Arzt an Bord

Zu Risiken und Nebenwirkungen…..

Loblied auf die OTA

19 Kommentare

Wenn ich eines in der Orthopädie gemerkt habe, dann ist es, wie wichtig neben der Routine ein OP-Personal ist, das die OPs kennt, weiß, wie man mit den unzähligen Werkzeugen umgeht und diese zum rechten Zeitpunkt dem Operateur fertig vorbereitet anreichen kann. Ohne OP-Personal (Operationstechnische Assistenten, OTA (sowohl männlich als auch weiblich)) liefe keine OP in einem angemessenen Zeitrahmen. Was da manch OTA bei uns an gefühltem Hochleistungssport betreiben musste, damit der Operateur ungestört vor sich hin operieren konnte.

(c) weser-kurier.de

Die Werkzeuge flogen nur so von der Hand des Operateurs auf den Instrumententisch und zurück, hier ein scharfes Messer, da eine Pinzette, dort ein Haken, nebenbei wurden Prothesen ausgepackt und steril auf den Tisch angereicht, dort der Zement angerührt und in die Spritzpistole gefüllt, beinahe gleichzeitig die Spülung angereicht und Tupfer abgenommen, Zangen in unterschiedlichen Größen hingelegt, zwischendurch für neue Handschuhe gesorgt, die Sterilität des OP-Gebietes scharf überwacht (das ist DIE Domäne der OTAs und manchmal denkt man als Student, sie machen sich einen Spaß draus uns Studenten jederzeit zu ermahnen nichts unsteril zu machen), Tücher gezählt, ……

Ein/eine OTA muss sich nicht nur mit der sterilen Abdeckung des OP-Gebietes auskennen, auch die Haken, Werkzeuge und Instrumente beherrscht sie/er im Schlaf (neben vielen anderen Dingen). Und das meist nicht nur von orthopädischen Sieben sondern allen chirurgischen Disziplinen. Auf Dauer erfolgt meist mehr oder weniger eine Schwerpunktspezialisierung in eine oder zwei chirurgische Fachrichtungen, sodass nicht jede Pflegekraft gleichzeitig in neurochirurgischen, urologischen und orthopädischen OPs eingesetzt wird, aber grundlegend könnten sie das jederzeit übernehmen (denke ich). Und das, bei immer neuen OP-Verfahren, immer neuer Technik, neuen Instrumenten und Materialien. Ständig ist ein Herstellervertreter vor Ort, der eine neue Unter- und Einweisung vornimmt, neue Implantate finden ihren Platz im klinischen Alltag…. und jeder Operateur hat zusätzlich noch seine eigenen Marotten, die es zu beachten gilt. Hut ab, wer da den Durchblick bewahren kann und meist einen reibungslosen Ablauf gewährleistet.

Insgeheim denke ich, dass es in vielen Operationen ohne OTA nicht voran gehen würde und manch Operateur sich heimlich auf deren Wissen, im richtigen Moment das richtige Instrument anzureichen, verlässt (was machen wir denn jetzt immer? welchen Faden nehmen wir für diese Naht? wie muss ich diesen Einschläger zusammenbauen? Welche Schraube kommt denn jetzt in dieses Instrument?) Würden sie aber nie zugeben.  😉

Und manchmal bieten die weiblichen OTAs (von den männlichen kann ich das weniger beurteilen 😉 ) auch einen optischen Reiz in der tristen Kachelwelt des OPs. Gerade beim Operieren mit Helmen, wenn man das Gesicht der Pflege ohne Mundschutz sehen kann. Oder aber aufgrund sichtbarer schöner Augen bei sonst komplett verhülltem Gesicht und Kopf unter Mundschutz und Haube. Das kann man gerne auch mal zugeben.

Dass einige Routine auch auf Seiten der OTAs zum geordneten Ablauf beiträgt, sieht man spätestens dann, wenn die jungen OTAs an den Tisch dürfen (oder SchülerInnen ihren ersten Einsatz bei einer neuen OP haben). Schnell gerät der eingespielte Ablauf ins Stocken, hier fehlt dies, dort kommt jenes zu spät, der Zement wird nicht angerührt, die Prothese noch nicht ausgepackt,…. gut, wenn dann der Operateur Geduld mitbringt und eine eventuelle Verzögerung mit Humor nimmt. Schlecht, wenn er keinen guten Tag hat oder die OP nicht optimal läuft und er seinen Frust an der/dem OTA auslässt. Niemand wird als Vollprofi geboren und es ist eigentlich verständlich, dass bei den Jungen zwei Mal eine Pinzette gefordert werden kann oder man sich die Instrumente (größte Sünde ever! Tut es niemals, außer ihr wollte euch als Student mit dem gesamten OP-Personal auf Kriegsfuß stellen) selbst vom Instrumententisch nimmt.

