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Zu Risiken und Nebenwirkungen…..


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Arzneimittel der Woche XIII: Rituximab

Rituximab
MabThera, Rituxan

Anwendungsgebiet

Rituximab findet als sog. monoklonaler Antikörper Anwendung vor allem bei der Therapie von Autoimmunkrankheiten eingesetzt. Anwendungsgebiete sind die rheumatoide Arthritis (Rheuma), die idiopathische thrombozytopenische Purpura (ITP) und die Lupusnephritis (Entzündung der Niere) bei Lupus erythematodes (wiki).
Außerdem wird Rituximab bei Krebserkrankungen eingesetzt, z.B. beim niedrig malignen Non-Hodgkin-Lymphom, einer Krebsart, die ihren Ursprung im Immunsystem des Menschen hat oder der chronisch lymphatischen Leukämie.

Wirkung & Mechanismus

Rituximab ist ein monoklonaler Antikörper, der gegen ein bestimmtes Oberflächenprotein von Zellen gerichtet ist (CD20). Monoklonaler Antikörper bedeutet, dass dieser Antikörper aus einer ganz bestimmten Abfolge von Proteinen besteht und in der Herstellung milliardenfach in genau dieser Proteinabfolge künstlich erzeugt und produziert wird (durch gentechnisch veränderte Immunzellen, die nur noch diesen einen Antikörper produzieren). Im menschlichen Körper unterscheiden sich Antikörper normalerweise durch ihre Proteinsequenz und ermöglichen damit eine große Spannbreite an möglichen Andockstellen auf Eindringlingen (Viren, Bakterien…). Mit der Ausrichtung auf CD20-Rezeptoren auf den Zellen im menschlichen Körper dockt der Antikörper vorwiegend an Immunzellen an und reguliert so deren Antwort (z.B. durch Anregen der Immunantwort bei Krebserkrankung und damit Bekämpfung des Krebs durch körpereigene Abwehrmechanismen). Es kommt zum Zelluntergang, zur Auflösung bzw. dem Auffressen der CD-20-positiven Zellen (die dieses Oberflöächenprotein tragen) durch andere Immunzellen (Fresszellen = Makrophagen).

Nebenwirkungen

Rituximab führt nicht selten, v.a. bei der Krebs-Behandlung, zu teils starken Nebenwirkungen wie Fieber und Schüttelfrost (Zeichen der Aktivierung des Immunsystems) sowie Blutdruckabfall, Hautreaktionen und Atembeschwerden (die Beschwerden werden wohl durch den raschen Zerfall der Krebszellen und damit Ausschüttung von Zellinhalt hervorgerufen – es tritt ein sog. Cytokine Release Syndrome auf.). Je größer der ursprüngl. Tumor ist, desto größer ist der Zellzerfall und desto größer sind die Nebenwirkungen bei der ersten Therapiesitzung. Unter der Therapie mit Rituximab kann es in seltenen Fällen zu einer schweren Virusinfektion (JC-Virus) des Gehirns kommen, die oft tödlich verläuft. Außerdem ist die Infektanfälligkeit gegenüber Bakterien und Viren generell unter der Therapie erhöht. Es kann zudem zu Gewichtsabnahme, erhöhtem Blutzucker, Unruhe und Schlaflosigkeit, Nachtschweiß, Muskel- und Gelenkschmerzen kommen. Seltener führt die Therapie zu Problemen am Herz (Pulserhöhung, Arrythmie, Vorhofflimmern, Infarkt).

Bei der Behandlung von Autoimmunerkrankungen wie rheumatoider Arthritis sind sehr gute Langzeitergebnisse und Verträglichkeiten bekannt – starke Nebenwirkungen sind selten und treten meist innerhalb der ersten 48 der ersten Verabreichung auf.

Gegenanzeigen

Rituximab darf nicht gegen werden, wenn eine Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff bekannt ist. Außerdem sollten Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz (NYHA-Stadium IV), viralen Infektionen (wegen der Einflüsse auf das Immunsystem) sowie in Kombination mit Chemotherapie Schwangere und Stillende den Wirkstoff nicht erhalten.

