Arzt an Bord

Zu Risiken und Nebenwirkungen…..


9 Kommentare

Immer in zwei Ebenen röntgen! (Diagnoserätsel)

Patientin, 52 Jahre kommt in der Nacht mit dem Rettungsdienst in die Notaufnahme, nachdem sie bei Fitnessübungen auf deinem Wackelbrett das Gleichgewicht verloren hatte und auf die rechte Hüfte gefallen war.

Der Notfall ist nachts von den Kollegen der Medizin besetzt; bei Fragen gibt es einen Oberarzt der Chirurgie/Traumatologie/Orthopädie im Hintergrund, der hinzugezogen werden kann.

Die Patientin kann nur schwer untersucht werden aufgrund der starken Schmerzen im Bereich der rechten Hüfte, sodass zunächst ein Röngenbild angefertigt wird um einen möglicherweise zugrundeliegenden Bruch des Schenkelhalses oder des Beckens auszuschliessen.

Hier das erste aufgenommene Bild (ein sogenanntes ap-Röntgen, d.h. von vorne auf das Becken geblickt):

1.2.392.200046.100.2.1.18005768445632.161231005842.1.2.1.2-f1.jpeg

Eure Meinung ist gefragt!

Erst nach dem Abstimmen weiterlesen! 🙂

 

Die Patientin wird dem diensthabenden Oberarzt telefonisch vorgestellt und er hat Zugriff auf das oben gezeigte Röntgenbild. Gemeinsam entschieden wird eine stationäre Aufnahme auf die Station zur Schmerzeinstellung und Mobilisation bei Verdacht auf eine Hüftprellung rechts. Der Radiologe und dessen Hintergrund schicken derweil ihr Statement zum Röntgen und schreiben:

„Normaler knöcherner Befund ohne Hinweis auf Traumafolge, „

Am Morgen klagt die Patientin weiterhin über stärkste Schmerzen im Bereich der rechten Hüfte und kann das Bein trotz Gabe von einer grossen Menge an Morphin nicht bewegen. Durch die Pflege wird der diensthabende Assistenzarzt informiert. Dieser findet die Patientin schmerzgeplagt im Bett liegend vor – mit einem Bein, das in etwa so im Bett liegt:

(c) ispub.com

Nach Rücksprache mit dem bereits in der Nacht informierten Oberarzt erscheint dieser auf Station und möchte sich ein Bild der Lage machen – doch auch er scheitert an jeglichem Versuch das Bein zu untersuchen. Beinahe wird der Patientin unterstellt sie übertreibe und simuliere nur und eine Prellung könne doch nicht so schmerzhaft sein.

Der Entschluss zur Durchführung einer Computertomographie des Beckens wird getroffen, um eine genaue und detaillierte Bildgebung mit der Frage auf möglicherweise bisher übersehene Brüche zu erhalten. Bevor das CT jedoch läuft, wird nochmals das als normal befundete Röntgen der Nacht angeklickt und angesehen. Die eiserne Regel für Röntgenbilder lautet dabei, dass immer zwei Ebenen „fotografiert“ werden – also einmal von vorne und einmal von der Seite. Warum? Das sehen wir gleich:

1-2-392-200046-100-2-1-18005768445632-161231005842-1-3-1-2-f1

Das ist die seitliche Aufnahme der Hüfte. Mit einem kurzen „ähm, lieber Oberarzt, könnte es sein, dass…“ wird die richtige Diagnose gestellt. Diese lautet…?

Auch hier erst wieder abstimmen, dann weiterlesen!

 

Wenn man sich die zweite Ebene des Röntgens (also die seitliche Ansicht) genau ansieht, fällt auf, dass die Gelenkspfanne (rot) sehr schön und eindeutig zu sehen ist. Hier sollte eigentlich der Hüftkopf (grün) sitzen, der mit der Pfanne gemeinsam das Hüftgelenk bildet.

lux

Damit ist die richtige Diagnose: hintere Hüftgelenksausrenkung/kugelung (Hüftgelenksluxation).

Erstaunlich, wie das Bild von vorne keine grossen Hinweise auf diese Pathologie bringt – und umso mehr zu betonen, dass auch das Betrachten der zweiten Aufnahme/Ebene sehr sehr wichtig ist um nichts zu verpassen.

