Arzt an Bord

Zu Risiken und Nebenwirkungen…..


7 Kommentare

Wie ein richtiger Arzt

Bevor ich es überhaupt richtig mitbekommen habe, ist plötzlich das letzte Tertial über mich hereingebrochen. Und das gleich richtig! Ihr habt es daran gemerkt, dass in den letzten Wochen nichts von mir zu lesen war. Wofür ich mich hiermit auch herzlich entschuldigen möchte.

Die Innere ist einfach anders. Manche sagen, sie wäre die einzig wahre Form der Medizin. So weit würde ich nicht gehen, aber zumindest während des PJs habe ich in der Inneren zum ersten Mal das Gefühl richtig Medizin zu machen.

Das fängt schon damit an, dass ich am ersten Tag meines Innere-Tertials nach fast 30 langen Wochen endlich mein Stethoskop aus den dunklen Tiefen meines Spinds befreien konnte. In der Gyn beschränkte sich die Untersuchung auf die Geschlechtsorgane und damit für mich vornehmlich aufs Zuschauen. Und selbst wenn, bei der Untersuchung der Brustdrüse hilft ein Stethoskop nicht sonderlich weiter. In der Chirurgie hatte ich tatsächlich 2 oder 3 Mal einen Bauch abgehört. Irgendwo im Stationsstützpunkt hing dafür auch Stethoskop, an dem sich jeder bediente, wenn es denn tatsächlich von Nöten war.

Jetzt aber, jetzt ringelt sich schick der blaue Schlauch auf der stolzgeschwellten Brust und ich mache so aufregende Dinge wie Herzgeräusche bis in die Achselhöhle zu verfolgen. Ich verzweifle fast am Unterschied von Rasselgeräuschen und Knistern über der Lunge und trotzdem ist es toll. Mit dem Stethoskop um den Hals fühlt man sich schon fast kompetent. Und wird tatsächlich auch anders wahrgenommen.

Letzteres mag vielleicht auch am langen weißen Kittel liegen, der in der Inneren effektvoll hinter mit herflattert. Wenn du dreimal am Tag in den OP und wieder zurück musst, ist jedes zusätzliche Kleidungsstück in der Umkleide nur lästig. Aber jetzt stehe ich vor dem Problem, wohin mit den ganzen tollen Utensilien, wenn nicht in die Kitteltaschen. Dank Stauschlauch, EKG-Lineal, Lampe, Stationsliste(n), Arzneimittelpocket und tausend anderen Kleinigkeiten quellen die Taschen beinahe über. Und wie gesagt, wenn ich mit Kittel und Stethoskop das Patientenzimmer betrete, dann werde ich immerhin nur noch von der Hälfte der Patienten mit „Ah, Schwester, gut, dass Sie kommen!“ begrüßt. Kleider machen nunmal Leute.

Aber es ist nicht nur das Äußere. Innere-PJ in Unserer Kleinen Klinik bedeutet tatsächlich fast vollwertige Mitarbeit. Das reicht von der Aufnahme und Untersuchung der Patienten, über die Anmeldung von Untersuchungen, die Visisten bis hin zum Briefe schreiben. Ich tue genau das, was die Stationsärzte auch tun, ich habe sogar meine eigenen Patienten, für die ich verantwortlich bin. Natürlich ist stets ein Assistent in der Nähe, den man fragen kann und der das Ganze nochmals absegnet, aber genau so soll es ja auch sein. Und genau so lernt man ja auch überhaupt etwas.

Es ist etwas völlig anderes zu wissen, womit man einen Bluthochdruck so alles theoretisch behandeln könnte. Aber wenn du dir mal ganz gezielt und praktisch überlegen musst, was du denn in welcher Dosierung bei den patienteneigenen Nebenerkrankungen tatsächlich als erste Wahl verschreibst… Sagen wir mal, ich bin froh, dass mir da jemand auf die Finger schaut. Und dann macht es Spaß, sehr viel sogar.

Aber mit den Rechten kommen auch die Pflichten und so endet der Tag eben erst, wenn die Entlassungen für den kommenden Tag vorbereitet sind und die Röntgenbilder besprochen und nicht, wenn der Zeiger auf die 4 rückt. Aber auch die Überstunden gehören zum „richtigen Arzt-Sein“ wohl dazu.

– Spekulantin


Ein Kommentar

Patienten dringend gesucht

Kaum zu glauben, aber die erste Woche ist schon vorbei. Wenn ich morgen wieder in die Klinik komme, bin ich nicht mehr so ganz „Die Neue“ und finde vielleicht auf Anhieb den Weg von der Umkleide zum Konferenzraum. Zeit für einen ersten kleinen Rückblick.

