Risiken und Nebenwirkungen…..


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PJ-Alltag in Deutschland

7.00 (okay, seien wir ehrlich, meistens eher 7.10)

Der Tag beginnt mit Blutabnahmen. Gibt keine bessere Beschäftigung, wenn man die Augen noch nicht so richtig offen halten kann. Besonders gemein sind die Tage, an denen über Nacht aus 2 Blutabnahmen plötzlich 7 geworden sind. Offenbar hatte der Diensthabende nachts sonst nichts zu tun und hat munter ein bisschen Gepiekse angeordnet. Und plötzlich geht meine tolle zeitliche Rechnung nicht mehr auf. Was freue ich mich darauf, wenn wir wieder Famulanten haben!

7.30

Eigentlich sollte jetzt die Frühbesprechung beginnen. Gleichzeitig beginnt aber auch die interdisziplinäre Visite auf der Intensivstation. Das ist natürlich wichtiger. Also sitzen alle, die nicht wichtig genug sind (PJler und Assistenzärzte) eben noch eine ganze Weile rum und warten.
Nach der Übergabe der Nacht folgt dann die Besprechung des OP-Plans und man fragt sich jeden Morgen wieder, wozu der eigentlich gemacht wird. Es gibt nicht einen Tag, an dem nicht bereits in der Frühbesprechung Punkte verschoben, abgesetzt oder personell umgeplant werden. Die Anästhesie freut sich.

8.00 (viel zu häufig eher 8.20)

Jetzt aber schnell. Bevor um 8.30 der OP-Betrieb beginnt muss noch irgendwie die Visite laufen. 18 Patienten in 10 Minuten, das ist sportlich. Und eigentlich unbefriedigend für alle: Die Patienten bekommen Diagnosen und histologische Untersuchungsergebnisse quasi im Vorbeigehen an den Kopf geworfen. Die Pflege kommt meist gar nicht zu Wort und unser Oberarzt Nanni spult in jedem Zimmer wieder das gleiche Sprüchlein ab: „Sie essen? Sie trinken? Sie haben Stuhlgang? Sie haben keine Schmerzen? Kein Fieber?“ Und wenn der Patient alle Fragen brav und richtig beantwortet hat (Mehr Zeit als für ein „Ja“ oder ein „Nein“ bleibt nicht), kommt das Finale: „Wann gehts nach hause?“
Orthopädix hat sich in seinem ersten Tertial immer wieder über stundenlange internistische Visiten beschwert. Aber mal ganz ehrlich: Das was die Chirurgen eine Visite nennen ist ein Witz. Nicht nur Laborwerte haben keinen Stellenwert, auch die Patientenmeinung oder so etwas wie Information und gemeinsam Entscheidungsfindung gehen völlig unter. Das ist wirklich traurig.
Und wird nur noch übertroffen von der wöchentlichen Chefvisite. Die muss noch schneller gehen, denn die Privatstation muss ja im Anschluss auch noch dran glauben. Da reicht es dann nur für „Das ist Frau XY, die Galle für morgen.“ „Guten Morgen.“ Händedruck. „Schönen Tag.“ Tür zu. Nächster. „Herr MN, vierter Tag nach konventionellem Sigma. Geht gut.“ Händedruck. Tür zu… usw.

8.30

Die Deadline. Weiterlesen


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PJ-Alltag in der Schweiz (Chirurgie)

Nach dem eher frustrierend klingenden Artikel über den PJ-Alltag in Belgien von Ann Arbor möchte ich in ähnlichem Stil für die Nachwelt einen klassischen Tag hier in dieser Klinik in der Schweiz schildern. Bestimmt gibt es von Spital zu Spital Unterschiede, exemplarisch also meinen Tag in der Chirurgie, wie er in den letzten Wochen immer wieder vorkam (außer Mittwochs, da ist besonderer „Fortbildungstag“ und alles läuft ein wenig anders).

7.12 Uhr         Im Wohnheim gehts los, durch den unterirdischen Gang direkt in die Klinik und auf Station, wo schon die Assistenzärzte im Arztzimmer sitzen und auf den Ausdruck der Stationsliste durch den PJ’ler warten – auf der Liste alle Patienten, ihre Diagnosen, das weitere Vorgehen, nach Wunsch auch die OPs, Verlaufseinträge etc.

