Arzt an Bord

Zu Risiken und Nebenwirkungen…..


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Eure Fragen – unsere Antworten. Heute: Tod

@_phoeni stellte uns über Twitter folgende Frage:

Eine gute Frage!

In der Medizin gibt es einige Definitionen von „Tod„:

1. der klinische Tod:

Darunter versteht man einen völligen Kreislaufstillstand (Fehlen von Puls und Atmung, maximale Pupillenerweiterung, Verfärbung der Haut unter Sauerstoffmangel). Dieser Zustand ist potentiell durch geeignete Reanimation und ggf. Entfernung bedingender Ursachen (z.B. Unterzuckerung, Vergiftung, Herzbeuteltamponade, Unterkühlung…) reversibel. Bei z.B. Unterkühlung gilt: „Nobody is dead until warm and dead“. Bei der Reanimation muss man eine Wiederbelebungszeit beachten: dies ist der Zeitintervall zwischen dem Herz-Kreislauf-Stillstand und den irreversiblen Organschädigungen infolge der Sauerstoffminderversorgung. Das Gehirn hat hierbei die geringste Sauerstoffmangel-Toleranz, das Herz hält ca. 15 – 30 min ohne Sauerstoff aus. Abhängig ist die Wiederbelebungszeit auch von der Körpertemperatur (siehe Merkspruch).

2. Scheintod:

Unter dem Scheintod versteht man den Zustand tiefer Bewusstlosigkeit mit klinisch nicht oder kaum nachweisbaren Lebenszeichen, jedoch ohne Auftreten der sog. sicheren Todeszeichen (siehe unten). Der Scheintod kommt u.a. bei Vergiftung mit Kohlenmonoxid, bei Unterkühlung oder Blitzschlag vor und ist potentiell vollständig reversibel.

3. Hirntod:

Unter dem Hirntod versteht man den Tod durch Organtod des Gehirns. Es handelt sich dabei um eine irreversible erloschene Funktion des Großhirns, Kleinhirns und Hirnstamms bei weiterhin kontrolliert aufrecht erhaltener Atem- und Kreislauffunktion (meist auf der Intensivstation). Der Hirntod kann nur durch Nachweis einiger Kriterien diagnostiziert werden: Weiterlesen


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Eure Fragen – unsere Antworten. Heute: Leichen

Wir freuen uns über jede Frage rund um den Blog, das Medizinstudium und das PJ und versuchen eure Fragen hier zu beantworten. Sofern wir glauben, dass die gestellte Frage unsere breite Leserschaft interessieren könnte, erlauben wir uns anonymisiert eure Frage samt unserer Antwort hier zu veröffentlichen.

Heute geht es um folgende Frage:

Ich habe von meiner Freundin erfahren ( sie hat eine lange Zeit im Krankenhaus gearbeitet) das die PJtler die auch dort gearbeitet haben, gar nicht mehr praktischen Anatomieunterricht hatten. Die PJtler haben dies alles nur theoretisch gemacht. […] da wollte ich mal fragen ob das immer mehr zur Regel wird? Weil das ist doch ein super interessantes Fach indem man dank der prakt. Übung auch gut lernen kann.
T.

Orthopaedix: Hallo T., wir beantworten dir deine Frage heute zu zweit 😉

Spekulantin: Dabei ist die Antwort eigentlich ganz einfach. Doch, wir haben noch ausgiebig praktischen Anatomieunterricht genossen.

Orthopaedix: Naja, so ausführlich nun auch wieder nicht. Ein Semester war das nur und das ist jetzt auch schon wieder lange her. Das war noch vor dem Physikum.

Spekulantin: Also mir hats gereicht! 14 Wochen lang zwei Nachmittage pro Woche im Präpariersaal zu verbringen fand ich echt hart.

Orthopaedix: Ja, schon. Aber es war auch verdammt lehrreich. Es ist einfach ein großer Unterschied, ob man in der Vorlesung Zeichnungen zu sehen bekommt, oder ob man das alles selbst und in 3D nachvollziehen kann. 

Spekulantin: Okay, das stimmt schon. Aber ein Semester war genug. Hat ja auch gereicht um einmal den gesamten Körper auseinander zu nehmen. Und so wirklich auf unsere Arbeit in der Klinik war das nicht ausgelegt. Klar hilft es um sich im OP besser zurecht zu finden, aber da muss ich jetzt dann doch meistens erst nochmal in den Anatomie-Atlas schauen.

Orthopaedix: Trotzdem immer noch besser als an anderen Unis, wo sie den Präpkurs inzwischen ganz abgeschafft haben. Nur Modelle und Plastinate anzuschauen, ohne selbst Strukturen freizulegen und zu „begreifen“, schafft keine halb so gute Vorstellung. Aber leider geht der Trend immer mehr in Richtung Abschaffung…

Spekulantin: …weil es eben auch eine Kostenfrage ist. Auch bei uns an der Uni sind es inzwischen doppelt so viele Studenten pro Leiche, so das auch nicht mehr jeder die Möglichkeit hat alle Schritte der Präparation selbst zu erleben.

Orthopaedix: Da hoffe ich auf gezielte Übungen an Leichen während der Facharztausbildung um die Abläufe einer Operation zu üben.

Spekulantin: Und was machst du mit all denen, die sich jetzt nicht sooooo zur Chirurgie hingezogen fühlen wie du?

Orthopaedix: Die müssen das ja auch gar nicht wissen. Sie wenden es ja eh nicht an. Außerdem unterscheidet sich die Vorgehensweise der operativen Eingriffe von der Art der Präparation im Präpkurs radikal: Im OP arbeitet man von einem schmalen Zugang aus in die Tiefe und präpariert nicht flächenhaft Schicht für Schicht einen ganze Körperregion frei.

Spekulantin: Naja, trotzdem sollte jeder Arzt so eine grobe Vorstellung vom menschlichen Körper haben. Und so schlimm ich das dritte Semester auch fand, wichtig war der Präpkurs schon. Schade nur, dass man seit dem so vieles davon wieder vergessen hat. Vor dem Chirurgie-Praktikum wäre da eine Auffrischung ganz hilfreich gewesen. 

Wir hoffen die Frage damit ausreichend beantwortet zu haben. Wer weitere Fragen hat, schickt sie uns gerne über das Kontaktformular, einen Kommentar zu unseren Artikeln oder per Twitter an @arztanbord! Wir freuen uns!

– Spekulantin & Orthopaedix