Arzt an Bord

Zu Risiken und Nebenwirkungen…..


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HowTo: PJ-Seminar

Hallo liebe Oberärzte,

irgendwie ist es passiert, dass ihr an einem Lehrkrankenhaus gelandet seid. Und jetzt erwartet man von euch, dass ihr alle 2-3 Monate mal ein Seminar haltet damit wir PJler auch das Gefühl haben, dass wir an einem Lehrkrankenhaus sind. Das ist natürlich nervig neben all den OPs, Sprechstunden und Arztbriefen. Aber eigentlich ist es gar nicht so schwer. Wenn ihr euch an ein paar Tipps haltet, werden wir das ganz locker über die Bühne kriegen.

1. Keiner kann von euch erwarten, dass ihr wisst, wann ihr dran seid mit eurem Seminar. Natürlich gibt es da so einen Plan mit allen Terminen und Themen, den wir extra an alle verteilen. Aber mal ganz ehrlich, wer liest sich sowas denn auch durch? Ist ja auch nicht so schlimm. Dafür habt ihr ja uns PJler, die euch zwei Wochen vorher und 2 Tage vorher und dann nochmal am fraglichen Morgen daran erinnern, dass es soweit ist. Und denen ihr dann jedes Mal ehrlich erstaunt antworten könnt: „Oh, tatsächlich. Das wusste ich ja gar nicht. Danke. Was ist denn das Thema?“ – Oh, bitte, gerne, dazu sind wir doch da.

2. Das mit dem Thema ist sowieso mehr so eine Nebensache. Irgendjemand schustert da eben einen Plan zusammen ohne sich Gedanken darüber zu machen, dass er möglichst alle interessanten Themen abdeckt. Wenn ihr gerade noch irgendwo einen Vortrag zur Leberzirrhose in der Schublade habt, dann haltet doch den zum Thema „Chronisch Entzündliche Darmerkrankungen“. Vielleicht merkts keinr. Ist doch alles Verdauungstrakt. Dann müsst ihr euch nicht darum bemühen etwas vorzubereiten. Und uns erspart es die Mühe 3 Wochen später in das Seminar zum Thema „Leberzirrhose und HCC“ zu gehen. Da sparen wir alle Zeit.

3. Wir freuen uns, wenn ihr uns mit euren Erklärungen dort abholt wo wir stehen. Und weil wir noch ganz am Anfang unserer ärztlichen Karriere sind, ist es wichtig bei den Basics anzufangen. Also erklärt uns doch bitte erst nochmal, wie die Erregungsausbreitung am Herzen im Einzelnen funktioniert. Worte wie His-Bündel und Erregungsrückbildung sind kompliziert und schwer zu behalten. Erst wenn wir das also erschöpfend behandelt haben, ist die Zeit gekommen noch ein paar Minuten über so hochspezielle Themen wie EKG-Befundung zu reden. Manches muss man ja auch für die Facharztausbildung aufsparen.

4. Es geht doch nichts über eine hübsche Powerpoint-Präsentation. Da ist es gar nicht so wichtig, dass man weiß, was auf den Folien steht. Wenn man drückt, kommt ja immer wieder eine neue, die hübsch anzuschauen ist und der man sich dann philosophisch nähern kann. Und für uns hat es den Vorteil, dass ihr uns nicht mit ätzenden Fragen nervt, oder wir gar mitdenken müssen. So kurz nach dem Mittagessen ist das ja auch manchmal wirklich viel verlangt. Also lest ihr schön vor und wir dösen ein bisschen vor uns hin – Deal?

5. Das schönste an Powerpointfolien ist übrigens, dass man da so herrlich hübsche Grafiken und Tabellen aus irgendwelchen Studien reinpacken kann. Dann lässt sich der Überlebensvorteil bis auf die 2. Nachkommastelle genau diskutieren. Und es ist auch ganz viel Platz für endlose Listen von Risikofaktoren oder Symptomen. Immerhin sollen wir ja eine umfassende Bildung erhalten. Häufiges ist zwar häufig, aber die speziellen Sonderfälle sind wirklich meistens viel spannender. Danke, dass ihr uns daran teilhaben lasst.

