Arzt an Bord

Zu Risiken und Nebenwirkungen…..


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Ode an die Notaufnahme

(c) blastam.com

Ich liebe Notaufnahmen. Insbesondere chirurgisch-orthopädisch-traumatologische. (Klar 😉 ). Ich freue mich immer, wenn ich auf die Notaufnahme rotiere und dort einige Zeit mitarbeiten kann. Nicht nur, weil man als Student viel selbst machen kann und jede Menge lernt. Sondern auch aus anderen Gründen – und einige davon möchte ich in dieser Ode besingen. Wobei, lieber singe ich nicht, sonst wird eure Milch noch sauer. Tippe ich lieber und versuche das, was man fühlt und denkt, in Worte zu fassen.

Die Atmosphäre. In der Notaufnahme eine ganz besondere, das spürt man als Patient, aber vor allem als Mitarbeiter. Das Team zwischen Pflege und Ärzten ist entscheidend für den Arbeitserfolg, für die Geschwindigkeit, mit der ein Patient versorgt wird, mit der Einstellung und der Stimmung aller Beteiligten. Und im Endeffekt mit der Zufriedenheit auf allen Seiten. Nirgends in der gesamten Klinik ist die Zusammenarbeit zwischen Pflege und Arzt gefühlt größer und die Wege zwischen Pflege und Ärzte kleiner als in der Notaufnahme (und ganz besonders in einer schweizer Notaufnahme 😉 ). Als Weißkittel kann man sich auf kompetente Pflegekräfte, die eine extra Ausbildung durchgemacht haben, freuen; kann vertrauen, dass die Patienten gut versorgt sind und dass die Pflege aktiv mitdenkt, nach Schmerzmittelversorgung fragt und man gleichwertig am Patienten arbeitet. Flache Hierarchien sind ein Muss. Jeder, der länger in der Notaufnahme arbeiten will, sollte sich zu Herzen nehmen, dass man die nette Pflege nicht von oben herab betrachten und behandeln darf.
Außerdem wird die Atmosphäre natürlich dadurch besonders, dass hier Patienten von der Straße den Übertritt in die Welt der Klinik tun. Meist leidend, verletzt, schmerzgeplagt. Mit Erwartungshoffnung. Hilfe suchend. Und man ist für die Patienten da. In der Notsituation. In ihrer Ausnahmesituation. Will helfen. Muss manchmal alles geben und an seine Grenzen gehen.

Zufluchtshafen. Man ist Ansprechpartner. Verantwortlicher. Patienten kommen und begeben sich in die Hände der Ärzte, denen sie Vertrauen schenken. Rettungsmannschaften bringen ihre Patienten, man tritt in die Behandlungskabine dazu, bekommt die Fälle übergeben, überlassen dir das weitere Vorgehen. Du bist der „Halbgott“, der helfen muss und soll – und hoffentlich sogar auch ein wenig kann 😉 Sozusagen „der Herr im Haus“. Irgendwie beflügelt mit den weißen Klamotten, dem Stethoskop, Kugelschreiber und Namensschild. Mit sterilen Handschuhen, mit Röntgenbildern in der Hand, mit dem Oberarzt an der Seite. Man fühlt sich oftmals echt gut, das kann ich euch sagen! Fast schon „schwebend“. Beflügelt! Die eigene Arbeit macht Sinn und Spaß, man ist für die Patienten da und weiß am Ende des Tages, was man geschafft hat. Ob man alle Patienten gut versorgt hat, ob es ein ruhiger Tag war und man ein wenig entspannter durchgekommen ist oder ob die Hektik pur herrschte und man nur noch totmüde ins Bett fällt.

Kolikenartiges Jonglieren. Etwas Besonderes in der Notaufnahme ist auch das unvorhersehbare Auftreten von Patienten. In einem Moment herrscht gähnende Leere, man geht sich einen Kaffee holen, scherzt mit den Pflegekräften, surft im Netz und plötzlich sind da 5, 10, 15 Patienten auf einmal, um die man sich kümmern muss. Einschätzen, wer dringend Hilfe braucht, wen man eher noch kurz warten lassen kann, wo es um Leben und Tod gehen könnte. Von jetzt auf gleich herrscht Hektik, Trubel, Aufregung, Spannung, Adrenalin. Das ist es wohl, was viele Laien in unzähligen Dokus über das Leben in Notaufnahmen so fasziniert. Das plötzliche Umschalten von „Langeweile“ auf Hochleistung.
Wenn die Patienten nach und nach anfluten, kann man sie nach und nach abarbeiten und hoffen, dass die Behandlungs- und Diagnoseschemata eines nach dem anderen wie in einem Uhrwerk ineinander greifen und man Schritt für Schritt arbeiten kann. Dann fließt alles…. oftmals aber staut sich die Bildgebung, fehlt hier die Meinung des Oberarztes, liegt dort ein Patient, dessen Wundversorgung schnell mal 30min in Anspruch nimmt, Zeit, die man bei anderen Patienten nicht hat, kommt dort ein Unfall rein, den man vorziehen muss. Und schon Jongliert man mit vielen Bällen. Muss hier das Labor des Patienten im Auge behalten und abwarten, dass Ergebnisse im PC erscheinen, gleichzeitig dort das Röntgenbild betrachten und befunden. Der Oberarzt ruft an und will Patienten vorgestellt, gibt Behandlungspläne durch, für einen Patient muss eine OP-Anmeldung ausgefüllt werden, die Anästhesie informiert werden, bei einem anderen die stationäre Aufnahme erledigt und Anordnungen für die Station geschrieben werden. Und bei allen natürlich die Krankenakte gefüllt und alles dokumentiert werden, was man in der Notfallambulanz mit dem Patienten gemacht und für die Zukunft ggf. empfehlen würde. Wer hier keinen Plan hat, wie er die Bälle alle gleichzeitig in der Luft halten und trotzdem sinnvoll arbeiten kann, der kommt bald an seine Grenzen und gerät ins Schwimmen. Kein Wunder, dass sich nicht alle Kollegen in diesen Situationen wohl und sich manch einer schnell mal überfordert fühlt (ich bin gespannt wie es mir dann geht, wenn ich selbst verantwortlicher Arzt und nicht mehr nur Student bin 😉 )

Fokussiertes Arbeiten. Weiterlesen

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