Arzt an Bord

Zu Risiken und Nebenwirkungen…..


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habt Geduld

(c) internetpokerworld.com

Bitte liebe Leserschaft, habt weiterhin Geduld mit uns und unserem Blog. Derzeit befindet sich ein Drittel in Erholungsurlaub weit weit weg, die anderen zwei Drittel stehen kurz vor ihrem Erholungsurlaub. Danach beginnt das Arbeitsleben, wir haben uns alle drei für eine Stelle entschieden und werden diese dann nach den Urlauben antreten. Bis dahin gibt es eine Menge Bürokratie zu erledigen, Unterlagen zu wälzen, Formulare auszufüllen und teilweise einiges an Geld für Anerkennung ausländischer Abschlüsse zu bezahlen (weil es einige von uns ins Ausland zieht).

Wenn wir dann mit dem Arbeiten begonnen haben, werden wir wieder richtig viel Patientenkontakt haben und dann können wir ganz viel neue Dinge für euch schreiben. Bis dahin bitten wir euch weiterhin um Geduld 🙂

Orthopaedix


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shit happens

OP-Tag. Wieder durfte ich im OP assistieren und mir meine (sich zu Ende neigende) freie Zeit zwischen Abschluss und Arbeitsbeginn finanzieren. Auf dem OP-Plan stand eine Hüft- und eine Knie-Prothese. Also von 8.30 Uhr bis ca. 13 Uhr, dann sind die OPs erfahrungsgemäß beendet und ein anderer Orthopäde hängt noch seine Hüft-Prothesen-OP ins Saalprogramm.

Die Hüfte beginnt ganz gut, dauert etwas länger als es sein müsste, was u.a. auch an der Art der Desinfektion liegt bzw. der Geschwindigkeit, mit der der Operateur diese auf beide Beine aufpinselt. Könnte man schneller machen, macht er aber nicht. Genussvoll auftragend – er muss derweil ja keines der schweren Männerbeine halten und darf dabei an keinen Tisch oder andere unsterile Stelle kommen. Nach knapp 2,5 Stunden ist der Patient erfolgreich desinfiziert, operiert und wieder aufgewacht, liegt im warmen Bettchen und unser Job ist done.
Bis hierhin: wenig shit happens.

(c) dr-rosenthal.de

Aber ab jetzt: viel shit happens.
Weil der Patient schwache Bänder am Knie hat, sollte er eine sogenannte „gekoppelte Prothese“ bekommen, also eine, bei der das obere Stück vom Oberschenkelknochen mit dem des Unterschenkelknochens über eine Art Gelenk fest verbunden ist (im Gegensatz zu einem künstlichen Oberflächenersatz, der bei guter Bandführung verwendet werden kann).

Das Sieb (so nennt man den „Koffer“, in dem das Werkzeug für die OPs sterilisiert und in den OP gebracht wird) für die Knie-Prothese wurde vom Hersteller nicht an die Klinik geliefert, denn die Firma tippte als Lieferadresse einen Buchstabendreher und schickte unser bestelltes Sieb fast 800 km entfernt in eine andere Klinik (ob die überhaupt Kniegelenke operieren? Das stelle ich mir lustig vor, wenn die dort ein Paket erhalten und ganz verdutzt das Sieb mit den Prothesen öffnen).

Ersatz muss her, der Patient ist schließlich „bestellt“ (also in den OP abgerufen), die Anästhesie beginnt bereits mit ihrer Vorbereitung. Wir warten 1,5h, bis das Sieb mit den richtigen Werkzeugen und Prothesen per Express vom Herstellerlager an die Klinik geliefert ist, bis wir mit der OP beginnen können – im Tagesplan viel zu spät!

