Arzt an Bord

Zu Risiken und Nebenwirkungen…..

A view inside: Hüft-Prothese

7 Kommentare

Ich habe mich bei euch vor einiger Zeit als Junkie geoutet. Inzwischen war ich erneut als 1. Assistent bei Hüft-OPs im Einsatz und muss sagen, dass es Höhen und Tiefen gab. Mal lief es besser, mal weniger gut. Immerhin durfte ich schon beim zweiten Mal die Drainage stechen und (wie schon beim ersten Mal) annähen – und auch die Subkutannaht wurde mir zugetraut. Check. Das freut mich. Da die Sprache irgendwann drauf kam, dass ein Kollege des Operateurs damit prahle, die Prothesen minimalinvasiv in 35min hinzubekommen und der Operateur dies anzweifelte, konnte ich nicht anders, als ihm von meinen Erlebnissen zu berichten und dass ich minimalinvasive Prothesen ohne Zement auch schon in 35min Schnitt-Naht-Zeit erleben konnte. Mit Zement dann wegen der benötigten knapp 10 min Aushärtedauer in 45min. Da machte er große Augen – aber für solche Zeiten benötigt man nicht nur eine gewisse Routine und Schnelligkeit, sondern auch ein Team, das dafür trainiert ist. Wenn die anreichende Instrumentierschwester ewig braucht, um die Bohraufsätze zu wechseln, wenn das Auspacken der Prothesenkomponenten lange geht, wenn hier und dort noch geröngt und gezeichnet wird… klar, dass man dann gerne mal länger braucht. Aber darum soll es hier gar nicht gehen.

Vielmehr möchte ich für alle, die es interessiert und die immer schonmal gerne wissen wollten, wie es so bei einer Prothesenimplantation aussieht, einen kleinen Einblick in die Operation einer Hüft-Prothese geben. Und da ich bei der Recherche nach einem Extensionstisch, in dem man als Patient eingespannt wird, auf ein tolles Video gestoßen bin, zeige ich euch Eindrücke aus dem OP in Form des Videos des Extensionstischherstellers. Wenn ich mich nicht täusche, kenne ich sogar den Operateur, dessen OP man im Video sieht und stand mit ihm unzählige Male am Tisch. Beim Ansehen kamen mir viele der Handgriffe sehr bekannt und teilweise typisch für ihn ausgeführt vor. Zudem erkenne ich in anderen Videos der Firma zu diesem Tisch ehemalige Kollegen und Mitarbeiter, sodass die Wahrscheinlichkeit richtig zu liegen doch sehr hoch liegt 😉

Also: wer eine Hüft-Prothese in knapp 5:40min implantiert sehen will (es wird natürlich nicht jeder Schritt gezeigt und zwischendurch immer Wert auf die Benutzung des Tisches gelegt), der möge jetzt auf „weiterlesen“ klicken. Geschätzte Leser mit leichtem Magen, die kein Blut sehen können oder lieber nichts riskieren möchten, dürfen gerne einfach den nächsten Artikel (oder den übernächsten oder überüberübernächsten) lesen und lieber nicht klicken.

Orthopaedix

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Autor: Orthopaedix

bones and pain

7 Kommentare zu “A view inside: Hüft-Prothese

  1. Von den lateinischen Fachbegriffen konnte ich auch nur einen Bruchteil verstehen. Aber ein sehr interessantes Video. Und viel unblutiger als ich mir das vorgestellt hätte.
    Nur dieses Ausgugeln des Gelenkes und das Verdrehen des Beines fand ich extrem gruselig.
    Dennoch finde ich diesen Tisch echt nicht schlecht. Vor allem denke ich viel präziser als wenn man das Ganze manuell machen würde. Ich glaub das wär viel brutaler und auch nicht so schonend.

    • Ihr müsst die lateinischen Begriffe der Strukturen gar nicht verstehen, das ist nur Vokalebtraining für Mediziner 😀 Für die OP bzw. den Einblick gar nicht so relevant…. man könnte ja ein Transkript erstellen und übersetzen *hmm**grübel*

      Das Auskugeln ist schon ein „komisches Gefühl“, v.a., wenn man dann das um 150° nach außen gedrehte Bein eingespannt sieht …es gibt Fälle, da wurde am Tisch zu stark gedreht und durch die entstandenen Rotationskräfte ist z.b. der Unterschenkel gebrochen. Das ist eine der Gefahren beim Extensionstisch 😉 Bei den manuellen OP-Techniken liegt der Patient z.B. auf der Seite, das geht auch relativ gut, da wird das oben liegende Bein dann einfach in Richtung Bauch (in der Hüfte beugend) bewegt und dann nach unten gedreht, sodass das Fuß am Ende parallel zum Boden ist und der Unterschenkel 90° dazu steht…. klingt irgendwie noch gruseliger, wenn ichs grad so bedenke… 😉

      • AAAHHH … ja das klingt noch gruseliger. lach
        Ist bei mir eh seltsam. Schwere Verletzungen, Blut etc. zu sehen macht mir absolut nichts aus, auch in der Realtität (nicht nur auf dem Bildschirm). Aber schon beim Gedanken an das Geräusch eines brechenden Knochens muss ich würgen! Und bei ausgekugelten Gelenken ist es nur wenig besser 😉

  2. Schon ein wenig gruselig. Aber ich hab es geschafft es ganz anzusehen. *stolz bin*

  3. Wooow. Es sieht wirklich ziemlich krass aus — kann man auch nur bei elektiven TEPs ohne Fraktur machen, oder?
    Ich bin ja immer etwas skeptisch bei diesen minimalinvasiven Verfahren, da auf 8-9cm Hautschnitt nicht soviel dargestellt werden kann. Wie ist das deiner Meinung nach? Sind häufig Schnitterweiterungen nötig? Und wie stark sind die Kräfte auf das Gewebe durch die Traktionshaken? Die Nekrosegefahr ist ja schön größer, als bei atraumatischen Verfahren – auch wenn da der Schnitt etwas länger ist…

    • Minimalinvasiv bei Frakturen stelle ich mir äußerst schwer vor, ob es irgendwo Operateure gibt, die das machen, weiß ich nicht, wage es aber zu bezweifeln. Dazu fehlt die Übersicht und die starken Zugkräfte, die man ans Bein anlegt, könnten eine Rolle spielen.

      Was ich bisher erlebt habe, waren nur äußerst selten Schnitterweiterungen (dann vllt maximal 1cm) nötig, ansonsten lief es eigentlich immer recht gut mit dem am Anfang gewählten Schnitt. Zum Schutz der Haut werden gerne Tupfer unter die Haken gelegt, die Spannung der Haut hält sich in Grenzen. Bei größeren Hüftköpfen ist das Ein- und Raussetzen der Pfanne kniffliger, weil die Durchmesser beinahe so groß wie der Schnitt werden. Die Übersicht ins OP-Gebiet ist natürlich kleiner als bei einem 15cm langen Schnitt, aber als guter Operateur sollte man wissen, was man wo vorfindet und welche Struktur wann wie durchs „Bild“ zieht 😉 Ist bei Chirurgen mit SchlüssellochOPs im Bauch ja auch nicht anders. Das macht das Training, das Lernen der Anatomie, das Üben an Leichen etc im Vorfeld.

      Der Vorteil an den kleinen Schnitten ist neben kosmetischen Aspekten natürlich auch eine kleinere Wunde, die weniger Wundinfektionen bringen kann und die bessere Heilung verspricht. Dazu weniger traumatisches Arbeiten im Körper (je nach gewähltem Zugang), was die Heilung postoperativ und die Reha verkürzen kann.

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