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Zu Risiken und Nebenwirkungen…..


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Arzneimittel der Woche XI: Midazolam (LMAA-Pille)

Midazolam
Dormicum, Scheißegal-Pille, LMAA-Pille (natürlich nicht der offizielle Name im Verkauf)

Anwendungsgebiet

Midazolam (bzw. besser bekannt als „Dormicum“) gehört zur Gruppe der Benzodiazepine. Es wird in der Anästhesie und Notfallmedizin als Beruhigungsmittel eingesetzt. Meist bekommt der Patient vor der Operation eine solche „Beruhigungstablette“, die ihm die Aufregung und Angst vor der OP nehmen soll. In der Intensivmedizin wird Midazolam zur Sedierung eingesetzt (vergleichbar einer leichten Narkose während einer OP).

Midazolam eignet sich darüber hinaus zur Durchbrechung eines anhaltenden epileptischen Anfalls und gegen Unruhe- und Angstzustände in der Psychiatrie.

Wirkung

Midazolam wirkt im Gehirn, indem es die Wirkung des körpereigenen Botenstoffs GABA verstärkt. GABA wirkt hemmend auf die Nervenzellen und deren Reizübertragung. Bei Anwesenheit von Midazolam werden die entsprechenden Rezeptoren auf den Nervenzellen verstärkt auf GABA geöffnet und die Nervenzellen damit hyperpolarisiert. Dadurch wird der Nerv schwerer erregt (=hemmende Wirkung).

Benzodiazepine, zu denen Midazolam zählt, wirken generell angstlösend, beruhigend (sedierend), krampflösend, schlaffördernd, anamnestisch, teilweise euphorisierend. Anamnestische Wirkung bedeutet, dass für die Zeit des Wirkens des Arzneimittels die Erinnerung an diese Zeit beim Patienten fehlt (anterograde Amnesie) und sich der Patient damit nicht an den Eingriff erinnern wird (und wegen der teilweise euphorisierenden Wirkung der Eingriff nicht negativ im Gehirn festgehalten werden wird).

Midazolam wirkt nicht gegen Schmerzen – es muss daher mit einem Schmerzmittel kombiniert werden, wenn diese Wirkung während Operationen oder Eingriffen gewünscht wird (was sie tunlichst sollte).

Die Wirkung von Midazolam kann mit dem Wirkstoff Flumazenil aufgehoben werden – dieser wird oft nach kurzen Eingriffen, bei denen Midazolam zur Beruhigung gegeben wurde, gegeben, um die Wirkung des Beruhigungsmittels aufzuheben (z.B. nach Darmspiegelung).

Nebenwirkungen

Benzodiazepine machen süchtig und abhängig! Deswegen sollten sie nicht als Schlafmittel eingesetzt werden (was leider viel zu oft bei alten Menschen passiert). „Benzo’s“ sind die Arzneimittel mit der höchsten Missbrauchsrate weltweit.

Unter der Wirkung und mind. 3h lang nach Wirkungseintritt von Midazolam darf der Patient nicht am Straßenverkehr teilnehmen, da die Reaktion, Urteilsvermögen und Fahrtüchtigkeit eingeschränkt sind.

Nebenwirkungen sind u.a. verringerter Atemantrieb, Kopfschmerz, Verwirrtheit, Schläfrigkeit (wobei das eigentlich gewünscht ist), paradoxe Reaktionen (statt Schläfrigkeit wird der Patient wach, unruhig, bekommt Wutanfälle…),. Gelegentlich (>1%) kommt es zu Übelkeit, Erbrechen, trockener Husten. Selten (<1%) beobachtet man verlängerte Aufwachphase aus der Narkose, Schlafstörungen, Schlaflosigkeit, Albträume, Muskelzuckungen, Desorientiertheit.

