Arzt an Bord

Zu Risiken und Nebenwirkungen…..


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professionelle Vampire

In den vergangenen Wochen hat sich für mich eines deutlich gezeigt: die Innere Medizin lebt von Blutabnahmen!

Egal auf welcher Station ich eingesetzt war, immer gab es morgens für den PJ’ler alle Hände voll mit Blutabnahmen zu tun. Auf der Onkologie sowieso (wobei ich hier kritisch anmerken muss, dass sich viele Abnahmen in keiner Therapieänderung niederschlagen und lediglich zur „Kontrolle“ sind – also ab und an eventuell auch überflüssigerweise getätigt werden).

Auf der Gastrologie hielt sich die Blutschlacht in Grenzen, wohl vor allem dank eines netten Kollegens, der die Indikation für das morgentliche Pieksen eng stellte und sich bei jeder Anordnung fragte, welche Konsequenzen er aus pathologisch entdeckten Werten ziehen würde. Gießkannen-Abnehmen fand er völlig bescheuert – da war ich schnell auf seiner Seite. Als er dann einen Tag krank war und die Kollegin seinen Teil der Station übernahm, ordnete sie kurzerhand einige Blutabnahmen an („man kann doch nicht eine Woche lang kein Blut kontrollieren„). Einen Tag später setzte er die Anordnungen wieder ab („was bringt es mir? Außerhalb des Krankenhauses nimmt man einem Patienten mit diabetischem Fuß doch auch nicht jeden zweiten Tag Blut ab„).

Schließlich die Kardiologie. Ich sehe die dringende Indikation für Blutabnahmen bei Herzinfarkt und anderen lebensbedrohlichen Erkrankungen, die teilweise mittels einfachem Labortest diagnostiziert werden könnten (und manchmal auch nur mittels Blutwert auffallen). Dem Kollegen von der Gastro ist es im Dienst an einem Feiertag dann passiert, dass er auf einer einzigen kardiologischen Station 20 Blutabnahmen hätte erledigen sollen – einfach der Tatsache geschuldet, dass die Stationsärzte einmal in der Kurve die Anordnung „tägl. Blutbild“ verfasst haben und die Pflege deswegen jeden Tag brav die Röhrchen hinrichtet. Da es außerhalb der Feiertage dann den PJ’ler gibt, der vielleicht murrend aber immerhin ohne die Möglichkeit/das Recht groß zu hinterfragen, die Abnahmen erledigt, fällt es keinem so richtig auf, dass diese tägliche Abnahme jeden Tag läuft. Und läuft. Und läuft… und sich die Patienten zu beschweren beginnen, was denn die ständigen Abnahmen sollen.

Nun war ich selbst in der Kardiologie eingesetzt und nahm für meine Stationsärzte das Blut bei den Patienten ab. Nach ca. 3 Tagen auf der Station begann eine andere kardiologische Station bei uns anzurufen und nach dem PJ’ler zu fragen. Schon beim ersten Anruf „wir brauchen deine Hilfe“ war mir klar, was das für mich bedeutete: Blut abnehmen auf der anderen Station. Irgendwie schlich sich dieser Zustand ein und so folgte kein Tag mehr, an dem die andere Station nicht um ca. 9.30Uhr anrief und um Blutabnahmen durch mich bat. Was für mich bedeutete: von 8 – 9 Uhr bin ich auf meiner Station unterwegs und zapfe fleißig roten Saft. Um 9.30Uhr beginnen wir dann, wenn wir Glück haben, mit unserer Visite. Und dann muss ich zur anderen Station und bekomme von meiner nichts mehr mit – teilweise von der Kurvenvisite des Oberarztes, teilweise von den ersten Untersuchungen des Tages, die anlaufen,…. ich werde dann erst einmal beschäftigt.

Es macht Spaß mit neuen Leuten in Kontakt zu treten, die Omis sind ja großteils alle nett und meinen Fähigkeiten, schnell die richtigen Venen zu treffen, tut es auch keinen Abbruch, wenn man morgens viel zu „üben“ und trainieren hat. Aber, ich bin ehrlich, nach 20 Patienten vergeht mir die Lust. Denn dazu bin ich nicht im Praktischen Jahr (vor allem nicht mit der Begründung, wir sind da um was lernen). Das sind die Zustände, die mich weg von der Uniklinik und in ein kleineres Lehrkrankenhaus gebracht hatten – die Hoffnung, nicht über zig Stationen laufen zu müssen und nur fürs Blutabnehmen und Zugänge legen zuständig zu sein. Sondern etwas zu lernen.

In der zweiten Woche spitzte sich die Sache weiter zu: Weiterlesen


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How to: Blutabnahme über einen Port

„Der Portkatheter (kurz: Port) ist ein subkutaner, dauerhafter Zugang zum venösen oder arteriellen Blutkreislauf oder in seltenen Fällen in die Bauchhöhle. Ein Port besteht aus einer Kammer mit einer dicken Silikonmembran sowie einem angeschlossenen oder anschließbaren Schlauch (dem Katheter) und ist eine Version eines zentralvenösen Zugangs (ZVK), dessen Ende kurz vor dem rechten Vorhof des Herzens platziert wird. Der Portkatheter wird im Rahmen eines operativen Eingriffs implantiert.“ (wikipedia)

Indikation für einen Port ist u.a. die Therapie mit Chemotherapeutika. Grund hierfür ist die Umgehung peripherer Gefäße, die durch die aggressiven Stoffe der Chemo unnötig belastet und angegriffen würden (incl. vermeidbarer lokaler Nebenwirkungen). Somit kann das Chemotherapeutikum direkt über den Port in Richtung Herz appliziert werden (ebenso z.B. auch Ernährungsflüssigkeit) und umgeht kleinere und gefährdete Gefäße an Arm, Hand und Bein.