Zu Risiken und Nebenwirkungen essen Sie die Packungsbeilage, oder tragen Sie Ihren Arzt zum Apotheker. Diese Information ersetzt keinen Arztbesuch und erhebt keinen Anspruch auf  Richtigkeit oder/und Vollständigkeit.

Nach der Pause über Weihnachten und Neujahr heute endlich dieses Medikament als Antwort auf einen Userwunsch von Regenwolke. Wenn ihr auch einen Wirkstoff/ein Medikament erklärt bekommen wollt, dann nutzt unser Kontaktformular, die Kommentarfunktion oder schreibt uns bei Twitter @arztanbord

– Orthopaedix


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Krankheit der Woche XII: Idiopathische thrombozytopenische Purpura

Krankheit der WocheIDIOPATHISCHE THROMBOZYTOPENISCHE PURPURA
Immunthrombozytopenie, Immunthrombozytopenische Purpura, Purpura haemorrhagica, Morbus Werlhof, ITP

Was ist das?

Wie der Name schon sagt, handelt es sich um eine Erkrankung, die die Thrombozyten (Blutplättchen) betrifft. Diese sind ein wichtiger Teil des Blutgerinnungssystems. Sie verschließen Veröetzungen der Gefäße, indem sie sich fest an die Gefäßwand und aneinander lagern. Ein durchschnittlicher Erwachsener hat 150.000 – 350.000 Thrombozyten pro Mikroliter Blut.
Bei der ITP kommt es meist in der Milz, seltener in Lymphknoten zur Zerstörung der Blutplättchen. Ihre Zahl sinkt entsprechend (Thrombozytopenie), da sie nicht schnell genug nachproduziert werden können.
Man unterscheidet eine akute Form, die vorwiegend Kinder betrifft und sehr oft spontan ausheilt. Und eine chronische Form, die bei Frau deutliche häufiger vorkommt, als bei Männern. Sie tritt typischerweise im Erwachsenenalter auf und dauert definitionsgemäß länger als 6 Monate.

Wie entsteht es?

Die genauen Ursachen der Thrombozytenzerstörung sind nicht bekannt. Es handelt sich um einen Autoimmunprozess, mit Bildung von Antikörpern gegen bestimmte Oberflächenstrukturen der Thrombozyten (GpIIb/IIIa). Die so markierten Thrombozyten werden von den körpereigenen Fresszellen abgebaut.
Da die akute Form häufig nach einem vorausgegangenen Infekt auftritt, vermutet man eine Kreuzreaktion. Oberflächenstrukturen von verschiedenen Viren scheinen denen der Thrombozyten ähnlich genug zu sein, dass die Antikörper gegen die Viren auch an die Blutplättchen binden können. Diesen Mechanismus nennt man „Molecular mimikry“.
Für die chronische Form ließ sich bislang kein Zusammenhang mit Infekten herstellen. Viele Patienten tragen jedoch den Keim Helicobacter pylori, sodass auch hier weiter an der Mimikry-Hypothese geforscht wird.

Was merkt man?

Symptome treten oft erst bei einer Thrombozytenzahl < 30.000/µl auf und werden bei etwa <10.000/µl lebensbedrohlich.
Durch die fehlerhafte Blutgerinnung kommt es zu spontanen Blutungen. Meist sind dies kleine, punktförmige Einblutungen in Haut und Schleimhäute (v.a. an den Beinen und im Rachen), sog. Petechien. Bei Frauen kann es zusätzlich zu einer verlängerten und verstärkten Regelblutung kommen.
In schwereren Fällen haben die Patienten spontan Nasenbluten. Lebensbedrohlich sind Blutungen im Verdauungstrakt und Hirnblutungen.

Wie stelle ich es fest?

Einen direkten Nachweis für eine ITP gibt es nicht. Es handelt sich um eine Ausschlussdiagnose. Zunächst müssen also alle anderen Möglichkeiten für eine Verminderung der Thrombozytenzahl und die Blutungen ausgeschlossen werden.

