Arzt an Bord

Zu Risiken und Nebenwirkungen…..


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Und anderswo…

Direkt nach unserem Abschluss und dem Erhalt der Approbation bin ich in die Schweiz gegangen. Schon im Praktischen Jahr (dem letzten Jahr des Studiums, das man in der Klinik verbringt) war ich 2/3 in der Schweiz und habe Chirurgie und Orthopädie/Traumatologie dort gemacht. Nur für das Pflichttertial „Innere Medizin“ musste ich in Deutschland bleiben. D.h. ich habe nach der Ernennung zum Halbgott in Weiss nie mehr in Deutschland gearbeitet. Und daher keinerlei Erfahrung mit dem deutschen System und dessen Abläufen, Zuständigkeiten etc. Das fällt mir nun immer mehr auf, wenn ich mit Bekannten und Verwandten über ihre Erfahrungen und Erlebnisse im deutschen Gesundheitswesen spreche.

Da stellt sich z.B. jemand notfallmässig auf einem Notfall vor – aber die weitere Diagnostik wird nicht vom Notfall in die Wege geleitet (z.B. das MRT), sondern dazu muss der Patient sich dann einen Orthopäden suchen, der als Niedergelassener die weitere Behandlung übernimmt.

Da wird jemand operiert – aber die Arbeitsunfähigkeit muss der Hausarzt feststellen und verordnen.

Da soll jemand nach einer OP Krankengymnastik (oder wie man es in der Schweiz nennt „Physiotherapie“) machen – die Verordnung gibts aber nicht von der Klinik sondern nur vom Hausarzt.

Für Spezialfälle wird man zum niedergelassenen Facharzt geschickt und erst wenn der denkt, es ist Zeit für eine OP gibt es eine Überweisung zum Spezialisten im Krankenhaus (über Sinn und Unsinn dieser Regelung sollte ich noch einen gesonderten Beitrag schreiben).

Und dann gibt es noch diese „D-Arzt“ Geschichte für Arbeitsunfälle….

Ich finde es spannend wie unterschiedlich die Gesundheitswesen doch organisiert sind und wie anders manche Abläufe sind. Hier in der Schweiz bin ich als Spitalarzt derjenige, der das Rezept für die Medikamente ausstellt, die Arbeitsunfähigkeit bescheinigt, die weitere Diagnostik in die Wege leiten kann (das MRT steht ja eh in unserem Spital), die Nachkontrollen nach der OP in meiner Sprechstunde vereinbare…. der Bereich der Niedergelassenen Ärzte ist ganz anders organisiert.

Habt ihr Dinge erlebt, die euch völlig unorganisiert und unlogisch in den Abläufen einer medizinischen Behandlung vorkamen? Teilt sie uns doch in den Kommentaren mit! Wir lernen gerne dazu, wie es anders wo läuft!

Orthopaedix


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RFID im OP – Ansätze für die Zukunft

(c) golem.de

Nachdem wir euch in zwei Artikeln zu beinahe vergessenen Kompressen im OP einen Einblick gewährt haben (Kompresse?, Fehlende  Kompresse – Teil 2) wie schnell bei langen und aufwändigen Operationen eine Kompresse im Patienten verschwinden und nach einer OP verbleiben kann, kam eine Diskussion in den Kommentaren auf, wie man dieses Problem optimal lösen könnte. Ich habe von einem Ansatz gehört, der in einigen Kliniken derzeit getestet wird und den ich euch heute kurz vorstellen möchte: RFID-Chips.

Pro Jahr werden im Krankenhaus rund 3000 sog. „Alien Objects“ (v.a. in Form von Tüchern und Tupfern) während Operationen im Patienten vergessen. Eine sehr unschöne Sache für sowohl Patienten, wie auch beteiligte Ärzte und Pfleger. Um diese Zahl zu vermindert, führte man zunächst das Vieraugen-Prinzip (zwei OP-Schwestern müssen die Vollständigkeit bestätigen) und das zweifache Nachzählen ein. Dennoch ist die Zahl von ca. 3000 Fälle, in denen diese Sicherheitsmaßnahmen, warum auch immer, versagen, erschreckend. Mit den modernen Entwicklungen in der Industrie und Technik schwappen nun RFID-Chips in die Kliniken, die dort zu einer Verbesserung der Patientensicherheit führen könnten.

RFID steht für radio-frequency identification und wird heute in immer mehr Bereichen eingesetzt. Die kleinen Chips finden sich v.a. in der Logistik zur Kontrolle der Warenströme und der Nachvollziehbarkeit, welches Produkt an welcher Stelle zu welcher Zeit vorhanden ist oder verarbeitet wurde; Anwendung finden sich auch heute schon in der Lieferkette von Textilien und Bekleidung, zur Identifikation von Frachtcontainern und Tieren, zur Zeiterfassung in Unternehmen, zum Bestandsmanagement und in Chipkarten mit z.B. kontaktloser Bezahlfunktion.
Seit einigen Jahren gibt es Ansätze die Chips auch im Krankenhaus anzuwenden – z.B. in Form von Patientenarmbändchen, um Verwechslung der Patienten auszuschließen oder als Zutritts- und Zugriffskontrollen in sensiblen Bereichen wie dem OP und der Sterilisation.

(c) heise.de

Einige Firmen testen seit einiger Zeit in Kooperation mit großen Kliniken die Verwendung von RFID-Chips in OP-Instrumenten, Tupfern und Tüchern. Das Ziel der Feldstudien ist  zu jeder Zeit während einer OP grafisch auf einem Monitor eine Kontrolle sichtbar zu machen, wie viele Fremdkörper noch im OP-Gebiet liegen und ob am Ende der OP alles, was an den Tisch gebracht wurde, wieder von ihm entfernt ist (und damit nicht im Patienten bleibt).
Zudem bietet sich, wie in der Logistik heute schon genutzt, die Möglichkeit während der gesamten Logistikkette einer Klinik (und darüber hinaus) Utensilien im Auge zu behalten – vom Hersteller über die Wäscherei bis ins Krankenhaus und wieder zurück in die Wäscherei. Teure Instrumente (der gesamte Warenwert an Instrumenten eines Krankenhauses kann 1,5 bis 2,5 Millionen Euro betragen!) können besser überwacht, Diebstahl, Verschwinden oder Lieferung an falsche Orte (falscher OP…) unterbunden werden.
Einige Hersteller ermöglichen mit ihren Systemen eine Überwachung der Bauchtücher mittels farbiger Ampeln am Bildschirm (rot = Tücher im Situs vorhanden, grün = alle Tücher, die über eine Antenne in den Operations-Bereich eingebracht wurden, sind auch wieder über diese Antenne nach draußen entfernt worden). Andere versprechen die Ortung von vergessenen Kompressen im Patienten mittels Detektoren, wie man sie am Flughafen bei der Sicherheitskontrolle kennt (siehe Herstellervideo auf Golem). Wieder andere Systeme, die z.B. in den USA schon eingesetzt werden, bestehen aus Klebern, die der Patient vor der OP auf z.B. das zu operierende Bein geklebt bekommt und der persönliche Daten des Patienten und den geplanten Eingriff enthält. Vor der Narkose und unmittelbar vor dem Schnitt wird das Funkkabel dann ausgelesen und abschließend vom Anästhesisten und dem Chirurgen kontrolliert – Patientenverwechslung adé. Weiterlesen