6. Wer braucht schon Patientenfälle? Echte Patienten sehen wir ja jeden Tag auf Station, da müssen wir uns nicht auch noch im Seminar damit befassen, an welche Differentialdiagnosen man bei unklaren Bauchschmerzen alles denken muss. Das wäre auch viel zu praktisch orientiert. Immerhin ist das ja eine Theorieveranstaltung. Und überhaupt, Ultraschall und Röntgenbilder, Laborwerte und Histologiebefunde aus Patientenakten sind immer so wenig anschaulich. Da bietet das Lehrbuch doch viel schönere Bilder, auf denen einen der Tumor direkt anspringt und die Blutwertveränderungen alle Kriterien für die Krankheit erfüllen. Wenn man sich das nur oft genug angeschaut hat, wird man sicher irgendwann eine normal Aufnahme oder einen eher unklaren Befund erkennen. Also immer her mit den perfekten Patienten.

7. Keiner mag Störenfriede, die immer dazwischen quatschen und dumme Fragen stellen. Am besten ist es, solche Leute mit den Worten „Dazu komme ich gleich“ zu vertrösten und dann einfach ganz elegant die Frage zu vergessen. Wird schon keiner so frech sein, die Frage zu wiederholen. Aber lasst euch von sowas bitte bloß nicht aus dem Konzept bringen. Immer schön weiter im Text.

8. Natürlich wollen wir genau deshalb von euch lernen, weil ihr so viel Erfahrung und Wissen habt. Und da sind wir nicht die Einzigen. Irgendwo lauern da auch noch die Assistenzärzte. Und wenn die während des Seminars anrufen, hat das natürlich Priorität. Immerhin stehen sie ja in der Ausbildungshackordnung weit über uns PJlern. Also immer schön rangehen und dann kommentarlos rauslaufen zum Telefonieren. Wir laufen auch nicht weg und keiner wird unruhig, wenn ihr nach 20 Minuten noch nicht wieder da seid. Es fehlen ja noch ein paar Folien. Außerdem haben wir totales Verständnis, dass außer euch keiner diese Frage so kompetent beantworten kann und ihr deshalb nicht einfach auf einen Kollegen verweist. Immerhin geht es meistens um Leben und Tod und es müssen schwere Entscheidungen in Sekunden getroffen werden.

9. Praktische Übungen mit 10 Leuten sind natürlich absolut kontraindiziert. Das kann man keinem Patient zumuten. Die Gruppe zu teilen kann man wiederum den PJlern nicht zumuten. Da werden ja welche bevorzugt und kommen früher dran. Ich befindet euch da wirklich in einer Zwickmühle. Denn dass sich die Studenten gegenseitig untersuchen oder dass man manches an einer Puppe übt, ist wieder mal nicht sehr realistisch. Und bevor nur ein paar die vergrößerte Leber tasten oder das Herzgeräusch hören, soll es lieber gar keiner machen. Könnte ja sein, dass die anderen dann beim nächsten Patienten nicht da sind und immer die Gleichen etwas lernen. Also besser Keiner statt Alle.

So, das waren jetzt hoffentlich ein paar hilfreiche Vorschläge, wie man Lehre gestalten kann. Umgekehrt sind wir natürlich auch für eure Vorschläge an uns offen, was wir besser machen können um zum Erfolg eines Seminars beizutragen. Und wenn es trotzdem nicht klappt, bleibt euch ja immer noch die letzte Möglichkeit:

10. Lasst das Seminar doch einfach ausfallen. Geht stattdessen in den OP, sagt das Thema sei doof und man könne dazu gar nichts erzählen, schickt andere Kollegen früher heim, damit ihr in der Ambulanz unabkömmlich seid… euch fällt sicher was ein. Und im Zweifelsfall gebt einfach gar keinen Grund an. „Ausgefallen wegen Is Nich“ ist immer noch besser als ein schlechtes Seminar.

Viele liebe Grüße,
eure Spekulantin

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