Arzt an Bord

Zu Risiken und Nebenwirkungen…..


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Loblied auf die OTA

Wenn ich eines in der Orthopädie gemerkt habe, dann ist es, wie wichtig neben der Routine ein OP-Personal ist, das die OPs kennt, weiß, wie man mit den unzähligen Werkzeugen umgeht und diese zum rechten Zeitpunkt dem Operateur fertig vorbereitet anreichen kann. Ohne OP-Personal (Operationstechnische Assistenten, OTA (sowohl männlich als auch weiblich)) liefe keine OP in einem angemessenen Zeitrahmen. Was da manch OTA bei uns an gefühltem Hochleistungssport betreiben musste, damit der Operateur ungestört vor sich hin operieren konnte.

(c) weser-kurier.de

Die Werkzeuge flogen nur so von der Hand des Operateurs auf den Instrumententisch und zurück, hier ein scharfes Messer, da eine Pinzette, dort ein Haken, nebenbei wurden Prothesen ausgepackt und steril auf den Tisch angereicht, dort der Zement angerührt und in die Spritzpistole gefüllt, beinahe gleichzeitig die Spülung angereicht und Tupfer abgenommen, Zangen in unterschiedlichen Größen hingelegt, zwischendurch für neue Handschuhe gesorgt, die Sterilität des OP-Gebietes scharf überwacht (das ist DIE Domäne der OTAs und manchmal denkt man als Student, sie machen sich einen Spaß draus uns Studenten jederzeit zu ermahnen nichts unsteril zu machen), Tücher gezählt, ……

Ein/eine OTA muss sich nicht nur mit der sterilen Abdeckung des OP-Gebietes auskennen, auch die Haken, Werkzeuge und Instrumente beherrscht sie/er im Schlaf (neben vielen anderen Dingen). Und das meist nicht nur von orthopädischen Sieben sondern allen chirurgischen Disziplinen. Auf Dauer erfolgt meist mehr oder weniger eine Schwerpunktspezialisierung in eine oder zwei chirurgische Fachrichtungen, sodass nicht jede Pflegekraft gleichzeitig in neurochirurgischen, urologischen und orthopädischen OPs eingesetzt wird, aber grundlegend könnten sie das jederzeit übernehmen (denke ich). Und das, bei immer neuen OP-Verfahren, immer neuer Technik, neuen Instrumenten und Materialien. Ständig ist ein Herstellervertreter vor Ort, der eine neue Unter- und Einweisung vornimmt, neue Implantate finden ihren Platz im klinischen Alltag…. und jeder Operateur hat zusätzlich noch seine eigenen Marotten, die es zu beachten gilt. Hut ab, wer da den Durchblick bewahren kann und meist einen reibungslosen Ablauf gewährleistet.

Insgeheim denke ich, dass es in vielen Operationen ohne OTA nicht voran gehen würde und manch Operateur sich heimlich auf deren Wissen, im richtigen Moment das richtige Instrument anzureichen, verlässt (was machen wir denn jetzt immer? welchen Faden nehmen wir für diese Naht? wie muss ich diesen Einschläger zusammenbauen? Welche Schraube kommt denn jetzt in dieses Instrument?) Würden sie aber nie zugeben.  😉

Und manchmal bieten die weiblichen OTAs (von den männlichen kann ich das weniger beurteilen 😉 ) auch einen optischen Reiz in der tristen Kachelwelt des OPs. Gerade beim Operieren mit Helmen, wenn man das Gesicht der Pflege ohne Mundschutz sehen kann. Oder aber aufgrund sichtbarer schöner Augen bei sonst komplett verhülltem Gesicht und Kopf unter Mundschutz und Haube. Das kann man gerne auch mal zugeben. Weiterlesen


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Kompresse?

Im OP liegt es in der Verantwortung und Zuständigkeitsbereich der anreichenden OTA (OperationstechnischeR AssistentIn) am Ende einer jeden OP genau so viele Kompressen, Bauchtücher, Nadeln für Fäden, Klammern, Haken etc wieder auf ihren Tischen zu haben, wie sie vor der OP gestartet war. Deswegen sind die meisten OTAs sehr darauf bedacht, möglichst oft genug alles penibel nachzuzählen, zu sortieren, zu ordnen und im Blick zu haben (ich würde ja gerne mal eine private Wohnung einer OTA sehen und ob dort auch so tolle Ordnung herrscht, selbst wenn ein furioser Chirurg sie ins schwitzen bringt).

Ab und zu dachte ich mir gegen Ende der OPs, dass man es mit dem Nachzählen auch übertreiben kann – es gilt das Vieraugenprinzip und deswegen schaut eine nicht sterile OTA (sog. Springer) auch nochmal alles durch.

Es entsteht gegen Ende der OP folgende Situation:

(c) fr-online.de

Der Springer hängt alle Kompressen und Tücher, die aus dem OP-Gebiet kommen und verbraucht sind schön säuberlich über den „Müll“ auf, damit die sterile OTA aus der Ferne zählen kann, wie viele Tücher sie dort hängen sieht. Die OTA am Tisch beginnt zu zählen und reicht nebenbei weiterhin Instrumente an die Chirurgen und die operierende Meute. Sie muss sowohl verbrauchte, als auch aktuell am Tisch befindliche, als auch noch unverbrauchte Kompressen (gleiches gilt u.a. auch für die Nadeln) mitzählen. Am Ende muss sie auf eine Zahl kommen, die derjenigen entspricht, die der anreichende Springer notierte, als er alles ins sterile Feld anreichte. Danach zählt der Springer nochmals alles nach bzw. schaut gleichzeitig beim Zählen mit drauf und bestätigt das korrekte Zählen. Diese Prozedur wiederholt sich mindestens zweifach, gerne auch mal drei, vier, fünf…. die OP dauert ja noch, also kann man doch mal zählen. Ab und an fehlt beim ersten Zählen eine Kompresse, die sich einer der schneidenden Vermummten heimlich stibitzt und noch nicht wieder herausgerückt hat. Meist aber klärt sich diese ausgebüchste Kompresse schnell auf und alle sind glücklich.

Wenn aber zu oft gezählt wird, wundert es nicht, dass da manchmal ein  schnippischer Kommentar von den Vermummten kommt, ob das Zählen denn nicht bis nachher warten könne und man jetzt sein Instrument angereicht bekommen könne. Übertrieben vorsichtig, was? Falsch gedacht!

Denn neulich,  Weiterlesen