Arzt an Bord

Zu Risiken und Nebenwirkungen…..


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A view inside: Hüft-Prothese

Ich habe mich bei euch vor einiger Zeit als Junkie geoutet. Inzwischen war ich erneut als 1. Assistent bei Hüft-OPs im Einsatz und muss sagen, dass es Höhen und Tiefen gab. Mal lief es besser, mal weniger gut. Immerhin durfte ich schon beim zweiten Mal die Drainage stechen und (wie schon beim ersten Mal) annähen – und auch die Subkutannaht wurde mir zugetraut. Check. Das freut mich. Da die Sprache irgendwann drauf kam, dass ein Kollege des Operateurs damit prahle, die Prothesen minimalinvasiv in 35min hinzubekommen und der Operateur dies anzweifelte, konnte ich nicht anders, als ihm von meinen Erlebnissen zu berichten und dass ich minimalinvasive Prothesen ohne Zement auch schon in 35min Schnitt-Naht-Zeit erleben konnte. Mit Zement dann wegen der benötigten knapp 10 min Aushärtedauer in 45min. Da machte er große Augen – aber für solche Zeiten benötigt man nicht nur eine gewisse Routine und Schnelligkeit, sondern auch ein Team, das dafür trainiert ist. Wenn die anreichende Instrumentierschwester ewig braucht, um die Bohraufsätze zu wechseln, wenn das Auspacken der Prothesenkomponenten lange geht, wenn hier und dort noch geröngt und gezeichnet wird… klar, dass man dann gerne mal länger braucht. Aber darum soll es hier gar nicht gehen.

Vielmehr möchte ich für alle, die es interessiert und die immer schonmal gerne wissen wollten, wie es so bei einer Prothesenimplantation aussieht, einen kleinen Einblick in die Operation einer Hüft-Prothese geben. Und da ich bei der Recherche nach einem Extensionstisch, in dem man als Patient eingespannt wird, auf ein tolles Video gestoßen bin, zeige ich euch Eindrücke aus dem OP in Form des Videos des Extensionstischherstellers. Wenn ich mich nicht täusche, kenne ich sogar den Operateur, dessen OP man im Video sieht und stand mit ihm unzählige Male am Tisch. Beim Ansehen kamen mir viele der Handgriffe sehr bekannt und teilweise typisch für ihn ausgeführt vor. Zudem erkenne ich in anderen Videos der Firma zu diesem Tisch ehemalige Kollegen und Mitarbeiter, sodass die Wahrscheinlichkeit richtig zu liegen doch sehr hoch liegt 😉

Also: wer eine Hüft-Prothese in knapp 5:40min implantiert sehen will (es wird natürlich nicht jeder Schritt gezeigt und zwischendurch immer Wert auf die Benutzung des Tisches gelegt), der möge jetzt auf „weiterlesen“ klicken. Geschätzte Leser mit leichtem Magen, die kein Blut sehen können oder lieber nichts riskieren möchten, dürfen gerne einfach den nächsten Artikel (oder den übernächsten oder überüberübernächsten) lesen und lieber nicht klicken.

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Junkie

Ich habe es wieder getan. Wie ein Drogensüchtiger. Abhängig. Mit dem unbändigen Wunsch nach Mehr. Ständig, immer. Egal wie und wo. Hauptsache…. OP-Luft schnuppern! Das ist meine Droge (zugegeben eine von vielen, aber alle sind sie legal 😉 ).

Ich stand trotz dem beendeten Praktischen Jahr und der eigentlich begonnenen Lernzeit nach ca. 4 Wochen Pause und Lernerei wieder für einen Tag im OP. In einem Ortho-OP! Bei zwei Hüft-Prothesen. So, wie ich mein Praktisches Jahr in der Ortho mit einer Hüft-Prothese beendet habe, so geht es jetzt einfach weiter. Sozusagen. Nur: anderer Ort, andere Klinik, anderer Operateur und andere Rolle für mich. Ich bin nicht der PJ’ler (bzw. Unterassistent) und 2. Assistenz, sondern ich war 1. Assistenz auf Honorarbasis. Taschengeld fürs Hakenhalten. Sozusagen.

(c) mh-hannover.de

Ich war gespannt, wie die OPs verlaufen würden, unterscheiden sich die Operateure doch sehr stark untereinander, ihren Fähigkeiten, ihrer Übung und ihren Methoden. Dazu noch eine neue Klinik, die wieder andere OP-Tische, Abläufe und Materialien vorhält. Viele Variablen und viele Dinge, die man sich ansehen kann. Wie ein kleines Kind freute ich mich auf den Tag, an dem es endlich losgehen sollte.

Der Operateur war sehr nett und entspannt, die OP-Pflege so, wie man sich OP-Pflege vorstellt: lustig, nett und zu Scherzen aufgelegt. Da macht das Arbeiten Spaß und man wird als Neuer gleich super aufgenommen. Das sind die Momente, die mir so gefallen und auf die ich mich später freue.

