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Arzneimittel der Woche VII: Phenprocoumon

Phenprocoumon
Marcumar

Anwendungsgebiet

Phenprocoumon zählt zur Wirkstoffklasse der Cumarine und wird zur Hemmung der Blutgerinnung eingesetzt. Es kommt vor allem zur Prophylaxe (Vorbeugung) von Thrombosen (Gefäßverschlüsse durch kleine Blutgerinnsel) zum Einsatz, ebenso bei künstlichen/biologischen Herzklappenersätzen und Bypässen sowie bestimmten Herzrhythmusstörungen, die die Blutgerinnung begünstigen (Vorhofflimmern). Außerdem wird es nach Lungenembolien für 3 Monate und nach Herzinfarkt verschrieben.

Wirkung

Um die Wirkung von Phenprocoumon (Marcumar) zu erläutern bedarf es eines kleinen Ausflugs in die Welt der Blutgerinnung. Es existieren im menschlichen Körper zwei Arten der Blutgerinnung: einerseits die zelluläre, die durch die Blutplättchen geregelt wird, die sich an der Stelle einer Wunde zusammensammeln und die Wunde „abdichten“. Andererseits existiert die sog. plasmatische Gerinnung, die aus einer Vielzahl an Gerinnungsfaktoren (Enzyme) besteht, die im Blut schwimmen und bei Gefäßverletzungen eine Gerinnungs-Kaskade auslösen. Am Ende dieser Kaskade werden Proteine gespalten und bilden dann ein abdichtendes „Netz“ über der Wunde, in dem sich u.a. die Blutplättchen verfangen können.

Cumarine wie Marcumar verringern die verfügbare Menge an bestimmten Gerinnungsfaktoren dieser Gerinnungskaskade. Dieser Effekt wird dadurch erreicht, dass Marcumar ein Enzym hemmt, das Vitamin K „aktiviert“. Vitamin K wird für ein weiteres Enzym benötigt, mit dessen Hilfe die Gerinnungsfaktoren produziert und aktiviert werden. Durch die Verringerung des aktivierten Vitamin K werden somit geringere und nicht aktivierte Mengen an Gerinnungsfaktoren hergestellt.

Damit ist die Wirkung u.a. davon abhängig, wie viel Vitamin K der Patient über die Nahrung zu sich nimmt. Gleichzeitig kann durch eine Vitamin K-Gabe der Effekt von Marcumar in Notfallsituationen verringert werden, da dann hohe Konzentration an Vitamin K im Körper existiert und ausreichend Gerinnungsfaktoren produziert werden können. Ebenso stehen Gerinnungsfaktoren zur Infusionsgabe bereit. Weiterlesen