Weniger schön ist, wenn sich der Operateur und das anreichende Personal nicht leiden können. Ich habe das ein paar Mal erlebt, da wird sich angezickt, mit zweideutigen Kommentaren die Unfähigkeit des jeweils anderen in den Raum gestellt, jeder Schritt streng üerwacht und angezweifelt, jede Kleinigkeit kritisiert („jetzt geben Sie mir doch mal die Instrumente gescheit in die Hand!“), es entsteht eine ungute Stimmung…. „lustig“ war eine OTA, die mitten in der Nacht bei einem ihr unbeliebten Operateur auf seine Anforderung „Pinzette“ meinte: „wie heißt das Zauberwort?“ – fast schon zum Loslachen, wäre es nicht in einem so ernsten Kontext. Beide rafften sich nach einer Weile und einer Aufforderung „lassen Sie uns doch die OP jetzt einfach professionell über die Bühne bringen“ zusammen und arbeiteten schweigend und die Arbeit des anderen akzeptierend nebeneinander her. Die OP verlief erfolgreich. Auch wenn diese beiden keine Freunde mehr werden.

Solche Vorfälle sind zum Glück eher selten, vielmehr habe ich oftmals eine große Harmonie zwischen Ärzten und OP-Personal erlebt und gerade beim OP-Personal einen bestimmten Typus Mensch angetroffen, der die Lust auf eine operative Tätigkeit noch mehr befeuert. Diese Atmosphäre, dieses Miteinander, dieses schon wortwörtliche Hand-in-Hand-Arbeiten und das aufeinander verlassen können/müssen….

Danke liebe OTAs, dass ihr den Ärzten (und uns Studenten, wenn wir uns nicht grad wieder unsteril machen oder uns Instrumente von eurem Tisch stiebizen) so toll zur Seite steht und nur mit eurer Erfahrung und Routine einen reibungslosen Ablauf im OP gewährleistet!

Wer eine kurze Jobbeschreibung zum Arbeitsleben der OTAs lesen möchte, kann dies u.a. hier tun: Weser-Kurier (extern)

Orthopaedix

Advertisements

Autor: Orthopaedix

bones and pain

19 Kommentare zu “Loblied auf die OTA

  1. Ui, da ist ja schon eine erste Berufsbeschreibung und das sogar mit Weiterverlinkung, sehr schön 🙂
    Ich finde der Eintrag zeigt in besonderem Maße wie sehr die einzelnen Berufsgruppen voneinander abhängig sind und wie wichtig eine gute Zusammenarbeit ist.

    • bitte sehr, dabei war dieser Eintrag gar nicht als „Berufsbeschreibung“ gedacht 😉 Wäre der Beruf was für dich? 🙂

      • Ich als OTA? Och nö, nicht wirklich, ich bleibe lieber bei meinem schön breit gefächerten Beruf wo ich mir meine Arbeitszeiten (zumindest an meiner jetzigen Arbeitsstelle) weitestgehend selbst einteilen kann. 🙂
        Aber spannend finde ich ihn trotzdem, wenn es aber danach gehen würde hätte ich so spontan schon mindestens 5 Berufe.

  2. Ich finde es toll, dass jemand unsere Arbeit auch einmal lobt, auch wenn ich kein OTA, sonder Krankenpfleger mit Fachweiterbildung bin (ist aber eigentlich das Gleiche) . Danke!

  3. Natürlich…was würden wir nur ohne OTAs machen…
    Das die eigentlichen Fachkrankenschwestern und Pfleger mittlerweile vergessen werden scheint ja mittlerweile normal zu sein.
    Was aber auch das Interesse der ärztlichen Seite an unserem Berufsbild zeigt.
    Ohne die Fachpflege für Operationsdienst würde es die OTAs garnicht geben.

    • Rede nicht so ein dummes Zeug euch braucht keiner.

      • Ein ganz peinlicher Beitrag von Franz Meier. Bitte entschuldige, aber du scheinst die Harmonie von OP Pflege und (technisch ausgebildeten) otas nicht begriffen zu haben. Otas sind leider nur ein Resultat auf unser qualitativ schrumpfendes Gesundheitssystem! Wir brauchen billige Kräfte im operationsdienst, also stampfen wir eine Ausbildung aus dem Boden, staatliche Anerkennung? Fehlanzeige! Natürlich kann man gut zusammen arbeiten, aber leider belehren uns Spinner wie Franz Meier jeden Tag aufs neue, dass man die Harmonie und Hand in Hand Arbeit im op auch mutwillig stören kann, aber ich denke eher, dass da einfach jemand zur falschen Zeit bei der richtigen Schwester gewesen ist und er deswegen ein wenig gefrustet ist 😉 mach dir nichts draus Franz, das wird schon. Man wächst ja mit seinen Aufgaben 😉

        • Hahaha ja sehr schön gesagt, aber die OTA Ausbildung hat einen sehr hohen Standart, ein Krankenpfleger mit Fachweiterbildung wird doch 2 jahre lang nur von haus zu haus geschickt! Eine OTA lernt das ganze von grund auf und ist sehr gut ausgebildet, da es diese Ausbildung nun schon sehr lange gibt. Es ist Schwachsinn zu denken sie wären nur billiges Personal! Zu mal nun auch schon Arzthelferinnen eingestellt werden um den Mangel zu decken und auch das funktioniert. Denn im op geht es nicht um Rivalitäten zwischen Berufsgruppen sondern darum möglichst zusammen zu arbeiten um das beste Ergebnis für den Patienten zu erzielen!!