Und wie war das Arbeiten? Ein Glück wurde ich dafür bezahlt. Zwischenzeitlich musste ich mir verkneifen den Kopf zu schütteln. Bei der ersten OP ging einfach alles schief, was schief gehen konnte und der Operateur glänzte nicht durch überzeugende Routine oder besondere Fähigkeiten. Kaum, dass alles anders lief, als es im optimalen Falle laufen solle, ging die OP statt der für den Arzt normalen 1,5 Stunden fast 3,5 Stunden. Für eine Hüft-Prothese (unzementiert)! Hier ging die Pfanne nicht zu fräsen, da der Hüftkopf nicht rauszunehmen und musste in kleinen Teilen rausgezobbelt werden, da stimmte das Inlay nicht, der Zugang war zu schmal, es fehlte ein Haken für die bessere Übersicht….
Ich weiß nicht, ob ich einfach aus dem großen Zentrum in der Schweiz verwöhnt bin oder ob das Gesehene eher die Regel ist…. dort haben wir im 2-Stunden-Takt am Hüft-OP-Tag Schnitt gehabt und jede Hüftprothese dauerte zwischen 45 – 60min. Man verzichtete auf Röntgenkontrollen und -ausrichtung der Implantate während der OP, wusste einfach, wie man die Komponenten setzen muss, damit sie stimmen und wusste die Kniffe, wie man was einsetzt und herausbringt. Es gab ein genaues Schema, welcher Haken wann an welcher Stelle zu sein hatte, damit die Übersicht am besten war,  man wechselte beim Fräsen der Hüftpfanne nur den Fräskopf und  baute nicht jedes Mal die Maschine neu zusammen…..  Das bringt  ganz andere Zeiten und Geschwindigkeiten hervor. Und für den Assistenten Eindrücke der Routine und der Sicherheit, die der Operateur ausstrahlt.

Ich habe mir intraoperativ kurzzeitig überlegt, wie es ankäme, wenn ich beim ersten Einsatz meine Eindrücke mitteile und z.B. anregen würde dies oder jenes zu tun. Aber habe lieber meine Klappe gehalten. Das kann auch nach hinten losgehen und ich möchte nicht als Besserwisser dastehen, wenn ich versuche die Situation zu verbessern durch das Wissen und die Eindrücke, die ich von anderen Operateuren und Kliniken habe. Das steht mir vielleicht als Student bzw. Assistenzaushilfe nicht zu. Oder erst beim nächsten Mal….

Die zweite OP lief „besser“, nur kurz verirrte sich der Operateur in der falschen Loge für den gewählten Zugang, dann aber lief es ganz gut. Und dauerte trotzdem 2 Stunden. Aber immerhin lief es besser.

Mein Fazit: auch wenn die Leute im OP super nett und die Ergebnisse (Zufriedenheit des Patienten) gut  sind – als Patient würde ich mich bei diesem Operateur nicht auf den Tisch legen wollen. Dazu zeigte er mir an diesem Tag zu wenig überzeugend sein Können. Dazu fehlte mir der Eindruck, dass er routiniert an die Sache herangehe und genau wisse, was er wann zu tun habe.

Aber vielleicht wird es ja das nächste Mal besser.

Orthopaedix


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ein skeptischer Blick

Eigentlich bin ich sehr leicht und schnell von moderner Technik begeistert und finde viele Erfindungen toll, weil sie das Leben erleichtern und vieles schneller machen können. Abläufe verbessern, Prozesse optimieren. Zum Beispiel verstehe ich nicht, wie sich die Oberen der hiesigen Orthopädie so gegen die Einführung der elektronischen Röntgenanmeldung wehren und mit Händen und Füßen dagegenstellen. Wie sie immer neue Argumente dagegen finden – und seien sie noch so abstrus und manchmal auch haarsträubend. Zum Beispiel die Frage, wieso das Feld „Fragestellung“ ein Pflichtfeld sei. Der Chef der Radiologie dazu nut trocken: „wir röntgen niemanden ohne konkrete Fragestellung„. Das hat auch etwas mit dem Recht zu tun, denn man darf Patienten nur der potentiell gefährlichen Röntgenstrahlung aussetzen, wenn man eine rechtfertigende Indikation und eine Fragestellung an die Aufnahmen hat. Klar, bisher haben die Oberen einen Röntgenwisch ausgefüllt, den dann die Sekretärin eingetippt hat und bei Fragestellung etc ließen sie einfach leere Felder und gut war. Z.B. auch bei Bildern, die präoperativ zur OP-Planung angefertigt wurden. Was genau daran schwer ist, „präoperativ“ in das Feld einzugeben…. mir bleibt es schleierhaft. PCs laufen doch sowieso in jedem Zimmer, aber trotzdem wird nach wie vor von meiner Abteilung die Röntgenanmeldung auf die bisherigen Zettel gekritzelt, meist in Sauklaue, die niemand lesen kann – und nun eben neuerdings von der Sekretärin dann der Zettel ins PC-Programm übernommen und elektronisch angemeldet. Doppelte Arbeit sozusagen. Moderne Technik, wie sie nicht funktionieren sollte.

Funktionieren tut hingegen andere „neue Technik“: OP-Helme, wie sie von der Spekulantin schon in einem früheren Beitrag erwähnt wurden. Diese Helme tragen wir standardmäßig bei den Prothesen, die wir implantieren und sie bieten uns neben der Freiheit keinen Mundschutz darunter tragen zu müssen gleichzeitig einen rundum Spritzschutz, wenns mal wieder blutiger zur Sache geht oder die Knochensplitter durch den OP fliegen. Nachteil: man sieht sich und das gesamte Gesicht des Gegenübers. Manchmal ungewohnt, kann man doch unter den Mundschützen noch gähnen oder Grimassen ziehen, ohne dass es jemand sieht, aber mit offenem Helmvisier sieht das dann gleich der gesamte OP. Trotzdem, diese Erfindung ist nett und praktisch – wenn auch eindeutige Studien zur Überlegenheit in Hinblick auf Infektraten bei Prothesenimplantation etc bisher wohl zu fehlen scheinen.  Weiterlesen