Arzt an Bord

Zu Risiken und Nebenwirkungen…..

Multiresistenz

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85 jähriger Patient in schlechtem Zustand, der sich nach einem Notfalleingriff bei mechanischem Passagehinderniss im Darm aufgrund eines Darmtumors nicht so richtig erholt. Im CT Erguss um die Lunge, der mit 800ml Fördermenge abpunktiert wird. 8 Tage nach OP Abszess und freie Luft im Bauch, Anastomoseninsuffizienz (die beiden aneinander genähten Stücke des Darms sind nicht dicht miteinander verwachsen). Der Patient möchte nicht erneut operiert werden, einer Drainage nach außen stimmt er zu. Diese fördert kotiges Sekret und jede Menge Eiter.

Im Verlauf keine Besserung des Zustandes, Abnahme von Blutkulturen vom Blut des Patienten und seines Zentralen Venenkatheters.

Das Ergebnis:

R = Resistent, S = Sensibel

Nicht gut, gar nicht gut. Multiresistenz. Schlechte Prognose, wenige Möglichkeiten zu therapieren. Das haben wir davon, dass wir überall Antibiotika draufkippen. Manchmal scheint es, als ob wir den Kampf gegen die Bakterien gerade zu verlieren scheinen, da immer mehr gegen immer mehr unserer Waffen resistent sind.
Es ist Zeit das Verhalten zu ändern und sinnvoller Antibiotika einzusetzen!

Orthopaedix


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Krankheit der Woche IX: Harnwegsinfekt

Krankheit der WocheHARNWEGSINFEKT
HWI, Blasenentzündung, Pyelonephritis, Nierenbeckenentzüdung

Was ist das?

Die vorderen Anteile unserer Harnröhre sind mit Keimen besiedelt, ohne dass dies einen Krankheitswert hätte. Unsere Harnblase und alle höher gelegenen Teile des harnbildenden Systems sind jedoch steril und keimfrei. Dringen Erreger dort ein und führen zu einer Entzündung spricht man von einem Harnwegsinfekt. Am häufigsten betrifft das die Harnblase, weil die Keime eben von unten über die Harnröhre einwandern. Dann spricht man von einer Blasenentzündung (Zystitis). Die Keime können sich jedoch über die Harnleiter bis zu den Nieren ausbreiten und dort eine sog. Pyelonephritis (Nierenbeckenentzündung) auslösen. Im schlimmsten Fall gelangen die Keime bis ins Blut und führen zu einer generalisierten Entzündung (Urosepsis). Weil bei Frauen die Harnröhre deutlich kürzer ist und somit auch der Weg für die Bakterien, sind sie viel häufiger betroffen als Männer.

Wie entsteht es?

Normalerweise werden Keime aus der Blase mit dem Urin wieder hinausgespült, bevor sie sich dort vermehren und zu einer Infektion führen können. Liegt eine Abflussbehinderung vor, ist dieser natürliche Schutz nicht mehr gewährleistet. Ein solches Hindernis kann eine anatomische Fehlbildung sein (z.B. Urethralklappen) oder eine Einengung der Harnröhre (z.B. durch eine vergrößerte Prostata). Auch die Schwangerschaft ist ein Risikofaktor, ebenso, wie mangelnde Flüssigkeitszufuhr und somit eine verminderte Urinmenge. Die natürliche Abwehr des Körpers wirkt der Keimvermehrung ebenfalls entgegen. Ist sie durch eine Krankheit gestört oder durch Medikamente beeinträchtigt, fördert das ebenfalls die Entstehung eines Harnwegsinfekts. Die natürliche Abwehr ist häufig auch überfordert, wenn besonders hohe Mengen an Keimen in die Harnblase gelangen, typischerweise durch ärztliche Eingriffe oder Katheter.
Typische Erreger eines HWIs, wie z.B. Escherichia coli (ein Darmbakterium und der häufigste Erreger), haben Ausläufer mit denen sie sich an den Schleimhäuten festhalten können, wo sie sich dann vermehren.

Was merkt man?

Nicht jeder HWI äußert sich mit Symptomen. Vor allem in der Schwangerschaft kommt es häufig zu einer sog. asymptomatischen Bakteriurie.

Eine akute Blasenentzündung äußert sich mit schmerzhaftem und erschwerten Wasserlassen (Algurie und Dysurie). Dies kann bis zu Krämpfen im Unterbauch reichen. Hinzu kommt ein häufiger Harndrang, der jedoch meistens unergiebig ist (Pollakisurie).

