Arzt an Bord

Zu Risiken und Nebenwirkungen…..


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Alkohol auf Rezept

Und dann war da noch die Patientin und ihre erhöhten Leberwerte, die in der Laborkontrolle vor Ostern festgestellt wurden.
Da über Ostern die eigentlich auf den orthopädischen Stationen eingesetzten Internisten, die sich um die alltägliche Stationsarbeit kümmern und sowieso mehr Ahnung mitbringen, was Versorgung von Bluthochdruck, Zuckereinstellung, Nierenproblemen etc anbelangt, allesamt in Urlaub waren und die Stationen nur durch den diensthabenden Orthopäden versorgt wurden, interpretiert dieser die erhöhten Werte als Zeichen einer Alkoholabhängigkeit (kann ja mal sein, dass dadurch die Leber in die Knie geht und die Werte sich erhöhen) und erlaubt (sozusagen medizinisch indiziert und auf Rezept) die Gabe von Alkohol. Will ja niemand einen Zwangsentzug der Patientin aufdrängen.
Da hat sich die Patientin sicherlich gefreut über Ostern ein wenig Wein und Spirituosen nach Lust und Laune zum Essen auf Klinikkosten genießen zu dürfen!

Bis dann die neue Woche begann, Ostern vorüber war und die Internisten aus dem wohl verdienten Urlaub zurückkamen. Die ersten Amtshandlungen waren in den Kurven die Anordnungen zu korrigieren, die die Orthopäden nichts ahnend (oder nichts (sic!) wissend?) über Ostern aufgeschrieben hatten.

Und siehe da, die Patientin ist gar nicht Alkoholikerin, sondern hat eine Leberzirrhose durch eine frühere Infektion mit Hepatitis-Viren und befindet sich aktuell auf der Warteliste für eine Lebertransplantation. Prost.

Orthopäden! There’s a fracture….

Orthopaedix


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Ein etwas anderes PJ-Tertial.

Den zweiten Teil meines Innere-Tertials habe ich an einer sehr großen Universitätsklinik in England absolviert. Da ich in dieser Zeit eher wenig gebloggt habe, hier ein kurzes Fazit:

Etwa die Hälfte der Zeit verbrachte ich hier in der Hepatologie. Im Gegensatz zu Deutschland war ich nicht einer Station zugeteilt und hatte keine festen Aufgaben, die ich täglich erledigen musste, sondern konnte mich frei in der gesamten Abteilung bewegen. Aus diesem Grund verbrachte ich die meiste Zeit in den zahlreichen, hoch spezialisierten Ambulanzen. Hier konnte ich den Oberärzten bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen und sowohl die häufigen als auch die ganz seltenen Lebererkrankungen kennen lernen. Darüber hinaus war ich bei interdisziplinären Meetings, Transplant-Besprechungen, Visiten und Endoskopien (ERCPs) dabei. Ich wurde von allen Schwestern und Ärzten, die sich über mein Interesse an der Hepatologie freuten, ausnahmslos freundlich aufgenommen. Jeder hatte Spaß an der Lehre und ich konnte tausende Fragen stellen, die ausführlich, nett und kompetent beantwortet wurden. Nie war für eine Erklärung keine Zeit.

Gab es in der Klinik nichts Spannendes zu sehen, arbeitete ich in einem experimentellen Labor, dass auf das Immunsystem der Leber spezialisiert ist. Da ich in diesem Bereich auch meine Doktorarbeit schreibe, war es einfach perfekt für mich. In einem internationalen Team konnte ich über spannende Themen diskutieren, neue experimentelle Methoden kennen lernen und an Vorträgen hochkarätiger Wissenschaftler teilnehmen. Auch hier wurde ich sofort und mit einer wunderbaren Selbstverständlichkeit integriert und neben der Arbeit auch mit ins Pub oder zu den Weihnachtsfeiern mitgenommen. So wurden die Kollegen schnell zu guten Freunden.

Es war mit Sicherheit nicht ein PJ-Tertial, wie es eigentlich gedacht ist. Ich habe nicht auf Station gearbeitet, habe kein Blut abgenommen, keine Anamnesen geführt und keine Arztbriefe geschrieben. Eine gute Vorbereitung auf das Staatsexamen sieht anders aus. Aber ich habe einen breiteren Überblick über ein Fachgebiet bekommen als das auf einer Station in Deutschland je möglich gewesen wäre. Zudem wurde in mir eine Begeisterung für einen doch recht kleinen Fachbereich geweckt, der im Studium häufig nur am Rande gestreift wird. Die Hepatologie ist mittlerweile durchaus eine mögliche Option für mich geworden. Ich erlebte schöne und traurige Geschichten, das Überbringen guter und weniger guter Nachrichten, Standardtherapien und  experimentelle Therapieansätze sowie Vor-und Nachteile des englischen Systems. Zudem hatte ich die Chance wissenschaftlich zu arbeiten und ich bin ja schon ein bisschen eine Labormaus, muss ich zugeben. Alles in allem hatte ich in England eine wunderbare Zeit, die ich nicht missen möchte, habe viel gelernt (wenn auch nicht unbedingt prüfungsrelevantes) und – etwas, was man nicht vernachlässigen sollte- ich hatte unglaublich viel Spaß dabei.

Jetzt geht es für das Chirurgie-Tertial weiter nach Belgien. Auf zu neuen Ufern!

 

Ann Arbor