Arzt an Bord

Zu Risiken und Nebenwirkungen…..


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Funktionieren

Medizin ist eine sprechende Wissenschaft. Es gibt immer etwas zu sagen. Zu Kollegen. Zu Patienten. Zu Angehörigen. Und manchmal auch zu sich selbst (wenn man sonst niemanden zum Reden hat).

Patienten und Angehörige wollen über Untersuchungen und Therapien aufgeklärt werden, müssen in der Anamnese-Erhebung ausgefragt werden, Möglichkeiten, Prognosen und Chancen sollen dargelegt und erörtert werden. Verständlich.

Kollegen müssen zu Patienten befragt bzw. informiert werden, Pläne abgesprochen, Therapien rückbesprochen, die Pflege will in Behandlungen einbezogen werden, Visiten sollen stattfinden, im OP müssen bei der Pflege Instrumente angefordert, hier und da ein Scherz gemacht werden…… Verständlich.

Was mir in letzter Zeit aufgefallen ist: manchmal hat man keine Lust zu reden. Manchmal geht es dem Arzt nicht gut. Sei es, weil er krank ist, sei es weil er Kummer hat, niedergeschlagen ist, ihm etwas auf der Seele liegt. Private Probleme, Sorgen, Ängste, Nöte. Oder auch nur ein schlechter Tag. Da möchte man ruhig sein, schweigen, vielleicht in Ruhe gelassen werden. Und still seiner Tätigkeit nachgehen.

Aber das geht nicht. Nicht in einem Umfeld, in dem, wie es viele angehende Mediziner noch im ersten Semester als Grund für ihre Studienwahl sagen, „man mit Menschen“ zu tun hat. Es wird erwartet, dass der Arzt funktioniert. Auch wenn es ihm schwer fällt.

Also öffnet man die Tür zum Patientenzimmer und legt seine Maske auf. Die Maske, die von Weißkitteln erwartet wird.

Freundlich. Zugewandt. Zuvorkommend. Nett. Höflich. Mit einem Lächeln auf den Lippen.

Auch, wenn es in der Person gleichzeitig brodelt und tobt.

Schaut euch ab und an mal die Augen eures Arztes an. Sehr ihr ein Lächeln?

(c) artursmorozovs.blogspot.com

Orthopaedix