Arzt an Bord

Zu Risiken und Nebenwirkungen…..

Diagnoserätsel: Spaß mit Folgen

7 Kommentare

Nach längerer Pause gibt es heute für euch einen neuen Patientenfall. Wie immer sind die Daten des Patienten sowie Einzelheiten und Örtlichkeiten abgeändert und/oder entsprechend hinzugefügt oder weggelassen worden.

Unser heutiger Patient stellt sich in der Notaufnahme vor. Er habe Bauchschmerzen. Nach der Anamnese und Untersuchung wird ein Röntgenbild des Bauches gemacht, bei dem sich der Grund der Schmerzen (der auch in der Anamnese schon herausgefunden worden war) klar und deutlich sichtbar wird. Ich verschweige euch nun die Details, denn ihr dürft zunächst das Röntgenbild betrachten und dann abstimmen, was ihr als Diagnose tippt.

Hier also das Röntgen des Bauches, auf dem etwas ins Auge sticht:

 

Und nun eure Diagnose:

Nach der Abstimmung gehts hier weiter mit dem Fall:

Zur Veranschaulichung, was man auf dem Röntgenbild sehen kann, habe ich euch hier eines mit farbigen Markierungen:

Grün: Leber im rechten Oberbauch – soweit unauffällig

Blau: wahrscheinlich die Milz, die man sonst eigentlich weiter außen und unten erwarten (und fast nicht erkennen) würde

Rot: ein Ding, das da nicht hingehört

Und damit ist die Antwort zum Fremdkörper die richtige gewesen.

Unser Patient kam nämlich mit folgender Geschichte in die Notaufnahme: bei erotischen Spielen mit seinem Partner hätten sie sich gegenseitig anal befriedigt und als er an der Reihe gewesen sei, hätte sein Partner den verwendeten Dildo zu tief eingeführt, sodass er ihn danach nicht mehr nach außen ziehen konnte. Kein Wunder, dass ein solch großes Teil Schmerzen macht.

Auch in der Notaufnahme war es den Ärzten nicht möglich den Fremdkörper zu packen und zu entfernen. Stattdessen musste der Patient in den OP und man versuchte über Schlüssellochchirurgie den Dildo zu erreichen (Laparoskopie) und ihn irgendwie wieder herauszubekommen/-drücken…. Während des Eingriffs sah man, dass der Dildo an seiner Spitze den Darm verletzt und durchstoßen hatte. Die Milz war nach oben gedrückt und fraglich mitverletzt worden – deswegen musste man die OP erweitern, es gab einen langen Bauchschnitt, der Darm wurde eröffnet, der Dildo entfernt – ein Teil von 10cm Durchmesser und über 30cm Länge. Schaut euch und vermesst mal eure Mineralwasserflasche an *zwinker*

Da der Darm an der verletzten Stelle nicht mehr genäht werden konnte (aufgrund des Drucks und damit verminderter Durchblutung war er an diesem Bereich bereits abgestorben), musste ein Teil Darm entfernt werden. Im stationären Verlauf entwickelte der Patient aufgrund von Bakterien, die aus dem Darm in die Bauchhöhle entwichen waren, eine lebensgefährliche Bauchfellentzündung sowie eine Vereiterung der Wunden. Deswegen musste erneut eröffnet und gespült, mit Antibiotika behandelt und die Bauchdecke nochmals neu genäht werden. Diese wollte nicht recht heilen, ebensowenig wie der genähte Darm, nachdem man das Stück entfernt hatte.

Eine erneute OP folgte, in der ein zeitweise künstlicher Darmausgang angelegt wurde, der nach einigen Wochen nach Antibiotikatherapie zur Sarnierung der Bauchfellentzündung in einer vierten OP zurückverlegt werden konnte.

Am Ende ging dann zum Glück alles gut aus und der Patient konnte nach einigen Monaten endgültig seinem bisherigen Leben nachgehen.

Bis er eines Tages ca. ein halbes Jahr später wieder in der Notaufnahme stand. Mit analem Blutabgang. Nachdem ihm sein Partner bei erotischen Spielen die Faust rektal eingeführt habe (Fisting).

Manche lernen nicht dazu. Oder ihnen macht es einfach zu viel Spaß….

Orthopaedix

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Autor: Orthopaedix

bones and pain

7 Kommentare zu “Diagnoserätsel: Spaß mit Folgen

  1. Der Lerneffekt war doch da: Immerhin ist die Hand ja festgewachsen und man kann sie nicht verlieren und immer rausziehen. Allerdings wird der Patient wohl keine allzu lange Lebenserwartung haben, wenn er derartige Spielchen alle halbes Jahr bringt…

  2. naja, eine faust ist ja immerhin schon mal kleiner als ein dildo mit 10 cm durchmesser. und nur mal so: hat sowas keine wirkung auf die sphinkter? das sind ja auch nur muskeln, die man bestimmt über dehnen kann. und ich glaube physiologischerweise hat man eher selten faeces mit 10 cm durchmesser. jedenfalls gefühlt.

  3. So einen ähnlichen Fall hatten wir auch vor einiger Zeit; wobei der Verlauf deutlich unkomplizierter und der Dildo entfernt werden konnte.

    Im Bericht hieß es dann:“ Nach Rücksprache mit dem Patienten wurde der Dildo verworfen.“ 🙂

  4. In welchem Zeitraum stirbt denn ischämisches Darmgewebe ab?

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