Die Operation gestaltet sich aufgrund des deutlichen Befundes des Patienten ein wenig kompliziert, eine Vertreterin der Firma ist mit im OP und sollte mit Rat zur Seite stehen. Stattdessen wird sie nach der Fehlbestellung mit einem weiteren „shit happens“ den OP-Tag komplett über den Haufen werfen. Aber der Reihe nach. Weiterlesen


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Gastartikel – Erfahrung aus der Gyn

Der nachfolgende Text entstammt einer Mail einer deutschen Medizinstudentin, die für ihr Studium nach Rumänien ging und von dort ihre Erlebnisse schildert. Weil mich die Mail und deren Inhalt emotional sehr bewegt hat, erlaube ich mir (nach Rücksprache mit der Autorin und kleineren Kürzungen/Änderungen zur Wahrung der Anonymität), Auszüge aus ihrem Text für euch zu veröffentlichen, um euch zu zeigen, wie Medizin anderswo abläuft.
Ich weiß nicht, wie eine Abtreibung in Deutschland abläuft, ich hoffe nur inständig anders.

Hier wird die Frau in einen kleinen Raum geführt, wo schon ca. 8 Studenten, eine Krankenschwester und eine Ärztin stehen. Sie muss sich auf die Liege legen und dann starren 10 Augenpaare auf ihre „private parts“ mit Beleuchtung (traumhaft nicht wahr?!). Vorher hatte sie natürlich ihre Unterhose ausgezogen, in der nicht wie bei uns vllt eine Binde oder sowas ist, sondern  eine dicke Schicht Watte um die Blutung aufzufangen mit der Aborte in der Regel einher gehen. Das heißt wiederum, dass an der ganzen Vagina noch Wattereste kleben.

Dann wird mit der Hand vaginal untersucht. Und zwar vom Arzt, der Krankenschwester und den Studenten. Leider waren die meisten meiner Gruppe nicht so erpicht auf so eine vaginale Untersuchung, sodass die Ärztin eigentlich immer mir den Handschuh hingehalten hat. So an sich ist das ja nicht schlimm, aber diese Gerüche die ich da gerochen habe…unbeschreiblich. Manchmal waren die so intensiv, dass ich würgen musste. Ich habe mich gefragt, ob die Patienten sich nicht waschen bevor die zum Arzt gehen.

Die eigentliche Abtreibung fängt damit an, dass man mit einer langen, dünnen, spitzen Zange in die Vagina fährt und den Gebärmutterhals fixiert. Dann hat man ganz viele Stäbe, die in ihrer Dicke zunehmen, die man nacheinander einführt und so den Muttermund mechanisch auf dehnt. Das läuft hier alles ohne Betäubung oder Schmerzmittel und die Patientin fängt dann langsam an Schmerzen zu haben, zu jammern oder zu weinen. Ist der Muttermund bis zu einem gewissen Grad auf gedehnt, kann  man einen hohlen Stab einführen, der vorne eine Öffnung hat und die Gebärmutter aussaugen oder mit einer Art Schaber die Gebärmutter ausschaben. Spätestens an dieser Stelle weinen sie und sagen einem, dass sie es nicht mehr ertragen können und rufen Gott um Hilfe an (ooooh Domnezeuuuu, ajuuuuta ma, nuuuu mai pooot).

Das geht einem echt durch Mark und Bein wenn jemand so leidet. Ich kann das schlecht mit ansehen. Dazu kommen noch diese quietschenden Geräusche von dem Schaber und die Lautstärke des Absaugers. Als wir dann noch aufgefordert wurden selbst auch aus zu schaben war für mich echt das Maß aller Dinge voll. Das fühlt sich ganz rauh und hart an und du siehst wie durch dein Schaben Blut und Gewebe raus kommt.

Alles zusammen… furchtbar. Leider hatten wir das 2 Wochen fast jeden Tag im Rahmen des Gynäkologie-Praktikums. Nach ein paar Tagen bin ich schon gar nicht mehr mit in den Raum gegangen. Erstens weil man ja auch nichts neues mehr gelernt hat und zweitens weil es einfach schlimm war mitzuerleben.
Orthopaedix