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Krankheit der Woche VI: ADHS

Krankheit der WocheAUFMERKSAMKEITSDEFIZIT-HYPERAKTIVITÄTSSYNDROM
AHDS, Hyperkinetische Störung, Zappelphilipp-Syndrom

Was ist das?

ADHS bezeichnet ein komplexes psychologisches Syndrom mit den 3 Hauptsymptomen Konzentrationsstörungen/Unaufmerksamkeit, (motorische) Überaktivität und Impulsivität. Die Krankheit lässt sich nocheinmal ein zwei Haupttypen unterteilen, je nachdem ob die Hyperaktivität oder mehr die Unaufmerksamkeit im Vordergrund steht. Im zweiten Falle spricht man auch von „Träumern“. Anders als lange angenommen, wächst sich die Krankheit mit der Pubertät nicht aus. Viele Betroffene zeigen auch im Erwachsenenalter Symptome. Außerdem zeigen Betroffene verstärkt Symptome anderer psychischer Störungen, wie Depressionen, Essstörungen und häufig eine Störung des Sozialverhaltens.

Wie entsteht es?

Die Ursachen des ADHS sind vielfältig. Bei der Entstehung spielen biologische, psychische und soziale Faktoren zusammen. In 50% der Fälle findet sich eine genetisch bedingte Veränderung des Nervenzellstoffwechsels. Damit kommt der Erziehung und dem familiären Umfeld eine deutlich geringere Bedeutung zu als lange Zeit angenommen. Trotzdem sind gerade psychosoziale Faktoren wichtig für Stärke der Krankheitsausprägung. Auch Schwangerschaftskomplikationen, Infektionen, Verletzungen von Nerven und Gehirn, sowie Rauchen und Alkohol in der Schwangerschaft sind Risikofaktoren für einen veränderten Stoffwechsel bestimmter Gehirnbereiche.

Was merkt man?

Typischerweise fallen die Kinder in der Schule auf. Ihre Aufmerksamkeitsspanne ist kurz, sie sind leicht ablenkbar und machen in ihren Arbeiten viele Flüchtigkeitsfehler. Gleichzeitig fällt es ihnen schwer über längere Zeit still zu sitzen, sie gestikulieren wild, stehen im Unterricht auf und sind beim Spielen übertrieben laut. Im Gespräch platzen sie häufig mit Fragen und Antworten dazwischen, fahren anderen über den Mund, haben Probleme damit zu warten bis sie an der Reihe sind und unterbrechen und stören dann häufig. Je nach Form der Erkrankung sind die einzelnen Zeichen in verschieden starker Ausprägung vorhanden. Sie sind jedoch nur genauer abzuklären, wenn sie über ein halbes Jahr regelmäßig beobachtet werden.

Wie stelle ich es fest?

Für die Diagnostik gibt es verschiedene standartisierte Fragebögen und Checklisten. Wichtig ist stets, dass die Informationen aus mehreren unabhängigen Quellen stammen, also neben der Familie z.B. auch aus dem schulischen Umfeld. Neben Befragungen gehören auch eine neurologische Untersuchung, Verhaltensbeobachtung und die Erhebung eines psychosozialen Gutachtens zur vollständigen Diagnostik. In diesem Rahmen sollten auch weitere verwandte psychische Störungen erfasst werden. Die Diagnostik erfolgt am besten durch einen Kinder- und Jugendpsychiater oder einen erfahrenen Kinderarzt, da eine Abgrenzung der krankhaften Sypmtome von einer im Laufe der Entwicklung normalen Phase nicht immer einfach ist.

Was kann man tun?

Die Therapie besteht aus einem vielseitigen Konzept, das psychologische, erzieherische und soziale Maßnahmen einschließt. Ergänzt wird die meist durch eine medikamentöse Therapie mit Methylphenidat, die langsam bis zu einer nebenwirkungsarmen aber wirkungsvolle Dosis gesteigert wird. Viele Kinder sind erst dann in der Lage Übungen, Aufgaben und Anregungen aus anderen Therapieteilen überhaupt umzusetzen. Wünschenwert ist stets auch eine Einbeziehung der Familie in die Therapie.

Diese Information ersetzt keinen Arztbesuch und erhebt keinen Anspruch auf  Richtigkeit oder/und Vollständigkeit.

– Spekulantin


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Arzneimittel der Woche VI: Ritalin

Methylphenidat
Ritalin, Medikinet

Anwendungsgebiet

Methylphenidat wird zur Behandlung von Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Störungen (AD(H)S) bei Kindern ab einem Alter von 6 Jahren angewandt (Genaueres zum Krankheitsbild folgt in einer Woche als Krankheit der Woche). Außerdem findet es Anwendung bei der Behandlung der Narkolepsie (Schlummersucht) und zur Unterstützung der Therapie bei schweren Depressionen.

Unter Schülern und Studenten ist die missbräuchliche Einnahme zur Leistungssteigerung und Steigerung der Konzentrationsfähigkeit, insbesondere in Lernphasen vor größeren Prüfungen, bekannt.

