Arzt an Bord

Zu Risiken und Nebenwirkungen…..


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Allergie

Viele Menschen haben heute Allergien. Heuschnupfen, Lebensmittel, z.B. gegen Erdnüsse, … normalerweise ist das zwar lästig, aber nicht unmittelbar lebensbedrohlich. Man kann Medikamente nehmen, es gibt Notfallmedikation oder man versucht einfach den Allergie-auslösenden Stoff zu vermeiden (was die effektivste Möglichkeit darstellt).

Was aber, wenn man auf Stoffe allergisch ist, die in vielen Medikamenten als Trägerstoffe verwendet werden? Und wenn diese Allergie so schlimm ist, dass schon geringste Mengen des sog. Allergens allergische Reaktionen hervorrufen, die lebensbedrohlich sein können?
Genau das hat eine Patientin erlebt, die bei uns behandelt werden sollte. Sie ist gegen einen Stoff allergisch, der in unzähligen Medikamenten enthalten ist, aber auch selbst als Medikament verwendet wird. Dazu kommen eine ganze Liste weiterer Allergien, sodass es sich wahrlich um eine Hochrisiko-Patientin handelte. In ihrer Vergangenheit erlebte sie bereits mehrfach anaphylaktische Schocks (Allergiebedingte, lebensbedrohliche Schockzustände) sowie eine Reanimation, nachdem sie versehentlich in Berührung mit einem Medikament gekommen war, das das Allergen enthielt. Dabei war es eigentlich nur eine Creme, die eine Pflegeperson ihr nach einer kleinen Reizung einer Vene, in der zuvor ein Zugang gelegt worden war, aufgerieben hatte. Die körperliche Reaktion war so groß, dass sie ins Leben zurück geholt werden musste.

Nun sollte die Patientin ein neues Hüftgelenk erhalten. Dieses besteht natürlich aus körperfremden Stoffen, die allesamt allergisierendes Potential enthalten. Vor der OP wurde deswegen jede Anstrengung unternommen im Voraus abzuklären, ob enthaltene Stoffe in den Prothesen eine Reaktion bei der Patientin auslösen würden. Dermatologen wurden hinzugezogen, Hersteller nach detaillierten Auflistungen der enthaltenen Stoffe angefragt, Fachzentren kontaktiert…. und schließlich der Entschluss gefasst, dass es mit besonders ausgewählten Prothesenkomponenten gut gehen würde. Die Anästhesie ließ sich von der Apotheke seitenlange Listen mit erlaubten und verbotenen Medikamenten geben und die OP konnte starten. (Und sie lief gut, um es vorweg zu sagen).

Was wir vor der OP sahen war, dass die Patientin sich oberhalb der linken Brust ein großes Tattoo hatte stechen lassen. „Ich bin alt genug, als dass da eh niemand mehr hinschaut und es optisch störend finden könnte“, wie sie danach erklärte. Außerdem sei es vielleicht lebensrettend, wenn sie irgendwann medizinische Versorgung benötige und sich dabei bezüglich ihrer Allergien nicht mehr artikulieren könne.

Und so stand groß über ihrer linken Brust, eingerahmt von zwei roten Warndreiecken: „Attention! Allergic reaction against PEG„. Eine gute Idee, wie ich finde. Und es bei einem Diabetiker mal mit einem Armkettchen („Diabetes“) erlebt habe.

Orthopaedix


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Arzneimittel der Woche XV: Cetirizin

Cetirizin
Cetiderm, Zyrtec, Reactine uvm

Anwendungsgebiet

Cetirizin wird zur Linderung bei allergischen Beschwerden, bei Neurodermitis, Juckreiz, allergischer Bindehautentzündung und Nesselsucht eingesetzt.

Wirkung & Mechanismus

Cetirizin gehört zur Gruppe der Antihistaminika. Dies sind Wirkstoffe, die der Wirkung des körpereigenen Botenstoffs Histamin entgegenwirken und damit die von Histamin hervorgerufenen Reaktionen verringern bzw. verhindern. Histamin wird normalerweise von einigen Immunzellen als allergische Reaktion des Körpers ausgeschüttet. Der Arzneistoff blockiert die Wirkung  von Histamin an dessen Rezeptor an den Zellen. Wenn Histamin normalerweise an diese Rezeptoren dockt, kommt es zu den typischen allergischen Symptomen wie tränende Augen, verstopfte und laufende Nase, Juckreiz…..

Cetirizin ist ein sog. Antihistaminikum der 2. Generation. Dies sind besondere Wirkstoffe, die weniger Wirkung auf das Gehirn haben und daher Nebenwirkungen wie Müdigkeit (die bei der ersten Generation der Antihistaminika noch sehr häufig auftraten) nur noch selten hervorrufen.

Nebenwirkungen

Cetirizin kann durch Blockade von Histamin-Rezeptoren im Gehirn Müdigkeit, Kopfschmerz und Benommenheit hervorrufen (ca. bei 1 von 100 Patienten). In einigen Fällen kam es zu Mundtrockenheit oder Bauchschmerzen mit Durchfall (sehr selten). Cetirizin steht im Verdacht sehr selten Herzrhythmusstörungen auszulösen.

Gegenanzeigen

Patienten mit Allergie auf den Wirkstoff oder mit terminaler Niereninsuffizienz sollten kein Cetirizin nehmen, Vorsicht ist auch bei älteren Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion geboten. Da keine Studien vorliegen, sollte der Wirkstoff bei Kindern unter 2 Jahren nicht gegeben werden. Ebenso sollte Cetirizin nicht beim Stillen verabreicht werden, da es in die Muttermilch übergeht.

Zu Risiken und Nebenwirkungen essen Sie die Packungsbeilage, oder tragen Sie Ihren Arzt zum Apotheker. Diese Information ersetzt keinen Arztbesuch und erhebt keinen Anspruch auf  Richtigkeit oder/und Vollständigkeit.

– Orthopaedix