Gegenanzeigen

Benzodiazepine dürfen nicht angewendet werden bei Allergien gegen diese, bekanntem Alkohol-, Medikamenten- und Drogenmissbrauch (auch in der Vorgeschichte, da hier eine besonders hohe Ruckfallgefährdung in die Abhängigkeit besteht), angeborener Muskelschwäche (Myasthenia gravis) und Engwinkelglaukom (wegen der Erhöhung des Augenbinnendrucks). Benzodiazepine dürfen nicht in der Schwangerschaft und beim Stillen eingesetzt werden, da es Auswirkungen auf den Fetus bzw. das Baby gibt (Atemdepression, Herzfrequenzveränderungen, herabgesetzter Muskeltonus („floppy infant syndrome“), Hypothermie, Entzugssymptome)

Zu Risiken und Nebenwirkungen essen Sie die Packungsbeilage, oder tragen Sie Ihren Arzt zum Apotheker. Diese Information ersetzt keinen Arztbesuch und erhebt keinen Anspruch auf  Richtigkeit oder/und Vollständigkeit.

Auf besondere Anfrage von frittenheim beantwortet. Aus persönlicher Erfahrung möchte ich Folgendes hinzufügen:

Ich habe einmal in meinem Leben eine Tablette Dormicum genommen und es bei einigen Patienten im Einsatz erlebt. Die Wirkung trat nach ca. 20min ein. Was ab dann geschah, weiß ich nicht mehr (ich saß als Beifahrer im Auto, also kann nicht viel passiert sein). Danach hat man das Gefühl eines Blackouts für die Zeit der Wirkung und kann sich an nichts erinnern (ich weiß z.B. nicht, wie ich im Auto nach Hause kam, diese Zeitspanne fehlt mir einfach). Man weiß auch nicht, was man in der Zeit getan hat. Aufgrund der beruhigenden und einschläfernden Wirkung muss man wohl keine Angst haben „irgendeinen Quatsch“ gemacht zu haben. Die Kontrolle in der Zeit der Wirkung verliert man nur im Rahmen der Schläfrigkeit und des LMAA-Gefühls. Wenn die Tablette wirkt, dann schluckt man z.B. auch einen Magenspiegelung-Schlauch ohne großes Getöse, da man im Halbschlaf wenig Angst und Aufregung verspürt und durch die beruhigende Wirkung tatsächlich eine LMAA-Stimmung einnimmt.
Man wird mit diesen Mitteln den Patienten aber nie dazu bringen sich auf eine Weise zu verhalten, die er nach Abfall der Wirkung bereuen würde (wenn er sich denn daran erinnern könnte):  man kann den Patienten z.B. nicht einfach zum Bodenputzen überreden und er würde es tun ohne danach zu wissen, was er getan hat. Dazu stimmt die Mischung aus „Abschuss“ und Kontrollverlust nicht – also keine Angst als Zombie zu enden, wenn man eine Tablette Dormicum bekommt.

Ich hoffe die Frage damit ausreichend beantwortet zu haben? 🙂

Habt ihr auch Medikamente, die wir euch erklären sollen, dann schreibt und einen Kommentar, eine Kontaktanfrage oder einen Tweet @arztanbord!

– Orthopaedix


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Arzneimittel der Woche X: Orale Kontrazeptiva

ORALE KONTRAZEPTIVA
(Antibaby-) Pille, z.B. Valette, Belara, Aida, Diane, Qlaira…

Anwendungsgebiet

Hormonelle Verhütungsmittel werden natürlich in erster Linie zur Verhinderung einer Schwangerschaft verschrieben.  Sie stellen eine der sichersten Formen der Verhütung dar mit einem Pearl-Index zwischen 0,2 und 0,9. (Zum Vergleich: Der Pearl-Index für Kondome liegt bei 2-12)
Je nach Zusammensetzung haben die oralen Kontrazeptiva aber noch weitere Wirkungen, die man sich zu Nutze machen kann. Sie vermindern hormonell bedingte PMS-Beschwerden wie Brustspannen oder Müdigkeit. Da sie für einen regelmäßigen, eher abgeschwächten Zyklus sorgen werden sie außerdem bei Blutungsstörungen und Regelschmerzen eingesetzt. Einige Präparate kann man (zusätzlich) zur Therapie starker Akne und übermäßigen Haarwuchses verwenden.
Ein letztes Anwendungsgebiet stellt die (Nach-)behandlung einer Endometriose dar.

