Arzt an Bord

Zu Risiken und Nebenwirkungen…..


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OP mit Kinderkrankheiten

Schon seit Monaten hört man es überall im Haus bohren und hämmern und klopfen. Der Umbau von Intensivstation und OP-Trakt ist ein Großprojekt. Ganz abgeschlossen wird es erst, wenn mein PJ schon lange vorbei ist. In zwei Jahren vorraussichtlich. Aber die neue, schicke und hochmoderne Intensivstation ist bereits engeweiht.

Der nächste Schritt: Die Eröffnung der beiden neu gebauten OP-Säle. Eines Montags ist es plötzlich soweit. Die Wand, die den Aufenthaltsraum von den Bauarbeiten getrennt hat, ist einfach nicht mehr da. Der Durchbruch ist gemacht und noch am selben Tag beginnt der Betrieb in den beiden neuen Sälen. Für 2 Wochen dürfen auch die Chirugen dort operieren, während im alten Trakt Vorbereitungen für den Umbau getroffen werden. Dann werden die neuen Säle zum Reich der Gynäkologen.

Die ersten 2 Stunden herrscht einfach nur Chaos. Alle, die jemals in die Verlegenheit kommen könnten, den OP zu betreten, haben sich in dem glücklichweise breiten Gang vor den Sälen versammelt. Es soll eine Einweisung geben, in was weiß keiner so genau. Durch wen auch nicht. Irgendwann taucht ein Mensch auf, der sich mit den neuen Lampen auszukennen scheint. Zu dem Zeitpunkt, hat die Hälfte der Leute aber schon keine Lust mehr gehabt zu warten und hat sich auf die Suche nach der Kaffeemaschine begeben. Die scheint spurlos verschwunden. Ein Unding, bei so viel kaffeesüchtigen Operateuren. Es kommt zu einer ersten Meuterei.

Dieses Problem lässt sich glücklicherweise leicht klären. Aus dem alten Aufenthaltsraum ist zwar ein Durchgangszimmer zwischen den OP-Trakten geworden, aber natüüüürlich hat irgendjemand daran gedacht, dass man einen neuen Aufenthaltsraum benötigt. Und da findet sich auch die verlorene Kaffeemaschine. Ein seltsames Gefühl ist es trotzdem, im ehemaligen Einleitungsraum des ehemaligen Saal 2 zu sitzen und Kaffee zu trinken. Es fehlen die Monitore, das piepsen und überhaupt das ganze OP-Feeling.

Nachdem so nach und nach, dann doch jeder etwas über hochmoderne Lampentechnik gelernt hat (verschiedene Kelvinzahlen für unterschiedlich warmes Licht, An- und Ausschalten per Druck auf den Griff und viele weitere Spielereien) geht es los. Unser jüngster Assistenzarzt darf den neuen Saal 3 einweihen und gewinnt das heimliche Rennen um die erste abgeschlossene OP gegen die Gynäkologen.

Als ich schließlich für den dritten Punkt des Tages erste neue OP-Luft schnuppern darf, zeigen sich bereits die ersten Probleme. Weiterlesen


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Dienstwochenende – Sprung ins kalte Wasser

(c) mz-web.de

Kaum eine Woche in die Schweiz emigriert, da stand für mich bereits das erste Wochenende mit Dienst in der Notaufnahme auf dem Programm. Da ich in der Zeit der einzige Student vor Ort war, war es an mir den Dienst aufzufüllen (was aber gleichzeitig bedeutet, dass ich 2 Wochen nonstop durcharbeite).

Es war ein Sprung ins kalte Wasser. Im Nachhinein bin ich froh, dass mein Vorgänger mir vergangene Woche wenigstens einmal kurz die Notaufnahme gezeigt hatte und grob wo man was finden kann. Denn sonst wäre ich total aufgeschmissen gewesen. Welche Zettel finde ich wo, was fülle ich aus, wo gibt es Nahtmaterial, was machen die Schwestern mit den Unterlagen, unterschreibe ich hier oder doch lieber der Arzt, darf ich Rezepte ausstellen, wie geht das mit den Patienten in den Kabinen, wer ist wo zuständig….

Da stand ich nun, Samstag Morgen 10 Uhr. Dienstbeginn. Und die Aufnahme brummte bereits, 4 Patienten für die chirurgisch-orthopädische Seite und ein Assistenzarzt. Kein Wunder, dass sie die Unterassistenten also uns PJ’ler) dazu verpflichten, die Wochenenden mit abzudecken und aktiv mitzuarbeiten. Ich muss zugeben, dass ich Notaufnahmen mag, weil man da als Student viel selbst machen kann und nicht im Stationsalltag nur mitläuft, weil man wegen der OPs und damit verbundenen Abwesenheit gar nichts richtig mitbekommt oder aktiv mitmachen kann. Aber in der Notaufnahme kommt der Patient, man kann Anamnese machen, Untersuchung, Röntgen anmelden, mit dem Oberarzt besprechen, ggf. Brief schrieben und Patient versorgen. Wundnähte, Einrenken von ausgekugelten Gelenken….  und hat dabei immer das Erfolgserlebnis auf seiner Seite, weil man dem Patienten meist unmittelbar helfen kann (und sei es nur, dass er eine Perspektive aufgezeigt bekommt, wie es mit seiner Verletzung weitergehen wird und welche OP zu machen sein wird).

