Arzt an Bord

Zu Risiken und Nebenwirkungen…..


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Visiten-Snake kommt

Lehrseminar. Eigentlich. Aber der Chef der HNO macht daraus eine Lehrvisite mit anschließender Fragerunde. An sich kein schlechter Gedanke. Erst Patienten sehen, danach Fragen klären. Also Lehrvisite.

Nur: 15 PJ’ler sind viele. Und die Visite ist die normale Chefarzt-Visite. Also kommen weitere drei Oberärzte und mind. fünf Assistenzärzte dazu. Macht einen Pulk an über 20 Personen – plus Pflegekraft und ggf. Physiotherapeut.

In langer Schlange – erinnert ihr euch an dieses NOKIA-Handy-Spiel „Snake“ von früher?“ – entern wir Patientenzimmer. Viel zu klein für uns alle. Vorne der behandelnde Assistenzarzt, danach der Chef. Dann das Fußvolk – die Oberärzte und anderen Assistenten lassen uns gerne den Vortritt. Sie sind auch nur pro forma da, weil es erwartet wird. Snake schlängelt sich ins Zimmer, quetscht sich an die Wand. Am Fußende des Bettes stehen Chef und AÄ. Nach dem Aufzug dann „Das ist Her Müller, ihm haben wir gestern die Mandeln herausgenommen“. Chef nickt: „Gut“. Ausmarsch. Erst Chef, dann AÄ, danach Snake. Ein- und Ausmarsch dauern länger als Visite. Manchmal ist man vorne in der Snake und damit unter den Ersten im Zimmer, manchmal ist man am Ende und dafür im nächsten Zimmer ganz vorne dabei. Snake – schlängel dich über den Gang.

Und Chef spricht maximal eine kurze Grußformel mit den Patienten. Lustig. Schlecht.

Ein paar Mal stehen ein paar PJ’ler noch auf dem Gang, da wird der Patient schon visitiert. Aus der Ferne hört man mit, sieht den Patienten gar nicht und betritt das Zimmer auch nicht. Ein paar Mal liegt kein Patient im Bett, visitiert wird trotzdem! „Hier läge Frau Meier, ihr haben wir….“. Makaber. Wenn wir jetzt schon Patienten visitieren, die nicht mal anwesend sind.

Und dann steht ein Patient plötzlich vorm Zimmer, als wir ihn „pseudovisitieren“. Macht aber nix, der Chef ist eh grade auf dem Weg nach draußen und meint auf die Frage „Suchen Sie mich?“ – „nein, keine Sorge, Sie haben wir soeben visitiert“. Zum Brüllen.

Nach 30 Minuten ist die Visite beendet. Alle Patienten, ob sie da waren oder nicht, wurden in 3 Sätzen zusammengefasst, „besprochen“ und der Chef hat noch nicht mal einem Patienten die Hand gegeben. So spart man Desinfektionsmittel. Und Zeit.

Und wir lernen, dass wir das so nicht machen wollen später. Lieber halte ich mich an den Chef der Herzchirurgie von damals, der einfach spontan auf Station erschien, mit der behandelnden Ärztin zu zweit durchging und mit den Patienten quatschte und sich die Wunden ansah. Da fühlt man sich als Patient doch auch besser, oder?

Die Fragerunde danach war kurz, der Chef gab sich Mühe die Fragen zu beantworten – und nach 30 weiteren Minuten war das Seminar zu Ende. Kurzweilig, unterhaltsam, zum Lachen. Lehre.

– Orthopaedix