Arzt an Bord

Zu Risiken und Nebenwirkungen…..


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Frau Ukubs hat Schmerzen

Die Übergabe aus der Ambulanz ist eine, wie wir sie jede Woche sicher 5 mal erleben. Ein typischer Fall von unklaren Unterbauchschmerzen:

„63-jährige Patientin mit rechtsseitigen Unterbauchschmerzen seit dem Morgen. Zunehmende Schmerzintensität in den letzten Stunden. Keine Übelkeit, kein Erbrechen, kein Durchfall. Letzter Stuhlgang vor 2 Tagen. Miktion unauffällig. Druckschmerz im rechten Unterbauch, Abwehrspannung, kein Peritonismus. Sonographisch keine Kokarde darstellbar. Labor steht noch aus.“

Der erste Gedanke bei unklaren Unterbauchschmerzen auf der rechten Seite: Akute Blinddarmentzündung. Das Alter ist zwar nicht typsich, aber auch nicht unmöglich. Ein Blick in die Akte zeigt allerdings: Der Bilddarm ist vor Jahren bereits entfernt worden.
Die nächste Idee: Sigmadivertikulitis. Hierfür ist die Lokalisation eher untypisch, die Schmerzen sind klassischerweise auf der linken Seite, aber auch das kann es geben. Der erneute Blick in die Akte verrät: Die letzte Darmspiegelung war vor 6 Monaten und es fand sich im ganzen Darm kein Anhalt für Divertikel.

Nachdem die beiden häufigsten Ursachen für Unterbauchbeschwerden damit in den Hintergrund gerückt sind, müssen neue Differentialdiagnosen her. Kein Stuhlgang seit zwei Tagen – Stuhlverhalt? Ileus? Eine Hinweis auf einen Tumor, der durch seine Größe den Darm verlegen könnte, hat die Darmspiegelung damals nicht geliefert. Gynäkologisch ließ sich im Ultraschall keine Zyste oder Veränderung an der Gebärmutter darstellen. Vielleicht sollte man die Kollegen trotzdem um eine Mitbeurteilung bitten.

Mitten in die Überlegungen platzt das Labor. Und das schlägt ein wie eine Bombe: Frau Ukubs hat einen Quickwert von < 10%, sprich, das Labor kann ihn nicht mehr messen. Weiterlesen


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Pleiten, Pech und Pannen

Es gibt so Tage, da geht einfach alles schief. Aber meistens sind es dann doch nur Kleinigkeiten, die im normalen Alltag nicht ganz nach Plan laufen. Weil sich aus einer solchen Kleinigkeit kein ganzer Artikel basteln lässt, gibt es jetzt ein kleine Sammlung von Chaos-Kurzgeschichten aus dem ganz normalen Klinikwahnsinn.

Geladene Stimmung im OP

Wir operieren zu viert eine Tumorentfernung in der linken Brust mit angleichender Brustverkleinerung der rechten Seite. Der Chef und meine Lieblingsoberärztin Francesca stehen mit mir und einer weiteren PJ’lerin am Tisch. Die arme OP-Schwester ist ein bisschen überfordert davon in zwei Richtungen gleichzeitig anreichen zu müssen. Der Chef drängt zur Eile, weil er eigentlich um 15 Uhr ein Seminar zu halten hat. Selbst bei optimistischer Kalkulation der OP-Dauer stehen die Chancen pünktlich fertig zu werden ziemlich schlecht. Während wir also eifrig schnippeln, lässt er sich das Telefon ans Ohr halten und bittet sicherheitshalber um Verschiebung des Seminars. Francesca ist unterdessen mit Pinzette und Strom bei der Blutstillung zu Gange.
„AU!“, mit einem Schrei lässt sie plötzlich die Instrumente fallen und springt zurück. Vor lauter Schreck wirft die unsterile Schwester das Telefon fast ins OP-Gebiet. Der Chef braucht einen neuen Ärmel und Francesca hält sich den Finger. Offenbar hatte ihr Handschuh ein Loch und durch die fehlende Isolierung hat ihr der Strom den Finger verbrannt. Der Chef lächelt milde und meint: „Keine Sorge, das passiert mir auch häufiger.“ Francesca ist nicht so ganz überzeugt. „Also ich hatte das ja noch nie. Wie ist das denn passiert?“
20 Minuten später haben Francesca und der Chef die Plätze getauscht und er kokelt, während sie die Brustwarze umschneidet. Wieder schreit jemand und dieses Mal ist es der Chef, der in die Luft hüpft und die Pinzette durch den Raum schmeißt. Ganz offensichtlich passiert es ihm tatsächlich häufiger, dass sein Handschuh ein Loch hat. Francesca schüttelt nur staunend den Kopf.
Am Ende ist es wirklich weit nach 15 Uhr, als wir mit der Naht beginnen. Um ein kosmetisch schönes Ergebnis zu erreichen, fixiert der Chef sich die Schnittkanten zunächst mit Klammern, um die Haut in die richtige Position zu ziehen. Dann nähen wir die Unterhaut zwischen den Tackern hindurch, entfernen sie und machen die Hautnaht. 4 Leute hantieren auf engstem Raum mit 4 Nadeln und 3 Pinzetten (die Vierte liegt ja irgendwo unsteril im Raum verteilt). Klammern raus, neu zurecht ziehen, Klammern rein, Subkutannaht fertig, noch mehr Klammern raus, neue Ecke definiert, wieder Klammern rein… Die OP-Schwester verliert den Überblick und hat Angst, dass am Ende Tacker in der Patientin zurück bleiben. Also fängt sie an alle einzusammeln und zu zählen. 35 Stück waren es ursprünglich im Klammergerät. Nach zweimaligem Nachzählen hält sie jedoch immer noch 43 in der Hand. Wundersame Metallvermehrung. Wir sind ein bisschen ratlos, aber immerhin bedeutet das, dass wir keine Klammer in der Patientin vergessen haben. Und beim Hersteller wird sich auch keiner Beschweren, wenn der zu viel liefert…

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Auf den zweiten Blick

Die Anästhesie hasst uns dafür, wenn wir während der Einleitung schnell mal die Akte klauen um kurz noch eine Blick auf Ultraschallbilder und die Kurve zu werfen. Aber dieses Mal hat es sich gelohnt. Francesca blättert durch die Papiere und bleibt am Laborzettel hängen. Irgendjemand hat den Quickwert eingekreist. Dieser liegt bei 62% und lässt Francesca zum Telefon greifen. Eigentlich operieren wir Patienten bei elektiven Eingriffen erst ab einem Quick von 70%. Diese Patientin hat zudem bis vor einer Woche Marcumar genommen und seither auf Thrombosespritzen umgestellt. Es folgt ein Telefonmarathon mit der Assistenzärztin, die das Labor abgezeichnet hat, dem leitenden Oberarzt, der ihr dazu geraten hat und am Ende dem Chef, der eine Entscheidung trifft: Weiterlesen