Wirkungen

Außer der Minpille enthalten alle Präparate zwei verschiedene Stoffe, die den natürlichen weiblichen Geschlechtshormonen nachgebildet sind: Östrogene und Gestagene. Im Köper werden diese im Verlauf des Zyklus in unterschiedlichen Konzentrationen freigesetzt und steuern zusammen mit den Sexualhormonen LH und FSH so u.a. die Reifung der Eizelle, die Vorbereitung der Gebärmutterschleimhaut und den Eisprung. Bei Einnahme der Pille werden sie jedoch konstant in der selben Dosis verabreicht und sorgen so für eine Unterdrückung der natürlichen Produktion an Sexualhormonen. Somit bleibt die Reifung der Eizelle aus und es findet kein Eisprung statt (zentrale Ovulationshemmung).
Vor allem die Gestagene haben neben der Ovualtionshemmung noch zusätzliche Wirkung auf die Gebärmutter. Sie hemmen den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut, sodass sich ein befruchtetes Ei kaum einnisten könnte, erhöhen die Zähigkeit des Schleims im Gebärmutterhals um die Spermien an der Passage zu hindern und vermindern die Beweglichkeit der Eileiter, sodass eine gesprungene Eizelle schlechter transportiert würde. Einige Gestagene haben zusätzlich eine antiandrogene Wirkung und vermindern so z.B. die Talgproduktion. Präparate mit diesen Stoffen werden für die Aknetherapie verwendet (s.o.).
Die Östrogene dagegen sind neben der Unterdrückung der FSH-Bildung vor allem wichtig zur Verhinderung von Zwischenblutungen. Die Abstoßung der Gebärmutterschleimhaut wird durch ein Abfall der Östrogenkonzentration ausgelöst.

Die Minipille enthält nur Gestagene und wirkt deshalb überwiegend an der Gebärmutter. Hauptmechanismus ist die Verdickung des Gebärmuterhalsschleims zur Verhinderung der Spermienpassage. Nur in 50% der Zyklen findet auch eine Hemmung des Eisprungs statt, weil der unterstützende Effekt der Östogene fehlt. Deshalb liegt der Pearl-Index der Minipille auch deutlich höher (0,2-3,0).

Präparate

Die meisten oralen Kontrazeptiva sind sog. „Kombipräparate“. Jede Tablette enthält eine bestimmte Menge an Östrogen und Gestagen, die über die gesamte Einnahmezeit gleich ist. Die ersten Präparate enthielten noch hohe Dosen an Hormonen. Im Laufe der Jahrzehnte hat man diese immer weiter reduziert um die Nebenwirkungen zu verringern. Die Östrogenmenge liegt heute bei 20-35 µg, in manchen Präparaten sogar nur bei 15 µg/Tablette; die Gestagendosis bei z.B. 0,25 mg.

Bei der „Sequenz- oder 2-Phasenmethode“ enthält der erste Teil der Tabletten nur Östrogene. Erst ab z.B. dem 10. Einnahmetag kommt zusätzlich ein Gestagen dazu, das in der restlichen Zeit in konstanter Dosierung verabreicht wird. Das Fehlen der Gestagene zu Beginn soll den natürlichen Zyklus vor allem für die Gebärmutterschleimhaut besser nachahmen.
„Stufenpräparate“ funktionieren ebenfalls nach einem Phasenprinzip. Hier wir die Gestagendosis jedoch von einer von Beginn an niedrigen Dosis im Verlauf der Einnahme ein- oder zweimal erhöht, um die natürlichen Hormonkonzentrationen noch genauer nachzuempfinden.

Alle drei Methoden haben einen annähernd gleichen Pearl-Index. Auch sonst bringen die Phasenpräparate keinen deutlichen Vorteil, der die etwas kompliziertere Einnahme aufwiegt, weshalb ihre Verschreibung zunehmend zurück geht.

Die „Pille danach“ enthält ebenfalls Östrogene und Gestagene, jedoch in deutlich höherer Dosierung als die Kontrazeptiva. Sie dient in erster Linie dazu die Einnistung einer befruchteten Eizelle zu verhindern und nicht den Eisprung zu verhindern.

Außerdem gibt es reine Gestagen-Präparte, die sog. Minipille (s.o.).