 

Die Patientin ging danach direkt in den Operationssaal (ohne Computertomographie) und in Narkose wurde durch Zug am Bein die Hüfte wieder eingerenkt. Im anschliessenden CT zeigten sich nur kleinere knöcherne Absprengungen am hinteren Pfannenrand (da, wo der Hüftkopf rausgerutscht war), die ohne Operation verheilen werden.

Fazit:

1. Beim Röntgen immer zwei Ebenen anfertigen.
2. Beide Ebenen dem Oberarzt zur Ansicht schicken, wenn man sich selbst unsicher ist.
3. Traue nie einem Radiolügenlogen. 😉

– Orthopaedix

Advertisements


4 Kommentare

PET-CT

Die Positronen-Emissions-Tomographie, Abkürzung PET, ist als Variante der Emissionscomputertomographie ein bildgebendes Verfahren der Nuklearmedizin, das Schnittbilder von lebenden Organismen erzeugt, indem es die Verteilung einer schwach radioaktiv markierten Substanz (Radiopharmakon) im Organismus sichtbar macht und damit biochemische und physiologische Funktionen abbildet (funktionelle Bildgebung). Sie beruht auf der gleichzeitigen Detektion zweier Gammastrahlungs-Photonen, die nach dem Zerfall eines Positronen emittierenden Radionuklids (β+-Zerfall) entstehen.

(Quelle wikipedia)

Die PET-CT wird bei der Diagnostik von einigen Tumoren zur genauen Tumorlokalisation, Metastasierungsstand und Therapieverlaufsüberwachung angewandt. Bei uns schlug vor einiger Zeit eine Patientin auf, die eigentlich von den Dermatologen betreut, schließlich von den Plastischen Chirurgen operiert wurde und nun in der Orthopädie landete. Weil der Fall so eindrücklich war und das Schicksal der Patienten bewegend, möchte ich ihn hier schildern und euch gleichzeitig anhand von einigen ausgewählten Bildern zeigen, was man mit der PET-CT-Aufnahmeart alles erreichen kann.

Die Patientin, nennen wir sie Frau Bela, hatte, bevor sie zu uns in die Orthopädie kam, bereits mehrere Operationen und Therapien über sich ergehen lassen müssen. Ausgangspunkt war ein sog. malignes Melanom – zu deutsch: Hautkrebs. Diesen hatte man ihr in der Dermatologie diagnostiziert und dann zusammen mit den Plastischen Chirurgen vom Oberschenkel entfernt und ein recht großes Stück vom Muskel entfernen müssen. Um den Defekt zu „decken“ hatte man Haut transplantiert und damit den Oberschenkel wieder einigermaßen ansehnlich gestaltet.

Einige Zeit später kommt die Patientin zur regulären Verlaufskontrolle und im Kontroll-CT, das man von der Lunge angefertigt hat, um Metastasen auszuschließen, fallen plötzlich beidseitige unklare Raumforderungen auf, die auch in der Wirbelsäule zu sehen sind. Weil bei der zugrunde liegenden Diagnose eines malignen Melanoms die Prognose bei Metastasen deutlich reduziert ist und man schnell mit einer möglichen Therapie beginnen muss, wird ein PET-CT angefertigt. Die Frage, die den Radiologen zur Befundung gestellt wird ist: wie groß ist die Tumorausdehnung  und -ausbreitung im Körper der Patientin?

Nun fertigten die Radiologen das PET-CT an, d.h. sie fertigten eine CT-Aufnahme des Körpers der Patientin an und im gleichen Schritt eine Röhre weiter wurde nach Applikation eines radioaktiven Markers die Konzentration des Markers im Körper gemessen. Wenn man nun beide Bilder übereinander legt, kann man mit den CT-Aufnahmen farblich diejenigen Regionen markieren, in denen sich der Marker besonders angesammelt hat. Dies ist Zeichen für besonders hohen Stoffwechsel, wie er gewöhnlich in Tumoren vorkommt.

Ich habe euch nun einige Aufnahmen herausgesucht, die ich im folgenden dann gemeinsam mit dem Befund des Radiologens erklären werde.  Weiterlesen