Arzt an Bord

Zu Risiken und Nebenwirkungen…..


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Junkie

Ich habe es wieder getan. Wie ein Drogensüchtiger. Abhängig. Mit dem unbändigen Wunsch nach Mehr. Ständig, immer. Egal wie und wo. Hauptsache…. OP-Luft schnuppern! Das ist meine Droge (zugegeben eine von vielen, aber alle sind sie legal 😉 ).

Ich stand trotz dem beendeten Praktischen Jahr und der eigentlich begonnenen Lernzeit nach ca. 4 Wochen Pause und Lernerei wieder für einen Tag im OP. In einem Ortho-OP! Bei zwei Hüft-Prothesen. So, wie ich mein Praktisches Jahr in der Ortho mit einer Hüft-Prothese beendet habe, so geht es jetzt einfach weiter. Sozusagen. Nur: anderer Ort, andere Klinik, anderer Operateur und andere Rolle für mich. Ich bin nicht der PJ’ler (bzw. Unterassistent) und 2. Assistenz, sondern ich war 1. Assistenz auf Honorarbasis. Taschengeld fürs Hakenhalten. Sozusagen.

(c) mh-hannover.de

Ich war gespannt, wie die OPs verlaufen würden, unterscheiden sich die Operateure doch sehr stark untereinander, ihren Fähigkeiten, ihrer Übung und ihren Methoden. Dazu noch eine neue Klinik, die wieder andere OP-Tische, Abläufe und Materialien vorhält. Viele Variablen und viele Dinge, die man sich ansehen kann. Wie ein kleines Kind freute ich mich auf den Tag, an dem es endlich losgehen sollte.

Der Operateur war sehr nett und entspannt, die OP-Pflege so, wie man sich OP-Pflege vorstellt: lustig, nett und zu Scherzen aufgelegt. Da macht das Arbeiten Spaß und man wird als Neuer gleich super aufgenommen. Das sind die Momente, die mir so gefallen und auf die ich mich später freue.

Und wie war das Arbeiten? Ein Glück wurde ich dafür bezahlt. Zwischenzeitlich musste ich mir verkneifen den Kopf zu schütteln. Bei der ersten OP ging einfach alles schief, was schief gehen konnte und der Operateur glänzte nicht durch überzeugende Routine oder besondere Fähigkeiten. Kaum, dass alles anders lief, als es im optimalen Falle laufen solle, ging die OP statt der für den Arzt normalen 1,5 Stunden fast 3,5 Stunden. Für eine Hüft-Prothese (unzementiert)! Hier ging die Pfanne nicht zu fräsen, da der Hüftkopf nicht rauszunehmen und musste in kleinen Teilen rausgezobbelt werden, da stimmte das Inlay nicht, der Zugang war zu schmal, es fehlte ein Haken für die bessere Übersicht….
Ich weiß nicht, ob ich einfach aus dem großen Zentrum in der Schweiz verwöhnt bin oder ob das Gesehene eher die Regel ist…. dort haben wir im 2-Stunden-Takt am Hüft-OP-Tag Schnitt gehabt und jede Hüftprothese dauerte zwischen 45 – 60min. Man verzichtete auf Röntgenkontrollen und -ausrichtung der Implantate während der OP, wusste einfach, wie man die Komponenten setzen muss, damit sie stimmen und wusste die Kniffe, wie man was einsetzt und herausbringt. Es gab ein genaues Schema, welcher Haken wann an welcher Stelle zu sein hatte, damit die Übersicht am besten war,  man wechselte beim Fräsen der Hüftpfanne nur den Fräskopf und  baute nicht jedes Mal die Maschine neu zusammen…..  Das bringt  ganz andere Zeiten und Geschwindigkeiten hervor. Und für den Assistenten Eindrücke der Routine und der Sicherheit, die der Operateur ausstrahlt.

Ich habe mir intraoperativ kurzzeitig überlegt, wie es ankäme, wenn ich beim ersten Einsatz meine Eindrücke mitteile und z.B. anregen würde dies oder jenes zu tun. Aber habe lieber meine Klappe gehalten. Das kann auch nach hinten losgehen und ich möchte nicht als Besserwisser dastehen, wenn ich versuche die Situation zu verbessern durch das Wissen und die Eindrücke, die ich von anderen Operateuren und Kliniken habe. Das steht mir vielleicht als Student bzw. Assistenzaushilfe nicht zu. Oder erst beim nächsten Mal….