Einnahme

Die klassiche Pillenpackung enthält 21 Tabletten. Bei der ersten Einnahme beginnt man am ersten Tag der Regelblutung und nimmt alle Tabletten. Es folgt eine 7-tägige Einnahmepause, in der es zu einer sog. „Abbruchblutung“ kommt (sinkender Östrogenspiegel, s.o.). Dann beginnt man mit den nächsten 21 Tabletten und so weiter.
In den letzten Jahren gibt es zunehmend Empfehlungen die Einnahmepause auf z.B. 4 Tage zu verkürzen. Dies erhöht die Sicherheit der Methode, da in der pillenfreien Zeit der normale Hormonhaushalt einspringt und eine Eizellreifung beginnt, die erst durch die nächste Pilleneinnahme nach 7 Tagen gestoppt wird.

Wichtig ist deshalb auch, dass die erste Pille allerspätestens nach 7 Tagen wieder eingenommen wird. Bei Frauen mit einem verkürzten natürlichen Zyklus kann sonst möglicherweise schon an Tag 9 oder 10 ein Einsprung stattfinden! Deshalb ist auch es in der ersten Einnahmewoche problematisch wenn man einmal vergisst die Tablette zu nehmen. In der zweiten Woche dagegen bleibt der Verhütungsschutz weitestgehend bestehen, weil ja zuvor kein Ei gereift ist, das springen könnte. Wenn man in der dritten Woche eine Einnahme vergisst, wird empfohlen entweder direkt die Einnahmepause zu beginnen oder eine zusätzliche weitere Packung ohne Pause dazwischen durchzunehmen. Grundsätzlich bleibt bei den Kombipräparaten jedoch eine Frist von etwa 12 Stunden um die Einnahme nachzuholen. Vergeht mehr Zeit sind mindestens 7 korrekte Einnahmen in Folge nötig um wieder sicheren Schutz zu gewährleisten.

Die Minipille wirkt nur dann zuverlässig, wenn die Hormonspiegel konstant hoch gehalten werden. Deshalb ist die exakte Einnahme zur selben Uhrzeit entscheidend. Anders als die Kombipräparate wird sie ohne Pause durchgenommen.

Die Pille danach erfordert nur eine einmalige Einnahme innerhalb von 48 Stunden nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr. Dann liegt die Verhütungssicherheit bei 98%.

Nebenwirkungen

Die Nebenwirkungen teilen sich nach ihrer Ursache in zwei Gruppen:
Typische östrogenbedingte Nebenwirkungen sind Übelkeit und Erbrechen, eine Gewichtszunahme durch Wassereinlagerung, Kopfschmerzen bis zur Migräne, Wadenkrämpfe und Brustspannen. Außerdem wirken die Östrogene auf den Stoffwechseln in der Leber und führen zu einer Vermehrung gerinnungsaktivierender Proteine im Blut. Dadurch erhöht sich das Thromboserisiko.
Gestagene lösen häufig eine Gewichtszunahme aus, indem sie den Appetit steigern. Außerdem wirken sie stärker auf die Psyche als Östrogene und können Müdigkeit, Libidoverlust oder gar Depressionen auslösen. In der Scheide führen sie zu einer verminderten Feuchtigkeitsbildung. Manchmal beobachtet man auch eine verstärkte Pigmentierung der Haut.

Gegenanzeigen

Aufgrund der erhöhten Thromboseneigung wird von der Einnahme der Pille bei Vorliegen anderer Risikofaktoren, wie starkem Rauchen, Übergewicht, anderen Gerinnungsstörungen, schlecht einstellbarem Diabetes mellitus, Alter >40 Jahren,… abgeraten. Das Vorliegen thrombembolischer Ereignisse wie Herzinfarkte, Lungenembolien, Beinvenenthrombose, o.ä. in der Anamnese gilt als absolute Kontraindikation einer östrogenhaltigen Kontrazeption. Auch bei Leberproblemen und schwerer Migräne sollten andere Methoden erwägt werden.
Eine weitere absolute Kontraindikation stellen sexualhormonabhängige Tumoren z.B. in der Brust dar.

Zu Risiken und Nebenwirkungen essen Sie die Packungsbeilage, oder tragen Sie Ihren Arzt zum Apotheker. Diese Information ersetzt keinen Arztbesuch und erhebt keinen Anspruch auf  Richtigkeit oder/und Vollständigkeit.

