Arzt an Bord

Zu Risiken und Nebenwirkungen…..

Patientenfall – die Wunder der modernen Technik (mit Abstimmung)

12 Kommentare

Vor einiger Zeit gab es hier ein Rätsel, das euch die modernen Möglichkeiten der CT-Diagnostik zeigte. Heute ein neues Bild, das den Unterschied deutlich macht – dieses Mal ist es kein Rätsel, aber ihr dürft abstimmen, ob ihr im normalen Röntgenbild einen knöchernen Bruch findet oder nicht.

Vorgeschichte in der Notaufnahme:

Herr A. berichtet, er sei gegen 17 Uhr bei einer Ski-Tour gestürzt, wobei die Ski-Bindung nicht auslöste. Unmittelbar nach dem Sturz habe er einen starken Schmerz im linken Knöchel bemerkt, der die weitere Belastung des Fusses nur noch sehr eingeschränkt zuließ.

Status:

Sprunggelenk links: ausgeprägte ca. Hühnerei-grosse Weichteilschwellung im Bereich des Aussenknöchels links, Druckschmerz über Außenknöchel., sehr eingeschränkte Belastbarkeit, Duchblutung, Motorik und Sensibilität unauffällig.

Nun wird ein Röntgenbild aufgenommen, das folgenden Befund zeigt:

Vor dem Weiterlesen bitte abstimmen (es gibt nur ja oder nein 😉 )

Der Radiologe befundet das Röntgenbild wie folgt:

Komplexe  Fraktur  (=Bruch) im  Rückfussbereich  mit  etwas  dislozierter  Fraktur  (von der normalen Stellung abgewichenen Brüchen) des  Innenknöchels,  des  Außenknöchels  sowie  mit  Fraktur  des  Talus (Sprungbein).
Zur  näheren  Beurteilung  ist  eine  ergänzende  CT  empfehlenswert. 

Der Radiologe sieht mit seinem geübten Auge Knöchenbrüche, empfiehlt aber zur weiteren Beurteilung die Anfertigung eines CTs. Und wenn wir schon dabei sind, dann bekommt man mit dem CT auch gleich eine 3D-Rekonstruktion. Und diese sieht so aus:

Ich denke, in dieser Rekonstruktion findet jeder die frischen Knochenbrüche und die Bruchstücke, die am Innen- und Außenknöchel sichtbar sind sowie den total eingebrochenen Sprungbein-Knochen unterhalb der Gabel, die aus dem Schienbein und Wadenbein gebildet werden (die beiden Knochen von oben nach unten ins Bild schauend).

Der Radiologe beschreibt die CT-Aufnahmen danach so (ich lasse sie euch absichtlich in medizinisch und füge ein paar Übersetzungen hinzu 😉 )

Entsprechend  dem  Befund  der  konventionell-radiologischen  Untersuchung  findet  sich  eine  komplexe  Fraktur  im  Rückfussbereich  links.  Gering  dislozierte  Fraktur  des  medialen  Malleolus (Innenknöchel),  wobei  der  grosse,  in  sich  intakte  Malleolarblock,  etwa  3,5  mm  nach  cranial (kopfwärts)  verschoben  ist,  entsprechend  leichte  artikuläre (=Gelenk)  Stufenbildung.  Laterale  Malleolarfraktur (Außenknöchel)  Typ  Weber-B,  nicht  disloziert;  Cranial-Dislokation  eines  16  mm  messenden  schalenförmigen  kortikalen  Fragments  der  Aussenseite  des  lateralen  Malleolus.  Daneben  komplexe  Fraktur  des  Talus (Sprungbein),  wobei  die  kaudalen  Anteile  gegen  den  Sinus  tarsi  und  das  USG  (untere Sprunggelenk) eine  multifragmentäre  Fraktur  mit  multiplen  kleineren  Fragmenten  zeigen,  entsprechende  Inkongruenz  des  OSG,  zahllose  kleine  bröckelartige  Strukturen  und  zentral  etwas  imprimiert,  7  mm  messendes  Fragment.  Zusätzlich  quer  durch  den  gesamten  Talus  verlaufende,  dislozierte  Fraktur  des  Talushalses.  Die  übrigen  miterfassten  ossären  Strukturen  im  Rückfussbereich  zeigen  keine  weitere  Fraktur.
Ausgeprägte  arteriosklerotische  Gefässveränderungen, u.a. ventral  des  OSG.

Der Patient wurde noch am selben Tag operiert. Während der OP entstanden folgende Bilder, die die Versorgung de Brüche mittels Schrauben und Platte dokumentieren.

Das ist Traumatologie. Und das ist die moderne Bildgebung. Erstaunlich und faszinierend, oder?

Orthopaedix

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Autor: Orthopaedix

bones and pain

12 Kommentare zu “Patientenfall – die Wunder der modernen Technik (mit Abstimmung)

  1. Wow. Echt beeindruckend zu was moderne technik gut ist. Ich habe auf dem roentgenbild uebrigens nichts entdeckt

  2. wo an den sprunggelenken sind denn die mensiken? 😉
    mein freund (der vater ist radiologe, vllt liegt das im blut/der erziehung) hat da was erkannt, ich aber nicht 😀

    • Am Sprunggelenk hast du eigentlich keine Menisken, die finden sich vielmehr im Kniegelenk als Innen – und Außenmeniskus. Im Sprunggelenk gibt es, wie in allen Gelenken sonst auch, eine Knorpelschicht, die die Reibung verringert 🙂

      Kleiner Tipp, um aufn den Röntgenbildern was zu entdecken: einfach mal links und rechts die Knochenkante von oben nach unten abfahren, irgendwo verstecken sich die Stufen, die den Bruch anzeigen 😉

  3. Über die Menisken bin ich allerdings auch gestolpert 😎
    Zitat „..Ich denke, in dieser Rekonstruktion findet jeder die frischen Knochenbrüche und die Bruchstücke, die am Innen- und Außenmeniskus sichtbar sind sowie den total eingebrochenen Sprungbein-Knochen unterhalb der Gabel, …“

  4. Zumindest das abstehende Stück am Aussenknöchel habe ich auf der Röntgenaufnahme gesehen. Beim Rest fehlt die Ahnung, wie es im gesunden Zustand aussehen sollte. 😉

  5. Ich tu mich auch nach dem Betrachten des CT eher schwer damit, auf dem Röntgenbild was zu erkennen. Die Kenntnis des gesunden Fußes fehlt halt doch.

  6. Beim Röntgen-Bild fehlt die (hoffentlich mitangefertigte) zweite Ebene, ohne die man überhaupt nichts definitiv beurteilen kann…

  7. Gleiches Problem wie beim Diagnoserätsel, wenn das Bild schon „malleolarfraktur.jpg“ heißt… 😀

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