Arzt an Bord

Zu Risiken und Nebenwirkungen…..

Stichwort-Spiel

20 Kommentare

Das heißgeliebte Institut für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen (IMPP) liebt gewisse Stichworte, die in den Altfragen, die wir zur Examensvorbereitung kreuzen immer wieder vorkommen und mit gleichen Diagnosen verwendet werden. Dieser Umstand führt dazu, dass wir inzwischen die längeren Fragetexte nur noch nach dem Vorkommen gewisser Stichpunkte durchforsten und dann die entsprechende Antwort ankreuzen – mit einer Richtigkeitstrefferquote von beinahe 100% (hier und da gibt es dann doch mal Ausnahmen, aber diese kann man wohl an einer Hand abzählen).

In der letzten Zeit habe ich versucht ein paar der Stichwörter für euch zu sammeln, auf dass sie euch Erhellung bringen – mitraten ist erlaubt!

Beginnen wir in der Pädiatrie. Es geht um ein Neugeborenes mit der Aufzählung einiger Erscheinungen/Missbildungen, hierunter auch das schmale Oberlippenrot. Was hat das Kind? Sofort aus den fünf Antwortmöglichkeiten die Alkoholembryopathie heraussuchen, ankreuzen und die Frage richtig beantworten!

Weiter gehts, nun fragen wir bei einem bestehenden Mekoniumileus nach einer möglichen Grunderkrankung. Auch hier wieder Pädiatria-Fall. Und die Antwort? Immer: CF (Mukoviszidose). Stichwort gesucht, Stichwort gefunden.

Es gibt Fälle, in denen Laborwerte gezeigt werden, anhand derer man dann die Diagnose stellen muss. Wer keine Lust hat jeden einzelnen Wert mit der Referenztabelle zu vergleichen (das IMPP weigert sich vehement hinter die Werte ein kleines Plus oder Minus für erhöht oder erniedrigt oder gar die Spannbreite des Wertes anzugeben), der sucht zunächst nach bestimmten Laborwerten, die dann die Diagnose anzeigen. Beispiel: eine Anämie (Blutarmut) kann man natürlich nur diagnostizieren, wenn man Blutwerte abgenommen hat und diese aufgeführt werden. Sonst kann diese Diagnose gleich durchgestrichen werden. Anderes Beispiel: sollte explizit dir Coeruloplasmin-Konzentration erwähnt oder angegeben sein, dann ist in den meisten Fällen die Diagnose ein M. Wilson (Kupferspeicherkrankheit). Ankreuzen, fertig.

Weiter gehts: wenn in einem Fallbeispiel ein Ausländer aus Osteuropa (wahlweise auch aus Afghanistan, Pakistan oder Kasachstan) erwähnt wird, dann hat dieser zu 99% Wahrscheinlichkeit eine Tuberkulose-Erkrankung.

Sollte ein Patient starke Kopfschmerzen beim Kauen verspüren, eventuell noch verbunden mit Sehstörungen – sofort an eine Arteriitis temporalis und Cortisongabe denken. Bei Faszikulationen der Zunge dagegen an eine ALS-Erkrankung und bei jungen Patientinnen (meist Studentinnen) immer als erstes an die MS.

Pulsynchrone Geräusche mit Sehstörung deuten fast immer auf eine AV-Fistel im Gehirn hin, bei Gangstörungen und explizit erwähnter Alkoholkrankheit kann man das Thiamin zur Therapie schon mal bereit halten.

Und zum Schluss dieser kleinen (fortsetzbaren) Auflistung ein random fact: es sind immer Studenten oder Studentinnen der prestigeträchtigen Fachrichtungen, die sich als Patient vorstellen. Sei es Lehrarmt oder Jura – andere Fächer scheint das IMPP nicht zu kennen, nicht zu wollen oder für weniger wertig zu halten. Oder hat jemand schon eine Patientin, die Forstwirtschaft studiert, gefunden?

