Arzt an Bord

Zu Risiken und Nebenwirkungen…..

Chirurgische Visite – warum Vorurteile stimmen

3 Kommentare

Es gibt viele Vorurteile, was die chirurgischen Visiten anbelangt. Viel zu schnell, nicht interessiert an den Patienten, totaler Tunnelblick auf das chirurgische Problem….

Ich habe jetzt meine ersten Visiten als Verantwortlicher bzw. mit meinem Oberärzten und Chefärzten hinter mir und ich muss sagen: viele der Vorurteile treffen zu. Was aber nicht an uns liegt. Und was nicht immer das Schlechteste für den Patienten bedeuten muss. In chirurgischen Fächern, insbesondere der Orthopädie, gibt es v.a. geplante (elektive) Eingriffe. Die präoperative Abklärung erfolgt hier meist schon vorab, der Hausarzt kann EKG, Röntgen etc machen. Wir Orthopäden kümmern uns dann noch um den Eingriff, bauen das Gelenk ein (mal ganz profan gesprochen), geben dem Körper Zeit sich zu regenerieren und leiten den Patienten in der postoperativen Mobilisation an (bzw. verordnen Physiotherapie, die dann anleiten darf). Unser „Handwerk“ endet mit der OP, danach muss es der Körper richten. Was uns noch bleibt ist, den Patienten zu animieren, zu motivieren und schmerzfrei seine Therapie machen zu lassen.

Deswegen ist es wohl kein Wunder, dass wir mit unseren Visiten relativ zügig durch sind. Denn unmittelbar nach einer OP interessiert uns v.a., ob der Patient Schmerzen hat (die dann vom Schmerzdienst mittels patient-controlled-analgesia, also einer Pumpe mit Morphin, die der Patient nach Schmerz drücken darf, eingestellt werden). Ob das Gefühl und die Motorik in der Extremität nach der OP intakt und unauffällig ist – bzw. nach einer Spinalanästhesie schon zurückgekehrt ist (und dann auch ob der Patient schon Wasserlösen konnte). Ansonsten warten wir direkt nach der OP, dass der Patient seine Narkose ausschläft und sich regeneriert, damit am ersten Tag dann die Physiotherapie beginnen kann (von wegen man liegt eine Woche faul im Bett).

Ab dem ersten Tag geht es bei der Visite dann v.a. darum, ob die Wunde bzw. der Verband in Ordnung und unauffällig ist, ob alle Infusionen und Zugänge zeitnah entfernt sind (Infektionsgefahr). Ob der Patient Schmerzen hat (es geht immer nur um Schmerzen) und ob das Gefühl in der Extremität gut ist (es geht immer nur um Gefühle bei uns ^^). Zuletzt noch Schwellung, Hämatom und z.B. bei Knieprothesen die Streck- und Beugefähigkeit und der Trainingsfortschritt – fertig. Abschließend informieren wir den Patienten über den Stand der Anschlussbehandlung (Reha, Kur, nach Hause?) und wechseln vielleicht noch das ein oder andere Wort – und gut ist. Was soll man sonst noch groß diskutieren?

Sollte es Probleme geben, werden diese natürlich angegangen und mit dem Patienten besprochen – aber viele der Probleme (Medidosis etc) kann man auch am PC verordnen und in Rücksprache mit der Pflege anpassen. Als Patient sieht man sehr wenig davon, was im Hintergrund alles an Fäden gezogen werden und wer was wie lange und warum macht. Dass Austrittspapiere geschrieben werden müssen, Physioverordnungen und Rezepte ausgestellt werden, Reha koordiniert, Röntgen angeordnet, neue Eintritte abgearbeitet, Aufklärungen gemacht… uvm. Davon bekommt der Patient im Bett aber nicht viel mit, er wird eher am Ende eines langen Prozesses einbezogen. Und hat sonst tagsüber v.a. mit Physio, Pflege und anderen Mitarbeitern zu tun.

Also: Vorurteile ja, aber mit gutem Grund. Denn unsere Patienten liegen uns schon am Herzen 🙂 Natürlich!

Orthopaedix

 

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Autor: Orthopaedix

bones and pain

3 Kommentare zu “Chirurgische Visite – warum Vorurteile stimmen

  1. Hat dies auf cockpitmedizin rebloggt und kommentierte:
    Gibt es denn Dinge die während einer Visite organisatorisch besser gelöst werden können um mehr qualitative Zeit für den Patienten zu erreichen ?
    Gibt es seitens der Pflegekräfte eine sinnvolle Dokumentation über den Heilungsverlauf, so das der behandelnde Arzt bei der Visite in der Lage ist mit einem kurzen Blick das dokumentierte zu überprüfen? Ein Beispiel: Im Cockpit eines Verkehrsflugzeuges programmiert der fliegende Pilot die Routenstrecke in den Navigationscomputer. Diese Strecke enthält je nach Entfernung bis zu 60 Waypoints. Damit der zweite Pilot nicht jeden einzelnen Punkt überprüfen muss schaut er sich die akkumulierte Distanz an und vergleicht diese mit der dokumentierten Distanz, man führt einen sogenannten Plausibilitätscheck durch. Das spart enorm viel Zeit in der Flugvorbereitung und ist ausreichend sicher.

    • Definiere sinnvolle Dokumentation – soweit ich weiss, machen Pflegekräfte in mindestens 50% ihrer Arbeitszeit Dokumentation, es wird jedes kleine Detailchen eingetragen. Keine kumulierte Doku wie in dem Pilotenbeispiel.

    • vielen Dank für den Hinweis der Zitation, es freut mich, dass du die Quelle genannt hast und deine Kommentare/Anmerkungen dazu schreibst. Die Frage ist wirklich, ob man etwas optimieren kann – bzw. aktuell würde ich fast sagen: ob man es muss. Denn eigentlich sind mit dieser relativ raschen Visite sowohl Patient als auch Arzt zufrieden. Bei „Problempatienten“ schaut man einfach noch ein oder zwei weitere Male am Tag vorbei, die Pflege meldet sich bei Problemen sowieso… ich denke, großes Potential des Optimieren brächte nur noch kürzere Visiten (bis es dann irgendwann zu unzufriedenen Patienten käme, die sich in der kurzen Zeit übergangen fühlen)….

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