Also stürzte ich mich gleich in die Arbeit (bzw. die Arbeit stürzte sich auf mich), eine kurze Frage vom Assistenzarzt, ob ich schon einmal in einer Notaufnahme gearbeitet habe und als ich ihm sagte, dass ich das im Rahmen einer Famulatur (das sind die Pflichtpraktika im Rahmen des Studiums) 4 Wochen in einer Unfallchirurgischen Notaufnahme war und da eigene Patienten betreut hatte, ließ er mich gewähren („dann mach mal Kabine zwei, da ist ein Sturz aufs Knie“) – und ich begrüßte mich auf die ersten Patienten des Morgens. Ein wenig Bammel hatte ich, dass ich die Dialekte nicht verstehen würde – aber die Patienten sprachen glücklicherweise alle verständliche Dialekte (was ich von den Pflegekräften nicht behaupten kann ^^).  Weiterlesen


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HowTo: OP-Assistenz

Mediziner im PJ: „Haken und Maul halten“
– Unispiegel-Artikel 08/05

Der Spiegel-Artikel ist vielleicht nicht mehr ganz aktuell, die Philosphie aber traurigerweise doch noch ein bisschen. Die Zeiten in denen ein Schlag auf die Finger mit dem Instrument so viel hieß wie „Haken loslassen“, sind zum Glück auch vorbei, aber die wichtigeste Aufgabe des Assistenten im OP ist immer noch keinen Ärger zu machen. Das heißt so viel wie: Nicht im Weg rum stehen, aber trotzdem genau dann zur Stelle sein, wenn gerade eine zusätzliche Hand gebraucht wird. Keine dummen Fragen stellen, aber bitte genau wissen wo noch was zu tun ist. Nicht ganz einfach diesen Überblick zu entwickeln. Vielleicht kann ich allen Anfängern aus meinen Erfahrungen der letzten Wochen ein paar Tips geben, die den Einstieg erleichtern:

1. Über das Betreten eines OP-Saals: Es ist völlig unwichtig, wie viele Leute im Saal bereits am Reden sind, mit dem Betreten des Raumes sollte stets ein lautstarker Gruß in die Runde verbunden sein. So laut, dass sich auch wirklich jeder angesprochen fühlt. Und wenn ein unbekanntes Gesicht durch den Raum wuselt, dann führt dein erste Weg mit ausgestrecktem Arm darauf zu um dich vorzustellen. Wie man dabei die Arbeit des anderen nicht unterbricht und trotzdem seinen Namen vorgebracht hat, bevor einen dieser ein zweites Mal anschaut – an der Frage arbeite ich selbst noch… Wichtig jedenfalls: Der sterilen Schwester nicht die Hand schütteln, auch wenn sie sie  noch so freundlich hinhält.

2. Über das Lagern des Patienten: Je nach Operation müssen Arme oder Beine ausgelagert oder angelagert werden. Dazu gibt es dann auch irgendwo entsprechende Halterungen. Beim ersten Mal gut zuschauen, denn ab dem zweiten Tag wird erwartet, dass du das alleine hinkriegst. Und wenn die Anästhesie das für dich übernimmt, weil du zu langsam bist, dann weißt du, dass du etwas falsch machst. Falls du gar nicht weißt, was zu tun ist, solltest du andersweitig sehr beschäftigt wirken… Maske zurechtrücken zählt da nicht, vielleicht besser den Operateur anrufen, dass er sich einschleust…
Und zum Extra-Punkte sammeln: Dort wo abgewaschen wird am Ende des Lagerns ein Molltex unterschieben.

3. Über das Waschen: Bei uns im OP wäscht die sterile Schwester den Patienten ab. Wenn sie damit anfängt, ist das der Startschuss in den Waschraum zu verschwinden. Woanders habe ich erlebt, dass der erste Assistent abwäscht. Wenn er sich waschen geht, ist das auch für dich ein guter Zeitpunkt – sofern der Patient gut gelagert ist.
Wie du dich dann wäscht, darüber gibt es sehr viel Ansichten. Wenn du nicht gerade an den alteingesessenen Chefarzt gerätst, dann brauchst du die Bürste nur zu verwenden, wenn du noch den halben Garten unter den – hoffentlich kurzen – Fingernägeln. Genügend Studien beweisen inzwischen, dass standartmäßiges Bürsten die Keimzahl auf der Haut nur erhöht. Also mit viel Seife am Beginn des Tages einmal Hände und Unterarme waschen. Beim Abspülen und Abtrocknen darauf achten, dass das Wasser zu den Ellbogen hin abfließt. Dann 3 Minuten mit viiiiiiiel Desinfektionsmittel Hände und Unterarme einreiben. Dabei gegen Ende nur noch die Hände desinfizieren. Tausende Anleitungen, wie man an den Häden dafür sorgt, dass auch alles was abkriegt, gibt es überall, wahrscheinlich auch im Waschraum. Für alle weiteren Operationen des Tages reicht es nur noch zu desinfizieren ohne sich zu waschen. Die desinfizierten Hände dann außer Reichweite von Kittel, Menschen und Einrichtung halten, etwa zwischen Brustwarzen und Bauchnabel – und ab in den Saal.

4. Über das Einkleiden: Weiterlesen