Wirkung & Mechanismus

Methylphenidat ist – entgegen der landläufigen Meinung – kein „dämpfendes“ Medikament, das die Kinder ruhig stellt. Vielmehr hat es stimulierende Wirkung und ähnelt Amphetaminen, wie sie u.a. auch in Form moderner Drogen missbraucht werden.

Der Arzneistoff wirkt anregend, aufregend und unterstützt kurzzeitig die körperliche Leistungsfähigkeit. Methylphenidat hemmt Müdigkeit, Appetit und Erschöpfungsgefühle (siehe auch Missbrauch zur Steigerung des Lernens).

Die beschriebenen Wirkungen werden durch die Hemmung eines Transporters für Botenstoffe (Dopamin und Noradrenalin) im Gehirn bewirkt. Wie beim Wirkstoff „Sertralin“ beschrieben, hemmt auch Methylphenidat die Wiederaufnahme der Botenstoffe in die Nervenzelle und erhöht somit deren Konzentration im sog. synaptischen Spalt zwischen zwei Nervenzellen. Durch die erhöhte Konzentration wird das vegetative Nervensystem (bestehend aus Sympathikus und Parasympathikus und zuständig für unterbewusst ablaufende Prozesse aus früheren Zeiten wie z.B. Flucht, Schwitzen, Sexualtrieb…) vermehrt stimuliert und der Sympathikotonus (der klassischerweise für Flucht, vermehrte Konzentration und Aufmerksamkeit, Unterdrückung von Schmerzen und Müdigkeit … zuständig ist) erhöht.

Nebenwirkungen

Methylphenidat kann zu einer reversiblen Verlangsamung des Längenwachstums und reduzierter Gewichtszunahme führen, die sich nach Absetzen der Therapie in den meisten Fällen bald wieder normalisieren. Durch Steigerung des erwähnten Sympathikotonus wird sowohl der Appetit vermindert (unsere Vorfahren mussten vor dem Säbelzahntiger fliehen und nicht Hunger bekommen) als auch Spannung und Schlaflosigkeit erzeugt (auf der Flucht sollte man besser nicht einschlafen). Sehr häufig kommt es zudem zu Verdauungsproblemen, Übelkeit, Mundtrockenheit  und  übermäßigem Schwitzen (bei Lampenfieber hat jeder schon einmal die Erfahrung eines trockenen Mundes, leichter Übelkeit, feuchten Händen und Magenverstimmung erlebt – alles Ursache des gesteigerten Sympathikus (der so gar nicht sympathisch scheint)). Außerdem führt der Stoff zu schnellerem Puls, erhöhtem Blutdruck und verminderter Libido (ich wiederhole mich, aber auf der Flucht… ihr wisst schon).

Zu erwähnen ist, dass Methylphenidat auch dämpfende Wirkung haben kann (in ca. 1:100 bis 1:10 Fällen), ebenso wie Verstopfung (auf der Flucht sollte man früher nicht auf Toilette müssen) und Kopfschmerzen hervorrufen kann.

Das weitere Spektrum der Nebenwirkungen ist breit und reicht in den seltensten Fällen (<1:10.000) sogar zu Halluzinationen, Psychosen und Depressionen.

Bei Überdosierung führt Methylphenidat zu Schwindel, Herzrasen, Schlafstörung, erhöhter Wachheit. Da die Wirkung nicht lange anhält, benötigt man oftmals keine Therapie der Überdosis. In starker Überdosierung drohen Herzrhythmusstörungen, Krämpfe und Koma – hier ist eine ärztliche Therapie dringend nötig!

Gegenanzeigen

Bei Schwangeren wurde das Medikament nicht getestet, sodass es während der Schwangerschaft nur bei unbedingt nötiger Indikation gegeben werden sollte.

Methylphenidat sollte nicht mit bestimmten Antidepressiva (MAO-Hemmern) kombiniert werden, da sich die beiden Wirkstoffe in ihrer stimulierenden Wirkung auf das Herz addieren und zu Blutdruckkrisen führen können. Durch die blutdrucksteigernde Wirkung wird die Wirkung von Blutdrucksenkern herabgesetzt. Bei gleichzeitiger Gabe von Marcumar, Antiepileptika und Antidepressiva muss die Dosis angepasst werden, da sich diese Wirkstoffe in ihrer Wirkung negativ beeinflussen.

Während der Einnahme von Methylphenidat sollte auf den Konsum von Alkohol verzichtet werden, da durch Alkohol die Konzentration des Botenstoffs Dopamin im Gehirn zusätzlich gesteigert wird sowie der Abbau des Alkohols durch Methylphenidat gehemmt ist.

 

Musik

Zu Risiken und Nebenwirkungen essen Sie die Packungsbeilage, oder tragen Sie Ihren Arzt zum Apotheker. Diese Information ersetzt keinen Arztbesuch und erhebt keinen Anspruch auf  Richtigkeit oder/und Vollständigkeit.

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