      • Es tut mir leid, dass so sagen zu müssen, aber du bist eine Schande für unsere Berufsausbildung!
        Ich bin selbst OTA und bilde auch OTA’s aus und das, was ich meinen Schülern vor allem vermittle, ist der Respekt den anderen Berufsgruppen gegenüber.
        Und du solltest wirklich froh sein, dass es die Gesundheits- und KrankenpflegerInnen mit Fachweiterbildung gibt.
        Ich glaube nämlich nicht, dass du ausschließlich von ausgebildeten OTA’s ausgebildet wurdest. Und trotzdem hast du sehr viel von Ihnen gelernt.
        Also denke erst einmal darüber nach, was du für Aussagen machst, bevor du sie laut äußerst.
        Ich würde nach so einem Beitrag sogar dazu übergehen, zu sagen, dass du keine Ahnung hast und schlecht ausgebildet bist. Hättest du nämlich im Unterricht aufgepasst, würdest du nicht so denken.
        Das gleiche gilt übrigens auch für alle anderen OTA’s die so denken und auch für die weitergebildeten Pflegekräfte, die die OTA’s verurteilen.
        Wir sind alle ein Team und wir sind alle Experten in dem, was wir machen. Und es geht bei unserer Arbeit um das Wohlergehen des Patienten und nicht um irgendwelche Kleinkriege, die ausgefochten werden müssen, um sich selbst besser zu fühlen.
        Aber das vergessen leider immer wieder ein paar Menschen…

  4. Ich bin auch OTA und muss ehrlich sagen, ohne die Krankenpflege mit Fachweiterbildung würde bei uns nichts funktionieren. Das sind nämlich die ganzen „alten“ erfahren Leute, die in jeder Fachdisziplin alles können. Das sind unsere Joker. Wenn man die von heute auf Morgen wieder auf Station schicken würde, säßen wir OTAs schön blöd da.

  5. Nichz nur OTA arbeiten in einem Operationssaal sondern auch op-schwesten welche sich „Fachschwester im Operationddienst“nennen. D enn diese haben vorher Krankenschwester gelernt und haben dann diese Ausbildung draufgesetzt. Und es arbeiteten auch schon ältere op-schwestern hier, deren menge an erfahrung allem zu gute kommen kann.
    st.

  6. Und was ist mit den Fachschwestern*pfleger, den Krankenschwesrer*pflegern, die diesen Weg erst ermöglicht haben? Es gibt nicht nur OTA auf dieser Welt. Wir Alten sind nur noch geduldet oder wie? Aber die Bereitschaftsdienste können wir mit abdecken und das sogar stärker als die OTA.
    Wieder so ein besch….einseitiger Bericht.

  7. Nicht zu vergessen die ganzen Fachkrankenschwestern für den Operationsdienst die diesen Beruf schon seit Jahrzehnten ausüben!!!

    • Ich möchte hier niemanden zu nahe treten und gehe auch fest davon aus, dass der Autor weiß das es neben den OTAs noch andere Brufsgruppen im OP gibt. Ich bin selbst OTA und ich bin sehr stolz einen solchen Text zu lesen..es ging hier glaube ich nicht um den gernellen OP-Dienst und deren Leistung, sondern um eine kleine Randgruppe, welche nur mit viel Durchsetzungvermögen ernst genommen wird..Wir sind schließlich in vielerlei Augen NUR die billigen Arbeitskräfte
      Zu oft werden wir weder ernst genommen noch geschätzt..aber wir können das gleiche, aber in ein paar Jahren und mit viel Praxiserfahrung wird man keinen Unterschied mehr sehen zwischen einer „alten“ OTA und einer „alten“ Schwester im OP-Dienst
      Ich finde wes wird in keinster Weise eine Wertung abgegen
      ..Gönnt es uns doch bitte mal

  8. „Und manchmal bieten die weiblichen OTAs (von den männlichen kann ich das weniger beurteilen 😉 ) auch einen optischen Reiz in der tristen Kachelwelt des OPs. Gerade beim Operieren mit Helmen, wenn man das Gesicht der Pflege ohne Mundschutz sehen kann. Oder aber aufgrund sichtbarer schöner Augen bei sonst komplett verhülltem Gesicht und Kopf unter Mundschutz und Haube. Das kann man gerne auch mal zugeben.“

    Selten so einen sexistischen Kackmist gelesen wie in oben zitiertem Absatz. Sollte der Fokus nicht auf dem Patienten auf dem Tisch liegen anstatt auf den „optischen Reizen“ des Personals?! Beruf verfehlt würde ich mal sagen, ich hoffe dass ich niemals bei so jemandem unters Messer komme.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s