Typsiche Befunde sind allerdings eine alleinige Thrombozytopenie bei ansonsten unauffälligen Labortwerten. Unterstützt wird der Verdacht durch ein passendes klinisches Erscheinungsbild und bei Kindern durch eine positive Infektanamnese.
Weiterführende Untersuchungen sind aufwändig und beinhalten z.B. die Gewinnung von Knochenmark. Im Ausstrich kann man viele Vorläuferzellen der Thrombozyten (Megakaryozyten) als Zeichen einer vermehrten Produktion sehen. Außerdem kann man bei etwa 80% der Patienten Antikörper gegen Thrombozyten, teilweise sogar gegen spezifische Strukturen nachweisen. Eine Szintigraphie mit markierten Thrombozyten kann Aufschluss darüber geben, ob der Ort der Zerstörung in der Milz oder in den Lymphknoten liegt.

Was kann man tun?

Oft heilt die Erkrankung von selbst ab. Therapiebedarf besteht bei lebensbedrohlichen Blutungen, Thrombozytenzahlen von <20.000/µl, zunehmender Verschlechterung oder zusätzlichen, blutungsfördernden Umständen (ASS-Einnahme, Fehlfunktion anderer Teile des Gerinnungssystems,…).
Für den ersten Therapieversuch verwendet man Glukokortikoide, die zur Hemmung der antikörperbildenden Zellen dienen. Die Wirkung setzt erst nach einigen Tagen ein. In akut lebensbedrohlichen Situationen (oder bei Nicht-ansprechen der Glukokortikoide) setzt man deshalb Immunglobuline ein, die schnell wirken. Bisher verwendete man dabei eine unspezifische Mischung. Ein neuer Ansatz ist die Verwendung des Blutgruppen-Antikörpers Anti-D-Ig bei Rhesusfaktor-negativen Patienten, mit deutlich besseren Erfolgen.

Bei unbeherrschbaren Blutungen ist eine Transfusion von Thrombozyten eine Möglichkeit. Sie ist allerdings mit dem Risiko verbunden, dass die körperfremden Zellen eine zusätzliche Antikörperbildung anstoßen und die Situation verschlimmern.
Eine zweite Notfalltherapie ist die Entfernung der Milz (Splenektomie), besonders, wenn eine Szintigraphie bereits dort den Ort des Blutplättchenabbaus festgestellt hat. Die fehlerhafte Immunreaktion hat jetzt keinen Ort mehr, wo sie stattfinden kann.

Auch bei wiederholten Rezidiven (trotz niedrigdosierter Dauertherapie mit Glukokortikoiden) kann die Spenektomie eine Möglichkeit sein. Meistens versucht man jedoch zunächst die Krankheit durch die Gabe von Zytostatika (z.B. Cyclophosphamid), die die fehlerhaften Immunzellen zerstören, in den Griff zu kriegen. Eine weitere und schonendere Therapieoption ist der Antikörper Rituximab, der gegen Oberflächenstrukturen der Immunzellen gerichtet ist und diese hemmt.

Das Ansprechen auf die verschiedenen Therapien ist von Patient zu Patient sehr unterschiedlich und bislang gibt es kaum Kriterien um den Erfolg eines bestimmten Medikaments vorauszusagen. Deshalb wird die gesamte Therapie unter stetiger Kontrolle der Thrombozytenzahl sehr flexibel angepasst und optimiert, bis die beste individuelle Medikamentenkombination für einen Patienten gefunden ist. Dann liegen die Heilungschancen insgesamt bei 70-80%

Diese Information ersetzt keinen Arztbesuch und erhebt keinen Anspruch auf  Richtigkeit oder/und Vollständigkeit.

Diese Krankheitsbild haben wir auf Wunsch von Isa genauer beleuchtet und hoffentlich vollständig erfasst. Habt ihr auch Interesse an einer bestimmten Krankheit? Dann fragt uns einfach. Es darf auch gerne etwas ausgefallenes sein.

– Spekulantin