Die zweite OP lief „besser“, nur kurz verirrte sich der Operateur in der falschen Loge für den gewählten Zugang, dann aber lief es ganz gut. Und dauerte trotzdem 2 Stunden. Aber immerhin lief es besser.

Mein Fazit: auch wenn die Leute im OP super nett und die Ergebnisse (Zufriedenheit des Patienten) gut  sind – als Patient würde ich mich bei diesem Operateur nicht auf den Tisch legen wollen. Dazu zeigte er mir an diesem Tag zu wenig überzeugend sein Können. Dazu fehlte mir der Eindruck, dass er routiniert an die Sache herangehe und genau wisse, was er wann zu tun habe.

Aber vielleicht wird es ja das nächste Mal besser.

Orthopaedix

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Routine-Aufnahme

Alltagsroutine der stationären Aufnahme eines Patientens auf der orthopädischen Station, wie ich sie in den letzten 15 Wochen beinahe täglich mehrfach durchlief. Die Sätze sind eingebrannt und werden jedes Mal beinahe wortwörtlich abgespult. Wie eine Schallplatte. Mit wechselnden Empfängern.

Ich suche mir das Zimmer, in dem der Patient sein Bett bezogen hat und, sollte ich Glück haben und gerade keine Pflegekraft deren Aufnahme mit ihm machen oder ihm Blut abzapfen, er bei der Prämedikation der Anästhesie oder sonstwo sitzen, mache ich mich auf den Weg zum Zimmer.

Klopf, Klopf. Eintreten.

Guten Morgen/Tag/Abend, ich suche Herrn/Frau XYZ. Ah, das sind Sie?! Orthopaedix mein Name. Ich müsste Sie noch untersuchen, auf Herz, Lunge und Bauch hören und das Gelenk* (*Hüfte, Schulter, Knie, Wirbelsäule…) untersuchen, damit Sie offiziell auf Station aufgenommen sind. Wollen Sie mir dazu bitte in das Untersuchungszimmer folgen?
Haben Sie eine Liste mit den Medikamenten, die Sie regelmäßig nehmen? Die könnten Sie mitnehmen, dann kann ich sie abschreiben… ach, die Pflege hat die bereits geklaut? Dann werde ich das von der Pflege abkopieren.

Wir marschieren los, je nach Distanz bis zum Untersuchungszimmer folgen diese Sätze incl. der ersten Musterung des Gangbildes und sonstiger Auffälligkeiten

Beim Narkosearzt waren Sie schon? Die Pflege war auch schon bei Ihnen? Ah, man siehts, Blut haben die Vampire auch schon abgezapft. Das geht hier heute Schlag auf Schlag, Langeweile wird nicht aufkommen!

Das Untersuchungszimmer betretend…

So, da sind wir. Nehmen Sie Platz, die Liege ist Ihre. Sie dürfen noch Sitzen, ich habe noch ein paar Fragen vorweg.

Ich setze mich an den PC und habe das Aufnahmeformular vorbereitet. Nach den ersten Wochen lief die „Anamneseerhebung“ dann in gekürzter Version.

Es geht bei Ihnen um (Blick auf den OP-Plan)…. das rechte Knie, die linke Hüfte, linke Schulter…?! Schonmal richtig.

Hat sich denn seit dem letzten Mal in der Sprechstunde noch irgendwas verändert an den Beschwerden? Schlimmer geworden?

Zusammenfassend aus dem kopierten Sprechstundenbericht…

Es sind also immer noch Schmerzen vor allem bei Belastung, in Ruhe weniger und Sie können im Alltag noch maximal 300m gehen? Ok, gut, das habe ich so notiert.

Dann geht es nahtlos in die Fragenrunde über, die ich im Aufnahmeformular ankreuzen muss.

