Arzt an Bord

Zu Risiken und Nebenwirkungen…..


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es sind immer die Netten….

Es sind immer die Netten, die sterben.

Es gibt ungeschriebene „Naturgesetze“, die im Krankenhaus und in Bezug auf Gesundheit und Sterben gelten. Eines davon ist, dass es oft diejenigen Patienten am schwersten trifft, die für die Ärzte und die Pflege (und für ihr Umfeld sowieso) die „Nettesten“ sind. Gut situierte ältere Damen, rüstige Rentner-Opas, junge Familienväter, frisch verheiratete Frauen…. Nicht zu Unrecht steht in der „Bibel“ der Medizin („House of God“) folgende Regel: „GOMERs sterben nicht„. GOMER steht für „Get out of my Emergency Room“ und meint diejenigen Patienten, die multimorbid, schwer zu behandeln und schwer zu versorgen sind (und somit Nerven und Zeit kosten und die Beteiligten an den Rand des Nervenzusammenbruchs bringen können). Diese Patienten sind so robust und auf eine unbekannte Art so widerstandsfähig, dass ihnen nicht mal eine Diagnoseliste von einer Seite und eine ebenso lange Medikamentenliste etwas auszumachen scheint. Und sie sterben nicht. Ende. Punkt. Aus.

(c) uniklinik-ulm.de

Aber die Netten. Die sterben. So zum Beispiel auch unser Patient Herr Iktarus. Er kam eines Tages auf Station, weil er völlig gelb war. Gelb? Ja, die Haut, die Augen, alles an ihm war gelb geworden. Medizinisch vorgebildete Leser werden sofort erkennen, dass es sich hier um einen deutlichen Hinweis auf Probleme mit dem Leber-Galle-Bauchspeicheldrüsen-System handeln kann und dortige Abbaustoffe an ihrem natürlichen Abfluss in Richtung Darm behindert werden. Die nicht mehr abfließende Galle lagert sich dann in die Haut und die Gallestoffe zeigen sich als gelbe Verfärbung.

Wenn ein Patient so schnell wie unser Herr Iktarus gelb wird, dann steht sofort die Frage eines Tumors im Raum. Zunächst versuchten wir mittels Ultraschall einen ersten Eindruck gewinnen zu können. Es zeigte sich eine rundliche Raumforderung von beachtlichem Ausmaß rund um den Kopf der Bauchspeicheldrüse, der die Gallenwege abzudrücken schien.

Die Maschinerie der Diagnostik begann sich in Bewegung zu setzen: Nach dem orientierenden Ultraschall erhielt Herr Iktarus ein Oberbauch-CT, das die Raumforderung eindeutig sichtbar machte. Aber um was handelte es sich da? Um einen Tumor der Bauchspeicheldrüse? Um einen Tumor des Darms? Oder der Leber? Oder Gallenwege? Genau wissen kann man dies erst, wenn man die unnatürliche Raumforderung punktiert und dann histologisch unter dem Mikroskop und mit Spezialuntersuchungen untersucht.

Bis die weitere Diagnostik stattfand, nahmen wir Herrn Iktarus Blut ab. Im Blut kann man bei manchen Tumoren bestimmte Tumormarker nachweisen, die beim Auftreten des Tumors erhöht sind. Bei Herrn Iktarus zeigte sich eine deutliche Erhöhung der Tumormarker für Bauchspeicheldrüsenkrebs. Oh nein! Weiterlesen


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Glasgow-GOMER-Scale

Jeder kennt sie! Die reizende Oma von nebenan, der nette Herr von drüben! Aber diese Menschen tragen ihre Umgänglichkeit nur zur Fassade; im Krankenhaus beginnt das kalte Grauen !

Die nachfolgende Skala hilft Dir zukünftig, einen sog. GOMER (= Get Out Of My Emergency Room) schnell & zuverlässig zu diagnostizieren.
Die Glasgow Gomer Scale (GGS) wird an allen aufnehmenden Patienten in der Notaufnahme angewendet.

Jeder Patient mit einer GGS von >50 ist definitiv ein GOMER (oder GOMERIN)……und erfordert umgehende Abblockung und Weiterverlegung.

Eine GGS von 20-50 bezeichnet eine Borderline Gomatose!

1. Die Einweisung des Hausarztes endet mit “Entschuldigung” (10 Punkte)

2. Die Kleidung des Patienten wird weder vom Sozialdienst noch vom Sicherheitspersonal angerührt und muss daher umgehend zerstört werden. (13 Punkte)

3. Der Patient flog in den letzten 4 Monaten aus mehreren Altenheimen raus. (7 Punkte)

4. Tuberkulose diagnostiziert:
(a) 1 Woche nach erfolgreicher CPR inkl. Mund-zu-Mund-Beatmung. (8 Punkte)
(b) nach erfolgloser CPR (15 Punkte)

5. Missglückter Versuch, den Patienten an PJ`ler abzuschieben (6 Punkte) (6 Punkte für jeden weiteren Versuch)

6. Bewegliche Spermien in CSF (Cerebrospinale Flüssigkeit) (9 Punkte)

7. Patient uriniert auf
(a) Arzt (8 Punkte)
(b) Pflegepersonal (6 Punkte)
(c) PJ`ler (4 Punkte)
(d) Besucher (2 Punkte)
(e) Medizinstudent (0 Punkte)

