Arzt an Bord

Zu Risiken und Nebenwirkungen…..

Arzneimittel der Woche XXIV: Ranibizumab

3 Kommentare

Ranibizumab
Lucentis

Anwendungsgebiet

Ranibizumab wird bei der Behandlung der feuchten (exsudativen) altersbezogenen Makuladegeneration (AMD) sowie bei beeinträchtigter Sehschärfe bei diabetischem Makulaödem verwendet. Die Makula lutea (gelber Fleck) ist derjenige Punkt im menschlichen Auge, an dem die Sehstärke normalerweise am größten und das Sehen am schärfsten ist. Diverse Erkrankungen können zu Problemen mit diesem Punkt führen, u.a. die genannte „feuchte Makuladegeneration“, bei der sich unter der Netzhaut flächige Gefäßmembranen bilden, die zu Blutungen neigen. Diese Form der Degeneration führt schnell  zur Leseblindheit und muss deswegen rasch behandelt werden.

Ein Makulaödem ist eine Ansammlung von Flüssigkeit im Bereich des Gelben Flecks (Ödem), die z.B. bei Diabetes mellitus vorkommen kann.

Wirkung & Mechanismus

Ranibizumab ist ein industriell hergestelltes Fragment eines menschlichen Antikörpers, die normalerweise für die Immunabwehr von eindringenden Keimen zuständig sind. In der Medizin sind solche hergestellten Antikörper an ihrem „-ab“ in der Stoffbezeichnung erkennbar. Ranibizumab hemmt den sogenannten „Vascular Endothelial Growth Factor“ (VEGF-A), ein Protein, das bei der Ausbildung kleiner Blutgefäße (=Angiogenese) ein Rolle spielt und verhindert damit das Einsprossen von Gefäßen in die Makula und Bildung der Gefäßmembranen.

Ranibizumab wird nach Betäubung (meist mit Augentropfen, die die Schmerzfasern an der Netzhaut kurzzeitig ausschalten) durch eine Injektion in den Glaskörper des Auges verabreicht. Durch seine kleine Größe kann der Wirkstoff dann durch alle Netzhautschichten bis zu seinem Ziel wandern (diffundieren). In den ersten drei Monaten der Therapie wird Ranibizumab einmal im Monat gespritzt. Anschließend prüft der Augenarzt monatlich das Sehvermögen des Patienten. Stellt er einen erneuten Sehverlust fest, wird das Präparat erneut gegeben.

Nebenwirkungen

Lucentis darf nur vom Augenarzt verabreicht werden, der für eine sterile Umgebung sorgen muss, um Infektionen des Auges zu verhindern.

Die häufigsten Nebenwirkungen bei der Therapie mit Ranibizumab sind Augenprobleme mit Schmerzen, Blutungen, Fremdkörpergefühl, Erhöhung des Augeninnendrucks (Glaukom) oder Mouches volantes (kleine schwarze Punkte, Flecken oder fadenartige Strukturen im Gesichtsfeld). Es kann zu Kopfschmerzen kommen. Selten, aber gravierend sind Infektionen des Augeninneren, Beschädigung der Netzhaut oder eine Katarakt (grauer Star). Zur Verringerung des Infektionsrisikos kann der Patient antibiotische Augentropfen eintropfen.

Generell sind systemische Nebenwirkungen aufgrund der lokalen Applikation des Wirkstoffes sehr selten und gering.

Gegenanzeigen

Der Wirkstoff darf bei bekannter Überempfindlichkeit nicht gegeben werden. Lucentis ist kontraindiziert bei Patienten mit Infektionen im oder um das Auge, sowie bei Patienten mit aktiver Entzündung im Auge.

Nice to know

Der Preis für die Behandlung mit Ranibizumab ist sehr hoch, in den USA kostet eine Injektion bis zu 1950,- US$. Man kann leicht überschlagen, dass es bei zunehmender Alterung der Gesellschaft und vermehrtem Auftreten von Diabetes mellitus Typ 2 mit den entsprechenden gesundheitlichen Folgen zu einem enormen Anstieg der Kosten für die Krankenkassen kommt. In England hat der National Health Service 2011 die Übernahme der Kosten der Therapie mit Lucentis für Diabetes Typ 2-Patienten deswegen aus Kostengründen abgelehnt.

Als Alternativmittel mit gleicher Wirkweise steht jedoch das billigere, biochemisch aber sehr ähnliche Bevacizumab (Avastin), das zur Behandlung (Verhinderung der Gefäßeinsprossung in Tumoren) von Krebserkrankungen zugelassen ist, zur Verfügung. Dieses ist jedoch offiziell nicht zur Behandlung der Gefäßeinsprossungen bei oben genannten Erkrankungen am Auge zugelassen. Deswegen müssen auch in Deutschland Patienten eine Zustimmungserklärung unterschreiben, wenn sie statt des teuren Lucentis eine Injektion mit Avastin erhalten sollen (sog. off label use).

 

Zu Bevacizumab lagen bislang nur kleinere Studien bezüglich der Wirksamkeit zur Behandlung der feuchten Makuladegeneration vor. Es war daher nicht sicher, ob Bevacizumab gleich gut, schlechter oder eventuell besser als Ranibizumab bei AMD wirkt. Die Herstellerfirma von Bevacizumab, Hoffmann-La Roche, die zu 33 % Novartis (dem Hersteller von Lucentis) gehört, unternahm jedoch keinerlei Anstrengungen, um eine Zulassung dieses Medikaments für die Behandlung der AMD zu erlangen. Daraufhin wurden von Augenärzten Therapiestudien initiiert, die die Wirksamkeit von Ranibizumab und Bevacizumab vergleichen sollten.

In einer ersten Vergleichsstudie gab es keine Hinweise auf eine Über- oder Unterlegenheit zwischen beiden Wirkstoffen. Im Mai 2011 wurden im höchst renommierten New England Journal of Medicine die Ergebnisse (Studie) einer groß angelegten Vergleichsstudie veröffentlicht. In der Studie zeigte sich, dass nach einem Jahr Behandlung die Wirkung der beiden Medikamente praktisch gleich war.

Zu Risiken und Nebenwirkungen essen Sie die Packungsbeilage, oder tragen Sie Ihren Arzt zum Apotheker. Diese Information ersetzt keinen Arztbesuch und erhebt keinen Anspruch auf  Richtigkeit oder/und Vollständigkeit.

Userwunsch von Ich (leider habe ich vergessen wo der Kommentar mit dem Wunsch stand ^^)

Orthopaedix

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Autor: Orthopaedix

bones and pain

3 Kommentare zu “Arzneimittel der Woche XXIV: Ranibizumab

  1. Wieder mal sehr spannend, was es nicht alles gibt.
    Wo recherchiert ihr eigentlich immer die Medikamente, sind ja nu doch nicht immer gerade aus eruen „Fachgebieten“? Rote Liste oder habt ihr noch andere Geheimquellen?

    • also auf compendium.ch gibts ne sehr gute übersicht über viele medikamente, dann natürlich die rote liste und wikipedia und das ein oder andere pharmabuch haben sowieso noch rumliegen 😉

  2. Was für ein seltsamer Name.

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