Arzt an Bord

Zu Risiken und Nebenwirkungen…..

Funktionieren

9 Kommentare

Medizin ist eine sprechende Wissenschaft. Es gibt immer etwas zu sagen. Zu Kollegen. Zu Patienten. Zu Angehörigen. Und manchmal auch zu sich selbst (wenn man sonst niemanden zum Reden hat).

Patienten und Angehörige wollen über Untersuchungen und Therapien aufgeklärt werden, müssen in der Anamnese-Erhebung ausgefragt werden, Möglichkeiten, Prognosen und Chancen sollen dargelegt und erörtert werden. Verständlich.

Kollegen müssen zu Patienten befragt bzw. informiert werden, Pläne abgesprochen, Therapien rückbesprochen, die Pflege will in Behandlungen einbezogen werden, Visiten sollen stattfinden, im OP müssen bei der Pflege Instrumente angefordert, hier und da ein Scherz gemacht werden…… Verständlich.

Was mir in letzter Zeit aufgefallen ist: manchmal hat man keine Lust zu reden. Manchmal geht es dem Arzt nicht gut. Sei es, weil er krank ist, sei es weil er Kummer hat, niedergeschlagen ist, ihm etwas auf der Seele liegt. Private Probleme, Sorgen, Ängste, Nöte. Oder auch nur ein schlechter Tag. Da möchte man ruhig sein, schweigen, vielleicht in Ruhe gelassen werden. Und still seiner Tätigkeit nachgehen.

Aber das geht nicht. Nicht in einem Umfeld, in dem, wie es viele angehende Mediziner noch im ersten Semester als Grund für ihre Studienwahl sagen, „man mit Menschen“ zu tun hat. Es wird erwartet, dass der Arzt funktioniert. Auch wenn es ihm schwer fällt.

Also öffnet man die Tür zum Patientenzimmer und legt seine Maske auf. Die Maske, die von Weißkitteln erwartet wird.

Freundlich. Zugewandt. Zuvorkommend. Nett. Höflich. Mit einem Lächeln auf den Lippen.

Auch, wenn es in der Person gleichzeitig brodelt und tobt.

Schaut euch ab und an mal die Augen eures Arztes an. Sehr ihr ein Lächeln?

(c) artursmorozovs.blogspot.com

Orthopaedix

Advertisements

Autor: Orthopaedix

bones and pain

9 Kommentare zu “Funktionieren

  1. Ach kenn ich nur zu gut, geht nicht nur euch Medizinern so. Ich denk auch, nicht jeder Patient erwartet ein Lächeln, aber eine gewisse „Grundfreundlichkeit“ und Kompetenz. Auch wenn man dafür manchmal eine Maske auflegen muss.

  2. Dito, so ist das manchmal….. habe mich schonmal im Vorfeld dafür entschuldigt falls ich etwas grummelig sein sollte, aber ich sehe die Leute ja auch öfter und über meist recht lange Zeiträume.

  3. An der Stelle habe ich die Erfahrung gemacht, dass Patienten die in ihrer Situation nicht vollständig egozentrisch/egoistisch denken sehr schnell mitbekommen, wie es dem Arzt bzw. der Pflegekraft geht. Gut angekommen bei den Patienten ist es, wenn ich von vornherein gesagt habe, dass meine Stimmung nichts mit dem Patienten zu tun hat und darum bat darüber hinwegzusehen. In der Regel besteht da Verständnis seitens der Patienten und (als netter Nebeneffekt) gewinnt man dadurch oft einen guten Zugang zum Patienten, denn glaubhaft über einen längeren Zeitraum (ich arbeite in der Pflege) gute Laune zu simulieren ist verdammt schwierig.

  4. Wie die anderen Kommentatoren schon sagten: Das ist auch in anderen Berufen so.
    Ich denke es kann auch jeder verstehen, wenn man mal einen schlechten Tag hat. Wenn es aber ein Dauerzustand wird, wird es auch immer schwieriger und anstrengender, die Maske aufrecht zu erhalten.
    Ich spreche da… äh… für einen Freund 😉

  5. Ich arbeite für ein Hotel, auch mir ist also das Lächeln ins Gesicht gemeißelt, egal wie die Stimmung ist. Finde ich auch in Ordnung so, meine Kunden können schließlich nichts dafür wie es mir geht und haben ein Anrecht darauf daß ich die bezahlte Leistung ordentlich – und das heißt in meinem Arbeitsbereich nunmal auch freundlich / fröhlich – erbringe.

    Ganz ehrlich – bei allem Verständnis für den Stress den gerade Krankenhausärzte und das sonstige Krankenhauspersonal oft haben – bei meinen letzten Besuchen in der Notaufnahme bzw. beim Folgetermin in der Ambulanz wäre ich teilweise froh gewesen, wenn das Lächeln beim medizinischen Personal nur in den Augen gefehlt hätte. Oder man mir überhaupt mal in die Augen geschaut hätte… (oder mich ordentlich untersucht hätte, aber das ist ein anderes Thema *gg*)
    Zum Glück gab es aber auch da immer mindestens einen freundlichen Menschen, der das wieder etwas wett machte.
    Man selbst wird übrigens durch den Job auch deutlich weniger belastet wenn man Spaß dran hat 😉

    Was ich allerdings auch finde – auch der Arzt / das Krankenhauspersonal hat ein Anrecht auf Freundlichkeit und Rücksichtnahme. Solange ich gesundheitlich dazu in der Lage bin sage ich jedem der mit mir zu tun hat freundlich „Guten Tag“, vergesse auch „Bitte“ und „Danke“ nicht und bin bemüht die Arbeit die man mit mir hat auf das Nötigste zu reduzieren. Da fällt das Lächeln dem Gegenüber im Normalfall auch etwas leichter….
    Jedenfalls werde ich i.d.R. deutlich „netter“ behandelt als z.B. mein als Patient ziemlich komplizierter und ausgesprochen griesgrämiger Vater 😎

  6. ich hab die erfahrung gemacht, dass laecheln extrem hilft. ich mein es ging da nur um nebenjobs an der kasse/praktika auf station, aber sobald ich einfach angefangen habe zu laecheln gings mir schon ein stueck weit besser und wenn dann auch ein laecheln zurueck kommt ist es doch schoener. auch wenn das vllt wirklich nicht immer so umsetzbar ist, aber grade im patientenkontakt habe ich immer versucht hoeflich, nett und laechelnd zu sein. auch wenn ich grade von 5 schwestern jeweils 5 aufgaben bekommen habe, die alle irgendwie wichtig sind und nebenbei noch festgestellt habe, dass sich der demente oppa meier wieder eingeschissen hat.. mal sehen wie ich in 6 jahren darueber denke, aber jetzt laechle ich noch ;D

  7. Weisst wem es auch so geht? Müttern, besonders von kleinen Kindern.

    Ich bin Mutter dreier Kinder und Ärztin, und dem eigenen Kindern gegenüber kann man schon mal sagen dass man müde , gestresst oder einen schlechten Tag hat, aber nett, hilfsbereit und immer Einsatzbereit muss man trotzdem sein.

    • oh das kann ich zwar nicht persönlich mitfühlen, aber ich kann es mir sehr gut vorstellen! v.a. weil du aus deiner Rolle als Mutter nicht einfach um 17 Uhr, wenn du die Klinik verlässt, schlüpfen könntest

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s