Orthopaedix

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Autor: Orthopaedix

bones and pain

20 Kommentare zu “Stichwort-Spiel

  1. Forstwirtschaft?! Dann ist es das Kreuz bei ‚Tollwut‘!
    😉

    • Tollut ist meines Wissens in Deutschland fast ausgerottet, seit die Impfköder-Impfung für Füchse eingeführt intensiviert wurde. Wiki meint, seit 2008 gilt Deutschland als „Tollwutfrei“ nach der Beurteilung der „Weltorganisation für Tiergesundheit“. Bei Forstarbeitern würde ich zur Zeit eher auf „Borreliose“ und in süddeutschen Raum auf „FSME“ setzen (Stichwort Zecken), und bei schweren Hautirritationen auf Kontakt mit Eichenprozessionsspinner-Überresten.

      Ansonsten fällt mir bei Waldarbeitern spontan „Kettensägenunfall mit (Teil-)Amputation eines Beines“ wegen unzureichender Schutzkleidung ein…

      • Jaja, das ist die offizielle Version! :->
        Ich war neulich erst bei und mit meinen Eltern ein wenig unterwegs. In einem ganz anderen Teil von Deutschland als ich lebe. Und es hat mich erstaunt unter wie vielen Ortsschildern da noch die ‚Tollwut-gefährdeter Bezirk‘ Schilder hingen!

        • Kann es sein, dass der Förster nur zu faul ist, die Dinger wieder abzunehmen? Die schützen außerdem bestimmt gut vor zu viel Müll im Wald…

          • also man muss immer damit rechnen, dass Tollwut wieder eingeschleppt wird. Dazu ist unser Prüfungsamt nicht sooooo aktuell , dass es diese Umstände in irgendeiner Form berücksichtigen würde (wer weiß, vielleicht arbeiten wir ja mal in den Tropen, also lernen wir auch (sinnlose) Sonderfälle irgendeiner total seltenen Tropenerkrankung – oder vielleicht wird die ja doch noch zu uns eingeschleppt? 😉 )

            Bei dem Förster würde ich aber eher auf die Borreliose tippen, das gabs schon mehrfach als Möglichkeit bei Altfragen. 😉

          • Wie war das mit den „Zebra“? 😀

          • Oo
            Fledermäuse tragen gerne mal Tollwut-Viren?! Genauso wie MERS, Ebola und diverse andere leckere Sachen?!
            Der Förster ist nicht zu faul, er kennt nur seine Fledermäuse recht gut! 😉
            Eigentlich ganz süsse Tierchen. Aber da sie fliegende Virenschleudern sind, sollte man sie eher verhaften! Dann kann auch das Warnschild unterm Ortsschild weg.

          • Stimmt schon. Wobei ich denke, dass in Deutschland Ebola (zum Glück) doch eher unwahrscheinlich ist. Und dass es keine Hufeisennasen in D geben sollte (also die, die einen anbeißen und Blut lecken – nicht die „Vampirfledermäuse, die interessanter Weise lieber Früchte fressen, wenn ich das richtig in Erinnerung habe), so dass eine „akute“ Infektionsgefahr bei Fledermäusen auch nicht ganz so wahrscheinlich ist wie bei z.B. Füchsen, Hunden und anderem ähnlichen Getier. Damit will ich das Problem nicht klein reden, aber ich würde es auch nicht pauschal hysterisieren…

          • Ach, Förster entfernen ja auch schon mal Geocaches, zu faul würde ich das daher nicht nennen.