7.30 Uhr         Morgen-Rapport. Die Chirurgen versammeln sich um einen großen Tisch, der Chef mitsamt seinen Prinzen (leitende Oberärzte) am einen Ende, dann Oberärzte und Oberärzte i.V. und am anderen Ende Assistenzärzte und dahinter die PJ’ler. Bloß nicht woanders hinsetzen, zwar gibt es keine Platzkarten oder Reservierungen, aber falsch sitzen möchte man trotzdem nicht. Kommt nicht gut. Ab und an ist es Aufgabe des PJ’ler am PC Röntgenbilder zu zeigen, wenn Patienten von der Notaufnahme stationär aufgenommen wurden und es die Oberen interessiert, wie die Röntgenbilder ausgesehen haben.

7.45 Uhr        der Morgenrapport ist beendet. Entweder man geht jetzt in die Kantine und frühstückt in Ruhe (bzw. trinkt sein Glas Wasser/Kaffee, wenn man schon daheim gefrühstückt hat) oder man folgt den Oberärzten auf die Intensivstation und schaut sich dort noch die chirurgischen Patienten an. Danach kann man immer noch seinen Kaffee in der Kantine trinken gehen. Außer…..

8.00 Uhr       … man ist beim ersten Punkt im OP eingeteilt. Dann sollte man selbstständig in Richtung OP marschieren und um 8 Uhr im Saal stehen – sonst wird man kurz nach 8 Uhr ziemlich ungehalten von der Leitstelle angerufen, wo man bleibe. Wenn man nicht beim ersten Punkt eingetragen ist, folgt das Frühstück mit den Kollegen bis mind. 8.15Uhr.

8.15 Uhr       Keine 1. OP? Dann beginnt gegen 8.15 – 8.30Uhr die Visite auf Station. Man läuft mit den Assistenzärzten mit, schreibt zu jedem Patient den Verlauf auf die ausgedruckte schlaue Liste und bekommt ein wenig Einblick ins stationäre Leben. Wenn man zwischendurch in den OP gerufen wird, dann bekommt man nur die Hälfte mit… aber das ist nicht weiter tragisch, da wir in der Chirurgie sind und die meisten Patienten sowieso relativ kurz liegen, sodass man am kommenden Tag die Chance auf ganz neues Patientenkollektiv hat und nicht viel verpasst, wenn man nicht täglich alle mitbekommt.

10.00 Uhr       Weiterhin davon ausgehend, dass man bisher nicht in den OP gerufen wurde, schreibt man als PJ’ler nun die Verläufe in den PC. Die Klinik hat letztes Jahr auf elektronische Akten umgestellt (ein Segen!) und für jeden Patient notiert man nun in kurzen Worten, was bei der Visite besprochen wurde, wie es dem Patienten ging, was geplant ist (Update für das Procedere), wie die Wunden aussahen…. meist ist das ein Standard, den man individuell anpasst, bei mir heißt es öfters: „Patient gehts gut, Bauch weich, keine Abwehrspannung, keine Resistenzen, Wunde reizlos, trocken, keine Schmerzen, Stuhlgang gehabt.“ Nach ca. 20min hat man alle Patienten durch und kann dann die Austrittsberichte (Entlassbriefe) vortippen oder die aktuellen ausdrucken. Lustigerweise geht das in der Chirurgie auch bei solchen Patienten, die man persönlich nie gesehen hat, von denen man nur die Diagnose weiß und die Verläufe im PC sieht. Es gibt so viele Standardsätze, die jeder kennt und nach einer Woche drin hat, dass die Arztbriefe in der Chirurgie bei den meisten Patienten relativ rasch getippt sind. Da heißt es dann bei der Verlaufszusammenfassung:

Postoperativ komplikationsloser Verlauf, der stationäre Aufenthalt war allzeit unauffällig. Problemloser stufenweiser Kostaufbau. Schmerzfreiheit unter angepasster Analgesie. Wir können Herr/Frau X am XX.XX.XXX in subjektivem Wohlbefinden nach Hause und in Ihre ambulante Weiterbetreuung entlassen“.

Und bei dem weiteren Procedere nach der Entlassung steht meist:

„Fortführung der schmerzadaptierten Analgesie. Eine Fadenentfernung entfällt bei Verwendung von selbstresorbierbarem Fadenmaterial. Vorstellung beim Hausarzt zur ambulanten Verlaufs- und Wundkontrolle in den kommenden Tagen.“ Weiterlesen


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Die Notaufnahmen-Schmonzette – Akt III

Die Pause ist um, ich hoffe jeder hat sich mit den verkauften Waren, deren Erlös zur Rettung der armseligen Studenten eingesetzt werden wird, eingedeckt. Nun geht es weiter mit dem Dritten Akt. Wer den ersten oder zweiten verpasst oder vergessen hat, kann diese hier und hier nachlesen. Der Vorhang hebe sich!