– Spekulantin


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Eure Fragen – unsere Antworten. Heute: Verhütung nach der Geburt

Erfreulicherweise hat uns wieder eine schöne Frage von euch erreicht. S. möchte gerne wissen:

„Wie sieht das eigentlich mit der Kontrazeption nach der Geburt aus? Gabs da nicht was, dass eine sofortige Schwangerschaft ausgeschlossen ist? Und wenn nicht, zu welcher Verhütung rät man den Paaren?“

Diese Frage höre ich sehr oft bei den Entlassgesprächen auf der Wochenstation. Die Antwort ist: „Es kommt darauf an.“ 😉

1. Die ersten 6-8 Wochen
In dieser Zeit läuft der Wochenfluss. Deshalb empfehlen wir als Verhütungsmethode nur Kondome, schon rein aus hygienischen Gesichtspunkten. Außerdem greifen sie nicht in den Hormonstoffwechsel ein, der sich nach der Geburt erst einmal wieder regulieren muss. Ein Diaphragma (als andere Barrieremethode) ist in dieser Zeit eine schlechte Alternative. Häufig muss es nach einer Geburt neu angepasst werden. Bis sie sich die Scheide jedoch wieder vollständig zurückgebildet hat, vergehen meist mehrere Monate.

2. Die nicht stillende Frau
Nach der Geburt dauert es etwa 4 bis 6 Wochen bis zum ersten Eisprung. Ab diesem Moment ist die Frau wieder fruchtbar. Bis der Zyklus sich jedoch wieder gut eingependelt hat, können einige Monate vergehen. Natürliche Verhütungsmethoden (Temperatur, Kalender) sind deshalb erst einmal sehr unsicher. Ansonsten gibt es für nicht stillende Frauen jedoch keine Einschränkungen. Natürlich bietet es sich an, wieder auf die gleiche Methode, wie vor der Schwangerschaft zurückzugreifen, wenn diese gut vertragen wurde.

3. Die stillende Frau
Es ist ein weit verbreiteter Glaube, dass das Stillen vor einer erneuten Schwangerschaft schützt. Tatsächlich wird auch durch das Saugen des Kindes das Hormon Prolaktin ins mütterliche Blut freigesetzt, das den Eisprung unterdrückt. Um das mit Sicherheit zu garantieren, ist jedoch ein konstant hoher Prolaktin-Spiegel nötig, der sich schon bei leicht unregelmäßigen Stillzeiten nie sicher erreichen lässt. Also: Stillen schützt nicht sicher vor einer Schwangerschaft!
Die wichtigste Erwägung in der Stillzeit betrifft die Hormondosis des Verhütungsmittels. Bei zu hohen Hormonkonzentrationen im mütterlichen Blut gelangen diese auch in die Muttermilch. Östrogene unterdrücken zudem die Milchbildung. Die normale Pille ist deshalb keine gute Wahl. Die Minipille oder implantierte Verhütungsstäbchen enthalten zwar nur Gestagene; die Minipille erfordert jedoch sehr exakte Einnahmezeiten und die Stäbchen geben sehr hohe Hormondosen ab. Für eine hormonelle Verhütung in der Stillzeit wäre die beste Wahl entweder eine Hormonspirale oder eine Depotspritze, die beide ausreichend kleine Mengen an Gestagenen abgeben, um die Milch nicht zu beeinflussen.
Noch besser sind natürlich „hormonfreie“ Verhütungsmittel. Deshalb empfehlen wir hauptsächlich Barrieremethoden (s. auch oben) oder eine normale Spirale (Intrauterinpessar). Letztere lässt sich erst 6-8 Wochen nach der Geburt einsetzten, wenn der Wochenfluss versiegt und die Gebärmutter wieder auf ihre normale Größe zurückgebildet ist. Sie hat jedoch den Vorteil, dass sie für 5 Jahre eine sichere Verhütung bietet.

4. Zusammengefasst

Natürlich Barriere Spirale Pille Minipille Stäbchen Depot Hormonspirale
Nicht-Stillend + + + + + + +
Stillend + + (+) + +

Ich hoffe das Thema ist damit verständlich und vollständig erklärt. Wir freuen uns über alle weiteren Fragen, die uns als Kommentare zu den Artikeln, per Twitter oder über das Kontaktformular zuflattern.

– Spekulantin