Betrifft die Infektion die Niere, ist das eine deutlich schwerere Erkrankung. Die Patienten leiden an Fieber mit Schüttelfrost, an Dysurie und Klopfschmerzhaftigkeit der sog. Nierenlager. Das ist der hintere Flankenbereich am unteren Ende des Rippenbogens, wo die Nieren liegen. Die Schmerzen können von dort in Bauch und Rücken ausstrahlen.

Wie stelle ich es fest?

Die wichtigste und einfachste Untersuchung ist eine Analyse des Urins. Man findet typischerweise reichlich Entzündungszellen (Leukozyten) und ggf. auch rote Blutzellen (Erythrozyten), als Zeichen für feine Blutungen, wenn die Entzündung das Gewebe verletzt hat. Um eine Infektion sicher diagnostizieren zu können, braucht es zusätzlich den Nachweis von Bakterien im Urin. Je nachdem, wie der Urin gewonnen wird, ist eine Verunreinigung der Probe allerdings vorprogrammiert. Nur bei direkter Punktion der Base gilt jeder Nachweis von Bakterien als krankhaft. Bei Mittelstrahlurin, den der Patient selbst auf Toilette abgibt, müssen es mindestens 100.000 Keime/ml für eine Diagnose sein. Für eine gezielte Therapie bietet es sich zudem an, die Keime genauer zu differenzieren und ihre Antibiotikaempfindlichkeit zu testen.

Zusätzlich kann man das Blut auf die Erhöhung bestimmter Entzündungswerte wie CRP untersuchen. Die Nierenwerte (Harnstoff, Kreatinin, – Clearance) geben Aufschluss über eine Mitbeteiligung der Niere und deren Ausmaß. Bei Verdacht auf eine Nierenbeteiligung sollte man diese zusätzlich mit dem Ultraschall untersuchen. Ein erweitertes Nierenbecken kann ein Hinweis auf Harnstau oder Entzündung sein.

Was kann man tun?

Die einfachste Therapie bei einer Blasenentzündung besteht aus Ruhe, Wärme und viel Tee (oder anderer Flüssigkeit) um die Harnwege „durchzuspülen“. Bei einer unkomplizierten Blasenentzündung kann das durchaus genügen. Ergänzend gibt es vielfältige pflanzliche Präparate. Vor allem zu Cranberry-Präparaten wurden mehrere Studien durchgeführt, die zwar mehrheitlich einen Nutzen zeigten, jedoch wegen Ungereimtheiten im Studiendesign kritisch betrachtet werden.

Das größte Problem der antibiotischen Therapie sind die hohen Resistenzraten, vor allem bei im Krankenhaus erworbenen Infektionen. Medikamente der Wahl sind z.B. Fosfomycin (nur Frauen), Nitrofurantoin.
Die ebenfalls gut wirksamen Gyrasehemmer (z.B. Norfloxacin, Ciprofloxacin), sind wichtige Reservemedikamente bei anderen schweren Erkankungen und sollten deshalb bei Blasenentzündungen zurückhaltend eingesetzt werden um weitere Resistenzbildungen zu vermeiden. Sie sind jedoch Mittel der Wahl bei unkomplizierten Nierenbeckenentzündungen eingesetzt.
Trimethoprim (+/- Sulfonamid) gelangt in sehr hoher Konzentration in den Urin und war lange Zeit Mittel der ersten Wahl. Heute liegen die Resistenzraten so hoch, dass es nur noch bei einem unkomplizierten, häuslich erworbenen HWI empfohlen wird. In der Schwangerschaft verwendet man Aminopenicilline oder Ceftriaxon.
Eine Pyelonephritis erfordert eine Antibiotikagabe über 7 bis 10 Tage, am besten unter Kontrolle im Krankenhaus. Bei jungen Frauen mit unkomplizierter Blasenentzündung kann auch eine eintägige Antibiotikatherapie ausreichend sein.

Schmankerl: Honeymoon-Zystitis

Auch beim Geschlechtsverkehr gelangen durch die anatomische Nähe vermehrt Keime in die weibliche Harnröhre. Problematisch sind dabei weniger die eigenen Keime, sondern die des Partners, die sich zwangsläufig darunter mischen. Auf sie ist die Abwehr nicht so gut eingestellt. Deshalb kommt es oft nach dem Sex mit einem neuen Partner bei der Frau zu einer Blasenentzündung, ohne dass ein anderer Auslöser erinnerbar ist. Früher war dies eben erst in den Flitterwochen der Fall, wodurch das Phänomen seinen Namen erhielt.

Diese Information ersetzt keinen Arztbesuch und erhebt keinen Anspruch auf  Richtigkeit oder/und Vollständigkeit.

– Spekulantin