Die ersten Tage waren eigentlich vor allem eins: Verwirrend. So recht schien keiner auf unsere Ankunft vorbereitet gewesen zu sein. Am ersten Tag war der Schlüssel für den Konferenzraum nicht aufzufinden, das versprochene Frühstück hatte den Weg dorthin auch nicht gefunden und beide Chefärzte sind bis Mitte September im Urlaub. Also fand die Einführung durch einen der internistischen Oberärzte eben bei einem spontan zusammengestellten Frühstück in der Cafeteria statt. Immerhin gabs Kaffee und nicht all zu viele Worte.

Die Chefs waren aber nicht die einzigen, die wir am ersten Tag nicht antrafen. Die Wäschefrau ist bis morgen im Urlaub, weshalb wir erst einmal mit einer Nothose und auf offensives Nachfragen mit einem Klinik-Polo ausgestattet wurden. Nur blöd, wenn man beim Blut abnehmen oder Mittagessen die Hose versaut. Ich bin die letzten zwei Tage dann mit geschlossenem Kittel durch die Gegend gelaufen…
Die für uns zuständige Sekretärin weilt zur Zeit auch nicht im Haus. Netterweise weiß hier keiner so genau, wann sie wieder auftaucht. Nicht einmal ihre Vertretung, aber die hatte ohnehin auf unsere Fragen wenig Antworten. Immerhin haben wir gegen 25€ Kaution einen Schlüssel für die Umkleide und ein Namensschild bekommen. Sehr hübsch, aber der einzige Herr unter uns Neulingen war doch ein bisschen geknickt, als man ihn nach 2 Tagen darauf aufmerksam machte, dass er laut Schild eine „PJ-StudentIN“ sei. Kann man ja auch mal durcheinander kommen, wenn auf 8 Frauen nur ein Mann kommt.

Mein Team habe ich erst am nächsten Morgen bei der Frühbesprechung so richtig kennen gelernt. Und hier ging die Verwirrung gleich weiter. Nicht nur dass auch von den Assistenzärzten die Hälfte in den Ferien weilt. Der größte Teil der Ärzte arbeitet nur 80% oder gar 60%. Jeden Morgen gab es wieder neue Gesichter zu bewundern und irgendwann war ich so verwirrt, dass ich mich am Freitag zwei Leuten zum dritten Mal vorgestellt habe. Überhaupt war meine Lieblingssatz der ersten Woche eindeutig: „Ich weiß nicht, ob wir uns schon kennen gelernt haben, aber ich bin die Spekulantin, die neue Pjlerin in der Gyn.“
So nett sie alle waren, eine Idee, wie das alles mit mir und für mich ablaufen soll, gibt es leider nicht. Ich habe mir extra ein kleines Haus ausgesucht, weil ich mich nicht mit 5 Anderen um jeden Handgriff streiten wollte. Jetzt bin ich erst einmal die einzige PJlerin und das ist auch nicht besser. Den größten Teil der ersten Woche habe ich im OP damit verbracht Haken und Fresse zu halten, weil einfach nicht genügend Leute im Haus waren, aber keinen den OP-Plan an die Ferienzeit angepasst hat. Das ist zwar ganz nett, weil man immerhin etwas zu tun hat und nicht wie in der Ambulanz einfach mal eine halbe Stunde dumm in der Gegend und allen im Weg rum steht. Aber es ist auch unglaublich anstrengend und ein bisschen frustrierend, denn man sieht von den Patienten nichts als ein kleines Stück Haut unter viel grünen OP-Tüchern.

Natürlich ist die Gyn auch ein chirurgisches Fach, aber eben nicht nur und das ist, was sie für mich so interessant macht. Bisher hat sich mein Patientenkontakt allerdings darauf beschränkt einer Patientin Blut abzunehmen und bei einer Visite stumm in der Ecke zu stehen. Mein Talent im Fresse halten wird wirklich gefordert. Selbst in der Ambulanz gibt es nich keine die Möglichkeit eine Patientin aufzunehmen und mit ihr ein Anamnesegespräch zu führen. Meine Aufgabe ist es die Daten aus einem von den Patientinnen ausgefüllten Fragebogen in die Akte zu übertragen. Von interessanten Fällen und Ereignissen, wie zum Beispiel der ersten Anonymen Geburt in Unsere Kleinen Klinik erfahre ich in der Frühbesprechung. Ganz so hatte ich mir das nicht vorgestellt.

Nach der ersten Woche bleibt also die Hoffnung, dass mit dem Ende der Ferienzeit endlich Zeit für Lehre ist und der Vorsatz Thrombosestrümpfe und Twixriegel für lange Stunden im OP zu besorgen und eine Liste zu erstellen mit Dingen, die ich lernen oder sehen möchte in den nächsten 3 Monaten. Vielleicht findet sich ja jemand, der das mal mit mir durchgeht. Oder noch besser: Jemand der das mit mir abarbeitet.

– Spekulantin