Arzt an Bord

Zu Risiken und Nebenwirkungen…..

Notaufnahme – oder: Warten auf Passierschein A38

4 Kommentare

Notfallrotation. Bedeutet: 7 Tage am Stück Frühdienst und nach einer kurzen Erholungspause dann 7 Tage Spätdienst. Bedeutet alle Patienten, die in irgendeiner Weise chirurgisch, traumatologisch, Auge, HNO, Urologie oder ähnliche Probleme haben, zu betreuen. Bedeutet Zuweisungen von niedergelassenen Hausärzten und sonstigen Fachärzten, vom Rettungsdienst, von der hausinternen Sprechstunde („der Patient muss stationär aufgenommen werden, könnt ihr bitte alles veranlassen!“) und von einfach-so-auf-den-Notfall-laufenden Patienten zu betreuen. Einfach (fast) alles. Gut, da gibts noch die Internisten, die uns wenigstens ihre Baustellen vom Leibe halten (Husten, Schnupfen, Heiterkeit) – da sind wir chirurgischen Ärzte eh „viel zu begrenzt und dumm“ für…

Was an den Notaufnahmen-Zyklen am meisten Nerv kostet sind gar nicht die kleinen Wehwehchen, bei denen wir früher nicht mal an die Vorstellung bei einem Arzt gedacht haben. Eine kleine Prellung hier, ein verstauchtes Sprunggelenk dort, eine klitzekleine Rötung da, Zwicken im Bauch seit 30min, der Knieschmerz seit 4 Wochen …. das geht auf Dauer auch die Substanz, aber v.a., weil man sich darüber aufregt, wie hier Kosten generiert werden, die völlig unnötig sind und das Gesundheitswesen teuer und teurer machen (ganz zu schweigen von der ganzen Bürokratie, die für uns im Sinne der Dokumentation anfällt, auch wenn wir den Patienten nur kurz sehen). Vielmehr ist es aber das ewige Warten.

Das Warten auf die Blutuntersuchung aus dem Labor, das Warten auf die Urinergebnisse, das Warten auf den Oberarzt, der alle Patienten „kennen“ muss, das Warten auf die Pflege, die noch Verbände, Gips o.ä. anlegt, das Warten auf die hinzugerufenen fachspezifischen Kollegen z.B. der Handchirurgie, der Urologie, das Warten auf die Röntgenbilder, das Warten auf den Ultraschall-Radiologen, …..

Umstände, die man nicht ändern oder beeinflussen kann – zwar rufen wir gerne auch mehrfach bei den entsprechenden Stellen an („kannst du bitte als nächstes das Röntgen von Herrn Müller machen, denn der wartet schon so lange“ oder „ich habe vor 2 Stunden Blut eingeschickt, sind die Werte vom Automaten endlich gemessen worden?“). Umstände, die einen auf Dauer einfach zermürben, weil sich die Patienten stauen und man sie nicht abarbeiten kann. Nicht vorankommt und am Ende immer mehr Patienten gleichzeitig betreut. Oder in der Warteschleife hat. Und ständig beim Telefonieren von einem zum anderen verwiesen wird („da bin ich nicht zuständig, ruf doch mal unter …. an“, „warten Sie kurz, da muss ich Sie weiterverbinden“). Wie so Passierschein A 38 aus Asterix. Kennt ihr?

Allein für ein Ultraschall habe ich mit sechs Personen telefonieren müssen, bis ich den richtigen Radiologen erwischte, der es dann nach 2h Wartezeit machen wollte. Auch das zehrt auf Dauer an den Nerven.

Ein Glück, dass nach 14 Diensten wieder Ruhe ist mit Notaufnahme und man weiter rotiert. Bis zum nächsten Mal.

________

Nach langer Zeit ohne neuen Einträge hatte ich das Bedürftnis mal wieder einen Artikel zu verfassen. Mal sehen, ob die Schreiblust dauerhaft zurück gekommen ist – oder ob es ein One-Hit-Eintrag bleiben wird. Und dann auch noch einen mit „Jammern“. Hehe.

Orthopaedix

Advertisements

Autor: Orthopaedix

bones and pain

4 Kommentare zu “Notaufnahme – oder: Warten auf Passierschein A38

  1. Super, ein neuer Eintrag! Hoffendlich geht`s jetzt wieder weiter 🙂

  2. Ich freu mich, wieder was von dir zu lesen und hoffe sehr, dass es weiter geht. Herzlich Willkommen zurück. ☺

  3. Hurra, es schreibt wieder jemand hier 🙂 Super

  4. Ich hatte vor einigen Wochen als Patient das Vergnügen. Freitag Nachmittag und der Zeh frisch gebrochen. Wo sollte ich sonst hin? Aber bei jeder „Station“ (Aufnahme, Doktor, Röntgen…) wurde mir das Gefühl vermittelt, ich würde stören und woanders hingehören. Ich hab natürlich auch den Stress gesehen (in den vielen Stunden) und hatte eine Weile eine esprächspartnerin im Wartezimmer, die tatsächlich wegen einer schon eine Woche anhaltenden Schwellung/Rötung am bein da war (…). Aber ich mit meinem Zeh fühlte mich ungerecht behandelt, wo hätte ich sonst hingehen sollen, als zur nächstgelegenen Rettungsstelle? Und euer Pensum finde ich heftig. Und die Bürokratie auch.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s