Dritter Akt.

Aufzug I – Die Rückkehr

Frau Isnogut kehrt zurück aus der Radiologie. Bzw. aufgrund der starken Schmerzen, die sie noch immer plagen, wird sie von der Pflegekraft zurückgekehrt, sprich zurückgeschoben. Erneut entert sie Kabine 3, die sie zum persönlichen Hoheitsgebiet erklärt. Nun heißt es ein paar Minuten warten, bis die Aufnahmen aus der Radiologie befundet sind und die Ärzte sich ein Bild über die Lage gemacht haben.

Aufzug II – der vierte Rapport

Während Frau Isnogut in ihrem neugewonnene Hoheitsgebiet wartet, klickt sich der Student ungeduldig durch die ersten Aufnahmen aus dem CT und den ausstehenden Werten des Labors und wartet sehnsüchtig auf den Befundbericht des Radiologen. Kaum, dass dieser den Bericht aktualisiert im System verfügbar gemacht hat sowie das Labor aus „folgt“ richtige Werte gezaubert hat,wird der Assistenzarzt informiert. Dieser greift umgehend zum Telefon und kontaktiert seinen Oberarzt. Es folgt der vierte Bericht über Frau Isnogut („wer war das nochmal? Ach, ich erinnere mich„), nun inklusive der Befunde aus dem CT und des Labors. Vom Oberarzt wird telefonisch das weitere Vorgehen (in diesem Fall die stationäre Aufnahme) durchgegeben.

Aufzug III – dritter Auftritt Weißkittelgespann

Von links betreten der Assistenzarzt und der Student (in dieser Reihenfolge) Kabine 3. Mit der Anweisung des Oberarztes im Gepäck wird Frau Isnogut über das weitere Vorgehen informiert. Dankbar erklärt sie sich bereit stationär über Nacht zu bleiben – nicht, ohne erneut darauf hinzuweisen, dass sie dann aber bitte schön nicht wieder so ewig lange warten kann und es zügig weitergehen müsse, schließlich habe sie ja auch noch etwas anderes zu tun. Die Klage beim Chefarzt fällt zunächst, nachdem Frau Isnogut versichert worden ist, dass auf Station der Chefarzt sich persönlich um ihr Wohl kümmern wird. Die Welt ist wieder hell und die Sonne strahlt. Verabschiedung des Assistenzarzt. Abtritt Weißkittel.

Aufzug IV – zweiter Auftritt PJ’ler

Nach Verlassen der Kabine 3 und Übertritt in klinische Notaufnahme-Hoheitsgewässer fällt dem Weißkittelgespann auf, dass auf die Frage, ob Frau Isnogut ein Einbettzimmerzuschlag hat,  keine Antwort existiert. Deswegen wird der Student nochmals in die Kabine beordert, in der er mit entsetzt dreinblickender Frau Isnogut konfrontiert ist, die ihm erklärt, sie sei „natürlich privat und Einzelzimmer versichert, was er sich denn denke, schließlich möchte sie nur vom Chef persönlich behandelt werden und nur die beste Medizin angedeiht bekommen. Und das nicht mit irgendeiner dahergelaufenen Zimemrnachbarin, die womöglich noch schnarcht oder sonstwie schlechten Einfluss auf sie ausübe.“ Abgang Student, Zurückbleiben der kopfschüttelnden Frau Isnogut über so viel Ignoranz.

Aufzug V – Papierkram 1

Am PC der Notaufnahme wird nun vom Studenten die Aufnahme von Frau Isnogut erledigt. Während er die Aufnahmedaten und Befunde in den PC eintippselt, sucht der Assistenzarzt telefonisch nach einem freien Bett und meldet Frau Isnogut auf der Privatstation als neuen Zugang an. Freudejauchzen durch die dortige Pflege dringt durch das Telefon.
Danach erfolgt die Kontrolle der Aufschriebe des Studenten im PC durch den Assistenzarzt.

Wir verzichten hier aufgrund der fortgeschrittenen Uhrzeit darauf, den Studenten zur Erhebnung des vollständigen körperlichen Status erneut zu Frau Isnogut zu schicken und unterstellen ihm die Weisheit schon bei seinem ersten Aufzug gründlich und umfassend untersucht zu haben. (wer’s glaubt).

Beim Thema „Allergie“ entsteht kurzzeitig Unklarheit: Allergie auf Penicillin? Inwiefern äußerte sich diese? Weiterlesen