          • Das ist ja auch was anderes. In Geocaches sind ja, wie in Überraschungseiern, kleine Geschenke drin. Das ist dann Spannung, Spiel und was zu lesen… 😀

        • Zu MERS in Fledermäusen gib es grad zwei offizielle Artikel in der Pharmazeutischen Zeitung:
          27.08.2013: http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=48410&no_cache=1&sword_list%5B0%5D=mers
          23.08.2013: http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=48373&no_cache=1&sword_list%5B0%5D=mers

          MERS in Deutschland zu bekommen halte ich zwar nicht für unmöglich aber doch für sehr unwahrscheinlich. (Spannend in dieser Hinsicht, dass Antikörper nun in Dromedaren entdeckt wurden- aber auch die sind in Deutschland selten.) Auch Marburg-Fieber und Infektionen mit dem Nipah- und Hendra-Virus halte ich bei Patienten, die D (und gegebenenfalls Mitteleuropa) nie verlassen haben, erst einmal für nicht so wahnsinnig wahrscheinlich. Über SARS könnte man verhandeln, aber das stammt dann wahrscheinlich nicht aus Fledermäusen , sondern eher aus Wildbvögeln, würde ich unterstellen…

          Aber diese Diskussion ist durchaus spannend.

          • Guckt mal bei YouTube das Video „The Girl who survived the rabies“. Der Fall ist meiner Erinnerung nach max. 5 Jahre her. Es geht zwar um eine junge Engländerin, aber trotzdem …

          • Sorry, bin grad erst über Deine Antwort gestolpert. So weit ich das gefunden habe, geht es um ein 15-jähriges Mädchen aus Wisconsin, USA. Wikipedia sagt dazu, dass ca. 2 Menschen pro Jahr in den USA an Tollwut sterben, meist aufgrund Fledermaus-Bisse oder Waschbär-Kontakt. Die in Europa vorkommende „Fledermaus-Tollwut“ ist für den Menschen ebenso gefährlich, hat aber andere Erreger als die klassische Tollwut. Die letzten bekannten Tollwut-Fälle in Deutschland beruhen auf „importierten“ ungeimpften Hunden und Bissverletzungen durch diese.

  2. Intressant… Auch mit dieser kleinen Hilfe, werde ich nie Medizin studieren 🙂
    Aber gerade Kopfschmerzen haben ja eine deutlich breitere Ursachenmöglichkeit als die vorschlagen.
    Was hat denn die Osteuropäische Jurastudentin? 😉

    • Was hat denn die Osteuropäische Jurastudentin? – Kein adäquates (Kopf-)Schmerzmittel im Haus?! *duck und wech*
      Wenn ich mich mit deutscher Rechtssprechung (innerhalb meines Fachgebiets) beschäftige, bekomme ich IMMER Kopfschmerzen. Liegt vielleicht am Studienfach…? 😉

      • @ gedankenknick Mooooment… deutsche Rechtsprechung nix gut? stimmt nicht. es ist immer der deutsche Gesetzgeber, der den Murks macht. Denk mal an das neuere Avastin urteil bei ich glaub es war glioblastom? So! das musste gesagt werden.
        Gruss Landkrauter

        • *kicher* Es gibt so viele Beispiele, wo ich die Rechtsprechung nicht nachvollziehen kann, obwohl für mich die Gesetze recht eindeutig formuliert sind… und dann bekomme ich hat immer Spannungskopfschmerz. Vielleicht liegt es ja daran, dass ich die Gesetze nicht verstehe? Möglich wäre es… 😉

        • Nachtrag: Lieber Landkrauter, ich haben (dieses mal) gar nicht gesagt: „Rechtsprechung nix gut!“ Ich haben gesagt: „Von Rechtsprechung ich Kopfschmerzen bekomm.“ Könnte auch am Juristendeutsch liegen 😀 So viel Haarspalterei muss gestattet sein. 😉

    • die osteuropäische Jurastudentin? Die hat ähm…. Tuberkulose. Die kann bestimmt auch irgendwie Kopfschmerz hervorrufen. Vom vielen Husten oder so.

  3. Das mit MS vs. ALS bei jungen Leuten verstehe ich nicht. Hawking hat doch auch mit Anfang 20 ALS bekommen.

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