8. Die zur Desinfektion erforderliche Konzentration verursacht beim Personal der Notaufnahme aggressive Schleimhautreizungen (4 Punkte)

9. Patient trinkt
(a) aus eigener Urinflasche (3 Punkte)
(b) aus der Urinflasche des Zimmernachbarn (6 Punkte)

10. Eingewiesen mit der Diagnose Ataxie welche sich durch Kratzspuren an der Stirn manifestieren (10 Punkte)

11. Fussnägel können weder mit Schere, Knipser, Meißel oder Fräse gekürzt werden (7 Punkte)

12. Stuhlgang wird (unaufgefordert) gefunden
(a) mehr als 3 Meter vom Bett (3 Punkte)
(b) an jeder Wand oder Fenster (6 Punkte)
(c) auf dem Gehweg nahe dem Fenster (10 Punkte)

13. Patient zerbeisst das
(a) orale Thermometer (3 Punkte)
(b) rektale Thermometer (4 Punkte)
(c) das rektale Thermometer eines anderen Patienten (11 Punkte)

14. Patient trinkt die Aftershave-Lotion aus dem Cafeteria-Shop (5 Punkte)

15. Patient wird während der Visite gelegentlich übersehen (3 Punkte)

16. Patient hat Fäkalienreste
(a) unter den Fingernägeln (2 Punkte)
(b) trotz Ileostoma (5 Punkte)
(c) wenn Ileostoma Ursache der Fäkalienreste unter den Fingernägeln ist (9 Punkte)

17. Patient wird mit Gebiss
(a) verkehrt herum (2 Punkte)
(b) aspiriert (10 Punkte)
aufgefunden.

18. Verordnungen enthalten u.a. “Gründliches Schaumbad” (5 Punkte)

19. Patient schlurft ohne Hosen und Unterwäsche auf dem Flur herum (5 Punkte)

20. Patient verliert stündlich ca. 2 Liter Speichel (10 Punkte)

21. Patient drückt zeitgleich und repetitiv alle in Reichweite befindlichen Knöpfe (10 Punkte)

22a. Positives O-Zeichen (Patient hat permanent den Mund offen stehen) (8 Punkte)

22b. Positives Q-Zeichen (Die Zunge hängt auch noch raus) (12 Punkte)

23. Schenkelhalsfraktur
(a) während des stationären Aufenthaltes (3 Punkte)
(b) unter üblichen Risiken (6 Punkte)
(c) während die andere Hüfte noch unter Zug stand (9 Punkte)

24. Patient entfernt eigene
(a) Viggo (2 Punkte)
(b) ZVK (3 Punkte)
(c) suprapubischen Blasenkatheter (5 Punkte)
(d) Thoraxdrainage (8 Punkte)
(e) ventriculo-peritonealen Shunt (15 Punkte)

25. Letzter Arztbrief
(a) von vor 30 Jahren (1 Punkt)
(b) von vor 50 Jahren (3 Punkte)
(c) von vor 80 Jahren (7 Punkte)

26. Patient verlang Zigarette während der Spirometrie (5 Punkte)

27. Patient beantwortet alle Fragen mit “Ja” (8 Punkte)

28. Patient beantwortet alle Fragen mit “Ja”, die anderen Personen im Raum gestellt werden (8 Punkte)

29. Patient erzählt ständig von Weltkriegen und besseren Zeiten (9 Punkte)

30. Patient ist ohne Gebissprothese deutlich besser zu verstehen (3 Punkte)

31. Patient begrüsst Medizinstudenten (7 Punkte)

32. Dem Patienten schmeckt das Krankenhaus-Essen (10 Punkte)

33. Patient hängt auch nach Entlassung noch im Wartebereich ab (5 Punkte)

34. Staub & Dreck in der Fossa subclavia (20 Punkte)

35. Seelsorger bereits VOR Gomer-Kontakt angenervt (20 Punkte)

Total: ____________Punkte

Vergleiche hierzu auch:
• Gomerrhoe (Chronischer Gomer-Stuhl geringer Konsistenz)
• Gomerulonephritis (Zustand nach; Ursache für Dialysepflicht bei persistierender Verweigerung des zeitl.
adäquaten Exitus)
• Gomertitis (ubiquitäre Gomer-Entzündungen)
• Gomerektomie (Entfernung eines Gomers; Leider sehr selten erfolgreicher Eingriff)

So, jetzt seid ihr dran mit GGS berechnen! Nicht verwechseln mit dem Glasgow-Coma-Scale (GCS), der in der Notfallmedizin eine wichtige Rolle spielt.

P.S: wer mit dem Begriff GOMER nichts anfangen kann, sollte dringend „House of God“ lesen – das Standardwerk für angehende Mediziner und medizinisch Interessierte, die einen beinahe realistischen Einblick in die Krankenhauswelt hinter der Fassade gewinnen möchten.

Gefunden in den Weiten des Internets.

– Orthopaedix