Hatten Sie in den letzten 4 Wochen einen Infekt? Husten, Schnupfen, Fieber, Grippe?
Hatten Sie schon mal eine Thrombose oder Embolie?
Ist bei Ihnen eine Blutungsneigung bekannt? Also, dass Sie stark bluten, wenn Sie sich schneiden oder irgendwo anstoßen sofort große blaue Flecken entstehen?
Nehmen Sie blutverdünnende Medikamente wie Aspirin, Marcumar oder Plavix?
Haben Sie Allergien?
Haben Sie eine Infektion wie Hepatitis A, B, C oder HIV?
Wie groß sind Sie?
Wie schwer?
Rauchen Sie? Wie viele und wie lange schon? (–> siehe „pack years„)
Trinken Sie Alkohol? Wie viel?

Welche Medikamente nehmen Sie regelmäßig?

So, dann haben wir schon alle Fragen, jetzt würde ich auf Herz, Lunge und Bauch hören und dann haben wir es gleich geschafft. Weiterlesen


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Loblied auf die OTA

Wenn ich eines in der Orthopädie gemerkt habe, dann ist es, wie wichtig neben der Routine ein OP-Personal ist, das die OPs kennt, weiß, wie man mit den unzähligen Werkzeugen umgeht und diese zum rechten Zeitpunkt dem Operateur fertig vorbereitet anreichen kann. Ohne OP-Personal (Operationstechnische Assistenten, OTA (sowohl männlich als auch weiblich)) liefe keine OP in einem angemessenen Zeitrahmen. Was da manch OTA bei uns an gefühltem Hochleistungssport betreiben musste, damit der Operateur ungestört vor sich hin operieren konnte.

(c) weser-kurier.de

Die Werkzeuge flogen nur so von der Hand des Operateurs auf den Instrumententisch und zurück, hier ein scharfes Messer, da eine Pinzette, dort ein Haken, nebenbei wurden Prothesen ausgepackt und steril auf den Tisch angereicht, dort der Zement angerührt und in die Spritzpistole gefüllt, beinahe gleichzeitig die Spülung angereicht und Tupfer abgenommen, Zangen in unterschiedlichen Größen hingelegt, zwischendurch für neue Handschuhe gesorgt, die Sterilität des OP-Gebietes scharf überwacht (das ist DIE Domäne der OTAs und manchmal denkt man als Student, sie machen sich einen Spaß draus uns Studenten jederzeit zu ermahnen nichts unsteril zu machen), Tücher gezählt, ……

Ein/eine OTA muss sich nicht nur mit der sterilen Abdeckung des OP-Gebietes auskennen, auch die Haken, Werkzeuge und Instrumente beherrscht sie/er im Schlaf (neben vielen anderen Dingen). Und das meist nicht nur von orthopädischen Sieben sondern allen chirurgischen Disziplinen. Auf Dauer erfolgt meist mehr oder weniger eine Schwerpunktspezialisierung in eine oder zwei chirurgische Fachrichtungen, sodass nicht jede Pflegekraft gleichzeitig in neurochirurgischen, urologischen und orthopädischen OPs eingesetzt wird, aber grundlegend könnten sie das jederzeit übernehmen (denke ich). Und das, bei immer neuen OP-Verfahren, immer neuer Technik, neuen Instrumenten und Materialien. Ständig ist ein Herstellervertreter vor Ort, der eine neue Unter- und Einweisung vornimmt, neue Implantate finden ihren Platz im klinischen Alltag…. und jeder Operateur hat zusätzlich noch seine eigenen Marotten, die es zu beachten gilt. Hut ab, wer da den Durchblick bewahren kann und meist einen reibungslosen Ablauf gewährleistet.

Insgeheim denke ich, dass es in vielen Operationen ohne OTA nicht voran gehen würde und manch Operateur sich heimlich auf deren Wissen, im richtigen Moment das richtige Instrument anzureichen, verlässt (was machen wir denn jetzt immer? welchen Faden nehmen wir für diese Naht? wie muss ich diesen Einschläger zusammenbauen? Welche Schraube kommt denn jetzt in dieses Instrument?) Würden sie aber nie zugeben.  😉

Und manchmal bieten die weiblichen OTAs (von den männlichen kann ich das weniger beurteilen 😉 ) auch einen optischen Reiz in der tristen Kachelwelt des OPs. Gerade beim Operieren mit Helmen, wenn man das Gesicht der Pflege ohne Mundschutz sehen kann. Oder aber aufgrund sichtbarer schöner Augen bei sonst komplett verhülltem Gesicht und Kopf unter Mundschutz und Haube. Das kann man gerne auch mal zugeben. Weiterlesen