Möglich ist natürlich auch die Entnahme von Blut. Für den Patienten insofern entspannt, weil das Pieksen im Arm wegfällt (denn der Port liegt ja schon schön da). Nur: die Gelegenheit hat man als Student, Famulant, PJ’ler eigentlich viel zu selten, um eine Routine entwickeln zu können. Man muss „das Glück“ haben an einen onkologischen Patienten (Krebspatienten) zu geraten, der aktuell einen liegenden Port hat und aus dem man Blut abnehmen soll. Kommt je nach Fachrichtung aber selten bis nie vor.

Um Neueinsteigern in der Klinik, Studenten am Anfang des Studiums beim ersten Einsatz auf Station, Famulanten und PJ’lern, die wie wir selten die Gelegenheit während des Studiums zur Blutentnahme via Port hatten, die Angst vor dieser Prozedure zu nehmen, will ich versuchen eine kurze Anleitung festzuhalten.

Deswegen hier der ultimative….

10 Schritte-HowTo-Guide zur Entnahme von Blut aus einem Port

1. Schritt: Vorstellung beim Patienten, Check ob die Blutentnahmeröhrchen zum Patienten passen (z.B. durch Abfrage von Namen und Geburtstag)

2. Schritt: Port überhaupt vorhanden und bereits angestochen? Läuft eine Infusion? Keine Entnahme von Blut aus dem Port, wenn Chemotherapeutikum, Heparin oder Antibiotikum gerade darüber läuft (kann Werte verfälschen). Handschuhe anziehen, alle benötigten Utensilien bereitstellen (oder ggf. erneut über den Flur wetzen und jedes vergessene Teilchen besorgen (dicker Minuspunkt in der Wertung für Professionalität)).

3. Schritt: 2x 10ml Spritze mit NaCl (Kochsalz) aufziehen. Ggf. eine weitere mit Heparin (wird von Station zu Station anders gehandhabt)

4. Schritt: Kontrolle, ob die Klemme des Ports geschlossen ist (Achtung: sollte dieser nach Abnahme der Verschlusskappe offen sein, kann es zum Einsog von Luft und schlimmstenfalls zur Luftembolie kommen –> Lebensgefahr!). Abnahme der Verschlusskappe am Ende eines der Lumina.

5. Schritt: Spülen mit NaCl aus einer der 10ml-Spritzen. Danach: Aufziehen von 10ml Blut aus dem Port, um Verdünnungseffekte durch das zuvor applizierte NaCl zu vermeiden. Schließen der Klemme vor Abziehen der Spritze. Diese Spritze wird verworfen – also weg damit in den Mülleimer.

6. Schritt: Anschluss von Adapter und Blutentnahme-Röhrchen an das Lumen des Ports (der die ganze Zeit in der Hand gehalten werden sollte, damit er keine Verunreinigung durch Bett oder Patient erfährt).

7. Schritt: Öffnen der Klemme. Füllen des Blutröhrchens, ggf. Wechsel auf weitere Röhren ohne Kontakt zwischen Lumen und Adapter zu verlieren (Luft!). Der Adapter verschließt das Lumen luftdicht, sodass hier bei Wechsel der Röhrchen die Klemme nicht jedes Mal neu verschlossen und geöffnet werden muss.

8. Schritt: Schluss der Klemme VOR Abzug des letzten Röhrchens samt des Adapters. (wegen der eingesogenen Luft, inzwischen klar, oder?) Danach kann beides entfernt werden.

9. Schritt: Anschluss der zweiten vorbereiteten 10ml NaCl-Spritze zum Durchspülen des Katheters, um Verstopfung durch gerinnendes Blut zu verhindern. Öffnen der Klemme und Spülen mit Kochsalz.

9b. Schritt: je nach Abteilung, Fachbereich, Klinik wird danach/davor der verwendete Port-Zugang mit Heparin gespült, um eine Verstopfung des Ports zu verhindern (Heparin hemmt die Gerinnung des Blutes zu einem Thrombus). Auf onkologischen Stationen, auf denen beinahe täglich Blut aus dem Port des Patienten entnommen wird oder ständig Flüssigkeit und Medikamente gegeben werden, würde eine Spülung mit Heparin bei jeder Entnahme eine nachweisbare Beeinträchtigung der Blutgerinnung des Patienten bewirken (ungut!). Deswegen wird hier teilweise auf eine Spülung mit Heparin bei jeder einzelnen Entnahme verzichtet.

10. Schritt: Vor Abzug der Spülspritze Verschluss der Klemme. Dann Entfernen der Spritze, Desinfektion der Lumenöffnung und Aufsetzen der Verschlusskappe (oder des vorher angeschlossenen Infusionsschlauches).

Fertig.

Ausdrucken, in die Kitteltasche heften und beim nächsten Patienten anwenden. Übung macht den Meister!

Für Richtigkeit und Vollständigkeit wird keine Gewährleistung übernommen.

– Orthopaedix