Arzt an Bord

Zu Risiken und Nebenwirkungen…..

Diagnoserätsel: ungewöhnliche Aufnahme

8 Kommentare

Nach etwas längerer Zeit habe ich für euch heute eine ungewöhnliche Aufnahme, die mir in der Klinik in die Hände fiel. Heute geht es weniger um die Diagnosestellung einer bestimmten Krankheit, die sich auf der Aufnahme zeigen wird, sondern ihr sollt darüber abstimmen, wieso die unten gezeigte Aufnahme ungewöhnlich ist. Zur Vorgeschichte schweige ich vor der Abstimmung, wer abgestimmt hat, kann nach unten scrollen oder auf „Weiter“ klicken und bekommt den Fall dann geschildert.

Das heutige Bild:
Erst abstimmen, dann nach unten scrollen!

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Die Lösung ist eigentlich recht einfach: wir sehen in diesem Bild eine CT-Aufnahme.

Es handelt sich hier um einen sogenannten Polytrauma-Scan / Bodyscan / Polyblessé….. dieser wird bei Schwerverletzten im Rahmen der Erstversorgung durchgeführt und von Kopf bis ca. Oberschenkel „gefahren“, d.h. dass hier keine Arme und Unterschenkel zu sehen sind, ist so gewollt und spart Zeit. Man versucht mit der schnellen Anfertigung einer Ganzkörper-CT-Aufnahme relevante und unmittelbar lebensbedrohliche Verletzungen im Bereich des Schädels, der Lunge, des Herzens, Bauchs und Beckens schnell erkennen und umgehend behandeln zu können. Als Beispiele seien hier z.B. Beckenbrüche (hoher Blutverlust möglich), Verletzungen der Leber und Milz (hoher Blutverlust!) oder Luft zwischen Lungenflügel und Brustwand (sog. Pneumothorax, der die Atmung behindert) genannt.

Eine MRT-Aufnahme (Kernspin, Magnetresonanztomogramm) würde Weichteile zeigen, eine Szintigrafie ohne strahlendes Medikament ist hier nicht gezeigt (und generell eher als wenig aussagekräftig bis sinnlos anzusehen).

Auf der Aufnahme zu sehen ist eine schwangere Frau – selten und damit besonders faszinierend, dass man das Ungeborene  in der Gebärmutter erkennen kann (seht ihr den kleinen Schädel und die Wirbelsäule?). Bei Schwangeren wird normalerweise auf die Anfertigung von strahlenintensiven CT-Aufnahmen (Röntgenstrahlen!) aufgrund der Gefahr für das ungeborene Kind verzichtet.

Warum aber nicht in diesem Fall?

Die Patientin war mit dem Auto auf der Autobahn verunglückt und wurde durch die Feuerwehr technisch geborgen. Mit dem Heli ging es in unsere Klinik, wo bei schweren Verletzungen in der ersten körperlichen Untersuchung eine Risiko-Nutzen-Abwägung dazu führte, dass man sich zur Durchführung einer CT-Aufnahme entschloss. Dabei sah man unzählige Verletzungen (z.B. Zwerchfellriss mit konsekutiver Verlagerung von Magen-Darm in den Brustraum, komplexe Beckenbrüche…), die umgehend operativ hätten versorgt werden müssen.

Leider schaffte es sowohl die Patientin, als auch ihr ungeborenes Kind nicht, den Unfall und die schweren Verletzungen zu überleben. Beide verstarben noch auf dem Weg in den OP-Saal.

Orthopaedix

 

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Autor: Orthopaedix

bones and pain

8 Kommentare zu “Diagnoserätsel: ungewöhnliche Aufnahme

  1. Eine wirklich faszinierende aufnahme.das kind im bauch ist super zu erkennen (nagut ich hab schon ein kind). Traurig das die zwei nicht ueberlebt haben 😦

  2. Trauig, aber für den medizinischen Halblaien (Biomediziner) wie mich auch sehr faszinierend. Zu dem Bild habe ich aber doch noch drei Fragen:
    – Um welchen Schwangerschaftswoche handelt es sich hier ungefähr ? (Das Kind ist ja schon recht groß, aber noch nicht in Geburtslage mit Kopf nach unten, also vermutlich ~30 ? Oder ist die Kindslage eine Unfallfolge ?)
    – Warum sind oberhalb der Leber (besonders deutlich rechts) keine röntgendichten Strukturen ? Müsste da nicht noch die Lunge erkennbar sein – evt. auch kollabiert ?
    – Warum ist der Fötus in der Gebärmutter von so röntgendichtem Material umgeben ? Ist das für Fruchtwasser oder Plazenta normal ?

    • ui, da versuche ich mal nach bestem Wissen und Erinnerungsvermögen die Details aus den Tiefen des Hirns herauszukramen.

      – die Schwangerschaftswoche war schon ziemlich fortgeschritten, es könnte sich wirklich um ca. die 30 SSW handeln, wenn man die Maße des Kindes ansieht.
      – die Leber ist nach oben gerutscht (Zwerchfellriss) und komprimiert die verbleibenden Lungenflügel, diese sind aber nicht komplett röntgendicht, sondern werden teilweise schwarz dargestellt (da wo Luft ist), weil die Strahlen ungehindert durchfliegen können. Man sieht den restlichen Platz, den die Lunge noch hat oberhalb der hochgerutschten Leber (genauso wie das nach oben verlagerte Herz bei sehr kleinem verbleibenden Brustkorbvolumen links.
      – das röntgendichte Material um den Föten ist Planzenta, Fruchtwasser (mitsamt der darin enthaltenen Schwebstoffe) und womöglich ein nicht kleiner Anteil an Blut, das durch Traumafolgen freigesetzt wurde.

      ich hoffe dir damit die Fragen beantwortet zu haben 😉

    • Das CT-Bild zeigt nicht immer alle gewonnenen Informationen auf einmal. „Schuld“ daran ist hier eigentlich das Auge, das nur eine bestimmte Anzahl Graustufen (40 – 100) unterscheiden kann.
      Technische Grundlage ist die Hounsfield-Skala (http://de.wikipedia.org/wiki/Hounsfield-Skala). Medizinisch relevant ist ungefähr der Bereich von −1000 HU bis +3000 HU (engl. Hounsfield-Units). Zur Darstellung dieser 4000 HU können aber nur wenige Graustufen verwendet werden. Um die Informationen sinnvoll darzustellen werden sogenannte Fenster verwendet die dann nur einen Teil der vorhanden Information zeigen ( http://de.wikipedia.org/wiki/Fensterung_(Computertomographie) ).

      Das Bild hier ist in einem Weichteilfenster gerechnet, daß die Beurteilung der Bauchorgane ermöglicht. Die Lunge und die Luft um den Patienten liegt unterhalb des Fensters und werden schwarz dargestellt. Die Knochen liegen darüber und sind weiß.

  3. Habt ihr versucht, noch einen Kaiserschnitt zu machen und das Kind zu retten? Von der Woche her wäre es ja möglich gewesen. Oder war es schon bei Aufnahme nicht mehr am Leben?

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